Michael Kobbeloer: Internetnutzung von Erzieherinnen
Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 15.04.2002
Michael Kobbeloer: Internetnutzung von Erzieherinnen. Darstellung und Auswertung einer Studie zur Medienkompetenz. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2002. 126 Seiten. ISBN 978-3-464-49165-2. 15,90 EUR.
Zum Thema
In Zuge der steigenden Bedeutung des Internets, auch für Kinder und Jugendliche, wird Medienkompetenz von ErzieherInnen zur wichtigen Voraussetzung pädagogischer Bildungsarbeit in Tageseinrichtungen für Kinder.
Die vorliegende Veröffentlichung zur "Internetnutzung von ErzieherInner" stellt die Erhebung, Analyse und Interpretation von Daten zur Internetnutzung von ErzieherInnen sowie ihre Einstellung zum Internet im Kontext von Beruf und Geschlecht dar.
Der Autor
Die Datenerhebung durch eine leitfadengestützte Online-Befragung basiert auf einer von Michael Kobbeloer entwickelten und eingerichteten Website für Erzieherinnen im Rahmen des Studiums "Lehramt an berufsbildenden Schulen, Fachrichtung Sozialpädagogik" an der Universität Lüneburg. Die Studie ist zentraler Bestandteil der Examensarbeit des Autors.
Aufbau und Inhalte
Kapitel 1 befasst sich mit der theoretischen Grundlagendarlegung zu den Fragenkomplexen Internetnutzung, Geschlechtsspezifische Aspekte, Medienkompetenz von ErzieherInnen und ihre Ausbildungs- und Berufssituation. Dazu wird die Bedeutung der Internetnutzung in der heutigen und künftigen Gesellschaft herausgestellt und ihr Nutzen für Handlungsfelder der Sozialen Arbeit und sozialpädagogischen Arbeit in Kindertageseinrichtungen präzisiert.
Da es sich bei der Arbeit in Kindertageseinrichtungen um ein traditionell weiblich besetztes Berufsfeld handelt, werden konsequent geschlechtsspezifische Aspekte der Internetnutzung herausgearbeitet. Unter Hinzuziehung neuerer nationaler und internationaler Erkenntnisse erfolgt eine informative und umfassende Darstellung der geschlechtsspezifischen Sozialisation und Identifikation. Zum Thema Computer- und Internetnutzung von Frauen wird unter kritischer und technischer Beleuchtung die Einstellung von Frauen zum Internet und ihre Motive zur Nutzung dargestellt. Chancen und Grenzen durch 'Gender Swapping' werden hinsichtlich der Herausbildung einer (Geschlechts-)Identität von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen betrachtet.
Ein weiterer Theoriekomplex befasst sich mit der Medienkompetenz von ErzieherInnen. Nach einer allgemeinen Begriffsklärung erfolgt die Darstellung ihrer Bedeutung in der Kindheits- und Jugendphase und für ErzieherInnen im Kontext ihrer beruflichen Handlungskompetenz. Am Beispiel einer ländervergleichenden Lehrplan-Analyse erläutert der Autor, dass die Förderung der Medienpädagogik in der Ausbildung der ErzieherInnen nicht weitreichend umgesetzt worden ist.
Kapitel 2 der Studie "Erhebung – Methodische Begründung – Durchführung" beschreibt ausführlich die empirische Grundlage der vorliegenden Studie. Der Schwerpunkt wird dabei auf die eingesetzte Datenerhebungsmethode, das relativ neue Instrument der "Online-Forschung" gelegt. Im Rahmen seines Studiums richtete der Autor eine Website für Erzieherinnen ein, die die Plattform für die ErzieherInnenbefragungen im Herbst 2000 und Sommer 2001 darstellte. Zur Analyse des NutzerInnenverhaltens lieferte diese Website weitere Daten zur Auswertung.
Kapitel 3: Hier findet sich eine "Zusammenfassende Auswertung, Darstellung und Interpretation beider Untersuchungen".
In Kapitel 4 folgt der Gesamtausblick durch "Fazit – Konsequenzen – Empfehlungen" zu bildungs- und berufspolitischen Konsequenzen zur Professionalisierung von ErzieherInnen in der Aus- und Weiterbildung.
Im Gesamtblick verweisen die Ergebnisse auf das unangemessene Verhältnis der medienpädagogischen Ausbildung von ErzieherInnen zur tatsächlichen Bedeutung des Internets in der heutigen Gesellschaft. Erschreckend dabei ist, dass nur 2 Prozent de an der Online-Befragung beteiligten Erzieherinnen angaben, ihre Internetkenntnisse in der Ausbildung erworben zu haben. So erscheint es auch nicht verwunderlich, dass die Medienkompetenz von Erzieherinnen und ihre diesbezügliche Arbeit in der sozialpädagogischen Praxis dem Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen nicht gerecht werden.
Fazit
Die vorliegende explorative Studie bietet erste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Medien- und Handlungskompetenz von ErzieherInnen. Die Ergebnisse eröffnen innovative Perspektiven für die Berufsbildungsforschung und verweisen auf Qualifizierungsbedarfe im pädagogischen Handlungsfeld der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Zugleich verweisen sie auf weitere Forschungsbedarfe und derzeitige sowie künftige bildungspraktische Anforderungen. Für die berufspraktische Umsetzung werden konstruktive Vorschläge dargeboten.
Die Studie wendet sich an Leser und Leserinnen mit Interesse an forschungsmethodischen, bildungspraktischen und professionspolitischen Themen sowie berufspädagogischen Neuerungen insbesondere aus Praxis, Wissenschaft und Lehre und Aus- und Fortbildung.
Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy
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