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Der Jugendrat der Generationenstiftung, Claudia Langer (Hrsg.): Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!

Cover Der Jugendrat der Generationenstiftung, Claudia Langer (Hrsg.): Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen! 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft - Mit einem Vorwort von Harald Lesch. Karl Blessing Verlag (München) 2019. 272 Seiten. ISBN 978-3-89667-656-6. D: 12,00 EUR, A: 12,40 EUR, CH: 17,90 sFr.
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Thema

Der Titel thematisiert den notwendigen Wandel angesichts von Klimakatastrophe und sozialer Ungerechtigkeit und widmet sich Vorschlägen der jungen Generation für eine nachhaltigere Wirtschaft und eine gerechtere Gesellschaft. Die Klimakatastrophe, der entfesselte Markt, Umbrüche auf dem Arbeitsmarkt, Armut, fehlende Bildungschancen, Veränderung durch die Digitalisierung sind längst keine Zukunftsvisionen mehr, sondern gegenwärtige Realität, die zum Umdenken und Handeln auffordern.

Autoren und Herausgeber

  • Claudia Lange (Hg.) hat 1965 die Internetplattform ‚utopia‘ und die Generationenstiftung gegründet und ‚Die Generation Man-müsste-mal: Eine Streitschrift‘ veröffentlicht.
  • Harald Lesch ist Astrophysiker, Naturphilosoph und Wissenschaftsjournalist und Professor für Physik und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie in München.
  • Weitere Mitarbeiter, bei den Beiträgen nicht einzeln ausgewiesen, sind: Die Jurastudentin Franziska Heinisch, geb. 1999 (Artikel in der ZEIT zum Klimastreik); die Studentin der Biomedizin Sarah Hadj Ammar, geb. 1999 (aktiv bei ‚Plant-for-the Planet‘; der Student Verkehrsingenieurwesen Jonathan Gut, geb.1998 (aktiv bei den Grünen und Fridays for Future); der Student der Politikwissenschaft Jakob Nehls, geb. 1994 (aktiv bei Amnesty International); die Studentin der Umweltwissenschaft und Psychologie Hannah Lübbert, geb. 2001 (aktiv in der Geflüchtetenhilfe und Umweltbewegung); die Studentin der Politikwissenschaft und Abgeordnete der Grünen im Sächsischen Landtag Lucie Hammecke, geb. 1996; der Lehramtsstudent/Sport und Deutsch) Niklas Hecht, geb. 1997; der Student der Politikwissenschaft Daniel Al-Kayal, geb. 1994 (aktiv bei den Jusos).

Aufbau

Nach einem Vorwort von Harald Lesch, einem Intro von Claudia Lange und einem Statement an die Generation „Not Gonna Happen“, folgen 10 Kapitel ‚Bedingungen‘:

  1. Klima retten und
  2. Ökozid verhindern;
  3. Den entfesselten Markt wieder an die Leine legen;
  4. Soziale Gerechtigkeit schaffen – für eine zukunftsfähige Gesellschaft;
  5. Vorbereitung der Arbeitswelt auf die Zukunft;
  6. Gute Bildung für alle garantieren;
  7. Der Demokratie neues Leben einhauchen;
  8. Globale Gerechtigkeit endlich konsequent angehen;
  9. Frieden garantieren und Menschenrecht einhalten;
  10. Digitale Welt gestalten, bevor es zu spät ist.

Es folgen ein Nachwort und ein Kapitel ‚Unser Plan – eine Übersicht über unsere 100 Forderungen‘, Dank und Anmerkungen.

Inhalt

Vorwort (Harald Lesch)

Anstatt den Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen, haben wir die Zukunft der kommenden Generationen unserem Jetzt geopfert. Warnungen der WissenschaftlerInnen wurden nicht ernst genommen und Forschungsergebnisse ignoriert oder verleugnet. Die Fakten sind seit 1979 bekannt. Die jungen Autoren dieses Buches haben recherchiert, diskutiert, sich den Fakten gestellt und mutige und radikale Vorschläge erarbeitet. Nicht nur eine Verbreitung dieses Buches ist wichtig, sondern auch eine aktiven Mitarbeit für die Lösung der drängenden Zukunftsfragen.

