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Christine Meyer: Soziale Arbeit und Alter(n)

Cover Christine Meyer: Soziale Arbeit und Alter(n). Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 328 Seiten. ISBN 978-3-7799-3837-8. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema

Über den „demographischen Wandel“ und die „Alterung“ der Bevölkerung wird politisch viel diskutiert. Das bedeutet aber nicht, dass die körperlichen und psycho-sozialen Bedürfnisse älterer Manschen stärker berücksichtigt werden. Man kann im Gegenteil in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Marginalisierung einzelner Gruppen Älterer feststellen. Ein Teil der Pflegebedürftigen wird in der totalen Institution Pflegeheim kaserniert. In vielen Pflegeheimen sind aufgrund des Pflegenotstands keine menschenwürdigen Lebensbedingungen möglich (vgl. Rieger 2017; Ohlerth und Wittig 2019). Aufgrund von Reformen, die auch mit dem „demographischen Wandel“ legitimiert wurden, wächst die Altersarmut. Dies sind zwei Gründe, die soziale Lage Älterer stärker zu beachten. Welche Aufgaben die Soziale Arbeit dabei übernehmen kann und darf, ist eine offene Frage. Wo genau der Bedarf in diesen Bevölkerungsgruppen an Angeboten an psycho-sozialen Diensten liegt und wie groß er ist, wäre zu untersuchen. Zweites wäre zu klären, inwieweit es neben der Selbsthilfe und den Angeboten anderer Berufsgruppen die Expertise und Handlungskompetenz der Sozialen Arbeit bedarf, um entsprechende psycho-soziale Probleme zu bearbeiten. Drittens wäre zu untersuchen, inwieweit die Gesellschaft bereit ist, diese Angebote zu finanzieren.

Autorin

Dr. phil. habil. Christine Meyer ist Professorin im Fach Soziale Arbeit an der Universität Vechta

Aufbau und Inhalt

Das Buch, das als Lehrbuch bezeichnet wird, besteht aus 6 umfangreichen Kapiteln mit mehreren Unterkapitel sowie einem kürzeren Kapitel 7.

Die Autorin prognostiziert in der Einleitung (Kapitel 1) aufgrund des demographischen Wandels ein „Jahrhundert des Alters“ (S. 10), wobei Soziale Arbeit „Verantwortung für Menschen in allen Lebensphasen und über das gesamte Leben hinweg übernehmen“ (S. 11) würde. Der Rezensent möchte hier einwenden: Das Selbstverständnis der Sozialarbeit ist zwar wichtig. Aber es wird vor allem darauf ankommen, welche Aufgaben die Sozialarbeit durch politische Entscheidungen und in Organisationen zugewiesen bekommen wird. Gefordert wird eine „eigenständige Expertise sozialer Arbeit für Alternsprozesse und die Lebensphase Alter“ (S. 11).

Das Kapitel 2 behandelt den Zusammenhang zwischen Altern und sozialer Arbeit.

Das Unterkapitel 2.1. beginnt mit dem Thema demographischer Wandel und Alterung der Bevölkerung. Eingegangen wird unter anderem auf die Entwicklung in Westdeutschland und Ostdeutschland und auf eine Prognose des Statistischen Bundesamtes bis zum Jahre 2060. Hier ist der Rezensent skeptisch. Erklärt wird der demographische Wandel mit dem Anstieg der Lebenserwartung und der geringen Geburtenrate. Gesichert ist, dass die Zahl der über 67-jährigen bis 2031 ansteigen wird. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen bis dahin das Rentenalter. Die Geburtenrate kann man vielleicht für vier oder fünf Jahre vorhersagen, gleiches gilt für die Lebenserwartung. Die Annahme, dass sich kurzfristig wenig ändert wird, ist plausibel. Prognosen über einen längeren Zeitraum sind aber reine Spekulation. Die Geburtenrate in einigen anderen westlichen Ländern ist höher als in Deutschland. Sie kann auch in Deutschland wieder ansteigen, was auch durch Familienpolitik beeinflusst werden kann. Umgekehrt ist auch eine geringere Geburtenrate vorstellbar. Möglich ist auch, dass die durchschnittliche Lebenserwartung nicht weiter steigt, sondern konstant bleibt oder (wie in den USA) sinkt. Auch die Entwicklung der Zuwanderung lässt sich nicht vorhersagen. Die Frage ist aber auch, ob es wirklich für die Sozialarbeit so bedeutsam ist, ob der Anteil der über 65jährigen etwas größer oder kleiner sein wird. Diskutiert werden mögliche Definitionen von Altern. Dabei werden die Schwierigkeiten deutlich, den Beginn der Lebensphase festzulegen. Teilweise wird auf Selbsteinschätzungen Älterer zurückgegriffen, manchmal wird das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben als Beginn der Lebensphase genommen. Hingewiesen wird auch auf die Unterschiedlichkeit zwischen älteren Personen.

Es folgt ein Abschnitt zur Gestalt der alternden Gesellschaft im Jahre 2050. Diese beruht auf einer Prognose des Statistischen Bundesamtes, aber nicht auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eingegangen wird dann auf die Bedeutung des Themas Alter in den Disziplinen Erziehungswissenschaften, Sozialpädagogik und soziale Arbeit. Aufgezeigt wird eine bisher eher marginale Bedeutung des Themas in diesen Disziplinen. Wissenschaftlerinnen mit diesem Schwerpunkt finde man eher in der Sektion Soziale Gerontologie und Altenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie. Eingegangen wird dann auf die soziale Gerontologie als „lockerer Verbund verschiedener Disziplinen“ und die These vom „Strukturwandel des Alterns“ Diese These aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ist nach Einschätzung des Rezensenten teilweise überholt. Von einer Verjüngung und Entberuflichung des Alterns kann man heute nicht mehr sprechen. Ob der höhere Frauenanteil im Alter auch zu einer „Feminisierung des Alters“ führt, kann man kritisch diskutieren (vgl. Backes 2001). Die Autorin verweist darauf, dass während der 90 Jahre eine Vielzahl an Wissen in Bezug auf die alternde Gesellschaft erarbeitet wurde. Aus sieht sie „vielfältiges Engagement der letzten 25 Jahre zur Schaffung altengerechter Sozialräume“ (S. 27). Der Rezensent ist hier skeptisch. Er sieht deutliche Verschlechterungen in der sozialen Lage größerer Gruppen Älterer: der Pflegenotstand im stationären Bereich (vgl. Rieger 2017) und in der ambulanten medizinischen Versorgung (vgl. Schmid 2017) durch Überversorgung am Lebensende (vgl. Thöns 2016) und die wachsende Armutsquote bei den über 65jährigen (vgl. Rock 2017, S. 125 ff.) Kurz eingegangen wird auf die Altenberichte. Es folgt ein Abschnitt zu akademischen pflegewissenschaftlichen und gerontologischen Ausbildungsgängen. Hingewiesen wird auf die Gefahr, dass solche Ausbildungen, wie in der Erziehung, zu Sackgassen führen können. „Erzieher*innen müssen für Aufstiege jeweils aus der Berufspraxis aussteigen, bilden sich weiter, ohne dass sie wieder in dem Berufsfeld auf höherer Stelle einmünden. Es ist eher so, dass diese Weiterqualifikationen aus dem Feld weg führen.“ (S. 32). Die Qualifikationsprofile müssten wieder in das Feld zurückführen.

