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Cora Besser-Siegmund, Lola Siegmund: wingwave-Coaching für Kinder und Jugendliche

Cover Cora Besser-Siegmund, Lola Siegmund: wingwave-Coaching für Kinder und Jugendliche. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2019. 240 Seiten. ISBN 978-3-95571-904-3. D: 26,00 EUR, A: 26,80 EUR.
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Thema

Das Buch beschreibt die Methode des sogenannten wingwave-Coaching, die seit 2001 am Besser-Siegmund-Institut in Hamburg gelehrt wird, bezogen auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche.

Mit Hilfe kindgerechter Coaching-Interventionen sollen „Kinder in den Bereichen Lernen, Selbstbewusstsein und Kommunikations-Fitness“ (S. 12) unterstützt werden.

Mit dieser Methode kann „die mentale Gesundheit, das Leistungsvermögen und die positive Lebensqualität von jungen Menschen“ (S. 13) gestärkt werden.

Zu der genannten positiven Lebensqualität gehören außerdem Themen wie Familienleben, Peergruppen, Hobbies, Selbstwertgefühl. Dabei wird mit den Mini-coach-Figuren „Wing“ und „Wave“ gearbeitet nach dem Motto: „minimale Intervention – große Wirkung“. Das ist an die Metapher vom Flügelschlag eines Schmetterlings angelehnt, der das ganze Klima ändern kann.

Was genau ist wingwave? Das wird im Laufe des Buches erklärt: man kann es „neurolinguistische Musterunterbrechung“ nennen. Die wingwave-Methode kombiniert den Myostatiktest (mehr dazu in Kapitel 4) mit bilateraler Hemisphärenstimulation, mit Interventionen aus der Verhaltenspsychologie sowie dem neurolinguistischen Coaching.

Mit dieser Methode, die 2018 nach DIN ISO 29993 zertifiziert wurde, arbeiten weltweit mehrere Tausend Coaches. Sie ist auch als Kurzzeit-Coaching für (psychisch gesunde) Erwachsene in anspruchsvollen Berufen und Leistungssituationen geeignet.

Das vorliegende Buch richtet sich an alle Erwachsenen, „die mit Kindern ressourcenvoll arbeiten möchten: Coaches, Therapeuten, Lehrer und Eltern“ (S. 13) und ich ergänze: ErzieherInnen.

Autorinnen

Beide Autorinnen, Cora Besser-Siegmund und Lola Siegmund, haben eine Vielzahl von Coaching-Standardwerken geschrieben und leiten das Besser-Siegmund Institut in Hamburg (www.besser-siegmund.de).

Dort kann man mit entsprechenden Voraussetzungen ein viertägiges Training zum wingwave-Coach absolvieren, dieses zu diversen Spezialthemen (z.B. Sport, Gesundheit) vertiefen und in einer fünftägigen Zusatzausbildung „wingwave Coach Young“ die in diesem Buch vorgestellten Inhalte erlernen.

Hintergrund

In diesem Buch werden die Erkenntnisse der Gehirnforschung zu den Themen Emotionen, Lernen und Potenzialentwicklung in Beziehung gesetzt. Die Autorinnen haben erfahren, dass Kinder viele Mentalübungen meist schneller, kreativer und nachhaltiger umsetzen als Erwachsene.

Aufbau

Das Buch ist in dreizehn Kapitel gegliedert. Diese lassen sich in drei Abschnitte unterteilen:

  • Kapitel eins bis vier beschreiben Hintergrund und theoretische Annahmen auf ca. neunzig Seiten.
  • Kapitel fünf beschreibt die Ergebnisse eines Forschungsprojektes an der Deutschen Sporthochschule Köln „Leistungsentwicklung mit wingwave-Coaching“ und umfasst vierzig Seiten.
  • In den Kapiteln sechs bis dreizehn werden die praktischen Einsatzmöglichkeiten beschrieben; auf die Voraussetzungen bei Eltern und den Coaches folgen die Kapitel der kindlichen Entwicklung vom Baby bis zum jungen Erwachsenen. Dieser Praxisteil beläuft sich auf fünfundsiebzig Seiten.

Inhalt

1. Kapitel „Einführung: Coaching für Kinder und Jugendliche – ’Coaching Young’“

Seit vielen Jahren sammeln die Autorinnen Erfahrungen mit dieser Methode. Der Unterschied zum Erwachsenen-Coaching bestehe in der Berücksichtigung der altersspezifischen Gehirnentwicklung wie auch darin, dass Kinder nicht über den tröstenden Erfahrungshorizont noch über die Entscheidungsfreiheit von Erwachsenen verfügen.