Intro von Claudia Lange

Die Generationen Stiftung ist eine überparteiliche Interessenvertretung für die kommenden Generationen. Das Konzept der Generationengerechtigkeit beinhaltet, dass Wirtschaft und Gesellschaft radikal neu aufgestellt werden müssen, um die Zukunft der kommenden Generationen zu retten. Dabei werden nicht nur Wissen, Netzwerke und Erfahrungen zur Verfügung gestellt, sondern auch Pläne zur Rettung, – insgesamt ein revolutionäres Konzept. Die Kampagnen werden bundesweit diskutiert und dienen zugleich sowohl der Information als auch der Einladung zu einer engagierten Förderung und Mitarbeit.

An die Generation „Not gonna happen“

Eine Anklageschrift an die Eltern- und Großelterngeneration wegen rücksichtloser Ausbeutung der Natur, ohne an die Zukunft der kommenden Generationen ernsthaft und engagiert zu denken, ein zerstörerisches Unterlassen. Selbst Krisen blieben ohne Konsequenzen. Dieses Buch ist eine Mischung aus Kampfansage und Einladung, ein aufrüttelnder Aufschrei und Hilferuf an alle, ihrer Verantwortung unabhängig von Alter, Geschlecht und Position gerecht zu werden. Gebraucht wird Mut und Konsequenz, aber auch Wissen, Phantasie und Lösungsvorschläge. Der Ernst der Lage verlangt von jedem eine Entscheidung.

Bedingungen 1 und 2: Klima retten und Ökozid verhindern

Die Klimakrise ist heute bereits eine Klimakatastrophe mit der Folge von katastrophalen Fluchtbewegungen. Es ist nicht mehr die Frage, ob, sondern wie gehandelt werden muss. Der Notstand auf dem Weg in den ökologischen Kollaps und den Verlust der Biodiversität ist bereits da: Die Meere sind vermüllt, in der Landwirtschaft wird die Natur ausgebeutet.

Deshalb werden Pläne gegen die Klimakrise vorgestellt: 1. Ein rascher Kohleausstieg um CO2-Anstieg zu bremsen, ein EU-weite CO2-Abgabe, keine umweltschädlichen Subventionen mehr, eine Besteuerung des Flugverkehrs, ein Verbot von Inlands- und Kurzstreckenflügen, eine Verringerung des Autoverkehrs (autofreie Zukunft?), Verlagerung der Transporte, energetische Optimierung im Bauwesen und ein globaler Masterplan.

Zur Vermeidung eines ökologischen Kollapses: Sofortiger Verbot von Pestiziden, Herbiziden und Insektiziden, Abschaffung von Monokulturen, regulierter Einsatz von Antibiotika, Umstellung der EU-Agrarförderung, Stopp des Flächenraubs, Schutz der Wälder, Ozeane und Meere, Reduzierung von Plastik und Müll,

Bedingung 3: Den entfesselten Markt wieder an die Leine legen

Unsere Wirtschaftsweise hat eine katastrophale Bilanz: Erfolgsmeldungen übertünchen die zunehmende Ungerechtigkeit. Der Wohlstand für alle ist eine Lüge und nicht jeder kann einen Aufstieg schaffen. Psychische Erkrankungen sind der Preis für den Marktradikalismus, – mit Freiwilligkeit und gutem Willen ist es nicht getan.

Ein Plan für einen Paradigmenwechsel zu einer generationengerechten Wirtschaft wird vorgestellt: Die Politik muss die Macht über die Wirtschaft gewinnen, kriminelle Machenschaften von Unternehmen müssen justiziabel sein, eine radikale Veränderung der Finanzwirtschaft und ein Verbot von Spekulationsgeschäften sind notwendig, Unternehmen werden nach einer Gemeinwohlbilanz finanziert, Aktien dienen nicht dem schnellen Geld sondern einer Investition in die Zukunft, systemrelevante Unternehmen (Google, Amazon, Facebook) darf es nicht mehr geben, geistiges Eigentum von Tech-Konzernen gilt nur noch für ein Jahr, Steuerflucht- und -vermeidung wird beendet und eine Steuergerechtigkeit zwischen Kapital und Arbeit hergestellt, Wettbewerb nur dort wo er dem Gemeinwohl dient und ein Grundrecht auf Erfüllung der Grundbedürfnisse.

Bedingung 4: Soziale Gerechtigkeit schaffen – für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Gesellschaftliche Veränderungen können zur Bestandsprobe werden, aber eine zementierte Klassengesellschaft geht auf Kosten der Zukunft: Veränderungen sind notwendig, wenn zu viel auf dem Spiel steht.