Auf Altenbilder und Altersstereotype und „Lesarten zur Lebensphase Alter(n)“ wird im nächsten Unterkapitel (2.2.) eingegangen. Zum Thema Altenbilder (2.2.1) werden u.a. die vier Erscheinungsbilder von Altenbildern nach dem sechsten Altenbericht und eine Studie zu Altersstereotypen behandelt. Eingegangen wird auf die Versuche negative Altersstereotype zu überwinden. Hingewiesen wird aber auf die Kritik an einer „bedingungslosen Positivierung des Alters“ (S. 42). Auch der Rezensent sieht die Kritik an „negativen Altersstereotypen“ skeptisch. Den „gebrechlichen Alten“ gibt es ja tatsächlich. Als älterer Mensch macht man die Erfahrung, dass im Freundes- und Bekanntenkreis einige Gleichaltrige oder etwas Ältere an Krankheiten und Behinderungen leiden und dass einige dieser Älteren auch sterben, was jüngere Menschen leichter ausblenden können. Auch ein Selbstoptimierungsprogamm für Ältere kann eine, letztliche erfolglose, „Flucht vor dem Alter“ (Gronemeyer 2018, S. 10) sein. Eingegangen wird auf Altersbilder in der Werbung mit denen für bestimmte Produktgruppen geworben wird. Mit der positiven Inszenierung würde der Eindruck erweckt, einige Begleiterscheinungen des Alterns aufhalten oder abmildern zu können. Anschließend wird auf Seniorenfilme eingegangen. Hier wäre eine Berücksichtigung der Frage nach der Reaktion der älteren Rezipienten sinnvoll. Ob diese Rezipienten tatsächlich in den Filmen ein gültiges Abbild ihres Lebens sehen, ist eine offene Frage.

Im nächsten Unterkapitel (2.2.2.) werden Theorien zur Lebensphase Alter und ihre Auswirkungen auf Soziale Arbeit behandelt. Eingegangen wird u.a. auf die Disengagement -Theorie, die Aktivitätstheorie, den Kontinuitätsansatz und die Leitbilder zum produktiven Altern und erfolgreichen Altern. Festgestellt wird, das Alter nicht überwiegend als eigene Lebensphase akzeptiert wird [1] Die Autorin zitiert Schweppe, die feststellt, „dass es der Sozialpädagogik kaum gelungen ist, eine eigenständige Expertise innerhalb dieses von Medizin und pflegerischen Tätigkeiten beherrschen Arbeitsfeldes zu entwickeln und zu verdeutlichen.“ (S47). Die Altenhilfe sei Teil der Sozialhilfe, es gebe kein eigenständiges Leistungsrecht wie in der Jugendhilfe.

Im Kapitel 2.3 wird die Bedeutung des Wissens über Alterungsprozesse für die Soziale Arbeit behandelt. Hingewiesen wird darauf, dass Sozialarbeiterinnen in vielen Arbeitsfelder es auch mit älteren Menschen zu tun haben. Im ersten Unterkapitel werden Anforderungen an ein Profil sozialere Altenarbeit behandelt. Dieser Abschnitt müsste nach Meinung des Rezensenten konkretisiert, geschärft und auf Arbeitsfelder bezogen werden. [2] Auch im folgenden Unterkapitel zum Fachdiskurs zur Sozialer Altenarbeit wird die Notwendigkeit einer Konkretisierung deutlich, „ denn eine eigenständige Expertise Sozialer Arbeit für Alterungsprozesse und die Lebensphase Alter scheint weiterhin ausständig“ (S. 51).

Das Kapitel 3 zur Lebensphase Alter beginnt mit einem Unterkapitel zu Perspektiven auf den Lebenslauf und die Gestaltung von Biographien (3.1.). Einige der in diesem Unterkapitel zitierten Autoren überschätzen nach Ansicht des Rezensenten der Selbstgestaltungsmöglichkeiten erheblich. Diese Möglichkeiten mögen bei einem Teil des Bildungsbürgertums gegeben sein, aber der Großteil der Menschen ist viel stärker von den Verhältnissen abhängig, in die sei hineingeboren werden. Hier bestimmt stärker das Sein das Bewusstsein. Individualisierung als Perspektive kann auch eine Gefahr sein, etwa wenn ältere Arbeitslose für ihr Schicksal verantwortlich gemacht werden. Wünschenswert wäre in diesem Unterkapitel eine stärkere Berücksichtigung der Biographieforschung (u.a. Lebenszyklus, Prozessstrukturen des Lebenslaufs, Generationslage) und des Habitus in sozialen Milieus.

Das Unterkapitel 3.2 hat die Überschrift „Die Vollständigkeit des Lebens vor dem Hintergrund der eigenen Endlichkeit“ (S. 61). Es geht dabei um inhaltliche Beurteilung des Lebens. Für den Rezensenten stellt sich jedoch die Frage, ob ein Leben „vollständig“ sein kann. Jeder Mensch wird in einer bestimmten Zeit und in eine bestimmte Familie hineingeboren. Auch ist er häufig mit Entscheidungszwängen konfrontiert. Man kann zum Beispiel nicht Arzt und Berufsmusiker werden. Wenn ein 70jähriger noch einmal 20 wäre, wäre er es in einer anderen Zeit. Er würde zum Beispiel nicht 1968, sondern 2019 studieren. Aber Selbstevaluationen und die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens können im Alter, besonders am nahen Lebensende, eine besondere Bedeutung haben. [3] Wichtig ist dabei auch, in welchen interaktiven Zusammenhängen dies geschieht. Relativ selten werden Biographien, wie im narrativ-biographischen Interview (vgl. Schütze 1983), quasi in einem Stück dargestellt. Eingegangen wird auf Erinnerungen Älterer zur Jugendphase. Hingewiesen wird auch auf die Möglichkeiten, durch biographische Reflexion im Alter Elemente zu finden, die im Alter relevant sein könnten. Hingewiesen wird auch auf Möglichkeiten und Methoden der Biographiearbeit mit Älteren. Es folgt eine Darstellung zum autobiographischen Gedächtnis aus neuro-wissenschaftlicher Perspektive. Die Autorin sieht in den neuro-wissenschaftlichen Erkenntnissen „Chancen für biographisch unverwechselbare Alterungsprozesse, die durch Bewusstmachung aktiv gestaltbar und veränderbar bleiben.“ (S 69). Menschen könnten sich bis ins hohe Lebensalter verändern. Eingegangen wird auf die Entwicklung des Gedächtnisses und verschiedene Gedächtnisformen. Eine Ergänzung durch eine psychologische Perspektive wäre nach Ansicht des Rezensenten sinnvoll. Es gibt unterschiedliche Motive für bewusstes und nicht bewusstes [4] Erinnern, Wiedererinnern, Vergessens, Verleugnens und Ausblendens Anschließend wird auf Demenzerkrankungen eingegangen. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, nehme mit dem Lebensalter zu. Daher seien in Zukunft mehr Demenzerkrankungen zu erwarten. Ursachen von Demenzerkrankungen werden skizziert. Im Hinblick auf die Behandlung von Demenzerkrankungen wird eine gewisse Hilflosigkeit deutlich. Es folgt ein Abschnitt zu den Verhältnissen zwischen den Generationen. Skizziert werden Überlegungen von Böhnisch/​Blanc und Hamburger zur „Austauschbarkeit von Generationen“ Nicht deutlich wird, ob diese Überlegungen eine empirische Grundlage haben. „Intergenerative Interessensgruppen“ ( S. 79) hat es schon immer gegeben. Auch fragt sich der Rezensent, welche Bedeutung diese Überlegungen für die Praxis sozialer Altenarbeit haben sollen. Als Begründung für Mehrgenerationenhäuser (S. 80/81) werden sie nicht benötigt. Die Autorin nimmt an: „Traditionelle Bildungsverhältnisse haben sich umgedreht und die Alten verfügen über große Speicher überholten und entwerteten Wissens, während die Jungen Wissen erworben haben, welches den Alten verborgen bleiben wird.“ (S. 80). Dies mag auf Teile des beruflich und ökonomisch verwertbaren Wissens zutreffen, nicht aber generell auf Erfahrungswissen. Eingegangen wird auf Mehrgenerationenhäuser, die als „Re-Familialisierungsstrategie“ eingeordnet. [5] Behandelt wird das bürgerschaftliche Engagement älterer Menschen. Einige Autoren sehen darin eine „Wiederverpflichtung“ während Zeman betont, dass nur die freiwillige Selbstverpflichtung die unverwechselbare Qualität ausmache (vgl. S. 82) [6]. Die Autorin kritisiert die „mangelnde Effizienz der Aktivierungspolitik“ (S. 84). Im nächsten Kapitel geht es um die „Umkehrung von Generationsverhältnissen“ in Beziehungen zwischen jüngeren professionellen Dienstleistern und Älteren als Klienten. Der Rezensent fragt sich, was sich da „umkehrt“. Beziehungen zwischen jüngeren Professionellen und älteren Patienten oder Klienten hat es schon immer gegeben. Ein Facharzt für Geriatrie muss nicht selber alt sein. Es gibt alltägliche und professionelle Methoden des Fremdverstehens und Empathie ist eine Voraussetzung für Professionalität. Die Ausführungen zum pädagogischen Beziehung zu Kindern und Jugendlichen sind interessant Die Beziehungen zwischen älteren Erzieherinnen und Kinder und Jugendlichen haben aber eine andere Qualität, da bei Kindern und Jugendlichen die Bildungsprozesse des Subjekt noch bis zur Adoleszenzreife offen sind (vgl. Oevermann 1996, S. 146 ff.). Den Großteil der Älteren und mindestens einen Teil der Hochbetagten muss man dagegen als autonom handlungsfähig einstufen. Es geht daher um Erwachsenenbildung und Erwachsenenpädagogik mit anderen Methoden (vgl. Kade 2001). Abschließend diskutiert die Autorin die Frage, „was Soziale Arbeit und ganz speziell ein junger Mensch einem alten Menschen anbieten für den Alternsprozess“ kann (S. 91). Diese Frage wird nach Einschätzung des Rezensenten nicht konkret genug beantwortet. Ein „Balancieren zwischen aktivem Tun und aktivem Aushalten“ reicht nicht aus.

