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Sabahat Gürbüz: Familien- und Kindschaftsrecht für die Soziale Arbeit

Cover Sabahat Gürbüz: Familien- und Kindschaftsrecht für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2020. 2., aktualisierte Auflage. 212 Seiten. ISBN 978-3-8252-5374-5. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 37,50 sFr.

Reihe: UTB - 4949. Soziale Arbeit.
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Thema

Das Lehrbuch soll die Studierenden der Sozialen Arbeit mit den Grundzügen des Rechts in der sozialen Arbeit vertraut machen. Im Zentrum steht dabei auf der einen Seite das Familienrecht mit seinen zivilrechtlichen Grundlagen im BGB. Unter dem Begriff des Kindschaftsrechts werden auf der anderen Seite insbesondere einzelne Bereiche des Kinder- und Jugendhilferechts (SGB VIII) thematisiert.

Autorin und Entstehungshintergrund

Dr. jur. Sabahat Gürbüz ist als Fachanwältin für Familienrecht tätig und lehrte als Vertretungsprofessorin u.a. Familienrecht an der Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in 15 Kapitel. Nimmt man eine Einteilung des Lehrbuchs anhand der im Wesentlichen behandelten Gesetze vor, so lassen sich vier Themenbereiche voneinander unterscheiden:

  • Den räumlich größten Umfang nimmt die Darstellung des Familienrechts anhand der zivilrechtlichen Grundlagen ein (Kapitel 1 – Kapitel 12, S. 15 – S. 142). Sonderthemen wenden sich dem Gesetz über die eingetragene Lebenspartnerschaft und der Rom III-Verordnung zu.
  • Einen zweiten Themenbereich bildet die Darstellung des Kindschaftsrechts. Damit sind einzelne Bereiche des Kinder- und Jugendhilferechts (SGB VIII) gemeint (Kapitel 13, S. 143 – 167)
  • Ein kurzer dritter Themenbereich ist dem Gewaltschutzgesetz gewidmet (Kapitel 13, S. 168 – S. 175).
  • Den Abschluss bilden Fälle zu den einzelnen Kapiteln und Musterlösungen (Kapitel 15, S. 177 – S. 204).

Nach einleitenden Hinweisen zur Benutzung des Lehrbuchs, Abkürzungsverzeichnis und Vorwort gliedert sich das Buch in insgesamt in 15 Kapitel:

  1. Grundlagen des Familienrechts
  2. Paarbeziehungen
  3. Trennung und Scheidung (§§ 1313 – 1320 BGB)
  4. Aufhebung der Ehe
  5. Sonderthema 1: Die Lebenspartnerschaft (LPartG)
  6. Sonderthema 2: Scheidung und Trennung von Ehen mit internationalem Bezug (Rom III-Verordnung)
  7. Unterhaltsrecht
  8. Scheidungsfolgen
  9. Sorgerecht (§§ 1626 – 1698b BGB)
  10. Tod eines Elternteils oder Entziehung des Sorgerechts
  11. Umgang
  12. Auskunftsanspruch über die persönlichen Verhältnisse des Kindes
  13. Kindschaftsrecht
  14. Grundzüge des Gewaltschutzgesetzes
  15. Fälle zu den Kapiteln und Musterlösungen

Das Buch schließt mit Glossar, Literatur und Sachregister.

Diskussion

Für viele Studierende der Sozialen Arbeit ist die Befassung mit rechtlichen Themen mit einer gewissen Hürde verbunden. Juristische Normen werden mitunter als schwer verständlich angesehen, sodass eine feinfühlige Einführung in einzelne Rechtsgebiete erforderlich ist.

Der Text wird diesem Charakter als Lehrbuch insofern gerecht, als er gut lesbar und verständlich ist. Einzelne fett gedruckte Begrifflichkeiten, Marginalien sowie die Nutzung von Icons ermöglich einen schnellen Überblick über die behandelte Thematik.

Das Buch beginnt mit „Hinweisen zur Benutzung“ (S. 10). Leider erschöpfen sich diese Hinweise in der Darstellung von zwei Icons (für „Aus der Rechtsprechung“ und „Aus dem Gesetz“). Vielleicht könnten die Studierenden perspektivisch bereits hier stärker „an die Hand genommen“ und ihnen erläutert werden, wie man mit diesem Lehrbuch arbeiten – wie man sich den juristischen Themenkomplex „Familien- und Kindschaftsrecht“ mit Hilfe dieses Buchs erschließen kann.

Wünschenswert wäre es aus Sicht des Rezensenten, wenn es der Autorin in einer Neuauflage gelingt, die Studierenden noch tiefer in die juristische Arbeit hineinzuführen.

So ist etwa ein Abdruck der Gesetzestexte selber oder der Gliederung von Gesetzestexten („Aufbau des Familiengerichtsverfahrensrechts“ (S. 13) oder der „Aufgaben der Jugendhilfe nach § 2 SGB VIII“ (S. 148)) aus Sicht des Rezensenten nicht erforderlich, besteht doch ein wichtiger Teil der juristischen Arbeit darin, gesetzliche Normen im Gesetzbuch aufzufinden und sich damit auch die Systematik des Gesetzes eigenständig zu erschließen.

Der dadurch entstehende Freiraum könnte vielleicht genutzt werden, um die abgedruckten Abbildungen noch stärker zu erläutern und zu fokussieren. So mag es etwa auf den ersten Blick verwundern, dass der Umfang der Pflichten – nach der von der Autorin gewählten Abbildungsform – bei Geschiedenen größer ist als bei Verheirateten (S. 31). Oder etwa die Abbildung „§ 42 SGB VIII: Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen“ (S. 161 ff.): Diese erstreckt sich über nicht weniger als zweieinhalb Seiten und ist daher für eine Visualisierung leider nur eingeschränkt geeignet.

Es ist erfreulich, dass die Studierenden durch den Abdruck von Abschnitten aus Entscheidungen an die Lektüre von Gerichtsurteilen herangeführt werden. Hier könnte perspektivisch vielleicht noch stärker hervorgehoben werden, wo im Einzelfall die Besonderheit einzelner Entscheidungen liegt.

Die Fälle im letzten Kapitel des Buchs sind im Urteilsstil gelöst. Für den Rezensenten stellt sich die Frage, ob nicht möglicherweise doch der im juristischen Studium genutzte herleitende Gutachtenstil besser geeignet wäre, um die Studierenden mit auf den Weg zu nehmen und ihnen den Weg des juristischen Denkens zu vermitteln.

Fazit

Das Buch vermittelt hohe praktische und fachliche Kompetenz der Autorin, die sie sicherlich in ihrer Tätigkeit als Fachanwältin für Familienrecht erworben hat. Dies macht den Wert des Buches im Wesentlichen aus. Leider erweckt das Buch aber auch den Eindruck als Zusammenfassung der Lehrtätigkeit als Vertretungsprofessorin entstanden zu sein. Für eine Neuauflage wäre wünschenswert, dass die Ausführungen, die in den Lehrveranstaltungen sicherlich Gegenstand der Diskussion waren, sich noch stärker auch in der schriftlichen Ausarbeitung des Lehrbuchs widerspiegeln würden.


Rezension von
Prof. Dr. Burkhard Küstermann
Professor an der BTU Cottbus-Senftenberg
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Zitiervorschlag
Burkhard Küstermann. Rezension vom 24.06.2020 zu: Sabahat Gürbüz: Familien- und Kindschaftsrecht für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2020. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8252-5374-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26819.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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