Der Plan für eine Gesellschaft, auf die wir bauen und in der wir leben können: Kompromisslos den sozialen Frieden anstreben, Kinderarmut beseitigen, anstelle von Hartz IV eine Grundsicherung, bezahlbarer Wohnraum für alle, einheitliche Krankenversicherung, kostenlose Bildung und soziale Teilhabe, ein zukunftsfähiges Rentensystem (einheitlich auch für Beamte und Selbstständige), Gemeinwohlstipendien (für Kunst, soziale und ehrenamtliche Arbeit), europäischer Mindestlohn (europäische Sozialpolitik).

Bedingung 5: Vorbereitung der Arbeitswelt auf die Zukunft

Der Umbruch durch die digitale Revolution: Ganze Wirtschaftszweige werden verschwinden. Die Folge: Moderne Tagelöhner. Was bleibt von der Arbeit als Statussymbol?

Ein Plan für eine neue Arbeitswelt: Ganzheitliches Verständnis von Lohnarbeit und Arbeit abseits von Lohnarbeit (Kinder, Haushalt, Pflege, Ehrenamt), Revolution des Care-Sektor (Pflege, Erziehung, Betreuung) i.S. von ‚ausreichend Zeit‘. Sozialsysteme finanziert durch Robotersteuer, keine Ausbildung mehr für wegfallende Berufe, innerhalb der Unternehmen Lohnkoppelung mit Spitzeneinkommen, Beteiligung von Mitarbeitern an den Gewinnen und Demokratisierung der Unternehmen durch Mitbestimmung und Miteigentümer.

Bedingung 6: Gute Bildung für alle garantieren

Der Fokus auf wirtschaftliches Humankapital raubt Chancen. Da Bildungswege vorsortiert werden, gibt es keine Chancengleichheit. Es besteht ein Investitionsrückstand an LehrerInnen, obgleich Bildung ein Allheilmittel (?) für eine Gesellschaft ist, allerdings nur dann, wenn Bildung vermittelt, was auch wirklich zählt.

Der Homo oeconomicus gehört der Vergangenheit an. Bildung muss (über)finanziert werden und jährlich ein Bildungsgipfel stattfinden. Bund, Länder und Kommunen müssen eine gemeinsame Strategie entwickeln. Anstelle des Gymnasiums eine Schule für alle, damit nicht soziale Schichten gegeneinander ausgespielt werden. Schule ist nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensort, sie muss deshalb demokratisch, d.h. ein Gemeinschaftsprojekt sein. Die Bildungswege müssen flexibler gestaltet und Inklusion vollständig umgesetzt werden. Lehrer müssen entsprechende Rahmenbedingungen erhalten, um auch ihrem Erziehungsauftrag gerecht werden zu können.

Bedingung 7: Der Demokratie neues Leben einhauchen

Demokratie braucht eine lebendige Debatte. Findet diese nicht statt, ist sie in Gefahr und zusätzlich bedroht aufgrund antidemokratischer Denkweisen, Lobbyismus und ‚Elitisierung‘ der Politik. Da die Jugend altersmäßig weitgehend ausgeschlossen ist, ist das politische Personal überaltert.

Pläne zur Weiterentwicklung unserer Demokratie: Transparenz, Verantwortung der Medien als vierte demokratische Gewalt, Herabsetzung des Wahlalter (ab 14 Jahren) und gleichzeitig Vermittlung von demokratischen Erfahrungen im jungen Alter, Jugendquoten in den Parteien und eine grundgesetzlich verankerte Generationengerechtigkeit mit einer Verstärkung der entsprechenden Instanzen.

Bedingung 8: Globale Gerechtigkeit endlich konsequent angehen

Der jetzige Zustand ist eine Wirkung von Ausbeutung, geraubten Perspektiven und Unmenschlichkeit. Das Geschäftsmodell großer Konzerne ist Schädigung oder Vorteilsnahme insbesondere in der Entwicklungszusammenarbeit: Der globale Süden ist eine – ausbeutbare – Rohstoffquelle für den Norden. Gewinne werden durch Ausbeutung der Arbeiter gemacht. Die Klimakrise befördert die globale Ungleichheit.