2. Kapitel „Warum Coaching – und keine Therapie?“

Hier erläutern die Autorinnen ihr Coaching-Selbstverständnis. Coaching kennt man vor allem aus dem Sport als „eine positive Motivation für das Erreichen selbstgesteckter Ziele“ (S. 18).

„Coaching möchte bewirken, dass Menschen jeden Alters nicht nur Fähigkeiten erlernen und trainieren, sondern diese inneren Möglichkeiten … wirklich ausgelebt werden können. Der Schüler kennt seine Vokabeln nicht nur zu Hause auswendig, sondern auch im Test.“ (S. 17)

„Schon ein bis drei Stunden Coaching können laut unseren wingwave-Forschungs-ergebnissen Kinder von Leistungsstress, Ängsten oder Sozialstress befreien und positive Emotionen und Zuversicht ansprechen. ...das Kind muss keinesfalls auffällig sein ’You don’t have to be sick to become better’…rechtzeitiges Coaching kann auch verhindern, dass sich Stressthemen über die Zeit zu therapiebedürftigen Blockaden aufbauen.“ (S. 18)

Die Kids benennen überwiegend folgende Themen:

  • Leistung, Üben, Ängste, Selbstbild;
  • Umfeldveränderungen wie Umzug, Geschwister, Trennung;
  • Schlafstörungen;
  • zunehmend übermäßiger PC- und handy-Konsum.

Nach drei bis maximal fünf Sitzungen mit der wingwave-Methode kann eine Wirksamkeit auch nach sechs Monaten noch festgestellt werden.

Die Autorinnen arbeiten bewusst mit aus dem Englischen entlehnten Begriffen wie z.B.: „Enjoyness. ’To enjoy’ ist im Englischen ein Verb…und enthält (nicht nur) sinngemäß die Aussage ’Freue dich!’, sondern auch die ermunternde Aufforderung ’Mach was draus!’“(S. 11)

3. Kapitel „Eine Gebrauchsanweisung fürs Gehirn – auch für die Kleinsten“

Dieses Kapitel ist mit Selbstcoaching-Tipps angereichert, die sofort umsetzbar sind. Es besteht aus elf Unterpunkten, ich fasse zusammen und gehe auf einige genauer ein. Verschiedene kindgerechte Abbildungen visualisieren den Inhalt.

„Wir halten es für sehr hilfreich, Kindern schon möglichst früh eine Gebrauchsanweisung für das Gehirn zu geben“. (S. 21) „Wenn man bedenkt, was für eine zentral wichtige Rolle das Organ Gehirn bei Heranwachsenden für die Themen Verhalten, Potenzialentfaltung, Sozialkompetenz, Lernen und Selbstwahrnehmung spielt, wissen Kinder und Jugendliche einfach zu wenig über dessen Funktionsweise“. (S. 22)

Es folgen Daten und Fakten zur Gehirnentwicklung, zu den Unterschieden zwischen Kinder- und Erwachsenen-Gehirnen, zur Funktion von Synapsen. „Bei Angst- und Panikthemen starten wir immer mit Psycho-Edukation und vermitteln gleich beim Start, dass das Angstprogramm als völlig gesunde Körperreaktion zu betrachten ist.“ Zum Beispiel kann sich aus einem peinlichen Mathespiel in der Grundschule eine generelle Auftrittsangst beim Erwachsenen entwickeln. Reaktions-Trigger lösen unverständliche Angstgefühle aus, den sogenannten „wunden Punkt“. Mithilfe von wingwave-Coaching kann dieser Punkt von seiner Übersensibilität befreit werden.

Das erleichtert und die Kids „gewinnen den Glauben an ihre Potenziale zurück“(S. 28). Auch auf Bücher bzw. einen Film zum Themenkomplex verweisen die Autorinnen. Insgesamt hilft diese Art von Psychoedukation oder auch Wissen-Coaching den Kindern „sich selbst und die Mitmenschen besser zu verstehen. Das stärkt das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit.“ (S. 23)

Anhand der „Geschichte von der lustigen Angst“ wird die Kurzzeit-Methode „Magic Words“ erläutert. Dabei arbeitet man mit „den sogenannten Submodalitäten eines Wortes …, um so die emotionale Schwingung von Schlüsselbegriffen ressourcevoll zu verändern.“ Worte werden damit in positive Trigger verwandelt. Die Methode wird als „sinnvoller und überall nutzbarer Beitrag zur Förderung der Resilienz von Menschen jeden Alters“ (S. 33) beschrieben.

