socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Hannah Jonas (Hrsg.): Fußball in England und Deutschland von 1961 bis 2000

Cover Hannah Jonas (Hrsg.): Fußball in England und Deutschland von 1961 bis 2000. Vom Verlierer der Wohlstandsgesellschaft zum Vorreiter der Globalisierung. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2019. 314 Seiten. ISBN 978-3-525-37086-5. D: 60,00 EUR, A: 62,00 EUR.

Reihe: Nach dem Boom hrsg. v. Lutz Raphael und Anselm Doering-Manteuffel.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Das Buch besteht aus einem deutsch-englischen Vergleich der Entwicklung des professionellen Vereinsfußballs in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine der leitenden Forschungsfragen lautet: Wie spiegelt sich der Wandel von der frühen „Wohlstandsgesellschaft“ der späten 50er und frühen 60er Jahre zur „individualisierten Konsumentengesellschaft“ der späteren Jahre auch im Profifußball wider? Man könnte auch anders fragen. Die analytischen Wegmarken für das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts lauten: soziologische „Erlebnisgesellschaft“, psychologische „Individualisierung“, ordnungspolitische „Deregulierung“, technologische „Digitalisierung“ und ökonomische „Globalisierung“, – sind diese Begriffe auch für das Verständnis der Entwicklung des Profifußballs in dieser Zeit fruchtbar zu machen? Ist der Fußball auch diesbezüglich ein treffendes Spiegelbild der Gesellschaft?

Autorin

Hannah Jonas hat Philosophie, Geschichte und Politologie in Heidelberg und Tübingen studiert. Sie arbeitet heute als Lehrerin in Hamburg.

Das Buch ist die überarbeitete Fassung einer Dissertation, mit der die Autorin 2017 an der Universität Tübingen promoviert worden ist.

Inhalt

Zeit nach dem Boom

Die Autorin wählt für den Zeitraum ihrer Analyse eine Quasi-Epoche, „die Zeit nach dem Boom“ genannt. Das ist die Zeit nach dem Ende der Dauerhochjunktur des Wiederaufbaus nach 1945. Die Autorin lässt die nachfolgende Epoche mit dem Anfang der 1960er Jahre beginnen. Am Ende des Untersuchungszeitraums, 2000, stellt sie fest, dass nun die Perspektiven sichtbar sind, wie Fußball und Gesellschaft sich in einem gewissen Einklang weiter entwickeln werden: „Eine stärkere internationale Verflechtung, die Ausbreitung eines wirtschaftsliberalen Denkens, die … Ausschöpfung von Marktlogiken sowie die sich vergrößernde Ungleichheit der Vermögensverteilung sind Strukturmerkmale eines neuen Musters, die sich im Fußball, aber auch in anderen Bereichen abzeichnen – stets begleitet von Gegenbewegungen der Kapitalismuskritik oder der Rückwendung in eine vermeintlich bessere Vergangenheit.“

Einige Zahlen

Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1945, und 1960 entwickelte sich in Deutschland und England gleichermaßen die „Wohlstandsgesellschaft“. Vollbeschäftigung bei steigenden Löhnen und sinkenden Arbeitszeiten sind ihre Hauptkennzeichen. In dieser Zeit stieg die Zahl der Eigenheim- und PKW-Besitzer; man machte Urlaub in Italien und überließ elektrischen Waschmaschinen die häusliche Schmutzarbeit. In den Wohnzimmern wurde das Mobiliar auf das neue Prunkstück ausgerichtet, den Fernsehapparat. Während dieser Zeit gingen die Zuschauerzahlen in den Fußballstadien beider Länder kontinuierlich zurück, ein Trend, der sich bis in die 1980er-Jahre fortsetzte: Um 1980 kamen etwa halb so viele Zuschauer in die deutschen und englischen Fußballstadien wie um 1950. Man führte dies auf ein gestiegenes Komfortbedürfnis zurück: Warum noch ins zugige, nicht überdachte Stadion mit weit abgelegenen Parkplätzen gehen, wenn man es zu Hause vor dem Fernseher viel bequemer und gemütlicher haben konnte? Denn auch das Fernsehen hatte den Fußball entdeckt; in den Magazinsendungen des Wochenendes konnte man nicht nur ein Spiel, sondern die Zusammenfassung aller Spiele sehen. Fußball wurde zum „billigsten Star“ des jungen Fernsehens. Drehbücher, Schauspieler und Regisseure waren nicht nötig; eine Kamera genügte. Für den Rest – Echtheit des Geschehens, Ungewissheit des Ausgangs, Stimmung auf den Rängen – sorgte das Spiel selbst.

