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Michaela Moser, Bettina Führmann: Kommunikation in altersgemischten Teams

Cover Michaela Moser, Bettina Führmann: Kommunikation in altersgemischten Teams. Forschungsstand und -perspektiven. Springer Gabler (Wiesbaden) 2019. 39 Seiten. ISBN 978-3-658-25770-5. D: 14,99 EUR, A: 15,41 EUR, CH: 17,00 sFr.

Reihe: Essentials.
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Thema

Das Werk „Kommunikation in altersgemischten Teams – Forschungsstand und -perspektiven“ von Michaela Moser und Bettina Führmann gibt Einblicke in die Erkenntnisse von intergenerationaler Kommunikation im institutionellen Teamkontext. Dafür werden zunächst zentrale Begrifflichkeiten (Team und Kommunikation) definiert um anschließend auf die Bedingungen erfolgreicher Teamarbeit und den Einfluss von Altersdiversität einzugehen. Dazu werden sowohl soziologische als auch linguistische Perspektiven beleuchtet.

Autorinnen

Das hier rezensierte Buch wurde in Kooperation von zwei Autorinnen verfasst. Zum einen wirkte Dipl.-Ökonomin Bettina Führmann, die als Forschungsreferentin an der EUFH in den Themenfeldern Kommunikation, Diversität und Team tätig ist, am Werk mit. Des Weiteren wurde das Buch von Prof. Dr. Michaela Moser, Professorin der IUBH Internationale Hochschule, verfasst. In ihren Forschungen legt sie einen Schwerpunkt auf die altersgemischte Kommunikation im Teamkontext.

Entstehungshintergrund

Das im Springer-Gabler-Verlag erschienene Buch richtet sich an Führungskräfte, Tätige im Coachingbereich und Dozierende, sowie Studierende der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie, insbesondere Personalmanagement. Es gewährt Einblicke in die Bedeutung von intergenerationaler Kommunikation und liefert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

Aufbau und Inhalt

Das Buch „Kommunikation in altersgemischten Teams – Forschungsstand und -perspektiven“ umfasst 39 Seiten, welche in fünf Kapitel gegliedert sind. Diese werden im Folgenden genauer skizziert.

Einleitung

Die ausführliche Einleitung gibt dem Leser einen übersichtlichen Einblick in die Inhalte und Gliederung des Buches. Moser und Führmann, weisen auf die Aktualität und Bedeutung der Thematik hin und gewähren erste Eindrücke in die bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. So wird die Notwendigkeit von altersgemischter Teamarbeit ausgeführt, der demografische Wandel der Gesellschaft, sowie Potenziale der altersheterogenen Teamarbeit benannt. Auch auf das Themenfeld der Kommunikation, welche durch Diversität geprägt wird und Teamprozesse maßgeblich beeinflusst wird Bezug genommen.

Die Einleitung endet mit drei Leitfragen, die beim weiteren Lesen des Werkes beantwortet werden können:

  • Welche Bedeutung kommt Kommunikation in der altersgemischten Teamarbeit zu?
  • Welches sind die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur altersgemischten Kommunikation?
  • Welche Rückschlüsse lassen diese Erkenntnisse zu für die Kooperation in altersgemischten Teams? (Moser/Führmann S. 3)

Zentrale Begrifflichkeiten

Das zweite Kapitel gliedert sich in die drei Teile Team, (Alters-)Diversität und Kommunikation.

  • Team

Hier werden verschiedene Definitionen und Komponente eines Teams dargestellt. Die Autoren beziehen sich dabei auf Fachdefinitionen, legen jedoch die meiste Gewichtung auf die Begriffsbeschreibung von Smith und Katenzbach. Hiernach wird eine Gruppe nach den Kriterien Größe der Gruppe, einander ergänzende Fähigkeiten, gemeinsamer Zweck und gemeinsame Leitziele, gemeinsamer Arbeitsansatz, sowie einer gemeinsamen Verantwortung definiert.

  • (Alters-)Diversität

In diesem Unterkapitel wird sowohl die Begrifflichkeit „Diversität“, als auch „Alter“ skizziert und abgegrenzt. Herausgestellt wird dabei, dass im Kontext der Kommunikation in altersgemischten Teams der Fokus auf das Diversitätsmerkmal Alter gelegt wird und dabei in empirischen Untersuchungen im Organisationskontext fast ausschließlich auf das kalendarische Alter zurückgegriffen wird.

  • Kommunikation

In diesem Definitionskapitel weisen die Autoren auf zwei Perspektiven hin. Einerseits wird der Ansatz von Shannon Weaver, der Kommunikation als ein Prozess der Übermittlung von Informationen zwischen Sender und Empfänger beschreibt dargestellt. „Eine zweite Perspektive, zu der u.a. ethnomethologische orientierte Forschungsrichtungen wie die Konversationsanalyse gehören, betrachtet Kommunikation als interaktiv und empfängerorientiert und konzipiert Kommunikation als gemeinsame Konstruktion und Aushandlung von Sachverhalten und sozialer Wirklichkeit durch die Interaktionspartner“ (Moser/Führmann S. 11). Moser und Führmann legen dabei zusammenfassend ein größeres Augenmerk auf die zweite Perspektive und beleuchten ebenfalls kurz die Ursachen für die Entstehung von Missverständnissen.

 Gelingende Kommunikation als notwendige Bedingung erfolgreicher Teamarbeit

In diesem Kapitel wird sowohl auf Erkenntnisse der Teamforschung als auch betriebswirtschaftliche Literatur betont. Es wird auf die Wichtigkeit intensiver Kommunikation und der Entwicklung einer „gemeinsamen Sprache“ verwiesen, da nur so eine gemeinsame Aufgabenbewältigung, Problemlösung aber auch die Nutzung heterogener Wissensbestände ermöglicht wird.

Einfluss von Altersdiversität auf Kommunikation

Das vierte Kapitel gliedert sich in drei Teile:

Verringerte Kommunikation durch Bildung von Sub-Gruppen – Soziologische Perspektive

In diesem Kapitel wird auf die Ähnlichkeits-Attraktionstheorie, die Theorie der sozialen Kategorisierung, als auch auf „Altersbilder“, nach Posthuma und Campion, eigegangen. Dabei können folgende Kernaussagen zusammengefasst werden:

  • Altershomogene Gruppen verfügen vergleichsweise über günstigere Leistungsvoraussetzungen und interagieren effektiver als heterogene Teams
  • Ein Selbst- und Fremdkategoriesierungsprozess entsteht, bei dem Andersartigkeit als Defizit betrachtet wird, es wird in „wir“ und „sie“ gegliedert (ingroup/​outgroup)
  • Altersbilder oft Negativzuschreibungen enthalten und dadurch intergenerationale Kommunikationsprobleme entstehen können.

Beeinträchtigte Kommunikation durch kategoriale Behandlung, kommunikative Präjudiz und patronisierendes Sprechen – Sozio-Linguistische Perspektive

Die sozio-linguistische Perspektive betrachtet den Zusammenhang zwischen Alter und Sprache. Sie zeigt auf, durch welche Faktoren und Verhaltensweisen das Alter die sprachlichen Ebenen beeinflusst. Moser und Führmann beziehen sich dabei auf die Theorie der kommunikativen Anpassung, nach Ryan und Kwong, welche auf der Basis der Theorie der sozialen Identität entwickelt wurde. Diese Theorie besagt, dass es zwei Möglichkeiten der sprachlichen Anpassung gibt um Kommunikationsverhalten an seinen Gesprächspartner anzupassen. Zum einen das konvergierende Verhalten, dass eine sprachliche Annäherung beschreibt und als sehr kooperativ und positiv wahrgenommen wird, zum anderen das divergente Sprachverhalten, die deutliche sprachliche Abgrenzung.

Ryan et al. (1986) gehen in ihrem Modell der kommunikativen Präjudizierung davon aus, dass jüngere Sprecher die Anpassung ihres Kommunikationsverhaltens häufig auf Basis falscher Annahmen und stereotyper Erwartungen hinsichtlich altersbezogenener Defizite […] vornehmen (Williams und Giles 1996; Coupland et al. 1988). Dieser Angleichungsprozess kann als Übertreibung der Konvergenzbemühungen betrachtet werden. […] Die sprachlichen Strategien der älteren Gesprächspartner sind als unterangepasst gekennzeichnet […], da sie sich weniger auf das Kommunikationsverhalten ihrer jüngeren Kommunikationspartner einstellen. Dies äußert sich in einem eher egoistischen, dominanten Sprachverhalten.“ (Moser/Führmann S. 20ff).

Co-Konstruktion von Alter als soziale Kategorie

Der im dritten Teil des vierten Kapitels beschriebene Ansatz der Co-Konstruktion stellt eine zweite Forschungsrichtung der zuvor beschriebenen Sozio-Linguistik dar. Dieser Ansatz betrachtet die Interaktion und Einordnung in Kategorien der Gesprächspartner. „Dieser Ansatz geht davon aus, dass es nicht das ,objektive Alter' ist, das als Hintergrund kommunikativer Alltagsprozesse wirksam wird. Alter wird daher situationsspezifisch im Dialog konstruiert und unterliegt perspektiven Wechseln (Kallmeyer und Keim 1994, S. 261)“ (Moser/Führmann S. 23). Der Ansatz der Co-Konstruktion beschreibt also einen offenen Prozess der Kommunikation, in dem die Gesprächspartner entscheiden wie sie „Alter“ kategorisieren und damit ein In- oder Outgroup Merkmal festsetzen.

Fazit und zukünftige Perspektiven

Im Fazit fassen die Autoren die Beachtung von Sub-Gruppen und Stereotypen in der intergenerationalen Kommunikation zusammen und heben ihre Wichtigkeit hervor. Sie machen ebenfalls deutlich, dass der altersgemischten Kommunikation im Teamkontext eine hohe Bedeutung zukommt, dass jedoch zurzeit keine adäquaten Forschungsergebnisse vorliegen. Vorhandende Studien beziehen sich auf andere Kontexte (z.B. familiärer Kontext), jedoch nicht auf Teams im institutionellen Rahmen. Als Ausblick machen Moser und Führmann darauf aufmerksam welche Potenziale eine gelingende intergenerationale Kommunikation für Leistungspotenziale, Informationserhaltung und Personalgewinnung in Zeiten des Fachkräftemangels hat. „Weitere Forschung auf diesem Gebiet ist daher nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch aus betriebs- und volkswirtschaftlicher Perspektive erstrebenswert“ (Moser/Führmann S. 27).

Diskussion

Das Buch „Kommunikation in altersgemischten Teams – Forschungsstand und -perspektiven“ von Bettina Führmann und Michaela Moser gibt komprimierte Einblicke in das Themenfeld der intergenerationalen Kommunikation im Teamkontext. Positiv ist zu bewerten, dass Inhalte sehr prägnant dargestellt werden und man trotz der geringen Seitenanzahl einen mehrperspektiveschenen Blick auf das Themenfeld erlangen kann. Auch ein aktueller gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bezug wird hergestellt.

Die Autorinnen arbeiten mit vielen Zitaten, dies macht ihre gründliche Recherche und Wissenschaftlichkeit sichtbar, stört jedoch zweitweise den Lesefluss.

Dieses Buch eignet sich gut um einen ersten Überblick in die Thematik der altersgemischten Kommunikation zu erlangen und regt zum weiteren Hinterfragen des Themenfeldes an. Da es sich um sehr komprimiertes literarisches Werk handelt, fehlt in manchen Kapiteln eine ausführlichere und differenziertere Betrachtung des Themas.

Fazit

Schließlich lässt sich zusammenfassen, dass das Werk von Führmann und Moser prägnantes und komprimiertes Wissen zur Thematik „Kommunikation in altersgemischten Teams“ zur Verfügung stellt. Dabei werden sowohl soziologische als auch linguistische Perspektiven berücksichtig.

Die Ähnlichkeits-Attraktionstheorie nach Posthuma und Campion skizziert dabei den Einfluss von sozialer Kategorisierung. Die Theorie der kommunikativen Anpassung verdeutlicht konvergente und divergente Einflussfaktoren auf die mehrgenerationale Kommunikation.

Das Buch dient dazu eine Einführung in dieses aktuelle und einflussreiche Thema zu erlangen und sich mit dem aktuellen Forschungsstand auseinanderzusetzen.

Diese Rezension ist als Studienleistung im Rahmen des weiterbilden Masterstudiengangs 'Kindheits- und Sozialwissenschaften' der Hochschule Koblenz entstanden.


Rezension von
Franziska Klüser
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Zitiervorschlag
Franziska Klüser. Rezension vom 09.03.2020 zu: Michaela Moser, Bettina Führmann: Kommunikation in altersgemischten Teams. Forschungsstand und -perspektiven. Springer Gabler (Wiesbaden) 2019. ISBN 978-3-658-25770-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26680.php, Datum des Zugriffs 06.04.2020.


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ISSN 2190-9245

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