Da „Kinder und Jugendliche weitaus stärker auf Gefühle als auf vernünftige Argumente …reagieren“, legen die Autorinnen mit ihrem Ansatz großen Wert auf die „Einfärbung eines Themas mit ressourcevollen Emotionen“ (S. 36). Emotionen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor, denn sie „bestimmen maßgeblich, ob und wie der Mensch seine Talente und Potenziale ausleben kann oder nicht.“ (S. 41)

Um das zu verdeutlichen, werden Emotionstheorien ausführlich dargelegt, u.a. wird der Gehirnforscher Manfred Spitzer zitiert: „Mit Angst lernt man schnell. …nur: lerne ich mit Angst, dann kommt beim Abrufen des Wissens immer auch die Angst mit hervor. Und Angst hemmt Kreativität. Kreativität brauchen wir aber, etwa um Probleme zu lösen. Angst hat deshalb im Unterricht nichts zu suchen.“ (S. 42)

Mehrere Selbstcoaching-Tipps, wie stattdessenEnjoyness proaktiv hergestellt wird oder Schlüsselwörter positiv auf zu laden sind, ergänzen die Ausführungen.

Im letzten Abschnitt werden die Funktionen von Schlaf, Nichts tun, Chillen usw. genauer beschrieben. Besonders im Schlaf werden neue Sinneseindrücke sortiert und das Gehirn wird aufgeräumt. Solche Phasen des Nichtstuns braucht das Gehirn auch tagsüber immer wieder und man sollte Gelegenheiten, wo man „herumhängen“ und die „Seele baumeln lassen kann“, (schon die Worte deuten an, dass sich die Muskelspannung dabei löst) in den Alltag einbauen. „Je besser der Körper relaxen kann, desto eher ist das Gehirn von Außensteuerung befreit und kann in Ruhe seine Speicherarbeit erledigen“ (S. 50).

4. Kapitel „wingwave und Neurolinguistisches Coaching: Türöffner für die Erlebniswelt der Kinder“

Hier wird die Methodik anhand verschiedenster Einsatzmöglichkeiten konkretisiert. Ich gehe nach einem Überblick auf einige der neun Unterkapitel ein.

wingwave gilt als proaktive Methode zur Aktivierung positiver Emotionen, wie auch als reaktive Intervention zur schnellen Überwindung von Alltagsängsten. Dazu müssen die (Auslöser von) Blockaden gefunden werden. Kinder können „häufig nicht verbalisieren, weswegen sie Gefühle wie Ängste oder Unlust verspüren“ (S. 52). Mithilfe des Myostatiktests soll die Ursache geprüft, fokussiert und aufgelöst werden.

Der sogenannte Myostatik-Test fusst auf der Erkenntnis, „dass Menschen in einem als positiv empfundenen psychischen Erleben …mehr körperliche Kraft aufbringen können als im gestressten, blockierten Zustand.“ (S. 45) Die menschliche Hand hat im Großhirn eine ausgeprägte Repräsentation, dadurch lässt sich die emotionale Aktivierung eines Klienten wie folgt überprüfen. Der Coaching-Kunde bildet mit Daumen und Zeigefinger einen Ring, der mit maximaler Kraft zusammen gehalten wird. Können die Finger leicht auseinandergezogen werden (= sie testen schwach) bedeutet das: Das Thema stresst mich, bringt ich durcheinander. Ein starker Test (die Finger bleiben trotz Gegenzug zusammen) wird so interpretiert: ich fühl mich dem Thema gewachsen. Die Hand gibt auf diese Art dem Klienten und dem Coach Hinweise, wie gut ein Mensch mit einer Herausforderung zurechtkommt.

Mit den Handpuppen Wing und Wave wird Kindern bis etwa acht Jahren die Anwendung des Myostatik-Tests demonstriert: Wing hilft herauszufinden, wo Blockaden sind und was gut tut.