Das Kapitel 4 zum Altern beginnt mit einem Unterkapitel zu alternden Körper. Mit den philosophischen Betrachtungen zu Körper und Leib holt die Autorin sehr weit aus. Die Erfahrungen von Körper und Leib seien bedeutsam für den Alterungsprozess. „Der Alterungsprozess lässt sich kennzeichnen als stetig zunehmende Häufung von Grenzerfahrungen aufgrund der stetig zunehmenden Veränderungen des Körpers, die am eigenen Leib spürbar werden.“ (S. 99). Dass mit zunehmenden Alter Veränderungen im Aussehen, der Beweglichkeit und körperlicher Leistungsfähigkeit deutlich werden (vgl. S. 100), ist sicherlich richtig. Aber benötige ich als alternder Mensch diese Erfahrungen am eigenen Leib, um die eigene Endlichkeit zu spüren? Der alternde Mensch geht auch häufiger zu Beerdigungen. Einige dieser Veränderungen geschehen stetig und allmählich, andere plötzlich, zum Beispiel durch einen Schlaganfall. Die Autorin sieht einen Kontrast zu Idealbildern der Konsum- und Mediengesellschaft. Wie abhängig wir tatsächlich von der Werbebranche und den Massenmedien sind, könnte man untersuchen. Es gibt auch die tägliche Interaktion mit Gleichaltrigen und etwas Älteren. Eingegangen wird u.a. auf Körperprothesen die Pflegebedürftigkeit und das Erleben des alternden Körpers. Die Autorin stellt fest, dass Fragen rund um den Körper bisher in erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen wenig Berücksichtigung finden. Die Ausführungen in diesem Unterkapitel bleiben relativ allgemein, für die Praxis Sozialer Altenarbeit müssen sie konkretisiert werden. Sinnvoll wäre eine Differenzierung nach unterschiedlichen Verläufen. Nur in einigen Fällen verlieren alternde Männer und Frauen allmählich ihre Fähigkeiten und kommen als Pflegebedürftigen, zum Beispiel mit 84, ins Pflegeheim. In anderen Fällen haben körperliche Veränderungen bis kurz vor dem Tod eine geringe Bedeutung, dann sterben sie zum Beispiel innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten an einer schweren Krankheit. Wichtig ist auch das Coping.

Es folgt ein Unterkapitel (4.1.1) zur Attraktivität im Alter. Menschen würden sich durch ihren Körper inszenieren. Ausgegangen wird dabei vom Ideal des jugendlichen Körpers, an dem sich auch Ältere orientierten. Dies habe jedoch dort ihre Grenzen, wo die Bemühungen als altersunangemessen und offenbar erfolglos eingeschätzt werden, sodass man lächerlich wirke. Der Rezensent fragt sich nach der Relevanz des Themas für verschiedene Gruppen oder Typen von Männern und Frauen. Es wird in diesem Unterkapitel auch eine qualitative Studie zitiert, wonach einige Menschen mit ihrem alternden Körper unglücklich sind, während andere Menschen wenig oder keine Probleme damit haben (S. 114). Es wird auch alternde Menschen geben, die keinen Sinn darin sehen, unerreichbaren Jugendidealen hinterher zu laufen und dabei Lebensenergie und Lebenszeit zu vergeuden. Dies gilt auch „Schönheitshandeln“ beim Friseur und die Frage der Kleidung. Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit der Verleugnung des Alters. Die Bereitschaft zur Konformität und Abhängigkeit von Mode dürfte unterschiedlich groß sein.

Das nächste Unterkapitel (4.1.2.) beginnt mit den Themen Schmerzen, Schmerzsozialisation, Schmerzbiographien und Schmerzhandeln. Besonderen Stellenwert hat hierbei eine Studie, in der Patientinnen und Patienten der Jahrgänge 1920 – 1935 interviewt wurden. Diese Hochaltrigen erlebten als Kinder und Jugendliche die NS-Zeit, die männlichen Interviewten waren häufig auch im Weltkrieg Soldat. Aushalten könne hier auch zum Anerkennungen und Gratifikation führen. Das Thema könnte hier auch noch ausgeweitet werden auf andere Generationslagen, andere Altersstufen und bestimmte Schmerzformen wie zum Beispiel Tumorschmerzen oder rheumatische Schmerzen. Bedeutsam sind die Themen nicht erst in der Hochaltrigkeit (die die meisten Männer und auch viele Frauen nicht erleben). Dies gilt auch für die Wahrnehmung der eigenen Endlichkeit und der Nähe des Todes. Nicht wenige Männer und Frauen sind bereits mit Ende 60 oder Anfang 70 mit schweren Krankheiten konfrontiert, an denen sie sterben könnten. Erstaunt ist der Rezensent über die Ansicht von Benkel, dass das Sterben wenig beachtet werde (vgl. S 133 ff.). Bereits in den 60er Jahren gab es Forschungsarbeiten zum Sterben (zum Beispiel Glaser und Strauss 1966) Inzwischen gibt es relativ viel Literatur zum Sterben, zur Trauer, zur Hospizarbeit und zur Palliativmedizin [7] und auch in den Medien und der politischen Diskussion zum assistierten Suizid ist das Thema Sterben angekommen.

