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Marcel Feichtinger: Handzeichen für das Classroom-Management

Cover Marcel Feichtinger: Handzeichen für das Classroom-Management. Unterricht mit Händen und weiteren Hilfsmitteln erfolgreich strukturieren. von Loeper Verlag (Karlsruhe) 2018. 85 Seiten. ISBN 978-3-86059-247-2. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR.

Reihe: Von Loeper Fachbuch. JA: UK!.
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Thema

Die alleinige Verwendung von Lautsprache kann den Unterricht aus verschiedenen Gründen erschweren. Eine Sprache, die nicht eindeutig ist, behindert Ordnung und Transparenz. Strukturierungshilfen werden mit Piktogrammen kombiniert und der Einsatz von Handzeichen gibt sowohl Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten als auch Schüler*innen mit Schwierigkeiten in der Fokussierung ihrer Aufmerksamkeit eine Struktur. Die Verwendung von Handzeichen ist auch für Schüler*innen mit Migrationshintergrund äußerst hilfreich. Das Buch beschreibt den erfolgreichen Einsatz von Handzeichen im Klassenraummanagement, sodass Störungen minimiert werden. Dazu gehören auch organisatorische Elemente und klare Regeln auf Grundlage einer respektvollen und wertschätzenden Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung.

Autor

Marcel Feichtinger ist Diplom-Pädagoge mit Schwerpunkt „Frühe Kindheit und Familienpädagogik“ und Förderschullehrer. Er unterrichtet seit 2002 im Primar- und Sekundarbereich. Daneben arbeitet er in der Lehrerfortbildung und als Berater in den Bereichen der Unterstützten Kommunikation und der Assistiven Technologien.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Praxisreihe JA:UK! erschienen, in dieser Reihe liegen mittlerweile 153 Titel vor.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im Softcover Format erschienen und hat einen Umfang von 85 Seiten. Über 33 Abbildungen erklären die Methode, zeigen den Unterricht mit Handzeichen und andere Hilfsmitteln, um Unterricht zu strukturieren. Verwendet werden überwiegend metacom© Symbole und Gebärdenfotos. Der Fließtext gliedert sich in Spalten und unterstützt mit dieser Formatierung die Lesbarkeit. Zahlreiche Textboxen heben sich vom Text ab und geben punktuell vertiefende Hinweise. Das Buch gliedert sich neben der Einführung und dem Anhang mit Kopiervorlagen, einem Literaturverzeichnis sowie Onlinequellen in acht Kapitel und zahlreiche Unterkapitel. Die einzelnen Kapitel sind nicht durchnummeriert.

Aufbau des Bandes:

  • Einführung
  • Verwendung von Handzeichen
  • Das Classroom-Management in der Praxis
  • Der Ursprung und die Auswahl der Handzeichen
  • Die 72 Handzeichen und deren Ausführung
  • Der Einsatz von Piktogrammen
  • Die Schule als „sicherer Ort“
  • Strukturierungshilfen im Rahmen des „Index für Inklusion“
  • Zusammenfassung und Empfehlungen

Lehrerinnen und Lehrer sollten mehr mit den Händen sprechen, denn der alleinige Einsatz von Lautsprache, also dem gesprochenen Wort, kann aus verschiedenen Gründen den Alltag in Unterricht und Schule erschweren. Der Verlust an Eindeutigkeit geht mit einem Verlust an Ordnung und Transparenz einher, Elemente, die in dem Kontext von Unterricht und Erziehung besonders bedeutsam sind.

Handzeichen sind ein Instrument der Sprache von Lehrerinnen und Lehrern, man kennt sie aber auch aus dem Tauchsport. Eingesetzt werden sie dann, wenn der Einsatz von Lautsprache durch äußere Bedingungen erschwert ist. Auch gibt es soziale oder medizinische Gründe für Handzeichen wie z.B. in der Kommunikation mit Menschen, die schwer hören oder gehörlos sind sowie für solche, die andere Kommunikationsbeeinträchtigungen haben. In diesem Kapitel werden verschiedene Formen erläutert. Die Darstellung der Handzeichen orientiert sich an der Deutschen Gebärdensprache (DGS).

Die meisten der 72 Handzeichen, die von Feichtinger vorgestellt werden, entstammen der Auswahl der sog. Münsterland-Gebärden. 2014 hat eine Expert*innengruppe des Netzwerk „Assistive Technologien und Unterstützte Kommunikation“ einen Wortschatz von 200 Gebärden festgelegt, die regionalen Einrichtungen empfohlen wird. Um 80 % der Alltagssprache darzustellen sind 200–300 Wörter ausreichend (S. 27). Mithilfe der Elternvereinigung Lebenshilfe e.V. Ortsverband Münster, wurde die kostenlose App „UK-Gebärden“ entwickelt, die die Möglichkeit gibt, mobil auf Videos dieser Gebärden zuzugreifen. Es wurden vor allem Handzeichen gewählt, die situationsunabhängig eingesetzt werden können. Weitere Informationen finden sich auf der website der Lebenshilfe Münster unter www.lebenshilfe-muenster.de, dort findet sich auch ein direkter Link auf Android und IOS.

Beim Klassenraummanagement geht es aber nicht allein um den Umgang mit Regeln und Ablagesystemen, das Konzept hat weitaus mehr zu bieten. Eiberger und Hildebrandt (2013)unterscheiden vier Instrumente (verbale Instrumente, paraverbale Instrumente, nonverbale Instrumente und sprachunterstützende Instrumente). Eiberger und Hildebrandt (2013)geben den Hinweis, dass der Fokus der Lehrenden mehr auf dem „wie“, statt auf dem „was“ liegen sollte (S. 12).

Ziel dieses Buches ist, eine systematische Zusammenstellung von Handzeichen zu sein, um heterogene Lerngruppen durch eine eindeutige Sprache der Lehrenden mehr Struktur zu verleihen. Heterogene Lerngruppen beispielsweise in Bezug auf Lernvoraussetzungen, Motivation, Herkunft, Lebenserfahrungen oder Ressourcen werden als Bereicherung verstanden. Auf Seite 14 des Buches findet sich eine Tabelle, für welche Zielgruppen der Einsatz von Handzeichen besonders sinnvoll und erfolgreich ist.

Ein erfolgreiches Klassenraummanagement nutzt Strukturierungshilfen, einige erläutert der Autor genauer und im Buch finden sich auch Fotos dazu. Ziel ist, mit einfachen Mitteln die Abläufe im Alltag des Unterrichts dauerhaft und effektiv zu gestalten. Doch darum geht es nicht allein. Sein Blick richtet sich, angeregt von Kounin auch auf das Verhalten von Lehrer*innen und Schüler*innen. Beispielsweise sollen Schüler*innen befähigt werden, Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen und auch Rechte, Bedürfnisse und Gefühle von anderen zu respektieren.Lehrer*innen führen, leiten an, unterstützen und korrigieren.

An diese grundsätzlichen Erklärungen schließen sich Ausführungen zum Ursprung von Handzeichen an, hier wird auch die Auswahl und die Anwendung der Handzeichen erläutert. Feichtinger empfiehlt 72 Handzeichen, die in einer Tabelle auf Seite 37 aufgezählt werden und auf den dann folgenden Seiten (38-50) durch Fotos und Erklärungen dargestellt werden. Über jedem Foto steht das dargestellte Wort, unter jedem Foto wird schriftlich die Ausführung erklärt und dazu noch Sätze, in denen das jeweilige Wort zum Einsatz kommt z.B. beim Handzeichen für „laut“ ein Foto vom Handzeichen und der Satz „Rede bitte lauter“ (S. 39). 

Neben den Handzeichen ist auch die Arbeit mit Piktogrammen, also einfachen bildlichen Darstellungen, weit verbreitet. Bei der Auswahl der Piktogramme spielen kulturelle Aspekte eine Rolle. Mithilfe von Handzeichen und Piktogrammen wird ein verständlicher und erfolgreicher Unterrichtsalltag gestaltet. Konkret wird auf ein inklusives Projekt aus Schottland verwiesen, an dem sich 100 schulische und vorschulische Einrichtungen mit dem Ziel, die Umwelt mit Symbolen zu versehen, beteiligten. Darunter fallen z.B. Wegweiser zur Orientierung in der Schule (S. 52) oder Alternativpläne zur Verdeutlichung von Verhalten und Konsequenzen (S. 54).

Einige Beispiele zielen direkt auf Piktogramme für traumatisierte Schüler*innen, auf Piktogramme für Schüler*innen mit Unterstützungsbedarf in der emotional-sozialen Entwicklung und Piktogramme für Schüler*innen mit Autismus-Spektrum-Störung, diese Erklärungen sind sehr kurz.

Im Buch und im Anhang finden sich einige Kopiervorlagen zum direkten Einsatz, diese können auch beim von Loeper Verlag herunter geladen werden.

Das sechste Kapitel behandelt das Thema „die Schule als sicherer Ort“. Besprochen werden Handzeichen und Piktogramme für geflüchtete Schüler*innen ohne Deutschkenntnisse und Handzeichen und Piktogramme für Schüler*innen ohne Lautsprache. Feichtinger gibt Hinweise zu vertiefenden Materialien in Bezug auf das Thema „Schule als sicherer Ort“: die regionale Schulberatungsstelle des Kreises Borken in NRW stellt Materialien zum download bereit und auch beim UNHCR findet man Filme und Materialien sowie z.B. ein Traumahandbuch.

Natürlich darf im Buch auch der Einsatz von Strukturierungshilfen im Rahmen des „Index für Inklusion“ nicht fehlen. Das Buch endet mit einer knappen Zusammenfassung und Empfehlungen aus der Praxis für die Praxis.

Diskussion

Das Buch handelt vom erfolgreichen Einsatz von Handzeichen, die im Rahmen des sogenannten Classroom-Managements eingesetzt werden. Dadurch können Störungen minimiert werden. Es geht aber nicht nur um organisatorische Elemente wie klare Regeln, es geht darüber hinaus um die Gestaltung einer respektvollen und wertschätzenden Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung. Vorgestellt werden außerdem Kombinierungsmöglichkeiten mit Strukturierungshilfen und dem zusätzlichen Einsatz von Piktogrammen, ganz im Sinne des „Index für Inklusion“, sodass mithilfe der Handzeichen inklusive Praktiken und Strukturen in (Bildungs-)Einrichtungen etabliert werden können.

72 Handzeichen (orientiert an der Deutschen Gebärdensprache -DGS) bilden das Kernstück des Buches. Mit den Handzeichen kann ein verständlicher und erfolgreicher Unterrichtsalltag gestaltet. Auswahl und Darstellung der Handzeichen werden ausführlich erläutert und es werden konkrete Anwendungsbeispiele gegeben.

Ziel des Buches ist, eine systematische Zusammenstellung von Handzeichen, um heterogenen Lerngruppen durch eine eindeutige Sprache der Lehrenden mehr Struktur zu verleihen. Die Heterogenität bezieht sich beispielsweise auf Lernvoraussetzungen, Motivation, Herkunft, Lebenserfahrungen oder Ressourcen, heterogene Lerngruppen werden als Bereicherung verstanden. Auf Seite 14 des Buches findet sich eine Tabelle, für welche Zielgruppen der Einsatz von Handzeichen besonders sinnvoll und erfolgreich ist.

Unter dem Link https://verlagvonloeper.ariadne.de/fachliteratur/gebaerden/9435/feichtinger-handzeichen-fuer-das-classroom-management-n/000-247/ können Vorlagen heruntergeladen werden.

Ein Hinweis auf den TEACCH® Ansatz hätte die Ausführungen sinnvoll ergänzt, dieser Hinweis hat mir gefehlt. TEACCH ist keine Methode, sondern eine Haltung zum systematischen Einsatz von Strukturierungs- und Visualisierungshilfen. Es geht nicht um Struktur als Selbstzweck und Piktogramme sollten nicht „einfach irgendwie“ genutzt werden. Aus meiner Praxis und zahlreichen Fortbildungen und Beratungen weiß ich, wie schnell es passiert, dass zu viele Piktogramme und Strukturierungshilfen eingesetzt werden. Statt „viel hilft viel“ ist gut zu überlegen und abzuwägen, denn oft ist „weniger mehr“. Dazu braucht es aber ein vertiefendes Wissen für die Arbeit nach TEACCH®. Entwickelt in den 1970er Jahren in den USA, in den Beneluxländern und in Skandinavien auch lange Standard, haben wir in manchen Bereichen hier in Deutschland immer noch einen hohen Nachholbedarf. Dabei geht es darum, die Umgebung so zu gestalten, dass Menschen ihre individuellen Möglichkeiten erweitern und damit mehr Selbstwirksamkeit erleben können, was letztendlich auch mit der Erhöhung der Lebensqualität einhergeht. Das Arbeiten nach TEACCH® gibt Struktur und Orientierung, schafft Sicherheit und Verlässlichkeit und damit Vertrauen, Werte, die für jeden Menschen wichtig sind, vor allem aber für jene, die aus welchen Gründen auch immer Unterstützung benötigen.

Fazit

Die alleinige Verwendung von Lautsprache kann den Unterricht aus verschiedenen Gründen erschweren. Eine Sprache, die nicht eindeutig ist, behindert Ordnung und Transparenz. Strukturierungshilfen werden mit Piktogrammen kombiniert und der Einsatz von Handzeichen gibt sowohl Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten als auch Schüler*innen mit Schwierigkeiten in der Fokussierung ihrer Aufmerksamkeit eine Struktur. Die Verwendung von Handzeichen ist auch für Schüler*innen mit Migrationshintergrund äußerst hilfreich. Das Buch beschreibt den erfolgreichen Einsatz von Handzeichen im Klassenraummanagement, sodass Störungen minimiert werden. Dazu gehören auch organisatorische Elemente und klare Regeln auf Grundlage einer respektvollen und wertschätzenden Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung.

Dies ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Fachlich gibt es kurz und knapp einen Überblick zu den Möglichkeiten des Classroom Management, praktisch enthält es viele Abbildungen und Fotos, Kernstück bilden die Fotos von den 72 Handzeichen und den Einsatzmöglichkeiten, die derart aufbereitet sind, dass sie einfach zu erlernen und in die Praxis zu adaptieren sind. Die Bereitstellung von Kopiervorlagen und der Hinweis auf Onlinequellen erspart langes Suchen.

Fazit: Must have für den strukturierten Unterricht mit Händen und weiteren Hilfsmitteln.


Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 05.06.2020 zu: Marcel Feichtinger: Handzeichen für das Classroom-Management. Unterricht mit Händen und weiteren Hilfsmitteln erfolgreich strukturieren. von Loeper Verlag (Karlsruhe) 2018. ISBN 978-3-86059-247-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26701.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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