  • Mit Wing kann man die Emotionen bestimmen. Diese schwingen bei Kindern noch häufiger mit denen der Mitmenschen mit, da sie als kleine Wesen viel mehr von ihrer Umwelt abhängig sind als Erwachsene. Das wird ausführlich mit der Funktion von Spiegelneuronen begründet.
  • Mit Wave werden die Blockaden wie weg gewunken, indem der wingwave-Coach schnell auf Augenhöhe vor dem Gesicht des Klienten mit der Wave-Figur hin und her winkt. „…durch dieses Vorgehen (wird) der nächtliche REM-Schlaf nachgeahmt. Beim Rapid-Eye-Movement scheinen auch weit auseinanderliegende Gehirnareale in einen kooperativen Austausch zu kommen.“ (S. 65)

Der Coach nutzt die Selbstregulierung durch die sogenannten REM-Phasen, die bei jedem Menschen im Schlaf ablaufen. „Man möchte…, dass ein Ereignis in die Erlebniswelt eines Menschen so integriert wird, dass er oder sie sich im subjektiven Erleben wieder ’in Ordnung’ fühlt“. (S. 62)

Der Zusammenhang von Körper und Kopf wird genauer beschrieben. Emotionen berühren im Körper. So meint der Begriff Embodiment, „dass man über den Körper bewusst positive Signale an das Gehirn weiterleiten kann. … Vor allem gibt es einen Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und dem Wachstum von Gehirnzellen“ (S. 85)…allerdings nur „wenn die Bewegung auch Spaß macht“ (S. 86). Entsprechend folgen viele Hinweise, wie man sportliche Erlebnisse positiv gestalten, also mit enjoyness aufladen kann.

Zum Selbstcoaching und zur Psychohygiene werden sowohl das (auf diesen Thesen beruhende) „Augenturnen“ wie auch das „Vagus-Klopfen“ empfohlen.

Der Vagus-Nerv spielt nach neueren Erkenntnissen eine Rolle beim Aufbau von mehr Körperkraft wie auch für zwischenmenschliche Wärme. Hier wird ein Bezug zur Polyvagal-Theorie hergestellt. Ihr Erfinder Stephan Porges lieferte damit wertvolle Hinweise für die Traumatheorie.

„Für uns selbst ist der Myostatiktest zum wichtigsten Coaching-Instrument geworden, weil er uns und unseren Klienten immer zeigt, ob wir am richtigen Thema arbeiten…Wir empfehlen sogar, den Myostatiktest bei jeder anderen Coaching- und auch Therapieform als ’Kompass’ zu nutzen“ (S. 89).

Das Kapitel endet mit der Beschreibung von Glitzer als Ressource. „Die Faszination von Glanz und Glitzer sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene“ wurde von der Belgierin Katrien Geert mit dem „tief verwurzelten biologischen Bedürfnis des Menschen nach der Nähe zu Fließendem“ begründet. „Früher sind Menschen umhergewandert und haben sich immer am Glitzer von Wasser orientiert, weil Wasser wichtig für das Überleben ist. Fließendes Wasser ist besonders rein – also eher frei von Bakterien – …Glitzer ist ein Hinweis auf bewegtes ’gesundes’ Wasser…deswegen ist die Liebe zu Glitzer und Glanz eine Ressource – im wahrsten Sinne des Wortes!“ (S. 84)

5. Kapitel „Forschungsergebnisse ’Schüler-Coaching mit wingwave’: Bessere Konzentration, wirksame Angstreduktion und mehr positives Erleben im Familien- und Schulalltag“

Dieses Kapitel wurde von der Junior-Professorin Dr. Stefanie Klatt (geb. Hüttermann) und dem (Sport-)Psychologen Frank Weiland von der Deutschen Sporthochschule Köln verfasst. Es beruht auf einem Forschungsprojekt, durchgeführt im Jahre 2018 in vier Bundesländern. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Kann wingwave-Coaching die Konzentrationsleistung sowie Parameter der Angst im Kontext Schule verändern? Dabei sollten subjektiv empfundene Aspekte der Schüler ebenso im Vordergrund stehen wie Ergebnisse anerkannter Testverfahren, die bei den Schülern durchgeführt wurden“ (S. 95).

Es wurden insgesamt 38 männliche und 36 weibliche TeilnehmerInnen befragt und gecoacht, die in dieser Zeit die 6. Klasse verschiedener Schulformen besuchten. „Zudem wurden 23 Lehrkräfte …befragt, welche die stärksten für sie wahrnehmbaren Stressoren…seien“ (S. 97).