Im nächsten Kapitel (4.2) werden soziale Netzwerke behandelt, die die Entwicklung eines Menschen ein Leben lang begleiten. Eingegangen wird auf Beziehungsgestaltung, auf Veränderungen der Netzwerke durch Ereignisse wie erste Elternschaft, Scheidung oder Verwitwung und auf Konstanz sozialer Netzwerke. Die Anzahl der Sozialbeziehungen nehme in der ersten Lebenshälfte zu und in der zweiten Lebenshälfte ab. Eine Möglichkeit der Sozialen Arbeit sieht die Autorin in der Stärkung von Unterstützungspotenzialen durch soziale Netzwerkarbeit (vgl. S. 139, zu dieser Aufgabe vgl. auch Klehm 1996, 2002). Ein Problem des Netzwerkansatzes sieht der Rezensent darin, dass über die Qualität sozialer Beziehungen wenig ausgesagt wird. Beziehungen können stark rollenspezifisch sein, oder diffus/persönlich. Man kann ein dichtes soziales Netzwerk mit vielen Beziehungen haben, die aber meist sehr oberflächlich sind und wenige Beziehungen, die diffus und persönlich sind. Eingegangen wird auf primäre und sekundäre Netzwerke (Institutionen, Organisationen). Festgestellt wird, dass die Anzahl von Kontakten zu Freunden und Bekannten im Alter abnimmt. Ausführlicher eingegangen wird auf Freundschaften, vor allem zu engen Freunden, wobei auf einige Studien eingegangen wird. Ein Problem könnte hier sein, dass der Begriff Freundschaft unterschiedlich verstanden wird. Der Begriff kann eng gefasst werden, andere Männer und Frauen könnten auch gute Bekanntschaften und Nachbarschaftsbeziehungen hinzuzählen. Unterscheiden könnte man auch zwischen Männerfreundschaften, Frauenfreundschaften und gegengeschlechtlichen Freundschaften (die eher selten sind). Zum Hilfepotenzial wird unterschieden zwischen familieninternen und familienexternen Netzwerken, die relativ altershomogen sind. Eingegangen wird auf den Familienstand der Älteren und Alten, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Skeptisch sieht der Rezensent weiterhin prognostische Überlegungen über einen Zeitraum von 25Jahren. Es ist aber auch für die Soziale Arbeit weniger relevant, inwieweit zum Beispiel die Zahl der Witwer/​Witwen und Geschiedenen weiter steigt. Es geht im Einzelfall um konkrete Klientinnen und Klienten die einen bestimmten Familienstand haben. Eingegangen wird auch auf Gleichaltrigen-Gruppen (Peers) älterer Menschen. Die Autorin nimmt an, dass in Zukunft traditionelle Lebensformen wie die Ehe eine geringere Bedeutung haben werden. Damit gehe auch Pflege- und Hilfepotenzial verloren. Freundschaften könnten dann eine größere Bedeutung haben. Das mag so eintreten, aber in jedem Fall steigt mit zunehmenden Alter der Anteil der Witwen und Witwer und damit die Zahl der Ein-Personen-Haushalte. Der individuelle Bedarf nach Freundschaften dürfte unterschiedlich sein und auch vom Familienstand (vgl. S. 149) und Geschlecht abhängen. Während die meisten ältere und alte Männer bis ins hohe Alter verheiratet sind oder in einer Partnerschaft leben, sind die meisten Frauen über 80 Jahren Single (vgl. Landesamt für Statistik Niedersachsen 2017, S. 8). [1] Eingegangen wird auch auf Beziehungen zu Nachbarn sowie auf schwule und lesbische Subkulturen. Beteiligungen an politischen Interessensvertretungen und selbstorganisierte Angebote sind ebenfalls Themen.

Im nächsten Unterkapitel (4.2.3.) wird die Sexualität im Alter behandelt. Einleitend wird auf einen Kinofilm und eine Talkshow eingegangen, in denen das Thema behandelt wird. Danach wird auf den Zusammenhang von Partnerschaft und Sexualität eingegangen. Die sexuellen Aktivitäten sind bei Männern und Frauen, die in einer Partnerschaft leben deutlich höher als bei Männern und Frauen ohne feste Partnerschaft. Diskutiert wird, inwieweit durch den demographischen und gesellschaftlichen Wandel neue Perspektiven möglich werden. Dies wird nach Ansicht des Rezensenten aber auch davon abhängen, ob sich die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den Geschlechtern verringern. Ansonsten sind für alleinlebende ältere Frauen die Chancen auf eine neu längere hetero-sexuelle Partnerschaft gering.

Das Kapitel 4.3 behandelt geschlechtsspezifische Perspektiven von Frauen, Männer, Lesben, Schwulen Bisexuellen, Transgender und Queren zum Altern.

Begonnen wird mit einem Unterkapitel zum Alterungsprozess von Frauen. Eingegangen wird unter anderem auf die längere Lebenserwartung von Frauen und die „Crossover Annahme“, wonach sich im Alter die Geschlechter angleichen. Bei dieser Annahme werden nach Ansicht des Rezensenten Probleme der Geschlechtsperspektive deutlich. Wenn man als Beleg für die Hypothese annimmt, dass Männer im Alter ihre Abhängigkeitsbedürfnisse akzeptieren und Frauen aggressiver werden (vgl. S. 166), geht man von einer traditionellen Kategorisierung der Geschlechter aus. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich dann schwer von subjektiven Meinungsäußerungen und Stereotypen unterscheiden. Das gilt auch für den unterschiedlichen Beginn des Alters. Warum sollte bei Frauen das Alter mit der Menopause beginnen?

Im nächsten Unterkapitel werden dann Alterungsprozesse von Männern behandelt. Eingegangen wird u.a. auf die Pensionierung, auf das höhere Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf sexuelle Funktionsstörungen, auf fehlende Rücksichtnahme der Männer auf ihren Körper, männliche Trauer und riskanteren Umgang mit Alkohol. Auch hier fragt sich der Rezensent, ob hier nicht eine Tendenz zu Pauschalisierungen vorliegt. Das gilt auch für das Thema Suizid von älteren und alten Männern. Die Motivationen sind hier unterschiedlich und nicht immer sind suizidale ältere Männer auch depressiv (vgl. Giger-Bütler 2018 S. 131 ff. zu Alter und Suizid) Manchmal wird in der Literatur von Männerbildern ausgegangen, die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verbreitet waren. Älteren und alten Männer wird ein Kontrollzwang zugeschrieben (vgl. S. 177).

Das Thema Alterungsprozess bei Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queren Menschen wird im Unterkapitel (4.3.3.) ausführlich behandelt. Eingegangen wird auf die jahrzehntelange Diskriminierung und Verfolgung nach § 175 StGB [9] und auf älter werdende Homosexuelle, die wichtige Akteure gegen die Diskriminierung waren. Behandelt wird auf die Forschungslage, die bei Schwulen und Lesben umfangreicher ist als bei Bisexuellen Transgender und. Intersex-Menschen. Behandelt werden Unterstützungsnetzwerke, die sich bei homosexuellen beiderlei Geschlechts von den Unterstützungsnetzwerken Hetero-Sexueller unterscheiden, der Kontakt zu Subkulturen und der Gesundheitszustand dieser Personengruppen. Ältere Homosexuelle seien „doppelt diskriminiert“ (S. 192). Dies könne auch in Altenpflegeeinrichtungen aufgrund ihrer institutionellen Heteronormalität (S. 192) geschehen. Der Mangel an Studien über Ältere aus diesen Personengruppen wird beklagt.

Das Hauptkapitel 5 handelt von der Bedeutung des Sozialraums für den Alterungsprozess

Begonnen wird in Kapitel 5.1. mit dem „Rückzug auf den Sozialraum in der Lebensphase Alter“. Hier wäre nach Ansicht des Rezensenten eine Differenzierung sinnvoll. Nach der Verrentung ist sogar eine Erweiterung des Sozialraums möglich. Erwerbstätige sind nämlich auch stärker an Wohnort und Arbeitsort gebunden. Sie pendeln zwischen beiden Orten und haben weniger Zeit, sich andere Räume zu erschließen. Der Stellenwert des Wohngebietes (vgl. S. 199) kann auch unterschiedlich sein. Für einige Ältere sind neben dem Wohnviertel auch noch andere gut erreichbare Stadtviertel oder Städte bedeutsam. Wichtig sind dabei auch günstige Bedingungen des öffentlichen Nahverkehrs. Anders verhält es sich bei Älteren, die aufgrund von Krankheiten und Behinderungen in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Phase im Alterungsprozess, die bei einigen Älteren schon mit 70 Jahren, bei anderen erst mit 80 Jahren oder später beginnt. Eingegangen wird auf das sozialräumliche Konzept der Aneignung bezogen auf das Alter und auf das Konzept des biographischen Raums. Ausgegangen wird von einem Konzept des Sozialraums, nach dem Räume nicht nur vorgefertigt sind, sondern auch durch das Handeln von Menschen entstehen. Kurz erwähnt wird das Thema Altersarmut. Damit werden zwei wichtige Zusammenhänge angerissen: 1.Klasse/​soziale Schicht und Altern 2. Sozial-räumliche Segregation und Altern. Vorgeschlagen wird eine sozialräumliche Methodik für die Arbeit mit Älteren. Eingegangen wird auf die Pflege durch Familienangehörige und das „Getto der Altenheime“ aus denen man heraustreten könne. Der Rezensent ist skeptisch, ob dies durch sozialräumliche Methodik gelingen kann. Der Pflegenotstand ist durch politische Entscheidungen der letzten Jahrzehnte verursacht (vgl. Rieger 2017) und es sieht nicht so aus, als würde sich daran in den nächsten Jahren etwas ändern. Die Exklusion eines Teils der Pflegebedürftigen in die totale Institution (vgl. Goffman 1977) Pflegeheim ist politisch gewollt.

Im Kapitel 5.2. werden sozialräumliche Entwicklungen in einzelnen Regionen aufgrund von Abwanderung und Geburtenrückgang behandelt. Betroffen sind viele Regionen in Ostdeutschlandland und Regionen in Westdeutschland wie das Saarland und das Ruhrgebiet. Diese Entwicklungen sind jedoch nicht neu, sondern sehr alt und gewannen Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in Westdeutschland durch den wirtschaftlichen Strukturwandel wieder an Bedeutung. Seitdem haben die Bundesregierungen und Landesregierungen nie ernsthaft versucht „gleichwertige Lebensbedingungen“ in Deutschland durchzusetzen. Durch die „aktivierende Sozialpolitik“ seit Beginn diesen Jahrhunderts wurde die Abwanderung aus strukturschwachen Regionen sogar noch stärker gefördert. Für Ältere  gibt es dagegen weniger Anreize, die Region zu verlassen. Behandelt wird die Bedeutung dieser Veränderungen der Infrastruktur für ältere Menschen. Diese seien darauf angewiesen, trotz eingeschränkter Mobilität u.a. Einkaufsmöglichkeiten oder Gesundheitseinrichtungen zu erreichen. Der Rezensent ist skeptisch, inwieweit dies gewährleistet werden kann. Durch die poltische Förderung des Autoverkehrs wurde der öffentliche Regionalverkehr auf dem Lande ausgedünnt. Der nächste Supermarkt ist weit weg, auch die Hausärzte und Fachärzte praktizieren nicht in der Nähe. Eingegangen wird auf „Stadtquartiere auf Zeit“ in schrumpfenden Regionen, in denen sich Alte und Arme konzentrieren. [10] Behandel wird auch den nahräumlichen Zugang, die Erreichbarkeit von Gebieten und die Erreichbarkeit von Oberzentren. Problematisch seien PKW-Fahrtzeiten zu Oberzentren von mehr als 30 Minuten (S. 217) Hier wäre auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmittel wichtig, weil der Anteil der Personen, die aufgrund körperlicher Erkrankungen nicht mehr Autofahren dürfen oder dies ungern tun, wächst. Angesprochen wird auch das Konzept der „altersgerechte Kommune“ und die altersgerechten Stadt- und Regionalentwicklung. Möglich ist auch, dass einzelne Städte sich als geeigneter Sozialraum für Ältere anbieten (vgl. Steinert/​Zillich 2007) [11] Behandelt wird auch der ländliche Raum und die traditionelle Dorf-Welt. Hier wäre auch zu untersuchen, wo es diese traditionelle Welt noch gibt und wer dazugehört. In vielen Dörfern leben Einheimische und Zugereiste, ehemalige Dorfbewohner sind weggezogen. Eingegangen wird auf „Lebenslanges Lernen und Kultur“ für Ältere. Als Beispiel wird das Programm „Kultur im Koffer“ für Ältere auf dem Lande vorgestellt. Die Chancen für Modellprogramme und Gestaltung ländlicher Sozialräume sieht der Rezensent skeptisch, da schon die Bereitschaft der Politik, die medizinische Versorgung und Pflege ausreichend zu finanzieren, gering ist.

Das Kapitel 5.2.2. handelt von der Mobilität und ihrer Bedeutung für selbstbestimmte Altersprozesse. Eingegangen wird auf psychische und physische Veränderungen, die Mobilität beeinträchtigen können. Die Mobilität verschiedener Altersgruppen wird verglichen. Auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen und auf die Mobilität in ländlichen Regionen wird eingegangen. In einigen Dörfern sind auch Älterer stärker auf ein eigenes Auto angewiesen, während man in einigen Großstädten auf das Auto eher verzichten kann oder seltener mit dem Auto fährt. Hingewiesen wird auch auf Veränderungen der Mobilität durch Singularisierung.

Das nächste Unterkapitel (5.2.3) behandelt infrastrukturelle Angebote und Maßnahmen. Festgestellt wird eine infrastrukturelle Ausdünnung auf dem Lande und eine Abkopplung von Regionen mit einem überproportionalen Anteil von Älteren. Hingewiesen wird darauf, dass die Älteren eine sehr heterogene Gruppe sind. Ein Teil der ländlichen Bevölkerung lebe in Orten ohne Lebensmitteleinzelhandel am Ort. Diskutiert werden Möglichkeiten der mobilen Versorgung und das Modell des bürgerschaftlich getragene Dorfladens. Hinweisen könnte man hier noch auf Möglichkeiten des Internethandelns mit Bringe-Diensten. Ein Teil der über 75-jährigen verfügt bereits über einen Anschluss ans Internet und 60 – 70jährige haben häufig auch beruflich mit PC und Internet gearbeitet.

Transnationaler Sozialraum und multi-lokales Altern wird in Kapitel 5.2.4 behandelt. Einige Migrantinnen und Migranten aus Südeuropa leben in Deutschland, halten sich aber öfters in ihrem Herkunftsland auf, kommunizieren per Internet öfters mit Freunden und Verwandten in ihrem Herkunftsland und sehen Fernsehsender aus ihrer Heimat. Hinzu zählen könnte man heute wohl auch Russlanddeutsche und Aussiedler aus Polen, die manchmal auch nicht-deutsche Ehepartner haben. Nach der Erfahrung des Rezensenten kann es zu einem Problem werden, wenn die Orientierung nicht bi-national ist und man in seiner Herkunftskultur verharrt. So gibt es Migrantinnen und Migranten, die schon sehr lange in Deutschland leben, aber sich kaum auf Deutsch verständigen können. Auch Deutsche, die mehrere Monate im Jahr im Ausland leben können einen transnationalen Sozialraum haben (S. 234). Multi-lokale Sozialräume kann es auch innerhalb Deutschlands geben, zum Beispiel wenn man den Sommer auf einem bestimmten Camping-Platz verbringt.

Das nächste Kapitel 5.3. handelt von Aneignung von Sozialräumen entlang von Hilfe- und Pflegebedürftigkeit. Bei schwerer Pflegebedürftigkeit könne sich der Radius auf das Haus, das Schlafzimmer oder gar das eigene Bett reduzieren. Hingewiesen wird auf die mit 48 % relativ hohe Eigentumsquote der über 65 Jährigen. Angeregt wird eine „selbstständigkeitserhaltende und selbstständigkeitsfördernde Gestaltung des Wohnen.“ (S. 246). Inwieweit dies präventiv sinnvoll ist, ist nach Ansicht des Rezensenten fraglich. Es gibt Menschen, die vor ihrem Tod lange pflegebedürftig sind, andere werden vor ihrem Tod nicht oder nur sehr kurze Zeit pflegebedürftig. Eine individuelle Prognose ist häufig nicht möglich, solange keine progrediente Erkrankung diagnostiziert wurde. Die Autorin weist darauf hin, dass das Pflegerisiko mit dem Alter steigt [12]. Aber wer erreicht überhaupt ein Alter, in dem Pflegebedürftigkeit wahrscheinlich wird? Eingegangen wird auf Fenster und Fensteraussichten und die farbliche Gestaltung von Räumen. Eingegangen wird dann auf Orte des Sterbens Dieser Abschnitt könnte wesentlich ausführlicher sein (vgl. hierzu zum Beispiel Borasio 2013, 2014, Lübbe 2014, Student u.a. 2007). Die Orte des Sterbens sind auch von den Krankheitsverläufen abhängig. Bei einigen Krankheiten (z.B. Herzinfarkt) ist häufig nicht klar, ob sie tödlich verlaufen, sodass eine kurative Krankenhausbehandlung sinnvoll ist. In Hospize hingegen kommen nur Männer und Frauen mit einer Krankheit, die bestimmte Kriterien erfüllt (progredient in fortgeschrittenen Stadium, Heilung ausgeschlossen, geringe Lebenserwartung). Kurz eingegangen wird auch auf die Themen Trauer, Trauerbewältigung und Death Cafés. Auch dieser Anschnitt könnt ausführlicher sein (vgl. zum Beispiel Samuel 2017, Brathuhn, Adelt2015, Jungbauer, Krockhauer 2013) da das Sterben von Eltern, Geschwistern, Lebenspartnern, Freunden und Bekannte im Alter mit dem Alter immer wichtiger wird. Hinweisen könnte man auch die Hospizvereine als Bürgerbewegung

In Kapitel 6, und dort vor allem in Kapitel 6.1. wird der „primordiale Zugang“ zum Altern aus sozialpädagogischer Perspektive begründet. Die „geisteswissenschaftliche-philosophische Reflexion“ bleibt meist relativ abstrakt. Der Rezensent sieht die Gefahr, dass die Theoriebildung zu weit abhebt von der Praxis, die auch Forschungen und Theoriebildung zu den praktischen Problemen der professionellen Arbeit und den psycho-sozialen Problemen älterer Menschen benötigt. [13] Ein Thema ist dann Biographiearbeit mit älteren Menschen und biographische Schwerpunktbildung. Ein Bezug zur Biographieforschung wäre hier sinnvoll. Anschließend werden Aufgaben und Arbeitsfelder Sozialer Altenarbeit behandelt. Das breite Angebot erscheine „verwirrend“ (S. 266). Einige Autoren unterscheiden offene Angebote, die unabhängig vom Gesundheitszustand der Adressaten sind, und stationäre und ambulante Angebote für Pflegebedürfte und ihre Angehörigen. Zu den offenen Angeboten zählen das Selbsthilfeförderung, Kulturarbeit und Bildungsangebote. Hingewiesen wird auf Konkurrenzbereiche zum Sozialen Gerontologie (S. 264). Der Rezensent sieht auch Überschneidungen zur Erwachsenenpädagogik. Die Soziale Arbeit müßte deutlicher machen, wo neben der methodischen und didaktischen Kompetenz ihre besondere Expertise besteht. Bei den stationären und ambulanten Angeboten sieht der Rezensent eine Konkurrenz zur ganzheitlichen Pflege und Pflegeberatung. Zurzeit wird ganzheitliche Pflege wenig praktiziert, weil aufgrund des Pflegenotstands häufig nur Zeit für die reine Körperpflege, nicht aber für aktivierende Pflege oder psycho-soziale Gespräche bleibt (vgl. Rieger 2017). Unter solchen Bedingungen kann sich die stationäre Pflege nicht an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren. Das Leben in den Heimen ist reglementiert und fremdbestimmt. Inwieweit dann aber Sozialpädagoginnen in Heimen für Einzelarbeit und Gruppenarbeit finanziert werden, ist fraglich. Bisher ist Soziale Arbeit in diesen Bereichen „eher randständig“ (S. 269) Eingegangen wird auch auf die Diversity- Programmatik im Hinblick auf Altern.

Unterkapitel 6.2 handelt zum einen von älter werdenden Adressaten und Adressatinnen in Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und zum zweien von Soziale Arbeit in Handlungsfeldern der Altenhilfe und Altenpflege. Eingegangen wird u.a. auf Insassen in Strafvollzugsanstalten über 60 Jahren, auf ältere Wohnungslose, ältere Drogensüchtige, die Gemeinwesenarbeit und die Arbeit in ländlichen Räumen. Für den Rezensenten stellt sich die Frage, welche Konsequenzen dies für die Soziale Altenarbeit haben kann. Wenn zum Beispiel 3,5 % der Strafgefangenen über 60 Jahre sind, kann man sich eine spezialisierte Soziale Altenarbeit in diesem Bereich kaum vorstellen. Es gibt Strafvollzugsanstalten mit nur 800 Strafgefangenen, die noch an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Abteilungen untergebracht sind. Möglich wäre, dass alle Studierenden auch im Fach Altenarbeit ausgebildet werden.

Unterkapitel 6.3 skizziert die Erfahrungen und Reflexionen der sozialpädagogischen Theoretiker Hans Thiersch, Lothar Böhnisch und Michael Winkler. Begonnen wird mit den Perspektiven von Thiersch, die stark autobiographisch geprägt sind. Man könnte hier von einem privilegierten Alter sprechen. Hans Thiersch selbst sieht sich als „gut gestellter Pensionär“, der als Wissenschaftler ein hohes Privileg hat. Er schreibt somit aus der Perspektive des gehobenen Bildungsbürgertums, das im Alter weiter machen kann mit den geistigen und wissenschaftlichen Tätigkeiten, da Arbeit in dieser Schicht weniger und seltener als entfremdete Arbeit erlebt wird. Diese soziale Schicht benötigt aber wohl kaum Soziale Altenarbeit. Thiersch fordert zur Pflege „die Frage nach angemesseneren Möglichkeiten eines besseren lebensweltlichen Arrangements“ zu stellen. Dies ist auch nach Ansicht des Rezenten notwendig. Wer als Besucher und Beobachter die Lebenswelt eines Pflegeheims kennen gelernt hat, weiß um das hohe Maß an Fremdbestimmung für die Bewohnerinnen und Bewohner (vgl. auch Müller 1979).Es folgt eine Darstellung des Ansatzes von Böhnisch. Es geht hier u.a. um eine Balance zwischen Rückzug und Aktivität und Aneignung, wobei der selbstbestimmte Weg betont wird. Die Annahme, dass zwischen Verrentung und Hochaltrigkeit eine relativ selbstständige Phase von 15 bis 25 Jahren liege, ist nach Ansicht des Rezensenten deutlich zu optimistisch. Schmid (2017, S. 11) geht von 6,5 gesunden Jahren aus. Dies mag wiederum zu pessimistisch sein. Aber der Anteil multi-morbider Menschen und Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen steigt schon früher an und die meisten Männer erleben die Phase der Hochaltrigkeit (80 +) nicht mehr, sind aber häufig vor ihrem Tod schwer krank. Böhnisch sieht eine Aufgabe der Sozialen Altenarbeit darin, Anerkennungsmilieus und Anerkennungskulturen aufzubauen. Es gehe auch darum, im Alter neue soziale Bezüge aufzubauen, da alte Beziehungen verloren gegangen seien. Es folgt einer Darstellung philosophischer Überlegungen von Michael Winkler zum Altern. Der Rezensent fragt sich, inwieweit die Überlegungen eine empirische Grundlage haben. Er hat zum Beispiel aufgrund von Gesprächen mit Gleichaltriegen und Älteren keineswegs den Eindruck, dass der Tod durch „Klinifizierung beseitigt“ (S. 292) wurde. Eine zentrale Aufgabe der Sozialpädagogik sieht Winkler darin, daran mitzuarbeiten, dass Ältere „Ideen, Ideale und Visionen für ihr Leben im Alter“ (S. 295) entwickeln können. Ein Teil der Älteren wird bereits über diese Fähigkeit verfügen und diese Dienstleistung nicht benötigen.

In Unterkapitel 6.4. werden die Ansätze der drei Theoretiker noch einmal im Hinblick auf die Aufgaben der Sozialen Altenarbeit reflektiert diese Diskussion bleibt relativ abstrakt. Anschließend werden Kristallisationspunkte von Füssenhäuser zur soziale Arbeit auf Soziale Altenarbeit konkretisiert.

Im Kapitel 7 über die professionelle und disziplinäre Zuständigkeit der sozialen Arbeit für das Alter werden Fragen aus den einzelnen Kapitel noch einmal aufgegriffen, um daraus Konsequenzen für Soziale Arbeit zu entwickeln. Ein Ziel sei die Förderung von Autonomie und Selbstbestimmung. Eingegangen wird u.a. auf die Schaffung einer tragfähigen Infrastruktur und die kommunale Altenpolitik und auf die Aufgabe „ dass sich soziale Arbeit vorgenommen hat (…) als praxisorientierte Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen, soziale Entwicklungen und den sozialen Zusammenhalt sowie die Stärkung der Autonomie und Selbstständigkeit von Menschen zu fördern“ (DBSH e.V. zitiert nach Meyer 308). Die Darstellung bleibt an vielen Stellen allgemein-programmatisch. Wie die entsprechenden Strukturen aussehen könnten und wie sie geschaffen und finanziert werden können, bleibt eine offene Frage.

Diskussion

Der Band bietet durchaus viele Anregungen für die Soziale Arbeit mit Älteren. Einige wichtige Themen fehlen jedoch oder werden nur am Rande behandelt. Hierzu gehören die Situationen in Pflegeheimen, Sterbebegleitungen/​Hospizarbeit und Trauerbegleitung/​Trauertherapie, der Partnerverlust und das Leben als Witwe/​Witwer, die Bewältigung von Erkrankungen, Probleme der medizinischen Versorgung (vgl. Schmid 2017) und Generationslagen. Benötigt wird auch eine Theorie, die stärker gegenstandsbezogen ist. Die Soziale Altenarbeit als Disziplin sollte keine reine Katheder-Disziplin werden, sondern sollte sich mit konkreten Gruppen Älterer und Problemlagen befassen. Anschließend wird auf Aufgaben und Angebote der Sozialen Arbeit in der Altenhilfe und der Arbeit mit älteren Patientinnen und Patienten eingegangen Viele Tätigkeiten und Angebote werden skizziert. Ein Problem ist dabei: „Vielfach bleibe unklar, was der eigenständige Beitrag der Sozialen Arbeit sei. Sozialarbeit werde auch gerne als Feuerwehr eingesetzt, eine Form von Action Sozialarbeit, die gebraucht aber nicht wertgeschätzt werde“ (S. 272). Dafür könnte es nach Ansicht des Rezensenten zwei Gründe geben. Zum einen bleibt das Profil der Sozialen Altenarbeit allgemein und diffus, so das schwer erkennbar ist, was denn das Besondere an diesem Ansatz ist, das zum Beispiel die Pflege nicht leistet oder leisten kann. Soziale Arbeit kann dann leicht in die Rolle eines „Mädchen für Alles“ gedrängt werden. Zum zweiten kann man sich fragen, inwieweit das Ziel, die Selbstständigkeit älterer Menschen zu erhalten, gesellschaftlich geteilt wird. Auf einzelne Gruppen Älterer mag dies zutreffen, für andere aber wohl nicht. In der Praxis der stationären Altenpflege ist Selbstständigkeit kein wirklich angestrebtes Ziel. Der höhere Pflegegrad führt auch zu höheren Einnahmen. Der Sozialdienst in Krankenhäusern übernimmt häufig die Aufgabe durch „Entlassungsmangement“ die Verweildauer von Patienten zu verkürzen, zum Beispiel in dem sie in ein Pflegeheim abgeschoben werden. Insgesamt hat der Rezensent eher den Eindruck, dass die Zeichen auf Ausgrenzung der Älteren stehen. Gefragt sind die Älteren eher als Konsumenten und freiwillige oder unfreiwillige Abnehmer von Dienstleistungen des Gesundheitswesen und des Pflegesystems (vgl. Thöns 2016).

Offen bleiben auch die Fragen, wer zu welchen Zeitpunkten Dienstleistungen der Sozialen Altenarbeit nachfragen würde und wer sie finanzieren könnte. Bildungsangebote werden wohl vor allem von gebildeteren Älteren wahrgenommen werden. Lebenskrisen wie zum Beispiel das Sterben und der Tod des Lebenspartners, könnten auch von Sozialpädagoginnen begleitet werden. Dazu müssten aber entsprechende Organisationen aufgebaut und aus öffentlichen Geldern finanziert werden. Bisher machen einige Hospizvereine Angebote für Trauernde, die aber nicht öffentlich finanziert werden. Finanziert wird dagegen die Sterbebegleitung.

Diskutieren kann man auch, wie Soziale Altenarbeit im Curriculum der Sozialen Arbeit verankert werden kann oder ob es als Spezialfach angeboten werden sollte.

Fazit

Das Buch bietet einige Anregungen für die Arbeit mit Älteren und Alten. Aber ein Lehrbuch müsste etwas konkreter sein

Literatur

Backes, Gertrud (2001) Alter als weibliche Vergesellschaftungsform? – oder: Überlegungen zur hierarchisen Komplementarität des Geschlechterverhältnisses im Alter, in Naegele, Gerhard; Rechert, Monika; Maly, Nicole (Hrsg.) 10 Jahre Gerontologische Forschung in Dortmund, S. 57 – 77

Borasio, G. D. (2013), Über das Sterben, München, Deutscher Taschenbuchverlag

Borasio, G. D. (2014) selbst bestimmt sterben. Was es bedeutet, was uns daran hindert. Wie wir es erreichen können, München, Verlag C.H.Beck.

Brathuhn, Sylvia, Adelt, Thorsten (1015) Vom Wachsen und Werden im Prozess der Trauer, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht

Glaser, Barney, Strauss, Anselm (1966) Awareness of Dying, Weidenfeld and Nicolsen, London

Giger- Bütler, Josef (2018) Wenn Menschen sterben wollen. Mehr Verständnis für einen selbstbestimmten Weg aus dem Leben, Stuttgart: Klett-Cotta

Goffman, E. (1977a). Asyle. Über die Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen. Frankfurt am Main: Edition Suhrkamp.

Gronemeyer, Reimer (2018) Die Weisheit der Alten, Freiburg

Jungbauer, Johannes, Krockauer, Rainer (Hrsg.) (2013) Wegbegleitung, Trost und Hoffnung. Interdisziplinäre Beiträge zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, Opladen u.a. O., Verlag Barbara Budrich

Kade, S. (2001) Selbstorganisiertes Alter – Lernen in reflexiven Milieus, Bielefeld

Radebold, Hartmut; Radebold, Hildegard (2015), Zufrieden älter werden, Entwicklungsaufgaben für das Alter. Gießen, psychosozial-Verlag

Klehm, W.-R. (1996). ZWAR (Freizeitinitiativen zwischen Arbeit und Ruhestand). In Cornelia Schweppe (Hrsg.), Soziale Altenarbeit, Pädagogische Ansätze und Gestaltung von Lebensentwürfen im Alter (S. 187–206). Weinheim: Juventa.

Klehm, W.-R. (Hrsg.) (2002). Das ZWAR-Konzept: Moderation, Animation und existentielle Begegnung in der Gruppenarbeit mit „jungen Alten“. Rekonstruktion und Reflexion auf der Grundlage ethnographischer Bildungsforschung. Münster: Lit-Verlag.

Landesamt für Statistik Niedersachsen (2017) Bevölkerung nach Alter, Geschlecht und Familienstand, https://www.statistik.niedersachsen.de.

Lübbe, A. S., (2014), Für ein gutes Ende. Von der Kunst, Menschen in ihrem Sterben zu begleiten, München: Heyne

Marx, Karl (1969) Thesen über Feuerbach, in: Marx, Engels Werke Band 3, S. 533 -535

Müller, H. (1979) Die Arbeits- und Lebenswelt eines alten- und Altenpflegeheims. Universität Bielefeld. Fakultät für Soziologie

Ohlerth, Eva und Wittig Frank (2019, Albtraum Pflegeheim. Eine Altenpflegerin gibt Einblick in skandalöse Zustände, München, Riva Verlag

Rieger, Armin (2017) Der Pflegeaufstand. Ein Heimleiter entlarvt unser krankes System, München, Ludwig Verlag

Rock, Joachim (2017) Störfaktor Armut. Ausgrenzung und Ungleichheit im „neuen Sozialstaat“ Hamburg: VSA-Verlag

Samuel, Julia (2018) Trauert. Geschichten über das Leben, den Tod und die Kraft zum Weiterleben., Weinheim, Basel: Beltz englischer Originaltitel: „Grief Works. Stories of Life, Death and Surviving.“

Schmid, Raimund (2017) Wehe Du bist alt und wirst krank. Missstände in der Altersmedizin und was wir dagegen tun können, Weinheim, Basel: Beltz

Schütze, Fritz (1983) Biographieforschung und narratives Interview, in: Neue Praxis Heft 3 S. 283 -293

Steinert, Erika; Zillich, Norbert (Hrsg.) (2007 Perspektive Pensionopolis!, Anfragen an eine alternde Gesellschaft am Beispiel Görlitz/​Zgorzelec in der Europaregion Neiße, Frankfurt am Main

Student, J. C.; Mühlum, Albert; Student, Ute (2007) Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care, München und Basel Reinhardt UTB

Thöns, Matthias, (2016 ), Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende, München, Berlin, Piper

Wohlfahrt, N. (2003), Bürgerschaftliches Engagement, Freie Wohlfahrtspflege und aktivierender Sozialstaat – inszenierter Sozialstaatsumbau oder Stärkung des sozialen Kapitals, www.efh-bochum/homepages/pdf/engagement.pdf, letzter Zugriff 11.1.2013


[1] Ein Ausnahmen sind Radebold und Radebold 2015

[2] z.B. Gruppen- und Bildungsarbeit, Begleitung älterer Ehrenamtlicher, Beratung, Begleitung und Fallarbeit bei Krisen wie Pflege des Ehepartners, Partnerverlust, Pflege

[3] Sie gehören zum Beispiel zu den spirituellen Aspekten des Sterbens. Vgl. zum Beispiel Student u.a. 2007, S. 25 ff.

[4] Es muss sich dabei nicht unbedingt um Unbewusstes im Sinne der Psychoanalyse handeln

[5] Man könnte vielleicht auch von Reaktivierung von Nachbarschaftshilfe sprechen. Diese Hilfeform hatte früher in Dorfgemeinschaften und Werkssiedlungen eine größere Bedeutung. Gewachsene Beziehungen lösen sich zum Teil durch räumliche Mobilität und Segregation auf. Familienbeziehungen haben eine andere Struktur. Sie sind zum Beispiel im Prinzip unkündbar.

[6] Zum ehrenamtlichen Engagement im aktivierenden Sozialstaat vgl. auch Wohlfahrt 2003. Eine Arbeitspflicht für Ältere ließe sich kaum begründen, da diese bereits 30 – 40 Jahre gearbeitet haben. Dann müßten auch Personen, die von Kapitaleinkünfte leben zur Arbeit verpflichtet werden.Ehrenamtliche sind relativ unabhängig von betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Zwängen, was Möglichkeiten der Sozialkritik eröffnet. Ein weiteres Merkmal ehrenamtlicher Arbeit ist, dass die Tätigkeit zu den persönlichen Interessen, Zielen und Werten passen muss. Es ist keine entfremdete Arbeit und es geht nicht, wie in der Erwerbsarbeit darum, Geld zu verdienen.

[7] Zum Thema Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care vgl. Student u.a. 2007

[8] Anhand dieser Zahlen lassen sich sehr große Veränderungen in der Zukunft nicht bestätigen. Auch die Jüngeren sind in der Mehrheit verheiratet oder leben in einer Lebenspartnerschaft,

[9] Die Strafbarkeit wurde 1969 auf Männer unter 21 Jahren beschränkt, 1973 wurde das Alter auf 18 Jahren gesenkt. 1994 wurde der Paragraph ganz abgeschafft.

[10] Daneben gibt es in vielen Städten im Westdeutschland Viertel mit höherem Anteil an Migranten, Armen und Alten, weil dort die Mieten günstiger sind und für Empfänger von ALG II Miet- und Nebenkosten „angemessen“ sein müssen. Hier bleibt das Viertel zwar bestehen, es ändert sich aber die Bevölkerungsstruktur. Ein Beispiel wäre die Nordstadt in Dortmund.

[11] Das könnte aber auch bedeuten, dass es zu einer Landflucht Älterer in mittlere Städte in Regionen mit abnehmender Bevölkerung kommt, in denen die Mieten noch günstig sind. Ein Beispiel hierfür könnte Görlitz werden.

[12] Zu berücksichtigen ist, dass die Feststellung eines Pflegegrades die Prognose eines längerdauernden Zustandes erfordert (6 Monate). Wer nach einer Erkrankung kurzfristig Pflege braucht, zählt nicht dazu.

[13] „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ ( Karl Marx 1969 S. 535 ) Nun ist es nicht die Aufgabe der Sozialen Arbeit die Welt als Ganze zu verändert. Es geht primär um die Berufswelt, professionelle Arbeitsbedingungen und um und die sozialen Rahmenbedingen für die Adressaten in verschiedenen Praxisfeldern


Rezension von
Dr. Hermann Müller
Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
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Zitiervorschlag
Hermann Müller. Rezension vom 19.02.2020 zu: Christine Meyer: Soziale Arbeit und Alter(n). Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3837-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26567.php, Datum des Zugriffs 07.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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