Tempounterschiede

Die Professionalisierung der Spieler begann in Deutschland erst in den 1960er-Jahren und kam in der Folge sehr viel schneller voran als die Professionalisierung der Vereins-Strukturen. Während die Fußballer bereits hochdotierte Show-Stars waren (Beckenbauer!), deren Anwesenheit sowohl beim Fassbier-Anstich auf dem Oktoberfest als auch zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele erwartet wurde, dilettierten an der Spitze der Vereine ehrenamtliche Honoratioren, deren Tun mehr von kindlicher Fußballbegeisterung als vom betriebswirtschaftlichen Denken geprägt war. Die Professionalisierung des Vereins-Managements ließ auf sich warten und wurde mit dem Amtsantritt von Uli Hoeneß bei Bayern München, 1979, eingeleitet.

Furchtbare 80er-Jahre

Die 1980er-Jahre müssen ein finsteres Kapitel für den professionellen Vereinsfußball gewesen sein. Zu Beginn, 1982, stellt der „kicker“ fest: „Die fetten Jahre sind vorbei, denn Arbeitslosigkeit und steigende Benzinpreise lassen Stadionbesuche nicht mehr zu.“ Am Ende, 1989, schreibt die „Zeit“: „Fußball ist nicht mehr die Leitsportart“ (in Deutschland).

Die Zeit dazwischen ist in England geprägt durch furchtbare Unfälle in baufälligen Stadien (mit 150 Toten) und exzessivem Hooliganismus. In Deutschland läuft dank Steffi Graf und Boris Becker das Tennisspiel dem Fußball den ersten Platz in der Zuschauergunst ab. Auch in Deutschland werden die Hooligans zum Thema und das Stadion mutiert zum gefährlichen Ort, den man besser meiden sollte. Der Zuschauerzuspruch stagniert auf mäßigem Niveau.

Die Kritik am bezahlten Fußball lässt sich zu dieser Zeit auf vier Punkte konzentrieren:

  • zu hohe Eintrittspreise (1985 betragen sie in der Bundesliga das Vierfache von 1965);
  • zu schlechter Sport (defensiv, langsam, wenige Tore; kaum charismatische Spieler);
  • zu viele Rowdies auf den Rängen („gewaltbereite Fans“);
  • zu schlechte Spielstätten („Stehplatz-Ruinen ohne Dach und Komfort“).

Auf der anderen Seite steht eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte: Die deutsche Nationalmannschaft wird 1980 Europameister und 1990 Weltmeister; und der Hamburger SV gewinnt 1983 den Europapokal der Landesmeister und den Weltpokal, die wichtigste Trophäe im Vereinsfußball. – Höchste Erfolge, aber mit unattraktivem Spiel. Inzwischen möchte der Fußballfreund nicht nur den Erfolg der Seinen, sondern auch, dass er in einem „schönen Spiel“ errungen wird. Der Wertewandel von materiellen zu postmateriellen Werten, der in der Gesellschaft im Gange war, übertrug sich nun auch auf die Erwartungen an ein Fußballspiel.

Fruchtbare 90er-Jahre

Die 1990er-Jahre sind durch vier Entwicklungen gekennzeichnet:

Jährliche Steigerung der Einnahmen aus „Fernsehgeldern“…

„Jetzt geht es erst richtig los“, schrieb der „kicker“ 1990, dieselbe Zeitschrift, die noch vor acht Jahren „das Ende“ ausgerufen hatte (s.o.). Gemeint waren die aggressiven Preiskämpfe zwischen öffentlich-rechtlichen und den neu aufgekommenen privaten Fernsehsendern um die Übertragungsrechte von Fußballspielen. Die gingen nun tatsächlich erst richtig los. Und die Vereine konnten von nun an mit jährlich steigenden Geldern aus dem Verkauf von Fernsehrechten zählen. Heute ist diesbezüglich in England die Milliardengrenze schon überschritten, in Deutschland wird sie bald erreicht sein.