Das Fazit nach drei Coachingterminen und dem Vergleich mit einer Kontrollgruppe ist, „Die wingwave-Methode hat in allen drei in dieser Studie relevanten Bereichen …helfen können.“ (S. 121)

Dies wird anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Es gibt viele Hinweise, was Schülern heutzutage Stress bereitet und wie diesen Stressfaktoren relativ einfach begegnet werden kann. Das ist interessant für alle die für Schule verantwortlich sind. 

6. Kapitel „Die Rolle der Eltern bei ’wingwave Young’“.

„Auf jeden Fall baut der Coach immer auch eine positive Wellenlänge zu den Eltern auf, die oft ebenso ’beladen’ wie ihre Kinder zum Coaching erscheinen.“ Er oder sie unterstützt die Eltern dabei, ihre Kinder altersgerecht über das geplante Coaching zu informieren, dahingehend dass es um Möglichkeiten der Potenzialentfaltung (anstatt um Defizite) geht. Manchmal – und auf Wunsch der Kinder – werden die Eltern auch miteinbezogen – und es wird systemisch die Familie gecoacht.

7. Kapitel „Coaching Young: Voraussetzungen für den Coach“

Hier benennen die Autorinnen sogenannte Meta-Voraussetzungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Neben Cool bleiben und viel Humor empfehlen sie dafür spezielle „Stress-Impfungen“ zur Balancierung aufgrund eigener Lernerfahrungen.

Hauptvoraussetzung sei eine mindestens 130 Stunden dauernde Ausbildung in neurolinguistischem Coaching oder Programmieren (NLP); es gibt auch Spezialisierungen in pädagogischer Richtung zum Lern- und Kinder-Coach sowie die bereits erwähnten Ausbildungsmodule für „wingwave Young“. Die Autorinnen empfehlen eine Präsenzausbildung und raten von Fernausbildungen ab.

„Auch die geeignete Raum- und Möbelgestaltung spielt eine Rolle…“ (S. 149) dazu kommen unterschiedlichste Begleitmaterialien, Fingerpuppen, Spiegel, Fernglas, Zauberstab, Matroschka-Puppen.

8. Kapitel „Coaching für Babys und Kleinkinder“

Auf zwei Seiten wird bestätigt, dass „man Babys und Kleinkinder noch nicht coachen (kann)… Mit Kleinkindern, die schon sprechen können, kann man Themen schon gut mit Puppen spielen“ (S. 145); daneben wird noch die beruhigende Rolle von Musik, besonders die speziell abgemischte wingwave-Musik, erwähnt. 

9. Kapitel „Basisthemen für ’Coaching Young’ und Coaching für Schüler zwischen sechs und zwölf Jahren“

Dieses 45 Seiten umfassende Kapitel beleuchtet die Unterstützungsmöglichkeiten per wingwave in dieser als stabil bezeichneten Entwicklungsphase. Kinder sind normalerweise sehr wissbegierig, bewegungsfreudig und lernen „die sichere Kommunikation in sozialen Netzwerken, also die soziale Intelligenz“ (S. 148). Damit sind hier nicht Twitter und Co. gemeint.

Die meisten Kinder kommen wegen Lernblockaden zum Coaching, und landen dann oft bei Familienkonflikten.Dann kann es sinnvoll sein auch die Erwachsenen zu coachen.

Anhand der Prämisse „Für unser Gehirn sind Wörter und Dinge, die sie meinen, neurobiologisch identisch“ (S. 153) wird beschrieben, wie wir mit Sprache und Wörtern Resonanz erzeugen. Individuelle Stresswörter (die zu Blockaden führen) werden – unter Einbeziehung aller Sinneskanäle – neu gestaltet und erhalten so Kraft spendende Bedeutung.

Die beste Stress-Impfung besteht in einem tragenden Selbstwertgefühl. Ziel ist die Freundschaft mit sich selbst – in guten wie schlechten Zeiten. Es wird das übliche Modelllernen von Kindern erläutert, und an vielen Beispielen gezeigt, wie man ein positives Selbstbild trainieren und stärken kann. Auch die kognitive Verhaltenstherapie arbeitet nach diesem Ansatz, die bis zu 60.000 Gedanken, die uns täglich durch den Kopf gehen, zu modellieren, z.B. durch einen ich-stärkenden inneren Dialog und/oder auch durch positive Vorbilder, Idole und andere Persönlichkeiten.

