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Hans Ulrich Schmidt, Thomas Stegemann u.a. (Hrsg.): Musiktherapie

Cover Hans Ulrich Schmidt, Thomas Stegemann, Carsten Spitzer (Hrsg.): Musiktherapie bei psychischen und psychosomatischen Störungen. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2019. 340 Seiten. ISBN 978-3-437-21113-3. D: 59,99 EUR, A: 61,70 EUR.
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Thema

Das Buch beschreibt die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten der Musiktherapie in der Behandlung psychischer und psychosomatischer Störungen. Neben der Darstellung verschiedener Störungsbilder bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus medizinischer, psychotherapeutischer und musiktherapeutischer Sicht, werden praktische Aspekte der Behandlung und Forschungsergebnisse aus Medizin und Musiktherapie vorgestellt – und jeweils aus den verschiedenen Blickwinkeln diskutiert.

Herausgeber

Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Schmidt ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, ärztlicher Leiter Psychotherapie des Ambulanzzentrums UKE in Hamburg, und Prof. für Musiktherapie an der Universität Augsburg.

Prof. Dr. med., Dr. sc. mus. Thomas Stegemann ist Facharzt für Kinder- und Jugendlichen Psychiatrie und Psychotherapie und Musiktherapeut, und Leiter des Instituts für Musiktherapie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Prof. Dr. med. Carsten Spitzer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und Direktor der Universitätsmedizin in Rostock

Entstehungshintergrund

Heute bilden kunsttherapeutische Verfahren einen integralen Bestandteil der psychotherapeutischen Behandlung. So spielt auch Musiktherapie im Rahmen der psychotherapeutischen Methoden eine bedeutsame Rolle in der klinischen Anwendung, bedingt auch durch die internationale wissenschaftliche Forschung und die vorwiegend universitären Aus- und Weiterbildungslandschaft. Das vorliegende Buch widmet sich vor allem dem interdisziplinären Aspekt der Integration von Musiktherapie in die medizinische und psychotherapeutische Forschung und die klinische Behandlung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in drei Teile: einen allgemeinen und zwei klinische Teile, die nach den Altersgruppen Erwachsenenalter und Kinder- und Jugendalters Störungsbildern aufgeteilt sind.

Der erste allgemeine Teil behandelt 11 übergeordnete musiktherapeutische Themen:

  • die psychische Struktur des Menschen und die Rolle der Musik,
  • die Geschichte der Musiktherapie in der Psychiatrie und Psychosomatik,
  • Gedanken zum Medium Musik, Methoden, psychotherapeutische Techniken,diagnostische Instrumente der Musiktherapie,Therapiemanuale und Ausbildungswege der Musiktherapie und
  • endet mit ethischen Fragen und einem Überblick zur Forschungslage.

Im zweiten Teil und dritten Teil werden die wesentlichen Störungsfelder aus der Erwachsenen- Psychiatrie und -Psychosomatik (13) sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie (6) bearbeitet. Jedes der Störungsbilder wird in einer Trias, behandelt: jeweils einem Beitrag zu den medizinischen Grundlagen – von einem Mediziner – folgt ein Teil zur musiktherapeutischen Praxis – von einer MusiktherapeutIn. Anschließend werden in einer dialogischen Struktur zunächst „die Erwartungen an die Musiktherapie vonseiten der Medizin“, dann „die Erwartungen an die Medizin vonseiten der Musiktherapie“ und danach „Kritisches, Ungelöstes“ formuliert. Hier treten die medizinischen und musiktherapeutischen Protagonisten in einen Dialog miteinander. Sie führen vor, wie dies in einem kritischen und lebendigen Dialog konstruktiv und integrierend vertieft werden kann – von über 60 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum mit einschlägiger Expertise in ihren jeweiligen Fachgebieten. Als wichtig für den interdisziplinären Dialog wird eine gemeinsame Sprache gesehen – das bedeutet, eine Übersetzungsarbeit vonseiten der Musiktherapie in eine Sprache, die für Fachfremde nachvollziehbar und verständlich ist.

Die speziellen Störungsbilder und Patientengruppen in Psychosomatik und Psychiatrie behandelt 13 Störungen: von schizophrenen und anderen psychotischen Störungen, über dissoziative-, Borderline – und affektive Störungen, Ess-, Sucht-, Angst- und Zwangsstörungen, bis PTS, somatoforme Störungen, Burnout, Tinnitus und die Forensische Psychiatrie. Die speziellen Störungsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie widmen sich der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung, den Angst-, der Autismus-Spektrums-, den emotionalen Störungen sowie selbstverletzendem Verhalten, der Gewaltprävention und der Musiktherapie in Familien. Alle Kapitel folgen der o.g Struktur, was jeweils von Seiten der Medizin Definition und Klassifikation, Epidemiologie, Ätiologie und Pathogenese, Diagnostik und Therapie einschließt, von Seiten der Musiktherapie neben einer Fallvignette musiktherapeutische Behandlungsansätze, Indikation und Kontraindikation, Ziele, Praxis und Stand der Forschung – mit der relevanten Literatur.

Diskussion

Aufgrund der einheitlichen Gliederung und damit Vergleichbarkeit vermitteln diese unterschiedlichen Kapitel ein hohes Maß an Verständnis dafür, was eine musiktherapeutische Behandlung im klinischen Kontext bewirken kann. Damit ist dies Buch ein Nachschlagewerk, ein Handbuch, ein Lehrbuch – auch diese Trias in einem. Es ist äußerst lohnend und informativ, auch nur einzelne Kapitel daraus zu lesen. Das Buch liefert neben Informationen zur aktuellen musiktherapeutischen Behandlungsexpertise auch den aktuellen Stand der internationalen Forschung für das jeweilige Feld.

Der Wunsch der Autoren ist es, dass es diesem Buch gelingen möge, Musiktherapie breiter interdisziplinär sowohl für die Behandlungs- und Forschungssettings wie auch für die psychotherapeutische Lehre wahrgenommen und integriert werden möge – von Menschen aus der Medizin, Musiktherapie, Psychotherapie, von Studierenden und Entscheidungsträgern aus dem Gesundheitswesen. Es ist ein Werk, dass zur gegenseitigen Wertschätzung und zur Zusammenarbeit einlädt.

Fazit

Dies Buch ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich für dieses Fach interessieren, es ist ein längst überfälliges gelungenes Lehrbuch. Dieser Dialog auf Augenhöhe von Medizinern und Musiktherapeuten ist beispielhaft gelungen. Alle, die im Feld etwas zu sagen haben, namhafte ProfessorInnen, AusbildungsleiterInnen und ChefärztInnen und erfahrene musiktherapeutischen PraktikerInnen wurden in diesem Werk zusammengeführt. Auch dies ist ein Beispiel für gegenseitige Wertschätzung und fachliche Anerkennung. Wünschen wir, dass es für die vielen anderen Felder im Gesundheitsbereich in der Zukunft auch solche Zusammenstellungen geben wird.


Rezension von
Dr. sc. mus. Monika Nöcker-Ribaupierre
Dipl. Musiktherapeutin DMtG, Vorstand Freies Musikzentrum München, Vice President der International Society for Music in Medicine ISMM.
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Zitiervorschlag
Monika Nöcker-Ribaupierre. Rezension vom 08.04.2020 zu: Hans Ulrich Schmidt, Thomas Stegemann, Carsten Spitzer (Hrsg.): Musiktherapie bei psychischen und psychosomatischen Störungen. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2019. ISBN 978-3-437-21113-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26529.php, Datum des Zugriffs 23.10.2020.


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