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Brigitte Schigl, Claudia Höfner u.a.: Supervision auf dem Prüfstand

Cover Brigitte Schigl, Claudia Höfner, Noah A. Artner, Katja Eichinger, Claudia B. Hoch u.a.: Supervision auf dem Prüfstand. Wirksamkeit, Forschung, Anwendungsfelder, Innovation. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2020. 2. Auflage. 299 Seiten. ISBN 978-3-658-27334-7. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 55,50 sFr.
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Thema

Der Forschungsbericht enthält auf der Grundlage einer umfassenden Sichtung von empirischen Studien Überlegungen zur Supervision und Supervisionsforschung mit Schlussfolgerungen für die Qualität von Supervisionsforschung.

AutorInnen

Bei den Autor*innen handelt es sich um eine Forscher*innengruppe im Kontext des Universitätslehrganges Supervision & Coaching an der Donau-Universität-Krems. Brigitte Schigl, Professorin, Dr.in, MSc, Klinische und Gesundheitspsychologin, Leiterin des Universitätslehrganges Supervision & Coaching. Claudia Höfner, Univ.-Prof.in, Mag.a, Dr.in, MSc. Klinische und Gesundheitspsychologin, Soziologin, Psychotherapeutin und Supervisorin. Noah A. Artner, MA, MSc. Systemischer Psychotherapeut und Supervisor. Katja Eichinger, Mag.a, MSc. Personzentrierte Psychotherapeutin und Supervisorin. Claudia B. Hoch, Mag.a, Klinische und Gesundheitspsychologin, Psychologische Tanztherapeutin. Hilarion G. Petzold, Univ.-Prof. (emer., FU Amsterdam), Dr. mult., Begründer der Integrativen Therapie und Integrativen Supervision. Lehrt Supervision an der Donau-Universität-Krems.

Aufbau

Das Buch besteht aus drei Teilen:

  1. Einführende Überlegungen, u.a. zum Kontext der Analyse, zum Verständnis von Supervision und zum Verständnis von Forschung in der Supervision.
  2. Empirischer Teil – Datenerhebung und -analyse, mit Unterkapiteln zur Datenerhebung, Ergebnisse der quantitativen Analyse, Ergebnisse der qualitativ inhaltlichen Analyse von Multicenterstudien aus der Integrativen Supervision sowie in speziellen Feldern. Designs, Forschungsmethoden und Forschungsinstrumente. Schwierigkeiten und Limitationen.
  3. Nachgedanken zum Forschungsbericht, u.a. zur Qualität, zur Supervisionsvielfalt, zur Forschung und zum Lehren und Lernen von Supervision mit Konsequenzen für die Qualitätsentwicklung im supervisorischen Feld.

Inhalt

Bei dieser „zweiten Auflage“ handelt es sich eigentlich um ein völlig neues Buch. Worin unterscheiden sich beide Auflagen, was haben sie gemeinsam? In der ersten Auflage wurden in Zeitschriften und Büchern nach Veröffentlichungen zur Supervision gesucht. In der Zweiten Auflage erfolgte darüber hinaus eine gründliche Recherche in Datenbanken, die es zum Zeitpunkt der ersten Auflage nicht in dieser Menge und Ausführlichkeit gab. Der Schwerpunkt der zweiten Auflage liegt auf empirischen Daten – handele es sich um quantitativ oder qualitativ gewonnene. Dabei wurden die Themencluster der ersten Auflage weitgehend übernommen, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten und Entwicklungslinien einzelner Themenbereiche sichtbar zu machen.

Schon die erste Auflage des Forschungsberichts von 2003 hatte mit ihrer kritischen Bestandsaufnahme thematisch eingeschlagen. Beginnend damit, dass sie feststellte, dass es „die“ Supervision nicht gibt. Sie kritisierte damals fehlende Wissenschaftlichkeit und beklagte theoretische Oberflächlichkeit. Sie zeigte zudem fehlende Nachweise der Wirksamkeit auf der Ebene der KlientInnen auf. Die zweite Auflage könnte man als erneuten Weckruf verstehen, sie sieht sich jedenfalls gehalten, das Problembild weiter zu zeichnen, auch wenn in einigen Teilbereichen Fortschritte in der Supervisionsforschung zu vermelden sind.

Die Studie gibt einen erschöpfenden Überblick über den derzeitigen Stand der deutschsprachigen Supervisionsforschung. Sie beeindruckt durch die Sichtung eines immensen Materials. Sie dokumentiert zudem die internationale Forschungslage zur Supervision. Im Ergebnis zeigt sie, dass Supervision keineswegs bereits schon „super“ ist und propagandistische Exzellenzbehauptungen verfrüht sind. Sie legt vielmehr nach wie vor bestehende, gravierende Mängel im Hinblick auf Feld- und Fachkompetenz offen. Die Studie dokumentiert, dass derzeit immer noch keine forschungsfreundliche Kultur im Feld der deutschsprachigen Supervision vorzufinden ist. Sie verweist allerdings auch auf Potenziale, die Supervision nutzen könnte, wenn ihre Praxis besser beforscht und Wirksamkeitsnachweise erbracht würden.

Aus Sicht der AutorInnen tragen die Ergebnisse auch zur berufspolitischen Orientierung bei. So plädieren sie auf der Grundlage ihrer Daten für eine Reorientierung der Supervision auf ihre ursprüngliche Ausrichtung, nämlich Supervision als Unterstützung bei der Verbesserung von Hilfeleistungen für Menschen in Problemlagen und zum besseren Funktionieren von sozialen, pädagogischen und kulturellen Einrichtungen.

Die AutorInnen von „Supervision auf dem Prüfstand“ sehen in diesem Kontext Coaching lediglich als eine spezielle Technik innerhalb der Supervision an – dies entgegen der gegenwärtigen berufspolitischen Tendenz, Coaching als ein eigenständiges, der Supervision gleichwertiges Verfahren zu etablieren. Der Band wendet sich zudem gegen Exzellenzbehauptungen der Supervisionsverbände. Die Forschungslage gebe dies nicht her und verlange andere Konsequenzen. So zeige sie z.B., dass es neben erfolgreich arbeitenden SupervisorInnen offenbar mindestens ein Drittel mäßig arbeitender KollegInnen gibt, mit denen die SupervisandInnen unzufrieden sind. Vor allem das Faktum, dass sich für die gängigen Methoden der Supervision bislang keine Wirkungen auf der Ebene der KlientInnen nachweisen lassen, gibt zu denken.

Es gibt auch Positives zu vermelden: SupervisorInnen müssen sich nicht nur in ihren Verfahren, sondern auch in ihren jeweiligen Themen- und Fachgebieten sicher und wohl fühlen, um dies bei den SupervisandInnen positiv einbringen zu können. Dies gilt z.B. im Hinblick auf Diversität, sexuelle Orientierung, Gender, Ethnizität. Besonders, wenn Supervision im Bereich von Klinik, etwa in der Krankenpflege oder der Psychiatrie, stattfindet, erfordere sie sowohl fundiertes klinisches Wissen als auch institutions- und organisationsanalytische Kompetenz. 

Fazit

Die Studie spiegelt eine in wissenschaftlicher und theoretischer Hinsicht nach wie vor prekäre Situation der Supervision wieder. Trotz erkennbarer Forschungsfortschritte in einzelnen Teilbereichen der Supervision konstatiert sie weiteren Forschungsbedarf.


Rezension von
Prof. Dr. Hans Waldemar Schuch
Lehr- und Kontrollanalytiker, Lehrsupervisor, Vis. Professor am Departement für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems
Homepage www.hwschuch.de
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Zitiervorschlag
Hans Waldemar Schuch. Rezension vom 04.03.2020 zu: Brigitte Schigl, Claudia Höfner, Noah A. Artner, Katja Eichinger, Claudia B. Hoch u.a.: Supervision auf dem Prüfstand. Wirksamkeit, Forschung, Anwendungsfelder, Innovation. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2020. 2. Auflage. ISBN 978-3-658-27334-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26671.php, Datum des Zugriffs 11.08.2020.


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