Laura Lüders, Reinhold Feldmann et al.: Kinder mit FASD in der Schule
Rezensiert von Dr. Thomas Köhler-Saretzki, 03.04.2020
Laura Lüders, Reinhold Feldmann, Johannes Jungbauer: Kinder mit FASD in der Schule. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 96 Seiten. ISBN 978-3-407-63178-7. D: 14,95 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 16,85 sFr.
Thema
Das vorliegende Buch nimmt die Fetale Alkoholspektrum-Störung (FASD) in den Blick. Im Mittelpunkt stehen dabei die spezifischen Bedürfnisse der betroffenen Kinder im schulischen Alltag und wie (Pflege-)eltern, und vor allem pädagogische Fachkräfte jeglicher Schulformen, darauf reagieren können.
Autor*innen
Laura Lüders ist Sozialpädagogin, Medizinökonomin, M.A. Kooperationsmanagement, ist seit 2013 tätig in der Zentralen Behörde für internationale Sorgerechtskonflikte, Bundesamt f. Justiz, Bonn.
Reinhold Feldmann, Dr. rer. medic., lic. iur. can., Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Psychol. Psychotherapeut, ist seit 1998 tätig in der Kinderklinik des UKM Münster, seit 2011 auch in der FASD-Ambulanz in Walstedde.
Prof. Dr. Johannes Jungbauer, Dipl. Psych., geb. 1964, ist Professor für Entwicklungs- und Familienpsychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und Leiter des Instituts für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie (igsp) in Aachen.
Aufbau und Inhalt
Nach einer Einführung in die Ursachen, Folgen und Behandlungsansätze der Fetalen Alkoholspektrum Störung sowie einem kurzen Abriss über die Probleme und Herausforderungen der FASD Kinder im schulischen Alltag, wird intensiv und detailliert,mit konkreten Tipps und Hinweisen zur Unterrichtsgestaltung und Kooperation mit den Eltern, auf die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder im schulischen Alltag eingegangen. Die Autor*innen empfehlen an dieser Stelle z.B. klare, sich wiederholende Tagesabläufe ohne Zeitdruck, die den FASD Kindern das Lernen erleichtern ebenso wie strukturierte, reiz- und geräuscharme Räume oder farbliche Markierungen von Wegen, um die Orientierung zu erleichtern.
Konstante Bezugspersonen die Halt und Struktur geben, akustische und visuelle Signale zur Gefühlswahrnehmung, die Förderung einer verständnisvollen und toleranten Atmosphäre und nicht zuletzt eine positive Feedbackkultur in Bezug auf den Umgang mit den Mitschülern stärken das Kind. Vor allem der Hinweis bei der Unterrichtsgestaltung darauf zu achten, dass Lernstoff auf verschiedenen Wegen zugänglich gemacht werden soll, um unterschiedliche Sinne anzusprechen (Sehen, Hören, Fühlen) erinnern dabei stark an Waldorf- und Montessoripädagogik angelehnte Methoden und Vorgehensweisen.
Erfahrungsberichte aus verschiedenen Perspektiven sowie Anregungen aus der klinischen Praxis, geben in den folgenden Kapiteln einen subjektiven Eindruck in die Lebenswelt von FASD Betroffenen. Sie erweitern dadurch das Verständnis für die Entwicklungsstörung, die durch den Alkoholkonsum der Mütter während der Schwangerschaft entstandenen ist.
Die Autor*innen plädieren für eine möglichst frühe Diagnose, damit für die Kinder ein stabiles und förderliches Lernumfeld geschaffen werden kann und sie aufgrund der häufig vorhandenen guten sprachlichen Fertigkeiten nicht überfordert werden.
Für eine Veränderung der Haltung von einem „das Kind will nicht“ zu einem „das Kind kann nicht“, ist nach Meinung der Autor*innen, in Zukunft weiteres fundiertes Wissen für Lehrer und auch (Pflege-)eltern dringend erforderlich. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Vitalbedürfnisse, soziale Herausforderungen und Einschränkungen bei den exekutiven und kognitiven Funktionen der „verdeckten Behinderung“ FASD, verkannt werden.
Informationsmaterialen und Arbeitsblätter im Serviceteil (auch zum Download bei https://www.beltz.de/fileadmin/​beltz/​kostenlose-downloads/​9783407631787.pdf) geben den Fachkräften umfassendes Werkzeug an die Hand, um mit den Kindern und deren (Pflege-) eltern optimal arbeiten zu können)
Diskussion
Sowohl pädagogischen Fachkräften als auch Eltern zeigt dieser Ratgeber, wie man mit FASD Kindern arbeiten und ihnen schulisches Wissen vermitteln kann.
Da kein einheitliches Krankheitsprofil existiert und bei Fehlen von äußerlichen Merkmalen ein Erkennen und eine Diagnose besonders schwierig ist, hilft dieses Buch ungemein dabei in das Thema FASD rein zu finden. Die vielen praxiserprobten Tipps für die Schule ermöglichen es Fachkräften arbeitsfähig zu bleiben.
Wünschenswert wären noch mehr tiefergehende und ausführlichere Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse über Ursachen, Entstehung, Auftreten und Erscheinungsbild der FASD in verschiedenen Kulturen, Gesellschaftsformen, sozialen Schichten. Vor allem Einblicke in die Familiendynamiken und psychosozialen Kontextfaktoren der Mütter mit ihren Kindern wären besonders aufschlussreich.
Fazit
Wer in diesem Ratgeber keine Ideen für den Unterricht und die förderliche Gestaltung des Lernumfeldes mit FASD Kinder findet, sucht keine!
Das Buch ist äußerst empfehlenswert für pädagogische Fachkräfte aller Schulformen und -stufen und auch für (Pflege-)eltern mit FASD-Kindern.
Rezension von
Dr. Thomas Köhler-Saretzki
Diplom-Psychologe und Systemischer Familientherapeut
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