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Andrea Kerres, Christiane Wissing: Planspiele Pflege und Gesundheit

Cover Andrea Kerres, Christiane Wissing: Planspiele Pflege und Gesundheit. Anwendungsbeispiele für die berufliche Bildung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2020. 147 Seiten. ISBN 978-3-17-035817-1. 29,00 EUR.
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Thema

Das vorliegende Buch liefert eine Sammlung von verschiedenen Vorlagen, um Planspiele im Bereich Pflege und Gesundheit mit Lernenden durchführen zu können. Die beiden Autorinnen haben die Vorlagen im Rahmen des Studiengangs Pflegepädagogik an der katholischen Stiftungshochschule München konzipiert, erprobt und dann veröffentlicht.

Autorin

Andrea Kerres ist nach Verlagsangaben Dipl. Psychologin, Professorin an der kath. Stiftungshochschule München und dort tätig als Studiengangsleiterin Pflegepädagogik an der Fakultät Pflege und Gesundheit.

Christiane Wissin arbeitet als Pflegepädagogin (M.A.) ebenfalls an der Stiftungshochschule München.

Aufbau

Nach einer kurzen Einleitung in das Thema Planspiel verbunden mit einer Übersicht zu den Themen der Planspiele in Verbindung mit den einzelnen Lernfelder der Pflegepädagogik, werden im Buch insgesamt 8 Planspiele vorgestellt, die immer dem gleichen strukturellen Aufbau folgen. Am Ende des Buches wird der Einsatz der Planspiele, sowohl aus Sicht der Teilnehmenden, als auch aus der Perspektive der Durchführenden evaluiert.

Inhalt

Die Planspiele behandeln folgende Themen entsprechend der Reihenfolge im Inhaltsverzeichnis.

Dabei folgen sie dem immer gleichen Aufbau:

  • Ausgangssituation,
  • Lernfeld,
  • Bedingungsanalyse,
  • Szenario,
  • Rollenbeschreibungen,
  • Besonderheiten,
  • Stolperfallen und Herausforderungen,
  • Fazit.

Jedem Planspiel ist dazu eine umfangreiche Literaturliste angehängt.

Die Erläuterungen zu den einzelnen Themen sind dem jeweiligen Planspiel angepasst und dienen einem potenziell Durchführenden zu umfänglichen Orientierung. Zudem vermitteln sie Hintergrundinformationen zu methodisch-didaktischen Überlegungen, sowohl bezogen auf die Konzeptphase, als auch in der Reflektion der Durchführung der Planspiele.

  • Planspiel 1: Kindeswohl – ein Unfall im Hort, Lernfeld: Berufskunde der Gesundheits- und Krankenpflege
  • Planspiel 2: La dolce vita – Umgang mit Diabetes Mellitus, Lernfeld: Theorie und Praxis der Gesundheits- und Krankenpflege in Verbindung mit Grundlagen der Pflege in Kontext chronischer Erkrankungen
  • Planspiel 3: Schon wieder eine, die studiert?! – Kommunikationstheorien in der Anwendung, Lernfeld: Anwendung von Kommunikationstheorien in Verbindung mit dem Studiengang Pflege Dual und Studiengang Soziale Arbeit.
  • Planspiel 4:Der Fall Frau Hagen und die NES – Förderung der Harnkontinenz, Lernfeld: Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege im besonderen § 3 Ausbildungsziel im Krankenpflegegesetz.
  • Planspiel 5: Stress lass nach – Umgang mit Stress, Konflikt- und Belastungssituationen im Team, Lernfeld: Berufliche Anforderungen bewältigen in Verbindung mit dem Erkennen von berufsspezifischen Belastungssituationen sowie die Analyse der Kommunikation und eine systematische Reflektion.
  • Planspiel 6: Fehlerhaftes Entlassungsmanagement von Patienten, Lernfeld: Entlassungsmanagement: eine interdisziplinäre Herausforderung orientiert an den Lehrplanrichtlinien des bayrischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Grundlagen der Pflege.
  • Planspiel 7: Fachkräftemangel hausgemacht – schlechter Umgang mit den eigenen Auszubildenden in der Altenpflege, Lernfeld: Altenpflege als Beruf in Verbindung mit der Entwicklung eines beruflichen Selbstverständnisses.
  • Planspiel 8: Süchtige Mitarbeit im Pflegeteam – Umgang und Konflikte, Lernfeld: Menschen mit Störungen der persönlichen Wahrnehmung pflegen.

Exemplarische Vorstellung des Planspiels 5

Ausgangsüberlegung ist: Im 2. Ausbildungsjahr geraten die Schüler:innen in ein Motivationsloch verbunden mit dem Gefühl von Überforderung und Unzufriedenheit. Dazu kommt der Fachkräftemangel und ebenso sollte latentes Mobbing aufgegriffen werdern. Die Auszubildenden (13 an der Zahl) waren im Schnitt 25 Jahre und alle im 2. Jahr der Ausbildung. Sie hatten keine Erfahrungen mit Planspielen und es wurde ein Unterrichtstag für das Planspiel reserviert. Die Studierenden hatten vier Rollen zur Auswahl. Es gab folgendes Szenario:

  • „Tag 1- Montagmorgen, Setting: stationäres Krankenhaus: Die Pflegeschülerin Sophie Neulinger, welche sich im zweiten Lehrjahr befindet, hat am Tag zuvor im Frühdienst auf der internistischen Station ausgeholfen. Ihr eigentlicher Einsatzort ist die chirurgische Station. Sie trägt Verantwortung über einen Stationsbereich. Keine Anwesenheit einer Pflegefachperson.
  • Tag 2: Dienstagmorgen, Setting: stationäres Krankenhaus: Die Pflegeschülerin Sophie Neulinger erhält einen Praxisbesuch aus ihrer Berufsfachschule für Gesundheit- und Krankheitslehre von dem zuständigen Lehrer Max Walther.“ (S. 84ff).

Im Planspiel gibt es die Rollen:

  • Sophie Neulinger, Pflegeschülerin im 2. Ausbildungsjahr.
  • Barbara Clement, Stationsleitung und Praxisanleiterin Chirurgie
  • Max Walther, Lehrkraft Berufsfachschule Gesundheits- und Krankenpflege
  • Petra Maier, Pflegefachfrau und Praxisanleiterin Chirurgie

Für jede der Rollen gibt es eine ausführliche Rollenbeschreibung. Zur Zuspitzung der persönlichen Situationen werden ambivalente Gefühle beschrieben. Alle handelnden Personen stehen unter einen besonderen Stress und leisten ausgewöhnliches. Es scheint so zu sein, als ob Sophie einen Patienten vergessen hat, dieser ist dann gestürzt und hat sich (mögliche Ereigniskarte:) schwer verletzt. Diese Nachricht bekommt Barbara am Montagmorgen und muss dem nachgehen. Petra ist dafür verantwortlich, dass sie Sophie zu viel zugetraut hat. Max ist als Lehrer neu und bezogen auf seinen Praxisbesuch in diesem Kontext verunsichert.

Insgesamt können 7 Begegnungssituationen in unterschiedlichen Besetzungen durchgespielt werden. Dazu gibt es Ereigniskarten, die im Planspiel Wendungen provozieren können und damit die Szenarien verkomplizieren. Insgesamt gibt es 3 Ereigniskarten. 

In der Reflektion des Planspiels wurde deutlich, dass es von allen Beteiligten viel Fingerspitzengefühl für die Durchführung benötigte. Auch die intensive Beteiligung der Schüler:innen verdeutlichte die Realitätsnähe des entwickelten Planspiels.

Das letzte Kapitel befasst sich mit der Evaluation der Planspiele. Die Autoren fassen das Fazit wie folgt: „Mit Spaß lernen – diese Möglichkeit scheint mit der Methode umsetzbar zu sein. Das spricht für die Methode, auch wenn sie im Vorfeld eine hohe Vorbereitung braucht und auch im Spielverlauf von der Spielleitung eine hohe Flexibilität benötigt wird und ein sich einlassen auf nicht vorhersehbare Prozesse. Ein hoher Anspruch an alle am Prozess Beteiligten, der sich am Ende zu lohnen scheint.“ (S. 92).

Diskussion

Im vorliegenden Buch sind in der praktischen Anwendung 8 Planspiele entstanden, die umfangreich aufbereitet sind. Die Autorinnen gehen inhaltlich und didaktisch methodisch auf wesentliche Aspekte im Rahmen des Studiums der Pflegepädagogik ein. Den Studierenden werden so kreative, vielfältige und herausfordernde Lernsituationen angeboten, die Lernen „live und in Farbe“ möglich machen. Für den Rezensent eine der intensivsten und „Ich – Nächsten“ Formen von Lernen und Lehren.

Wer jedoch fertige Lernarrangements erwartet wird enttäuscht sein. In die einzelnen Planspiele muss noch viel Eigenarbeit investiert werden. Eine eins zu eins Anwendung ist sicher schwierig.

Die Einleitung in die Thematik Planspiele ist aus meiner Sicht zu kurz und muss unbedingt noch durch eigenes Literaturstudium angereichert werden, um die Planspiele fundiert anleiten zu können.

Insgesamt macht das Buch Mut, um mehr Planspiele in die Lehre zu integrieren.

Fazit

Sowohl als Teilnehmender, als auch in meiner Arbeit als Erwachsenenbilder habe ich selbst viele Jahre Planspiele begeisternd gespielt bzw. angeleitet. Die Methode ist aus meiner Sicht eine zentrale und wertvolle Möglichkeit Lernprozesse aufzuwerten und vor allem intensiver und realer zu gestalten. Damit stellen sie für mich einen echten Mehrwert in unterschiedlichen Lernarrangements dar.

Das vorliegende Buch gibt dazu für das Feld „Pflege und Gesundheit“ viele hilfreiche und zielführende Anregungen. Damit wird Lehrenden ein umfangreicher Fundus von möglichen Planspielszenarien zur Verfügung gestellt, die sich aus meiner Sicht alle gut einsetzen lassen. Dennoch benötigt es für die konkrete Umsetzung viel Vorbereitungsarbeit, die sich nach meiner Einschätzung lohnt und die dann auch kollegial weitergegeben werden kann.


Rezension von
Dipl. Soz.-Arb. Bertram Kasper
Dipl. Supervisor und Supervisor (DGSv), Business Coach, Coaching- und Trainerausbilder, profilingvalues Partner - Master Class, über 30 Jahre Führungserfahrung
Homepage www.focus-fuehren.de
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Zitiervorschlag
Bertram Kasper. Rezension vom 20.11.2020 zu: Andrea Kerres, Christiane Wissing: Planspiele Pflege und Gesundheit. Anwendungsbeispiele für die berufliche Bildung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-17-035817-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26712.php, Datum des Zugriffs 24.11.2020.


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