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Jöran Muuß-Merholz: Barcamps & Co

Cover Jöran Muuß-Merholz: Barcamps & Co. Peer-to-Peer-Methoden für Fortbildungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. 238 Seiten. ISBN 978-3-407-36699-3. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Entstehungshintergrund

Das Gesamtwerk und einzelne seiner Elemente stehen unter freien Lizenzen (ist also eine Open Educational Resource, OER), wobei das präsentierte (Erfahrungs-)Wissen im Rahmen kooperativer Konzeption, Organisation und Durchführung vieler OERcamps entstanden ist. Das Buch geht als Ergebnis aus dem Projekt „OERcamp 2017 – Open Educational Resources in die Breite bringen (ZLL21 e.V.)“hervor.

Autor

Jöran Muuβ-Merholz ist freiberuflicher Diplom-Pädagoge. Im Rahmen seiner Agentur konzipiert und organisiert er seit Jahren Bildungsveranstaltungen jeder Größe.

Aufbau

In drei Teilen erklärt der Autor zuerst, was Selbstfortbildungen (erster Teil) und was Barcamps (zweiter Teil) sind, und er präsentiert zehn weitere Formate für Peer-to-Peer-Lernen (dritter Teil). In weiteren Kapiteln werden illustrierende Bonusmaterialien und Methoden aufgeführt.

Inhalt

Unter Selbstfortbildungen versteht der Autor Peer-to-Peer-Lernen (P2P), wie es in Barcamps & Co. umgesetzt wird. Beim P2P-Lernen nehmen die Fortbildungsinteressierten „ihre Fortbildung in die eigenen Hände“ (S. 16) und delegieren diese nicht länger an Fortbildungsfachleute. So gilt in diesen Fortbildungsveranstaltungen gemäß Autor Gleichrangigkeit zwischen allen Anwesenden (Peers): Alle können und wollen grundsätzlich vom (Erfahrungs-)Wissen aller anderen profitieren, und Inhalte und Vorgehen werden auf Augenhöhe ausgehandelt. Auf diese Art und Weise kann sich Fortbildung „radikal an den Lernenden“ (S. 16) orientieren und schnell und flexibel, situationsadäquat und ergebnisoffen erfolgen. Die Ursprünge der P2P-Formate, die Muuβ-Merholz vorstellt, stammen aus dem Umfeld internationaler und internet-affiner Communities, die sich zum Erfahrungsaustausch getroffen haben.

Muuβ-Merholz beschreibt Barcamps (oder „Unkonferenzen“) ausführlich und sehr detailliert. Er versteht unter einem Barcamp eine (Selbstfortbildungs-)Veranstaltung, die grundsätzlich in sehr unterschiedlichen Settings stattfinden kann: Sie dauert von 3 Stunden bis 3 Tage und eignet sich für 20 bis 300 Personen. Ein Barcamp kann intern oder extern und von Communities oder aber kommerziellen Anbietern organisiert, das spezifische Thema kann vorab oder auch erst während der Veranstaltung gesetzt werden.

Mit Hilfe eines Erfahrungsberichtes einer Teilnehmerin, die ein OERcamp besucht hat, werden Ablauf, Ziele, Regeln und Vorgehen im Rahmen eines Barcamps anschaulich geschildert (S. 38). Barcamps eignen sich laut Autor als Format vor allem dann, wenn in Bezug auf das Thema Vorwissen und Motivation bei den Teilnehmenden vorhanden sind, und wenn der Ideen- und Erfahrungsaustausch zentraler ist als das Erreichen eines homogenen Wissensstandes (S. 45).

Ergänzend zum Erfahrungsbericht erläutert der Autor im Sinne einer Anleitung für Personen, die Barcamps selbst veranstalten wollen, die Elemente und Phasen eines Barcamps sehr detailliert und konkret:

  • Als Phase des „Trockendocks“ (S. 62) bezeichnet Muuβ-Merholz die Phase der inhaltlichen, personellen, organisatorischen, technischen bis hin zu den finanziellen Entscheidungen.
  • Es folgt die Phase des „Stapellaufs“ (S. 79 ff.). Darunter thematisiert der Autor alles rund um die (analoge und digitale) Kommunikation im Vorfeld der Veranstaltung. Er schildert, wie Information und Kommunikation zielführend erfolgen können (bspw. Einladungen/​Anmeldungen, Wahl einer Online-Plattform, Umgang mit Social Media etc.).
  • In der Phase lll „Auf großer Fahrt“ (S. 92 ff.) stehen Fragen rund um die Durchführung der Barcamps im Zentrum. Es werden Aspekte der Moderation und der Feinplanung diskutiert. Der Autor schlägt u.a. goldene Regeln vor, macht Aussagen zum Umgang mit dem Spannungsfeld Öffentlichkeit/​Privatheit, zum Umgang mit Fotos und Videos etc.
  • Unter Phase lV „Zurück im Hafen“ (S. 119 ff.) beschreibt Muuβ-Merholz die Evaluation und Dokumentation von Barcamps.

Mit Betrachtungen zu Variationen des Barcamp-Formats (S. 124 ff.) und mit Bonusmaterialien (wie bspw. einem Glossar der Barcamp-Fachbegriffe oder Tipps mit entsprechenden Checklisten) schließt der Autor den Teil zum Thema Barcamp ab.

Im nächsten Teil des Buches beschreibt Muuβ-Merholz zehn weitere Formate für P2P-Fortbildungen (S. 142 ff.), immer anhand von Steckbrief, Kurzbeschreibung, Umsetzungsbeispielen, möglichen Themen und Formen, die sich zum Einsatz des entsprechenden Formates eignen. Bei den Formaten handelt es sich um

  • Karussell-Fortbildung („Jeder ist reihum dran“)
  • Hackaton & Booksprint („Die gemeinsame Hauruck-Aktion“)
  • Newsletter & Wissensblog („Wissen mit Kolleg*innen teilen“)
  • Speed-Geeking & Date-an-Expert (“Lernen wie beim Speed-Dating“)
  • Lightning Talks & Pecha Kucha (“Kurzvorträge mit Unterhaltungswert“)
  • Stammtische & Meetups („Treffen mit Gleichgesinnten“)
  • Marktplatz & Ausstellung („Stöbern, Entdecken, Austauschen“)
  • MOOCs & Learning Circles („Onlinekurse gemeinsam bewältigen“)
  • Offene Küchen-Sprechstunde („Sag mal, du kennst dich doch aus“)
  • Twitter & Blogs („Öffentlicher Erfahrungsaustausch“)

Diese Kurzbeschreibungen ergänzt Muuβ-Merholz durch die Skizzierung einer Reihe von kleineren P2P-Methoden, die sich für die Gestaltung einzelner Sequenzen innerhalb von Barcamps bewährt haben. Die Methoden lassen sich gut auch in anderen Lehr-/​Lernkontexten verwenden.

Das Buch schliesst mit Hinweisen auf Foliensätze und Vorlagen, Anleitungen und Checklisten, die online abrufbar sind (S. 233 ff.).

Fazit

In „Barcamps & Co.“ stellt Jöran Muuβ-Merholz Barcamps und weitere Formate in den Kontext eines zeitgemäßen Fortbildungsverständnisses. In aktuell von Digitalisierung und Internet geprägten Arbeitswelt muss der Erwerb neuen Wissens schnell und situationsangemessen erfolgen, und dabei spielen Erfahrungswissen und Erfahrungsaustausch eine zentrale Rolle. Beim Peer-to-Peer-Lernen auf Augenhöhe, wie es in Barcamps umgesetzt wird, bringen alle Teilnehmenden ihre Erfahrungen, Lernbedürfnisse und Interessen ein, und sie handeln mit den anderen Teilnehmenden Themen und Vorgehen kooperativ aus. Alle lernen voneinander. Damit handelt es sich um Selbstfortbildung insofern, als dass weniger Wissen von Bildungsfachleuten „konsumiert“ und vielmehr gemeinsam neues Wissen konstruiert wird. Der Autor beschreibt detailliert und genau, wie diese Lernprozesse in Barcamps ablaufen, und er erläutert, in welchen Kontexten Barcamps & Co. Sinn machen und was bei der Durchführung zu beachten ist. Die zahlreichen ganz konkreten Tipps aus der Praxis der Barcamps sind für alle, die in der Erwachsenenbildung tätig sind, von hohem Wert – sei es für die Entscheidung bezüglich eines Formates für (Selbst-)Fortbildungsveranstaltungen, sei es für die Planung und Durchführung eines Barcamps, oder sei es für die gezielte Reflexion der eigenen Lehr-/​Lernpraxis.


Rezension von
Prof. Dr. Elisabeth Müller Fritschi
Homepage www.fhnw.ch
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Zitiervorschlag
Elisabeth Müller Fritschi. Rezension vom 11.08.2020 zu: Jöran Muuß-Merholz: Barcamps & Co. Peer-to-Peer-Methoden für Fortbildungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. ISBN 978-3-407-36699-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26746.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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