socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Sabrina Amanda Hancken: Beziehungs­gestaltung in der Sozialen Arbeit

Cover Sabrina Amanda Hancken: Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2020. 176 Seiten. ISBN 978-3-525-73329-5. D: 25,00 EUR, A: 26,00 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK


Thema

Sabrina Amanda Hancken benennt die Beziehungsarbeit als ein zentrales Merkmal sozialarbeiterischer Professionalität. Dabei ist eine gute Arbeitsbeziehung lernbar, sie kommt nicht zufällig zustande und hängt zu weiten Teilen auch nicht von der Persönlichkeit der Sozialarbeitenden ab.

Im Buch werden einführende Grundlagen der Beziehungsarbeit, die als Ausgangspunkt für professionelles Handeln verstanden werden, vermittelt. Neben der Auseinandersetzung mit den verschiedenen (personalen und strukturellen) Einflussgrößen auf die Beziehungsarbeit runden Übungs- und Reflexionsaufgaben die einzelnen Kapitel ab. Mithilfe von Fallbeispielen werden zentrale Kompetenzen für die Beziehungsgestaltung mit Adressat*innen in spezifischen Handlungssituationen der Sozialen Arbeit deutlich.

Autorin

Dr. Sabrina Amanda Hancken, Diplom-Sozialarbeiterin/​Sozialpädagogin, M. A. Soziale Arbeit, Sozialtherapeutin, lehrt als Professorin für Sozialarbeitswissenschaften an der Hochschule Merseburg.

Aufbau

Nach einem Vorwort und der kurzen Einleitung (Kapitel eins) skizziert die Autorin im zweiten Kapitel die Spuren der Sozialen Arbeit auf dem Weg zur Beziehungsprofession. Im dritten Kapitel beschreibt Sabrina Amanda Hancken das erforderliche Kompetenzprofil von (zukünftigen) Sozialarbeiter*innen, um dann im vierten Kapitel Ausführungen über die therapeutische Beziehungsgestaltung anzuschließen im Kapitel fünf benennt sie wichtige theoretische Hintergründe zur sozialen Beziehungsgestaltung. Das sechste Kapitel fokussiert die Gestaltung einer professionellen Arbeitsbeziehung. Das Buch endet mit einem kurzen Ausblick auf mögliche zukünftige Herausforderungen. Die einzelnen Kapitel enthalten Aufgaben für Studierende und schließen jeweils mit einer Zusammenfassung.

Inhalt

Im Vorwort benennt Johannes Herwig-Lempp als zentrales Anliegen der Sozialen Arbeit Klienten dabei zu unterstützen, dass sie ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten können und sich als selbstwirksam erleben. Um dies auch mit schwierigen Klient*innen zu ermöglichen müssen Sozialarbeiter*innen ein Handwerk erlernen.

In der Einleitung (erstes Kapitel) weist Hancken darauf hin, dass in der Sozialarbeit entsprechende Nachweise der Wirksamkeit fehlen. In ihrem Buch will sie beschreiben, was eine gute professionelle Arbeitsbeziehung ausmacht und wie Interaktionen gelingen können. Beschrieben werden soll, wie Studierende im Rahmen ihrer Ausbildung Beziehungskompetenzen erwerben können.

Im Kapitel zwei „Soziale Arbeit – eine Beziehungsprofession“ fast die Autorin die Ausbildungsgeschichte der Sozialen Arbeit zusammen, benennt die Bezugswissenschaften im Studium, thematisiert die Veränderungen der Ausbildung nach der Bologna- Reform und benennt wichtige Problemstellungen Sozialer Arbeit.

Das dritte Kapitel thematisiert die notwendigen Handlungskompetenzen. Die Bedeutung der Reflexivität als Kompetenz wird ebenso betont, wie die Notwendigkeit die eigene Person als Werkzeug zu begreifen. 

Im vierten Kapitel beschreibt die Autorin besondere Merkmale einer therapeutischen Beziehungsgestaltung, aus der sich wichtige Hinweise für die professionelle Beziehungsarbeit von Sozialarbeiter*innen ableiten lassen. Die Bedeutung der Erkenntnisse der Bindungsforschung werden betont. 