Der Plan für die Grundsteinlegung einer gerechteren Welt: Eine echte Entwicklungszusammenarbeit (ohne Ausbeutung), Ermöglichung einer nachhaltigen Entwicklung durch Entschuldung, ein ökologischer und fairer Welthandel, Sorgfaltspflichten für die Unternehmen, Beenden des Exports der Kosten hiesigen Lebensstils in andere Länder, Reformierung der Europäischen Union hin zu einer europäischen Republik, ersatzlose Abschaffung von G7 und G20, Reformierung der Vereinten Nationen und Entwicklung einer globalen Demokratie.

Bedingung 9: Frieden garantieren und Menschenrechte einhalten

Frieden und Menschlichkeit sind instabil, auch die Kriegsführung – da durch Cyberwars der Krieg inzwischen immer mehr zum Bürojob wird. Ein Grund für Krieg ist der Ressourcenhunger. Auch wird durch Waffenexporte verdient. Ein Atomkrieg ist durch die zunehmende Aufrüstung viel näher, als wir wahrhaben wollen; anstatt auf Entwicklung und Frieden setzt man auf Abschottung.

Der Plan zur Abrüstung und zu einem menschenwürdigen Umgang mit Geflüchteten: Das Geschäft mit dem Tod beenden, weniger Geld für die Bundeswehr (maximal O,5 % des BIP) und ihr Ausbau zu einer unbewaffneten Friedenskraft, und Abschaffung von Atomwaffen. Die Beendigung des Sterbens auf dem Mittelmeer und Geflüchtete nicht zu stigmatisierten Täter*innen machen, vielmehr ein menschenwürdiger Umgang mit Geflüchteten. Zudem Zivilklausen in allen Landeshochschulgesetzen, einen Klimapass für Menschen die durch die Klimakrise zur Flucht gezwungen sind und Menschenrechte nicht nur verwirklichen, sondern auch erweitern.

Bedingung 10: Digitale Welt gestalten, bevor es zu spät ist

Die Digitalisierung ist die nächste Bestandsprobe für die Menschheit, denn durch die neuen Technologien kommt es zu disruptiven Veränderungen, gleichzeitig wächst die Schutzbedürftigkeit im digitalen Raum (Hinweis auf Cambridge Analytica und andere Skandale). Wir haben keine Kontrolle was mit unseren Daten geschieht und können uns der Digitalisierung nicht einfach entziehen. Diese führt auch zu Spaltung in der Gesellschaft zwischen denen, die sie beherrschen und denen, die ihr hilflos ausgeliefert sind. Wir müssen entscheiden und beobachten, wo ein konstruktives Potenzial steckt, aber auch wo das destruktive Risiko wächst (z.B. Datenmanipulationen). Ungebremste Digitalisierung verstärkt zudem auch die Treibhausgasemission.

Der Plan zur Gestaltung der digitalen Zukunft: Die Souveränität über die erfassten Daten gewährleisten, ein Überwachung verhindern, eine effektive Durchsetzung des Datenschutzes, die Markmacht eindämmen und Monopole aufbrechen, Manipulation durch Transparenz verhindern und die Macht nicht an Algorithmen abtreten. Die staatliche Handlungsfähigkeit wiederherstellen, für Sicherheit im Netz sorgen und die Spaltung in der Gesellschaft durch präzise Information überwinden.

Nachwort: Schliesst Euch uns an

Es handelt sich hier um dringende Forderungen, nicht um Kompromissvorschläge. Bei jeder Entscheidung, jeder, Handlung muss das Verursacher*innenprinzip gelten, d.h. die Folgen einer Handlung dürfen nicht mehr externalisiert werden. Generationengerechtigkeit entsteht, wenn die, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, zur Verantwortung gezogen werden.

Das Buch wendet sich an Politiker*innen, Entscheider*innen, Eltern und Großeltern, Kritiker*innen und Mitstreiter*innen. Sie alle werden gebraucht, auch wenn manche Aussagen vielleicht Empörung hervorrufen. Die Gesellschaft muss aktiv werden. Ein Bekenntnis zur Veränderung ist bereits Teil dieser neuen Generation, und jede Veränderung, – auch im Kleinen – zählt.

Diskussion

Es wäre schade, wollte man sich von der Fülle der angesprochenen ungelösten Probleme entmutigen lassen. Damit würde man weder den Autoren, noch den nachfolgenden Generationen gerecht zu werden. Vielmehr ist das Buch als Anregung zu verstehen, wo habe ich Macht, gefährliche Entwicklung zu beeinflussen und zu ändern, und sei es nur, indem ich die hier vorgestellten Initiativen aufmerksam und kritisch begleite und unterstütze.

Es besteht kein Zweifel, dass die angesprochenen Probleme von Menschen gemacht sind, denen politisch und gesellschaftlich zu viel Macht eingeräumt wurde, ihre Profite nicht nur auf Kosten der eigenen Gesellschaft, sondern zum Teil auch als Global Player international einzustreichen, ohne Sanktionen zu befürchten. Der ‚Mensch‘ ist im Guten wie im Bösen verantwortlich für die Entwicklung, und nicht sind es die Verhältnisse, auch wenn die ein bestimmtes Verhalten begünstigen können. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, dass die Schäden nicht nur in ferner Zukunft sondern bereits jetzt unmittelbar greifbar sind, kann bei der Politik ein Zeichen von Desinteresse sein (man guckt nicht über den Tellerrand, solange es einem persönlich gutgeht), aber auch von Ohnmacht, mit den rasanten modernen Entwicklungen nicht mehr Schritt halten zu können; und damit ist es, wie die Autoren zu recht beschreiben haben, auch ein Generationenproblem.

In diesem überschaubaren Buch stecken viele gesammelte, recherchierte und verarbeitete Information der Autoren, wovon hier nur ein Bruchteil wiedergegeben werden konnte. Hilfreich und weiterführend fand ich auch die Anmerkungen. Welche zerstörte Welt hinterlassen wir Älteren (zu denen ich mich zähle) unseren Kindern und Enkeln, gemessen daran, wie wir sie, geboren in den 20er, 30er Jahren, von unseren Eltern (Großeltern übernommen haben? Wo haben wir ahnungslos, naiv, blind nicht sehen wollen/können, was das auf dem Spiel steht. Dieses Buch ist eine Anklageschrift, die nicht verurteilen, aber wachrütteln will. Und wer es gelesen hat, ist nicht mehr unschuldig, wenn er die Dinge in seinem Alltag einfach so weiterlaufen lässt.

Was mir gefehlt hat ist der Faktor Mensch, der ja nicht nur im Großen, sondern auch bereits im Kleinen, wenn er auf Schnäppchenjagd geht, das System von Ausbeutung unterstützt. Es ist zweifellos auch eine Frage der ‚asozialen sozialen Intelligenz‘, in welchem Stil man die Ausbeutung unseres Planeten und der verfügbaren menschlichen Ressourcen betreibt, und sogar ‚legal‘ betreiben kann. Sind die Politiker diesem System gewachsen, oder vielleicht auch nicht, oder sogar korrumpiert, wenn sie selbst von diesem System profitieren?

Der Faktor Mensch, mit seinen sozialen und unsozialen Seiten, wird auch den kommenden Generationen zu schaffen machen. Das sollte aber die Initiative nicht lähmen, sondern nur falsche Erwartungen nicht unterstützen, dass man eine perfekte Welt schaffen könnte. Aber eine bessere ist immer möglich. Und mir scheint, dass man in unseren schnelllebigen Zeiten dazu mehr als in früheren Generationen vor allem auch in der Politik die Jüngeren und deren Überlegenheit, die sie zweifellos mit bestimmten Fähigkeiten haben, dringend braucht.

Fazit

Dieses Buch sollte von allen Generationen kritisch und aufmerksam gelesen werden, denn jede kann auf ihre Weise ihren Teil dazu beitragen, dass dem Reden auch Taten folgen. Auch sollte man sich nicht von dem übergroßen Berg von Problemen abschrecken lassen, sondern vielmehr überlegen, welchen Beitrag kann ich mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, zur Lösung der Probleme, zum Gemeinwohl und zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten. Denn „wo soziale Gerechtigkeit fehlt, da wird die Demokratie ausgehöhlt“.


Rezension von
Prof. Dr. Gertrud Hardtmann
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Zitiervorschlag
Gertrud Hardtmann. Rezension vom 23.07.2020 zu: Der Jugendrat der Generationenstiftung, Claudia Langer (Hrsg.): Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen! 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft - Mit einem Vorwort von Harald Lesch. Karl Blessing Verlag (München) 2019. ISBN 978-3-89667-656-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26467.php, Datum des Zugriffs 26.09.2020.


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ISSN 2190-9245

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