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Isabell Lütkehaus, Izabella Pach: Basiswissen Mediation

Cover Isabell Lütkehaus, Izabella Pach: Basiswissen Mediation. Handbuch für Praxis und Ausbildung. Wolfgang Metzner Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2019. 210 Seiten. ISBN 978-3-96117-046-3. 39,99 EUR.
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Thema

Konflikte sind ein integraler Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens. Sie zeichnen sich durch eine Doppelgesichtigkeit aus. Zum einen bringen sie beispielsweise im Trennungs- und Scheidungsprozess Schmerz, Trauer, Wut und (Selbst-)Zweifel für die, die zurückgelassen werden. Zum anderen kann ein ausgetragener Konflikt – wie ein reinigendes Gewitter – helfen die Positionen zu klären, den eigenen und den Standpunkt des anderen besser zu verstehen und konstruktiv ausgestaltet zur Konfliktlösung beitragen.

Das Suchen nach einer (außergerichtlichen) Einigung steht im Mittelpunkt der Mediation. Sie zielt auf einen friedlichen und verständnisorientierten Ausgleich zwischen den Konfliktparteien, wenn dies den Streitenden selbst nicht (mehr) möglich ist. Die Mediatorin bzw. der Mediator will ohne das eine Partei „ihr Gesicht verliert“ dabei helfen, dass die Streitenden ihre Bedürfnisse und Sichtweisen aussprechen können, die andere Seite sich dies mit Aufmerksamkeit anhört um auf dieser Basis einen einvernehmlichen Lösungsvorschlag zu erarbeiten.

Mit dem Gesetz zur „Förderung der Mediation und anderer Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktbeilegung“ (2012) und der Ausbildungsverordnung zur Qualifizierung zur Mediatorin bzw. zum Mediator (ZMediatAusbV) 2017 sind verbindliche Grundlagen für das Berufsbild geschaffen worden. Auch haben sich diese als hilfreich erwiesen, um die Vielfalt der Mediationsansätze und Ausbildungscurricula zu vereinheitlichen. Diese verbindlichen Grundlagen zur Mediationsausbildung wollen die Autorinnen vermitteln.

Entstehungshintergrund und Autorinnen

Das Praxishandbuch, erschienen in zweiter Auflage, basiert auf der langjährigen Praxiserfahrung beider Autorinnen und ihrer Expertise in der Mediationsausbildung. Izabella Pach als Ausbilderin für Mediation und auch Isabell Lütkehaus – beide Rechtsanwältinnen – sind darüber hinaus im Coaching und der Verhandlungsführung in Konfliktsituationen tätig. Isabell Lütkehaus arbeitet langjährig im Bereich des Führungskräftecoaching in unterschiedlichen Kontexten, Izabella Pach hat ihren Schwerpunkt im Konfliktmanagement- und Kommunikationstraining. Beide bringen einen systemischen Weiterbildungshintergrund mit und treffen sich in ihrem Engagement für die Mediation. In ihrem Buch wollen die Autorinnen das Grundwissen zur Mediation, das Handwerkszeug der Gesprächsgestaltung während der Mediation und das Wissen um die mediative Haltung vermitteln. 

Aufbau und Inhalt

Nach einer Einführung in die mit dem Mediationsgesetz verbundenen Veränderungen in der Praxis und Ausbildung, einer kritischen Kommentierung dieser und der Beschreibung des Aufbaus gliedert sich das Buch in drei Teile mit insgesamt 8 Kapitel (+ Abkürzungs- und Literaturverzeichnis, sowie dem Begriffsindex zur leichteren Themenfindung).

Der erste Teil stellt die rechtlichen Voraussetzungen und die Ausbildungsstruktur zur Mediatorin bzw. zum Mediator dar. Hierzu führen die Autorinnen kurz in die Historie von Mediation ein, stellen wichtige Passagen des Mediationsgesetzes vor, gehen auf Fragen der Selbstzertifizierung, die Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (ZMediatAusbV) und die Struktur der Ausbildung ein.

Der zweite Teil – das Basiswissen zur Mediation und damit „Herzstück“ des Buches (S. 13) – orientiert sich eng an dem in der Ausbildungsverordnung systematisierten Modulen der Ausbildung. Es beginnt im Kapitel 1 (Modul 1) mit dem Grundlagenwissen zu Inhalten und Methoden der Mediation. Im Kapitel 2 (Modul 2) folgen die Rahmenbedingungen und der allgemeine Ablauf einer Mediation. Es wird differenziert auf Besonderheiten des Mediationsverlaufs bzw. möglicher Konstellationen (z.B. Nichteinigung, Abbruch der Mediation, Mehrparteienmediation) eingegangen. Das vierte Modul (Kapitel 3) wendet sich der Gesprächsführung und den Kommunikationstechniken zu, wobei die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg als Sprachmodell wichtige Grundlagen liefert. Kapitel 4 (Modul 5) vermittelt Konfliktkompetenzen, d.h. nach der Darstellung von konflikttheoretischen Grundlagen geht es um die Konfliktanalyse, das Erkennen der Konfliktdynamik, mögliche Eskalationsstufen und die Interventionstechniken zur Konfliktbeilegung. Es folgt in Kapitel 5 (Modul 3) die Vertiefung in Verhandlungstechniken und -kompetenzen in unterschiedlichen Konfliktkonstellationen. Kapitel 6 (Modul 8) thematisiert die bei der Mediatorin bzw. dem Mediator erforderlichen persönlichen Kompetenzen, das Rollenverständnis und ihre/seine Grundhaltung. Mit Kapitel 7 beginnt ein neues Thema, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Mediation, die Arbeitsgrundsätze, und in Kapitle 8 werden weitere Fragen zur Stellung des Rechts in der Mediation behandelt. Beispielsweise geht es hier um die Abgrenzung zwischen Mediator*innen und Rechtsanwält*innen, die Relevanz von ergänzender rechtlicher Beratung und die rechtliche Bedeutung von Vereinbarungen in der Mediation. Dieser Teil des Buches wird mit weitergehenden Literaturempfehlungen abgeschlossen.

Der dritte Teil – zu Didaktik und Gestaltung der Ausbildung – richtet sich insbesondere an Ausbilder*innen in der Mediation. Im Kapitel 1 gehen Isabell Lütkehaus und Izabella Pach auf die didaktisch-methodische Konzeption der Mediationsausbildung und die Methoden zur Lerngestaltung ein. Die Autorinnen stellen hier auch Erkenntnisse aus der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn als professionelles Handlungskonzept zur effektiven Gestaltung von Lernprozessen, sowie die allgemeine Struktur der Entwicklungsphasen von Gruppen nach Bruce Tuckman vor. Kapitel 2 geht auf Fragen der strukturellen und zeitlichen Umsetzung der Ausbildung ein und erklärt die Ausbildungsinhalte entsprechend der Modulabfolge (abschließend in einer Tabelle übersichtlich zusammengefasst).

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Interessent*innen und Teilnehmer*innen einer Ausbildung in Mediation. Die Leser*innen erhalten das grundlegende Fachwissen, die methodischen Grundlagen zur Gesprächsführung, Prozessgestaltung, zur Verhandlungsführung und zum Entwickeln einer eigenen Grundhaltung im Prozess der Mediation. Die Autorinnen orientieren sich im Aufbau ihres Buches an der Systematik der Ausbildungsverordnung zur Qualifizierung zur Mediatorin bzw. zum Mediator (ZMediatAusbV).

Als weitere Zielgruppe werden Ausbilder*innen genannt. Diese können Anregungen für die Gestaltung der Ausbildung, der Vermittlung der Haltung und der Techniken erhalten, um die Ausbildungsteilnehmer*innen zum eigenverantwortlichen Üben anzuregen.

Diskussion

Isabell Lütkehaus und Izabella Pach – in der Praxis und Ausbildung der Mediation tätige Fachkolleginnen – legen ein informatives und praxisorientiertes Buch in 2. Auflage vor. Den Leser*innen gibt es eine systematische Einführung in die Grundfragen der Mediation, vermittelt Struktur-, Prozess- und Methodenwissen zur Ausgestaltung einer Mediation. Mit der Orientierung an der Ausbildungsverordnung zur Qualifizierung zur Mediatorin bzw. zum Mediator (ZMediatAusbV) fällt es potentiellen Ausbildungsinteressent*innen leicht sich über die Inhalte und Anforderungen ein eigenes Bild zu machen. Positiv wirkt sich auch der juristische Hintergrund der Autorinnen bei der Behandlung rechtlicher Fragen im Umfeld der Mediation aus (z.B. Relevanz ergänzender Rechtsberatung, Abgrenzung Mediation und Rechtsberatung).

Die Autor*innen sind langjährig auch in angrenzenden Beratungskontexten tätig und verfügen über eine systemische Coaching-Weiterbildung. Ihre Fach- und Methodenkompetenz verhilft dem Buch zu einem breiten Blick auf das in der Mediation zu erwartenden Konfliktgeschehen. Einige Methodenelemente (z.B. Fragetechniken S. 30 f.) könnten in größerer Ausführlichkeit behandelt und mit spezifischen weiterführenden Literaturempfehlungen versehen werden.

Fazit

Das Buch von Isabell Lütkehaus und Izabella Pach ist in der nun vorliegenden 2. Auflage ein Praxisbuch für die Ausbildung in Mediation. Die Autorinnen geben in komprimierter Form Einblick in Zielsetzung und Prozess der Mediation. Es werden die Ausbildungsinhalte übersichtlich dargestellt und in wichtigen Teilen kommentiert. Insbesondere behandeln sie angrenzende rechtliche Fragen. Die Teile zu den Gesprächstechniken (Kap. 3.2/Modul 4) fallen vergleichsweise knapp aus. Hier sind ergänzende Materialien, Fallbeispiele u.a. zum besseren Verständnis und erfolgreichen Durchlaufen der Mediator*innenausbildung erforderlich.

Neben Ausbildungsinteressent*innen und -teilnehmer*innen können auch Studierende z.B. in Bachelor-Studiengänge der Sozialarbeit und der Psychologie in dem Praxisbuch hilfreiche Grundlagen finden, wenn sie sich in Lehrveranstaltungen mit Methoden der Konfliktbearbeitung, Grundlagen der Mediation und der Struktur, den Inhalten und Methoden der Ausbildung zur Mediatorin bzw. zum Mediator beschäftigen.


Rezension von
Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz
Dozent für Psychologie (Schwerpunkte Diagnostik und Beratung) an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum
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Zitiervorschlag
Hans-Jürgen Balz. Rezension vom 28.08.2020 zu: Isabell Lütkehaus, Izabella Pach: Basiswissen Mediation. Handbuch für Praxis und Ausbildung. Wolfgang Metzner Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2019. ISBN 978-3-96117-046-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26748.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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