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Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Das Bundesteilhabe­gesetz zwischen Anspruch und Umsetzung

Cover Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Das Bundesteilhabegesetz zwischen Anspruch und Umsetzung. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2019. 91 Seiten. ISBN 978-3-7841-3123-8. D: 14,50 EUR, A: 15,00 EUR.

Reihe: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit - 50. Jahrgang, Nr. 1 (2019).
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
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Thema

Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in die Praxis erfordert komplexe Strukturveränderungen. In diesem Heft werden bisherige Erfahrungen analysiert, Erfolgsfaktoren und Nachbesserungsbedarf aufgezeigt. Zentrale Themen sind:

  • aktueller Umsetzungsstand in den Ländern,
  • die Sicht betroffener Menschen,
  • Instrumente zur Bedarfsermittlung,
  • Teilhabeplanung,
  • Peer Counseling,
  • Trennung von Fach- und existenzsichernden Leistungen und
  • Schnittstelle Eingliederungshilfe und Pflege

Herausgeber

Das „Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit“ wird vierteljährlich von Prof. Dr. Büttner im Auftrag des „Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V“ herausgegeben.

Im vorliegenden Themenheft finden sich Beiträge von folgenden Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis:

  • Prof. Dr. Albrecht Rohrmann: Lehrt Sozialpädagogik mit den Schwerpunkten soziale Rehabilitation und Inklusion an der Universität Siegen.
  • Dr. Florian Steinmüller: Kommissarischer Leiter des Projektes „Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz“.
  • Annett Löwe: Wissenschaftliche Referentin im Projekt „Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz“.
  • Natalie Tauchert: Geschäftsführerin des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V.
  • Prof. Dr. Heike Engel: Dipl-Volkswirtin, lehrt an der Hochschule Niederrhein.
  • Thomas Schmitt-Schäfer: Dipl.Pädagoge, Verwaltungsbetriebswirt, Inhaber des Sozialplanungsbüros transfer, Wittlich.
  • Marcus Schian: Ass.Jur., Teamleiter Reha- und Teilhaberecht bei der „Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V.“ (BAR)
  • Bernd Giraud: Fachbereichsleiter Programme und Produkte und Vertreter der Geschäftsführerin bei der BAR.
  • Prof. Dr. Gisela Hermes: Lehrt Rehabilitation und Gesundheit an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/​Holzminden/Göttingen.
  • Matthias Rösch: Dipl. Psychologe und Peer-Counseling-Ausbilder (ISL), Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen Rheinland-Pfalz, Mainz.
  • Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust: Bundesgeschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. und Vorsitzende des Fachausschusses Rehabilitation und Teilhabe des Deutschen Vereins.
  • Prof. Dr. Edna Rasch: Lehrt an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz bei Kiel und Fachleiterin für Sozialrecht.

Inhalt

1. Das Bundesteilhabegesetz – Ausdruck eines Paradigmenwechsels?

Im ersten Beitrag widmet sich Prof. Dr. Albrecht Rohrmann der Fragestellung, ob der durch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) initiierte Paradigmenwechsel durch das Bundesteilhabegesetz aufgegriffen wird. Der Beitrag beschäftigt sich dabei u.a. mit den Paradigmen im Feld der Behindertenpolitik und der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen, den Hintergründen des BTHG und dem damit verbundenen Paradigmenwechsel.

2. Der Umsetzungsstand des Bundesteilhabegesetzes in den Bundesländern

Durch das Bundesteilhabegesetz soll das nationale Recht gemäß den Vorgaben der UN-BRK weiterentwickelt werden. Den Bundesländern kommt dabei die Aufgabe zu, die komplexen Änderungen des BTHG in die Praxis umzusetzen. Der Beitrag von Dr. Florian Steinmüller und Annett Löwe liefert einen Überblick bezgl. der Regelungen des BTHG, welche durch die Bundesländer, Träger der Eingliederungshilfe oder die Leistungserbringer spezifiziert werden müssen. Der Beitrag informiert über

  • die Regelungen des Gesamt- und Teilhabeplanverfahrens,
  • die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben,
  • Trennung der Komplexleistung Eingliederungshilfe in Fachleistungen und existenzsichernde Leistungen,
  • die Schnittstelle Eingliederungshilfe und Pflege und
  • das reformierte Vertragsrecht.

3. Erste Erfahrungen mit dem BTHG aus der Sicht betroffener Menschen

Natalie Tauchert stellt in ihrem Beitrag die ersten praktischen Erfahrungen mit dem BTHG aus Sicht von Menschen mit hohem oder komplexem Hilfebedarf dar. Dies geschieht anhand ausgewählter Aspekte wie z.B. Ausgrenzung von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf bezgl. der Teilhabe am Arbeitsleben, Auswirkungen der veränderten Zuständigkeitsregelungen, Stärkung der Steuerungshoheit der Leistungsträger etc.

4. Gesamtplanverfahren nach dem BTHG: personenzentrierte Instrumente zur Bedarfsermittlung

Einer der Kernaspekte des BTHG ist es, die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund verändert sich auch die Bedarfsermittlung bei der Gewährung von Eingliederungshilfeleistungen – durch das BTHG soll eine Abkehr von der Einrichtungs- hin zur Personenzentrierung vollzogen werden.

Prof. Dr. Heike Engel und Thomas Schmitt-Schäfer beschäftigen sich in diesem Beitrag mit den Anforderungen an personenzentrierte Instrumente zur Bedarfsermittlung und geben eine Übersicht über die derzeit in den Bundesländern angewendeten Instrumente.

5. Teilhabeplanung – ein Kernelement des trägerübergreifenden Reha-Prozesses

Seit dem 01.01.2018 gelten neue Bestimmungen für die Teilhabeplanung. Marcus Schian und Bernd Giraud befassen sich in ihrem Beitrag mit den neuen gesetzlichen Regelungen und deren Konkretisierungen. Inhaltlich geht es dabei u.a. um die Teilhabeplanung als Kernelement der Steuerung und Zusammenarbeit zur Teilhabesicherung, die Ziele und Grundsätze der Teilhabeplanung und die Verfahrensdarstellung.

6. Expertinnen und Experten aus eigener Erfahrung: Peer Counseling und die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)

Prof. Dr. Gisela Hermes und Matthias Rösch behandeln in ihrem Artikel die Entstehungsgeschichte und die Standards des Peer Counseling. Anhand der Umsetzung der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) in Rheinland-Pfalz zeigen sie die Möglichkeiten und Grenzen des flächendeckenden Peer-Counseling-Beratungsangebotes.

7. Trennung von Fachleistungen und existenzsichernden Leistungen

Mit in Kraft treten der dritten Reformstufe zum 01.01.2020 werden in den stationären Wohneinrichtungen (bzw. besonderen Wohnformen) die Fachleistungen und existenzsichernden Leistungen getrennt. Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust beschäftigt sich in Ihrem Beitrag mit den gesetzlichen Grundlagen und stellt darauf aufbauend die Empfehlungen der AG Personenzentrierung sowie die Empfehlungen des Deutschen Vereins vor.

8. Personenorientierung statt Gesetzeszentrierung: zum Verhältnis von Leistungen der Eingliederungshilfe zu Leistungen der Pflege

In ihrem Beitrag stellt Prof. Dr. Edna Rasch die Schnittstellte von Eingliederungshilfe und Pflege unter Berücksichtigung der Neuerungen durch das BTHG und des zweiten und dritten Pflegestärkungsgesetzes vor. Sie geht dabei u.a. auf den Unterschied von Pflege und Teilhabe, die Schnittstelle zwischen Eingliederungshilfe und Pflegeversicherung und das Lebenslagenmodell ab dem 01.01.2020 ein.

Diskussion

Das Themenheft „Das Bundesteilhabegesetz zwischen Anspruch und Umsetzung“ stellt eine gelungene Veröffentlichung zum komplexen Thema BTHG dar. Es richtet sich dabei insbesondere an Fachleute, die bereits über Vorwissen zur Reform des BTHG verfügen.

Der dünne Band (91 Seiten) besticht dabei insbesondere durch die durchweg gelungenen Beiträge der renommierten Autorinnen und Autoren, welche aus der Wissenschaft und Praxis stammen. An dieser Veröffentlichung ist insbesondere der Praxisbezug bzw. Abgleich mit der Praxis besonders positiv hervorzuheben – hierdurch wird der bereits im Titel des Themenheftes formulierte Anspruch („Das Bundesteilhabegesetz zwischen Anspruch und Wirklichkeit“) erfüllt.

Das Themenheft ist im ersten Quartal 2019 erschienen. Seit dem 01.01.2020 ist die dritte Reformstufe des BTHG in Kraft getreten – einige der in diesem Themenheft veröffentlichten Artikel sind daher mittlerweile nicht mehr ganz aktuell (so wurde z.B. die Förderung der EUTB mittlerweile entfristet). Dies schmälert die Qualität der Veröffentlichung allerdings keineswegs. Dieser Umstand zeigt viel mehr die Aktualität der im Themenheft abgebildeten Beiträge und verdeutlicht, wie schnell und umfangreich sich die Praxis gerade verändert. Vor diesem Hintergrund wäre es sehr zu begrüßen, wenn es auch zur dritten und vierten Reformstufe ein solches Themenheft geben würde.

Fazit

Das Themenheft „Das Bundesteilhabegesetz zwischen Anspruch und Umsetzung“ ist eine gelungene Veröffentlichung zum Themenkomplex Bundesteilhabegesetz. Das Themenheft besticht durch die durchweg lesenswerten Beiträge der renommierten Autorinnen und Autoren, welche aus der Wissenschaft und Praxis stammen. Das Themenheft basiert auf dem Wissensstand vom ersten Quartal 2019 (zweite Reformstufe BTHG) – manche Aspekte von Beiträgen sind daher mittlerweile bereits wieder überholt. Dies schmälert die Qualität der Veröffentlichung allerdings nicht, da die theoretischen Hintergrundinformationen der jeweiligen Beiträge nach wie vor Bestand haben.


Rezension von
Florian Acker
Staatlich anerkannter Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (B.A.)
Systemischer Therapeut und Berater (SG)
Langjährige Tätigkeit in der Eingliederungshilfe
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Zitiervorschlag
Florian Acker. Rezension vom 16.03.2020 zu: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Das Bundesteilhabegesetz zwischen Anspruch und Umsetzung. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2019. ISBN 978-3-7841-3123-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26622.php, Datum des Zugriffs 22.09.2020.


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