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Michael Hübler: Die Bienen-Strategie und andere tierische Prinzipien

Cover Michael Hübler: Die Bienen-Strategie und andere tierische Prinzipien. Sie schwarmintelligente Teams Komplexität meistern. WALHALLA Fachverlag / metropolitan Verlag (Regensburg) 2019. 328 Seiten. ISBN 978-3-96186-031-9. D: 29,95 EUR, A: 29,95 EUR.
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Thema

Unsere Arbeitswelt ist schnelllebig und von rasanten Veränderungen geprägt. So sind unter einem hohen zeitlichen Druck Flexiblität, ein hohes Engagement und eine starke Anpassungsfähigkeit an Veränderungsprozessen von Mitarbeitern gefordert. „Modernes Arbeiten läuft in spontanen, kurzfristig zusammengewürfelten Leistungsteams ab, die sich nach Projektende wieder trennen, bevor erneut gewürfelt wird“ (11). So stellt sich bei fehlender Kontinuität einer Mitarbeiterbelegschaft die Frage, welchen Platz Menschlichkeit in der Arbeitswelt noch haben kann. Leitgedanke des vorliegenden Buches ist daher, dass durch „Geschichten die Kollegen und Kolleginnen gemeinsam erlebt haben und wie diese Erlebnisse sie miteinander verbinden“ (13) Teamprozesse entscheidend bestimmen werden. Der Autor sieht in der Tierwelt der Insekten und Kleinstzellen spannende Zusammenhänge und Lösungsansätze, die Anregungen für Teams und Führungskräfte sein können. Zwei Prinzipien sind für ihn hierbei zentral: Symbiose wie auf effektive Weise zwei oder mehrere Partner zusammenarbeiten können und Schwärme, die bei einer hochkomplexen Aufgabe vielfältige Perspektiven berücksichtigt.

Autor

Michael Hübler ist Mediator, Berater und Coach für Führungskräfte und Personalentwickler

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Band gliedert sich mit insgesamt 9 Kapiteln in drei Teile:

  • Grundlagen zur Bildung schwarmintelligenter Teams
  • Prinzipien schwarmintelligenter Teams
  • Methoden zur Bildung eines symbiotisch-schwarmintelligenten Teams

Grundlagen zur Bildung schwarmintelligenter Teams

In Kap. 1 „Auf dem Weg zum Komplexität meisternden Leistungsteams“ legt der Autor Gründe dar, wonach in einer immer komplexer werdenden Welt die „BigMen-Theorie“ (23) nicht mehr funktionieren kann. Denn „in unübersichtlichen Kontexten ist es inniger, auf die Einschätzung einer größeren Gruppen zu vertrauen“ (27).

Kap. 2 „Die vier Eckpfeiler schwarmintelligenter Teamleitung“ behandelt das Thema Team und Führung, indem als Metapher der Bienenstock herangezogen wird: „Stabilität eines festen Standortes“, aber auch die „Anwesenheit der Königin als Sicherheitsanker“, die Übernahme und Verantwortung für einzelne Aufgaben, „Motivation im Bienenschwarm“ und Ausdifferenzierung der Aufgaben in Standard- und Expertenaufgaben. Mit diesen Prämissen erörtert der Autor im Zusammenwirken mit dem „schwarmintelligenten“ Team Aufgabe und Rolle von Führung.

Kap. 3 „Teamprobleme und unbewusste Regeln“ stellt drei verschiedene Teamtypen vor, das beziehungs-, status- und leistungsorientierte Team, anhand derer der Autor die Wirkung unterschiedlicher Regeln erläutert: die Tabu-, Anerkennungs- und Sanktionsregeln. Aus diesen Regelstrukturen entstehen typische Teamprobleme, die entweder durch eine starke Kooperationsbereitschaft zu einer Überharmonie im Team, durch das Streben nach Übernahme von Verantwortung zu Machtspielen oder durch hohe Agilität besonders in jungen und modernen Teams zu Chaos führen können.

Anhand zahlreicher Beispiele aus der Tierwelt steht die Symbiose als „Grundlage jeder Kommunikation und Zusammenarbeit“ in Kapitel 4 Kap.4 „Komplexitätsreduktion durch Symbiosen und Schwarmprinzipien“ (83). Um handlungs – und entscheidungsfähig zu sein, benötigt eine Organisation klare Prinzipien für Führungskräfte und Teams. „Dafür benötigen schwarmintelligente Teams die Rückendeckung ihrer Führungskräfte… Entscheidungen zu treffen, ohne jedes Mal ein O.K. einzuholen“(87). Drei verschiedene Kommunikationsstrukturen – Informationsketten, teilautonome Information in überschaubaren Arbeitseinheiten und sternförmige Netzwerke – werden vorgestellt. Am Beispiel der Konsensfindung im Bienenschwarm stellt der Autor 7 Regeln für ein Kommunikationsverhalten im Entscheidungsprozess eines Teams vor.

Prinzipien schwarmintelligenter Teams

Schwerpunkt des zweiten Teils sind die in Kap.3 bereits kurz vorgestellten drei Teamtypen. So werden in Kap. 5 „Statusteams zwischen Konkurrenzkampf und Symbiose“, Kap. 6 „Vom Harmonikerclub zur perfekten Zusammenarbeit“, Kap. 7 „Vom chaotischen Ameisenhaufen zum perfekt organisierten Bienenschwarm“ die charakteristischen Merkmale dieser drei Teamtypen vorgestellt, ihre Formen der Zusammenarbeit und Kommunikation, ihre Glaubenssätze wie auch ihr Umgang mit Kontroversen und Konflikten. Zwischen einzelnen inhaltlichen Abschnitten zieht der Autor mit der Überschrift „Was Komplexität meisternde Teams daraus lernen“ immer wieder Resümee, indem er aus den vorangestellten Analysen Eckpfeiler für ein konstruktives handeln herausarbeitet.

Kap. 8 „Tierische Prinzipien zur Stabilisierung und Synchronisierung in einer agilen Welt“ ist eine Zusammenfassung der in Kap.5-7 eingehend erörterten Prinzipien der drei Teamtypen – kämpferische Kooperation, kooperative Zusammenarbeit, Leistung, Qualität und Entwicklung. Zahlreiche Geschichten, Anekdoten und Metapher aus der Tierwelt, die der Autor in seinem Buch zur Verdeutlichung von Team- und Arbeitsprozesse in seinem Buch herangezogen hat, werden zu Beginn des Kapitels in einem Koordinatensystem von Beziehungen/​sozialer Zusammenhalt – Wandel/Veränderung – Selbstverwirklichung/​Entwicklung/​Forschung/​Erfindungen – Stabilität/Ordnung/Fürsorge zugeordnet. In einem notwendigen Gleichgewicht von stabilisierender Struktur und Autonomie werden sie als hilfreiche Deutungsvorschläge verstanden. So gibt dieses Kapitel eine gute Zusammenschau und dient dem schnellen Leser für einen guten Überblick zentraler Prinzipien.

Methoden zur Bildung eines symbiotisch-schwarmintelligenten Teams

Kap. 9 „In fünf Phasen zum komplexitätsmeisternden Schwarm“ stellt anhand eines fünfphasigen Teamentwicklungsprozesses – Einladung, Klärung, Bindung, Zielfindung, Strukturierung- eine Vielzahl von Methoden vor, die für die Arbeit mit Teams herangezogen werden können. Die Methoden werden für ihren Einsatz, Ablauf wie auch notwendigen Materialien genauer vorgestellt. Am Ende eines jeden Abschnitts des Teambildungsprozesses bezieht sich der Autor mit einem Prinzipiencheck, welche Aspekte mit den Methoden geklärt werden konnten, auf die Themen der vorangestellten Kapitel.

Diskussion

Schwerpunkt des vorliegenden Bandes ist es, die in jeder Arbeitswelt stattfindenden Teamprozesse in den Blick zu nehmen. Der Autor erteilt dabei extravaganten Teambildungsmaßnahmen wie Hochseilgarten, Rafting, Geochacing oder Bogenschießen bereits in der Einleitung seines Buches eine klare Absage, da sie eher eine Effekthascherei darstellen und wenn sie ohne den Aspekt von Beziehungsgestaltung wieder nur Leistung, Vergleiche und Hierarchie begünstigen. Sein Anliegen ist das Zusammenspiel im Team und ihre Wirkungsweisen zu analysieren. Und so erscheint es schlüssig, wenn in Analogie zur Tier- und Pflanzenwelt der Autor Prinzipien für organische Entwicklung aufgreift, da diese aus seiner Sicht „ auch für Teams aus sozialen Aspekten und funktionalen Gründen erstrebenswert sind.“ (14) Vielleicht mag dieser Bezug für manchen Leser zunächst befremdlich wirken. Doch bei zunehmender Lektüre wird deutlich, wie die Beispiele aus der Tierwelt helfen, entsprechend auf einer Metaebene bildhaft Abläufe Funktionsweisen von Arbeitsprozessen sichtbar werden zu lassen und so geben sie der Komplexität des Themas eine gewisse Leichtigkeit. Hübler bevorzugt keinen der vorgestellten Teamtypen, sondern sucht nach Lösungsansätzen für komplexe Arbeitsprozesse. So kann mit den Worten des Autors jedes Team ein schwarmintellligentes Team werden, wenn die eigenen Blockaden und Fallstricke erkannt und produktiv kreativ verändert werden. „Jedes Team muss seine eigenen Lösungen finden. In einer agilen Welt gibt es keine vorgefertigten Programme, die wir nur befolgen müssen, um erfolgreich zu sein. Es geht fraglich weniger um konkrete Ziele, sondern vielmehr um erfolgsversprechende Strategien.“ (224)

Wie dieser Prozess angestoßen werden kann, wird im letzten Kapitel des Buches mit einem großen Fundus an unterschiedlichen Methoden herausragend konkretisiert.

Fazit

Der gute Aufbau der Kapitel ermöglicht es, Themenabschnitte einzeln gezielt zu bearbeiten; Reflexionsfragen stoßen zum Nachdenken der eigenen Praxis an. Ein sehr empfehlenswertes Buch für Führungskräfte oder MitarbeiterInnen, die ihrem Arbeitsalltag Achtsamkeit, Wertschätzung und Entschleunigung entgegenbringen wollen.


Rezension von
Jutta Daum
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.), Gießen
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Zitiervorschlag
Jutta Daum. Rezension vom 05.11.2020 zu: Michael Hübler: Die Bienen-Strategie und andere tierische Prinzipien. Sie schwarmintelligente Teams Komplexität meistern. WALHALLA Fachverlag / metropolitan Verlag (Regensburg) 2019. ISBN 978-3-96186-031-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26766.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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