Neben dem Selbstwert hängt „das persönliche Wohlgefühl … von einer gelungenen Kommunikation mit den Mitmenschen ab.“ (S. 167) Dazu gehört „sowohl mit positiven als auch mit unerfreulichen Begegnungen … gut umgehen zu können.“ (S. 168) Dafür bieten die Autorinnen ein „Aura-Training“ an, das „zu einer guten Ausstrahlung und innerer Stabilität verhilft.“ (S. 168)

Neben den guten Ideen von der eigenen Wirkung … braucht man Fähigkeiten, einen guten Kontakt zum Gegenüber aufzubauen. Hier folgt die Erklärung, warum ein guter Rapport förderlich für gelingende Kommunikation ist. „Und solche ist oft Voraussetzung für Lebenserfolge.“ (S. 173) Diese Rapport-Fähigkeiten werden in Rollenspielen mit den Kindern geübt.

Für kommunikative Spezialthemen wie

  • Konfliktmanagement („Ich darf mich wehren“, „Ich verdiene Anerkennung“),
  • Dialog-Kompetenz (Ich möchte noch einmal über meine Zensur mit Ihnen sprechen)
  • und Lehrerstress

werden Interventionen wie „Fernglas-Training“ und „Rollentausch mit dem Lehrer“ beschrieben, um die emotionale Gelassenheit in stressenden Situationen zu stärken.

Coaching von Familienthemen

Es ist spannend, wie viel empathischen Einblick die Autorinnen in die Belastungen von Kindern geben, „welche die Lebensqualität und manchmal auch die Potenzialentfaltung blockieren.“ (S. 180) Die entsprechenden Beispiele dazu sind sehr lebensnah ausgesucht, das geht von Patchworkfamilien, Spannungen innerhalb der Geschwisterreihe über Umzug hin zu Blockaden beim Lernen und Üben (auch von Hobbies), das Auftreten und Beteiligung im Unterricht. Mithilfe der wingwave-Interventionen und weiteren dem NLP entlehnten knowhow können den Kindern verschiedene Lern- und Kreativitäts-Strategien vermittelt werden.

Zugleich verweisen die Autorinnen auf zwei weitere ihrer Bücher: Denk Dich nach vorn und Systemdynamisches Coaching mit der wingwave-Methode, die noch detaillierter diese Arbeitsweisen beschreiben.

10. Kapitel „Coaching für Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren“

Dieser Abschnitt thematisiert verschiedene Aspekte der Pubertät.

„Vom elften bis zum 13. Lebensjahr verwandelt sich das jugendliche Gehirn zu einer ’Baustelle im Kopf’ …das macht verständlich, warum junge Menschen nicht besonders zugänglich für vernünftige Gespräche sind“(S. 191).

Hier „kann wingwave für ein wirkungsvolles Gefühlsmanagement und für eine gute seelische Balance …sorgen“ (S. 192).

Ausgehend davon, dass Peergruppen-Kontakte in dieser Altersgruppe mindestens ebenso wichtig (wenn nicht sogar bedeutender) sind wie ein gutes Familienleben, arbeiten wingwave-Coaches hier mit Aufstellungsszenerien in Bezug auf die Peergruppe, damit „sich die Jugendlichen im Kreise ihrer Gleichaltrigen sicher und wohl fühlen“ (S. 198)

Auch zum Thema „Sexualität“ werden eine Reihe von Hinweisen gegeben.

11. Kapitel „Coaching Young: Weitere Themen und ausgesuchte Interventionen“

Hier werden ebenfalls Themen, die sich für ein wingwave-Coaching eignen wie übermäßiger Handy-Konsum, Ess- und Schlafstörungen, diverse Ängste beschrieben. Genauer wird auf Sport- und Auftritts-Coaching eingegangen; das Teilemodell der Persönlichkeit nach Virginia Satir wird vorgestellt sowie die Arbeit mit Trance- und Hypnose-Interventionen zur Stärkung von Resilienz.

12. Kapitel „Coaching Young: Themen für die Zusammenarbeit mit Experten“

Die Abgrenzung zu therapeutischen Interventionen, aber auch das mögliche Zusammenwirken der Konzepte steht hier im Mittelpunkt. Die Arbeit mit traumatisierten Kindern, bei Legasthenie, Dyskalkulie, ADS und ADHS bietet Ansatzpunkte für eine psychische Stabilisierung auch mithilfe der wingwave-Methoden. Es gibt einen Abschnitt zum Thema Mobbing und einen zur Begleitung von kranken Kindern.

Das Kapitel endet mit dem eindrucksvollen Erfahrungsbericht einer Hebamme, die wingwave in ihre Arbeit mit Schwangeren integriert hat.

13. Kapitel „Erwachsenen-Coaching: Ressourcen für das ’innere Kind’“

Das Modell der Persönlichkeitsteile und insbesondere die Arbeit mit dem „inneren Kind“ ist in der Coaching-Literatur angekommen. „Jeder Lebensabschnitt konserviert in unseren neurobiologischen Mustern eine repräsentative Sicherheitskopie des speziellen Zeitfensters.“ (S. 216)

Mithilfe der wingwave-Methoden kann man das jüngere Ich stärken, indem das Erwachsenen-Ich angeleitet wird mit emotionaler Distanz auf das kleinere Kind zu blicken und es zu integrieren.

Die gefühlslindernde Wirksamkeit dieser Betrachtung wird besonders mit dem Konzept der „Imaginativen Familienaufstellung“ von Cora Besser-Siegmund und Harry Siegmund erreicht.

Von der Schwangerschaft bis ins Erwachsenen-Alter: mit wingwave gelingt es – so scheint es nach der Lektüre!

Diskussion

Ich habe das Buch gern und wiederholt gelesen.

Es liest sich angenehm und flüssig. Der methodische Ansatz ist von den Begrifflichkeiten neu, wird jedoch leichter nachvollziehbar, wenn man an einige Theorien andocken kann. Wer Frederic Vester, Virginia Satyr, Stefan Porges, das Modell des inneren Kindes, und vor allem NLP und EMDR kennt, wird sich gut zu Recht finden. Das wave-Bewinken unangenehmer Emotionen basiert auf denselben Theorien wie EMDR. Aus der systemischen Hypnotherapie kenne ich die Arbeit mit stärkenden Bildern. Die Beschreibungen der Interventionen machen flexibler beim Eingehen auf kindliche Fragestellungen.

Was wingwave genau macht, ob und wie es funktioniert, dafür braucht es praktische Anwendungserfahrungen. Das Buch macht Lust dies auszuprobieren. Meine Versuchs-(und Enkel-)Kinder gingen jedenfalls auf die Myostatik-Tests bereitwillig ein, weil es etwas sehr spielerisches hat.

Die Beschreibungen über unsere Gehirnfunktionen sind – auch mit den Abbildungen – gut nach zu vollziehen. Die Beispiele aus dem heutigen Alltagserleben der Kinder überzeugen. Die Autorinnen vermitteln eine zugewandte und neugierige Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen. Sie möchten diese in ihrer Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit stärken.

Ich würde mir wünschen, dass die das Buch durchziehende Haltung, Kinder zu stärken und ihre Ressourcen mit Freude „aufzuladen“ in unserem Bildungssystem noch mehr Bedeutung bekommt. Wenn LehrerInnen und weiteres pädagogisches Personal im wingwave-Sinne mit Kindern umgehen kann, könnten Freude und Erfolgserlebnisse gegenüber Frust und Verweigerung überwiegen.

Sehr interessant fand ich die Beschreibung von Glitzer als Ressource-Erlebnis: Bei Mädchen punktet man auf jeden Fall damit, sage ich als Oma von drei Enkeltöchtern.

Das Buch animiert mich auch zum Nachdenken über unser Bildungs- und Wertesystem: Welche Rolle spielen Leistung und (Miss-)Erfolg für das Selbstbewusstsein von Kindern?

Fazit

Das Buch ist eine gute Darstellung der wingwave-Methoden und macht neugierig diese aus zu probieren. Dieses Buch gehört in jedes Lehrerzimmer.


Rezension von
Dipl. Päd. Sabine Kamp-Decruppe
Mediatorin BM e.V., tätig u.a. im Psychosozialen Dienst der Friesenhörn GmbH
Homepage www.sabine-kamp.de
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Zitiervorschlag
Sabine Kamp-Decruppe. Rezension vom 10.11.2020 zu: Cora Besser-Siegmund, Lola Siegmund: wingwave-Coaching für Kinder und Jugendliche. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2019. ISBN 978-3-95571-904-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26461.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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