… bei gleichzeitiger Infantilisierung des Publikums

Da die Preistreiber, die Privaten, ihre Ausgaben durch Werbung refinanzieren, muss das Produkt Fußball jetzt auch anders, attraktiver präsentiert werden, denn es zählt nun zum Werberahmenprogramm und darf die Werbekunden nicht vergrätzen. Also gelten für die neue Fußballberichterstattung drei „Gesetze“: Erstens, „Positivvermarktung“. Über Fußball darf nur positiv und gut gesprochen werden; Mäkeleien und ernsthafte Kritik verbieten sich. Zweitens, „optische Narkose“. Mit der „Intensivierung visueller Strategien“ durch mehr Kameras und mehr Perspektiven soll jedes Spiel zu einem optischen Spektakel werden. Drittens, „Emotionalisierung“. Neben dem Spiel auf dem Rasen rücken Homestories über Spieler und Trainer in den Vordergrund; es wird intimisiert, gemenschelt und „aus dem Nähkästchen geplaudert“; Spielerfrauen und -freundinnen sind nicht weniger wichtig als die Fußballstars selbst. Die nüchterne Ergebnis-Berichterstattung früherer Tage war damit vorbei. Die neue Art über Fußball zu sprechen prägte nun die Hör- und Sehgewohnheiten des Publikums, sodass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich in seiner Berichterstattung anpasste.

Erleichterung des Vereinswechsels

Der Europäische Gerichtshof verbietet 1995 im so genannten „Bosman-Urteil“ die bis dahin obligatorischen Ablösesummen bei Vereinswechseln nach Vertragsende. Dadurch entfällt bei den Vereinen eine wichtige Einnahmequelle; große Vereine können das dank größerer Reputation bei Fernsehen und Werbekunden besser verkraften als kleine. Also müssen die Einen kürzer treten, während die Anderen weiter wachsen und die Bundesliga zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft wird. Fußballspieler, die es bis in die oberste Liga geschafft haben, werden in kurzer Zeit unendlich reich, zumal in der Praxis ein Teil der bisherigen Ablösesummen nicht ersatzlos wegfällt, sondern statt auf dem Konto des abgebenden Vereins auf dem Gehaltskonto des neu erworbenen Spielers landet.

Öffnung des Spielermarktes

Ebenfalls 1995 sprach der EuGH Profi-Fußballern innerhalb der Europäischen Union die übliche Arbeitnehmerfreizügigkeit zu. Im deutschen Fußball galt bis dahin: Nur drei von elf Spielern dürfen Nicht-Deutsche sein. Das Gericht hob diese Einschränkung auf. Damit entstand eine neue Mobilität auf dem Spielermarkt, die zu einer raschen Internationalisierung der Vereine führte. Erstmals im Frühjahr 2001 trat mit Energie Cottbus eine Bundesligamannschaft mit elf ausländischen Spielern an. Selbst die drei im Verlauf des Spiels eingewechselten Reservespieler waren keine Deutschen.

„turn, turn, turn“

Grundlegende Richtungs- oder Paradigmen-Wechsel werden gerne „turn“ genannt. Das Buch nennt für die Entwicklung des Profifußballs in Deutschland (im Vergleich zu England gibt es viele Parallelen, aber auch erhebliche Abweichungen) für die „Zeit nach dem Boom“ vier „turns“, ohne diese auch so zu bezeichnen:

  • Professional turn – der Abschied vom Amateur-Ideal und die Einführung des Berufsfußballers mit eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten, 1200 DM im Monat. – Das waren die 1960er – Jahre und der Anfang der „Bundesliga“ unter dem Motto: Professionalisierung ja, Kommerzialisierung nein.
  • Commercial turn – die Aufhebung der Gehaltsbeschränkungen und die Zulassung von kommerziellen Werbepartnern. – 1970er-Jahre und die Einführung der „Trikotwerbung“.
  • Deregulation turn – die fast ungehemmte Öffnung des Berufsfußballs für Werbung, Sponsoring, Merchandising, Börsengänge und weitere Geldquellen. – Das begann in den1980er-Jahren und intensivierte sich in den 1990ern. Der Fußball wird zu einer der weltweit bedeutendsten Vermarktungsplattformen. Global Players wie Coca-Cola und McDonald‘s treten als Sponsoren in Erscheinung. In England befinden sich die großen Clubs heute im Eigentum von arabischen Scheichs, russischen Ölmilliardären und amerikanischen Medienmoguln. Dieser Entwicklung steht in Deutschland – noch – die so genannte „50-plus-1-Regel“ in den DFB-Statuten entgegen.
  • Alienation turn – so könnte man eine Reaktion auf die vorgenannten Tendenzen nennen. Das Fußballspiel wird, was die Physis und Technik der Spieler, die Strategie und Taktik des Spiels angeht, immer durchdachter und perfekter. Der neue Profi trainiert nicht nur den richtigen Umgang mit dem Ball, er trainiert auch das „richtige Atmen“ das „richtige Regenerieren“ (zwischen Eistonne und Schwitzbad), das „richtige Essen und Trinken“, das „richtige Schlafen“ usw. Nichts, was Leistungssteigerung verspricht, wird ausgelassen. Zugleich wird die Entfremdung (alienation) vom Zuschauer immer größer. Noch bis in die 1980er-Jahre konnten sich die Zuschauer im Stadion als „Brötchengeber“ ihrer angehimmelten Spieler verstehen. Denn diese wurden zum Hauptteil aus ihren Eintrittsgeldern bezahlt. 90 % des Vereins-Etat bestand aus dem Verkauf von Eintrittskarten. Heute tendiert der Anteil der Eintrittsgelder am Vereins-Budget auf die 10-Prozent-Marke zu. Fernsehsender und Konsumartikel-Hersteller sind heute die Brötchengeber der Spieler. Aber für die gute Stimmung im Stadion, auf die der längst bei anderen in Lohn und Brot stehende Profi immer noch angewiesen ist, muss der Zuschauer auf der Tribüne sorgen. Dass er dafür auch noch zur Kasse gebeten wird, stiftet böses Blut und ist der Nährboden für Frustration und Aggression im Stadion heute.

Diskussion

Die Neuerungen des Profifußballs zur Jahrtausendwende seien allein am Beispiel der Spielstätte des Betriebssportvereins Bayer 04 Leverkusen, Fußball-Bundesliga, demonstriert. Das schlichte „Ulrich-Haberland-Stadion“ wurde Ende der 1990er-Jahre durch die komfortable „BayArena“ ersetzt. Nun taucht der Firmen-Name auch im Gebäude-Logo auf und ersetzt einen Honoratioren-Namen, dessen NS-Belastung längst bekannt war, aber erst jetzt zum Skandal wird. Im Urteil der Öffentlichkeit wertet das die Innovationen moralisch auf. Die Zuschauerplätze der BayArena sind rundum überdacht und bestehen zum größten Teil aus Sitzplätzen. Damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Risiko der Stehplätze (Freibeweglichkeit der Gäste!) ist minimiert und die Erhöhung der Eintrittspreise ist legitimiert. So genannte VIP-Lounges werden für großes Geld saisonweise vermietet und auch für Events zwischen den Spieltagen genutzt. Die Sanitär-Anlagen folgen einer „McClean-Philosophie“; das lukullische Angebot ist auch für den verwöhnten Gaumen annehmbar. Im Stadionbereich herrscht eine eigene Währung. Herkömmliche Euros sind gegen diese einzutauschen. Die Regel ist: Der Besucher kauft mehr Bons oder Chips als er tatsächlich verkonsumiert: Kollateral-Gewinne, die sich summieren. Die neuen Werbebanden rund um den Platz werden von beweglichen Bildern bespielt und pro Bande von mehreren Anbietern genutzt. Damit auch die Kleinsten früh an die „neue Erlebniswelt“ herangeführt werden, hat man im Stadion „Familien-Segmente mit Hüpfburgen“ geschaffen. In den baulichen Mantel des Stadions sind ein Hotel, ein „McDonald‘s Drive In“ (betreut vom Ex-Boxchampion Henry Maske) und ein „Fan-Shop“ integriert. Letzterer ist ein erheblicher Posten im Merchandising – Etat des Clubs. Nach dem Passieren der Sicherheitskontrollen beim Eingang ins Stadion tritt ein in dezentes Schwarz gekleidetes Personal in Erscheinung, das am Revers ein Schild mit Personennamen und dem Kürzel AKS trägt. Es bietet Handzettel mit Liedtexten an, die mitzusingen man aufgefordert wird. AKS bedeutet „Arbeitskreis Stimmung“. – So war es in den Nullerjahren des neuen Jahrhunderts. Heute sind wir einige Jahre weiter. Inzwischen reisen nicht nur die Mannschaften, sondern auch die Schiedsrichter im eigenen Mannschaftsbus an. Spiele mit neun Unparteiischen, rechnet man die Video-Referees hinzu, sind nicht selten. Tore haben inzwischen den Gegenwert von zweistelligen Dollar-Millionen; darum sollte ihre ungerechte An- oder Aberkennung unbedingt vermieden werden: Eine Armada von Regelhütern soll‘s richten. Inzwischen lassen die Spieler am Spieltag internationale Hairstylisten einfliegen, um für die Partie auch top frisiert zu sein. Und nach dem Spiel machen sie Selfies im Nobelrestaurant, auf denen man sie beim Verzehr von Steaks in Blattgold bewundern kann. – Thorstein Veblens „Theorie der feinen Leute“, 1899 erstmals erschienen, fände heute im modernen Profifußball neues Anschauungsmaterial. Längst ist der Fußball kein Proletensport mehr, sondern in der Mitte der „Erlebnisgesellschaft“ angekommen. Der Fußball ist vom Spiel zum Event geworden. Und die „Atmosphäre“, die „gute Stimmung“ im Komfort-Stadion ist ein mindestens ebenso begehrtes Konsumgut geworden wie der Sieg der Mannschaft, zu der man hält. Im Kölner Raum kursiert das Bonmot: „Wenn im Stadion das Licht angeht, kommen die Leute, egal ob der FC spielt oder nicht.“

Fazit

Heute stellt jede Mannschaft der Fußball-Bundesliga eine auf freimarktwirtschaftlichem, also sozialdarwinistischem Wege zustande gekommene Weltauswahl dar, die im nationalen und internationalen Unterhaltungsgewerbe eine profitable Rolle zu spielen versucht. In den ersten sieben Jahren nach den Weichenstellungen aus der ersten Hälfte der 1990er-Jahre konnte die Bundesliga einen Einkommenszuwachs von 373 Millionen auf 1.043 Milliarden Euro verzeichnen. Alle Spieler sind heute Millionäre. Während nicht wenige ihrer Bewunderer auf den Stadionrängen jeden Cent zweimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben. – Das ist die neue Fußballwelt. Der Zuschauerzuspruch ist riesig. Heute kommen im Schnitt doppelt so viele Zuschauer ins Stadion wir 1975. Das Stadion – modernisiert oder komplett neu gebaut und ein architektonisches „Highlight“ – stellt ein Unterhaltungstempel und – dank Videokontrolle – ein Hochsicherheitstrakt in einem dar. Die Einschaltquoten beim Fernsehfußball sind so hoch wie nie zuvor. Alles ist teurer geworden, aber für den Fußball scheint sich jedes Opfer zu lohnen. „Opium fürs Volk“ also? Vielleicht. Wahr ist aber auch, dass sich von kaum einem anderen Spiel, das Menschen betreiben, das sagen lässt, was über den Fußball gesagt worden ist: „Ein Fußballspiel ist das ganze Leben in neunzig Minuten.“ Die Symbolik des Spiels, also seine Verweiskraft auf die Conditio humana, scheint größer zu sein als die anderer Spiel- und Sportarten. Dem kann auch seine kapitalistische Eventisierung nichts anhaben. So jedenfalls hofft es das Kind im Manne, also der Fan im Rezensenten. – Hannah Jonas ist ein sehr anregendes Buch gelungen!

 


Rezension von
Prof. Dr. Klaus Hansen
E-Mail Mailformular


Alle 93 Rezensionen von Klaus Hansen anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Klaus Hansen. Rezension vom 19.02.2020 zu: Hannah Jonas (Hrsg.): Fußball in England und Deutschland von 1961 bis 2000. Vom Verlierer der Wohlstandsgesellschaft zum Vorreiter der Globalisierung. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2019. ISBN 978-3-525-37086-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26557.php, Datum des Zugriffs 07.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung