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Sabrina Lorenz, Ann Marie Wester u.a.: Digitalisierung in der beruflichen Rehabilitation

Cover Sabrina Lorenz, Ann Marie Wester, Eva Rothaug, Susanne Kretschmer, Iris Pfeiffer: Digitalisierung in der beruflichen Rehabilitation. Wie die Implementierung einer digitalen Lernkultur gelingen kann. wbv Media GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2020. 52 Seiten. ISBN 978-3-7639-6112-2. D: 23,90 EUR, A: 24,60 EUR.

Reihe: Leitfaden für die Bildungspraxis - 72.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
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Thema

Die tiefgreifenden digitaltechnischen Umwälzungen der Arbeitswelten stellen Organisationen der beruflichen Rehabilitation vor die doppelte Herausforderung, zum einen ihre Adressat*innen auf die damit einhergehenden veränderten Anforderungen der Arbeitsmärkte vorzubereiten. Zum anderen stellen sich Fragen, inwieweit digitale Medien in Bildungsprozessen angemessen und zielführend verwendet werden können und welche spezifischen Voraussetzungen auf Seiten der Bildungseinrichtungen selbst sowie deren Personal dazu notwendig sind. Diese Herausforderungen stellen sich wohl allen Einrichtungen beruflicher Bildung, in denjenigen beruflicher Rehabilitation erhalten sie jedoch ein besonderes Gewicht. Denn im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Arbeitswelten werden einerseits Exklusionsrisiken für Menschen mit Behinderung gesehen. Andererseits offerieren digitale Techniken auch neue Chancen zur Teilhabe an beruflicher Bildung und Erwerbsarbeit. Bislang werden diese Potenziale jedoch noch nicht ausgeschöpft. Der vorliegende Leitfaden richtet sich daher an „Akteure auf dem Feld der beruflichen Rehabilitation sowie interessierte Personen aus der Fachöffentlichkeit“ (S. 8), die „Hinweise und Anregungen dazu (erhalten sollen), wie eine digitale Lernkultur in der eigenen Organisation gefördert werden kann“ (ebd.). Dazu gibt er u.a. praxisorientierte Handlungsempfehlungen, die aus Erfahrungen mit dem aus Bundes- und ESF-Mitteln geförderten Projekt ‚Implementierung einer digitalen Lernkultur und Stärkung der Medienkompetenz in Berufsbildungswerken und bei Bildungsdiensteilstern ambulanter beruflicher Rehabilitation (mekro@reha)‘ gewonnen wurden.

Herausgeberinnen und Autorinnen

Die beiden Herausgeberinnen sind Geschäftsführerinnen des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg und an weiteren Standorten. Autorinnen sind Sabrina Lorenz, Ann Marie Wester und Eva Rothang.

Aufbau und Inhalt

Der Band hat mit 41 kompakten Textseiten die Form einer Broschüre mit einer Einleitung, sechs Kapiteln, einem Literaturverzeichnis sowie einer Seite mit weiterführenden Links. Das vollständige Inhaltsverzeichnis kann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek eingesehen werden. Zu den Kapiteln im Einzelnen:

Nach der Einleitung werden in Kap. 2 Ausgangslage und Handlungsbedarf im Kontext der UN-Behindertenrechtskonvention begründet. Das dort in Art. 24 kodifizierte Recht auf uneingeschränkte Teilhabe an Bildung umfasse nicht lediglich einen entsprechenden „barrierefreie(n) Zugang zu digitalen Medien“, sondern „auch die uneingeschränkte [..] Nutzbarkeit neuer Medien durch alle Personengruppen einer Gesellschaft“ (S. 9), so auch jener mit Behinderung(en). Anschließend werden Chancen und Herausforderungen von Digitalisierung für diese Gruppe(n) dargestellt und differenziert. Schließlich werden vier Ebenen vorgestellt, auf denen Leistungserbringer beruflicher Rehabilitation ansetzen können, um eine digitale Lernkultur zu fördern. Diese vier Ebenen gliedern entsprechend die folgenden vier Kapitel.

Die erste umfasst in Kap. 3 diejenige der Führung und Koordination. Hier wird erstens ein Modell zur systematischen und dialogorientierten Organisationsentwicklung dargelegt, um digitalisierungsbezogene Veränderungsprozesse zu gestalten. Zweitens werden Empfehlungen zur Erstellung eines Medienkonzepts gegeben.

Kap. 4 nimmt die gelebte Praxis in den Blick. Hier werden Anregungen und Tools zur „Implementierung von Arbeitsgruppen zum digitalen Lernen“ (S. 19) gegeben sowie Kriterien für einen didaktisch sinnvollen Einsatz digitaler Medien in Bildungsprozessen vorgestellt. Dabei belässt es dieses Kapitel jedoch nicht, sondern es werden einige Anwendungen für mobile Endgeräte und ihre Einsatzbereiche im Sinne guter Praxis aufgeführt.

In Kap. 5 geht es um die Qualifizierung des Bildungspersonals im Kontext von Personalentwicklung. Es folgt eine nähere Darstellung von digitalen Kompetenzen in sechs Feldern, in denen sich Mitarbeiter*innen in Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation fortbilden können.

Kap. 6 thematisiert die digitale Infrastruktur als technische Rahmenbedingung. Hier werden Leitfragen zur Ermittlung von Ausstattungsstand und -bedarfen gestellt und darauf hingewiesen, Anschaffungen an alle Mitarbeiter*innen transparent zu kommunizieren.

Der Band schließt in Kap. 7 mit einem kurzen Fazit und Ausblick, in dem auf die Notwendigkeiten einer Erweiterung formaler Qualifizierungen des Bildungspersonals um digitale Inhalte, der Stärkung digitaler resp. Medienkompetenzen bei den Rehabilitand*innen und ein bedarfsgerechtes Mediencurriculum sowie eine angemessene finanzielle Förderung hingewiesen wird.

Fazit

Der Band gibt Einrichtungen beruflicher Rehabilitation in kompakter, ansprechend gestalteter und gut lesbarer Form wertvolle und praxistaugliche Anregungen, um sich im Kontext von Digitalisierung weiter oder sogar neu aufzustellen. Die Kompaktheit bedingt zwar eine Reihe von verkürzten und auch skizzenhaften Darstellungen, bietet aber im Literaturverzeichnis Anschlussmöglichkeiten zur vertiefenden Lektüre. Anregend sind aus meiner Sicht vor allem die immer wieder eingeschobenen Darstellungen guter Praxis sowie die Auflistung von digitalen Verfahren und Apps, die für den Reha-Bereich als besonders geeignet bewertet wurden, aber nach meiner Einschätzung auch in anderen verwendet werden könnten. Insofern empfehle ich die Broschüre der anvisierten Zielgruppe und darüber hinaus interessierten Akteur*innen anderer Bereiche beruflicher Bildung, die z.B. mit sozial benachteiligten (jungen) Menschen arbeiten. 


Rezension von
Michael Fehlau
M.A., wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Forschung-Lehre-Praxis-Transfer, Hochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Michael Fehlau. Rezension vom 28.09.2020 zu: Sabrina Lorenz, Ann Marie Wester, Eva Rothaug, Susanne Kretschmer, Iris Pfeiffer: Digitalisierung in der beruflichen Rehabilitation. Wie die Implementierung einer digitalen Lernkultur gelingen kann. wbv Media GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2020. ISBN 978-3-7639-6112-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26737.php, Datum des Zugriffs 30.10.2020.


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ISSN 2190-9245

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