Das fünfte Kapitel thematisiert Grundlagen professioneller Beziehungsgestaltung im sozialarbeiterischen Setting. Beschrieben werden verschiedene Konzepte (Austauschtheorie, systemtheoretische Ansätze, Netzwerkansatz). Anschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Beratung und Therapie hinsichtlich ihrer Relevanz für die Soziale Arbeit. Beschrieben werden eher allgemein die Schnittmengen und mögliche Abgrenzungen. Im Unterkapitel 5.3 werden wissenschaftliche Erkenntnisse von Riegler (2016), Abeld (2017), Gahleitner (2017)u. a zur Beziehungsarbeit zusammengefasst. (Offen bleibt, wieso hier bei der Vorstellung dieser Erkenntnisse eine Benennung als wissenschaftlich betont wird.) Hervorzuheben sind hier m.E. in ihrer Bedeutung für das Thema die Anmerkungen von Riegler über die sogenannten Beziehungsfiguren (S. 86).

Im sechsten Kapitel werden zunächst erneut Grundlagen einer professionellen Arbeitsbeziehung und im nächsten Schritt die Gesprächsformate einer lösungsorientierten Beratung und der motivierenden Gesprächsführung erörtert. Mithilfe eines Fallbeispiels wird dies konkretisiert. Im Unterkapitel 6.3 werden differenzierte Einflussgrößen der sozialarbeiterischen Beziehung benannt.

Im abschließenden kurzen siebten Kapitel mit dem Titel „Wie geht es beziehungsweise weiter?“ werden einige Gedanken zum Stellenwert der zukünftigen Beziehungsarbeit in der Sozialen Arbeit angefügt. Hierbei wird Bezug genommen auf Faktoren, „die einen Schatten auf das Berufsfeld werfen und damit ebenfalls einer gelungenen Erziehungsarbeit im Wege stehen können“ (S. 135), nämlich den Abbau des Wohlfahrtsstaates, das Controlling und die psychische Belastung der Sozialarbeitenden.

Diskussion

Das Arbeitsbuch richtet sich insbesondere im Aufbau (zum Beispiel mit der Benennung der Bezugswissenschaften) und den widerkehrenden Übungen an Studierende der Sozialen Arbeit. Dies hätte bereits im Titel des Buches deutlicher benannt werden können. Vermittelt wird insgesamt bedeutsames Grundlagenwissen für die ersten Semester eines Studiums der Sozialen Arbeit. Differenzierte Hinweise für den Bereich der Beziehungsgestaltung erhalten die Leser*innen in Kapitel 6.3, in dem bedeutsame Einflussgrößen der sozialarbeiterischen Beziehungsgestaltung benannt werden.

Manche Aspekte, wie zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Beratung und Therapie oder das Kapitel über die Beziehungsarbeit werden eher oberflächig abgehandelt. Leider werden auch mögliche Belastungen und die besonderen Herausforderungen in der Beziehungsarbeit nur angedeutet. So fehlen auch Hinweise auf mögliche Risiken, Fehler und Nebenwirkungen in der Beziehungsarbeit.

Für Praktiker*innen in den psychosozialen Arbeitsfeldern wäre ein Buch mit vertiefenden Ausführungen der beschrieben Sachverhalte wünschenswert.

Fazit

Bereits im Titel hätte benannt werden können, dass es sich bei diesem Arbeitsbuch um eine Einführung in die Beziehungsgestaltung im Kontext eines Studiums der Sozialen Arbeit handelt. Für die Beziehungsgestaltung in der Beratung als die wichtigste Kompetenz für Sozialarbeiter*innen werden für Studierende der Sozialen Arbeit wichtige Grundlagen beschrieben.


Rezension von
Dr. Jürgen Beushausen
Hochschule Emden Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, Supervisor, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Traumatherapeut
E-Mail Mailformular


Alle 38 Rezensionen von Jürgen Beushausen anzeigen.


Zitiervorschlag
Jürgen Beushausen. Rezension vom 01.07.2020 zu: Sabrina Amanda Hancken: Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2020. ISBN 978-3-525-73329-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26807.php, Datum des Zugriffs 22.10.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung