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Sven Trabandt, Hans-Jochen Wagner: Pädagogisches Grundwissen für Soziale Arbeit

Cover Sven Trabandt, Hans-Jochen Wagner: Pädagogisches Grundwissen für das Studium der Sozialen Arbeit. Ein Kompendium. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 230 Seiten. ISBN 978-3-8252-5358-5. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Angehende Fachpersonen der Sozialen Arbeit sollten über ein solides pädagogisches Grundwissen verfügen. Hierbei gilt es ein Begriffsverständnis über Bildung, Erziehung/​Erziehungsstile und Sozialisation zu besitzen und Einsichten über historische und aktuelle gesellschaftliche Einflüsse bezogen auf das pädagogische Handeln zu kennen. Die Sozialpädagogik verfügt über Arbeitsprinzipien, die pädagogischen Ursprungs sind. Diese wie auch weitere Aspekte von Seiten der Pädagogik gilt es zu kennen. Die beiden Autoren legen mit ihrem Kompendium Grundzüge zu diesen aber auch weiterführenden pädagogischen Aspekten sehr verständlich und fachlich fundiert dar.

Das 215-seitige Werk richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit. Die einzelnen Kapitel sind in sich weitgehend geschlossen und können inhaltlich voneinander getrennt gelesen und bearbeitet werden. Sie bieten eine gute Grundlage für Studierende, Dozierende aber eben auch für weitere interessierte Fachpersonen aus der Pädagogik, die sich ein Grundwissen zu allen oder auch nur ausgewählten pädagogischen Themen aneignen wollen.

Autoren

Die Herausgebenden des Kompendiums sind Dr. rer. soc. Sven Trabandt, wissenschaftliche Lehrkraft für Pädagogik, Psychologie und Sozialpädagogik an der Fachhochschule Sozialpädagogik in Göppingen und Prof. Hans-Jochen Wagner, dipl.soz.päd., tätig an der Hochschule Esslingen und wissenschaftliche Lehrkraft an der Fachschule Sozialpädagogik Göppingen.

Aufbau und Inhalt

Das Lehrbuch verfügt über 9 Kapitel. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung, wie eine Art „Abstract“, welche den Lesenden einen kurzen Überblick verschafft. Der Umfang pro Kapitel beträgt zwischen 20 - 25 Seiten. Am Ende jedes Kapitels finden sich verschiedene Fragestellungen. Zudem ist pro Kapitel ein gesondertes Literaturverzeichnis vorhanden. Diese Strukturierung macht das Buch für den Unterricht und für die Praxis attraktiv.

Die Benennung und der damit einhergehende Aufbau des Lehrbuchs vermag auf den ersten Blick etwas erstaunen. So folgt z.B. nach dem Begriff Erziehung in Kapitel 3 erst in Kapitel 8 die Beschreibung von verschiedenen Erziehungsstilen. Die einzelnen Kapitel enden auch unterschiedlich. So verfügen die Kapitel 5, 6, 7 und 9 über einen Ausblick, die Kapitel 1, 3 und 8 über die Nennung von vorhandenen gesellschaftlichen Spannungsverhältnissen und Kapitel 2 und 5 schließen mit einem direkten Bezug zur Sozialen Arbeit. Hier hätten die Autoren sich eine stringentere Benennung bzw. Strukturierung überlegen können, gerade weil auch als Zielgruppe Studierende der Sozialen Arbeit fokussiert werden.

Kapitel 1 beginnt mit den gesellschaftlichen Einflüssen auf die Pädagogik bzw. auf das pädagogische Handeln. Den Lesenden wird damit eine Grundlage geboten, zu verstehen, warum die Anthropologie und die damit zusammenhängende kritische Reflexion von historischen und aktuellen Menschenbildern einen Einfluss auf die Erziehung, die Bildsamkeit sowie die Sozialisation eines Menschen haben kann (vgl. S. 18).

In den Kapitel 2 bis 4 folgen jeweils gute Begriffsbestimmungen sowie theoretische Grundlagen zu Sozialisation, Erziehung und Bildung. Im Kapitel 2 zur Sozialisation werden vier Theorien näher vorgestellt und dabei auf die Differenzierung in psychologische und soziologische Theorien rekurriert. Es folgen übersichtliche Erläuterungen zur Gesellschaftsperspektive und dem Strukturfunktionalismus (Parsons) sowie zum symbolische Interaktionismus (Mead), gefolgt von kurzen Ausführungen zu Bourdieus „Habitusbegriff“ und dem Zusammenhang zu klassenspezifischen Dispositionen. Hier wird auf die Humankapitaltheorie und der damit zusammenhängenden Reproduktion von sozialer Ungleichheit verwiesen. Dann werden die Sozialisationsfaktoren bzw. die wesentlichen Sozialisationsinstanzen (Familie, Peer-Group und die Schule) näher vorgestellt. Insbesondere bei der Schule kommen neuere Entwicklungen, wie die Ganztagesschule und deren Beitrag zur Chancengleichheit und damit zur Reduktion von Bildungsunterschieden zur Sprache (S. 37). Zudem folgt ein kurzer Abriss über den Besuch von Kitas und zum persönlichen Wohnumfeld, die als weitere Sozialisationsfaktoren bezeichnet werden. Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung hätte z.B. der Einfluss von Social Media auf die Sozialisation noch beschrieben werden können. Das Kapitel schließt mit einem direkten Bezug zur Sozialen Arbeit und zeigt, dass diese sich für Emanzipation, Mündigkeit und Autonomie einsetzt und damit einen direkten Einfluss auf die Sozialisationsbedingungen ihrer Adressat*innen nimmt. Sie bewirkt, dass sich Klient*innen produktiv mit den eigenen Anlagen auseinandersetzen.

Kapitel 3 fokussiert auf die Erziehung. Der Begriff wird in Anlehnung an Brezinka (1990) definiert und es werden weitere Begriffe wie das Soziale Handeln bzw. die Interaktion, Persönlichkeit und Förderung im Speziellen ausgeführt, wenngleich eher kurz. Erziehung wird als intentionales Handeln verstanden und Kern des Kapitels bildet so dann die Erziehungsziele. Als Erziehungsziele gelten Verhaltensweisen, Einstellungen oder Empfindungen. Diese werden später noch konkretisiert, in dem von der Stärkung der Autonomie und dem Ziel von Mündigkeit gesprochen wird. Diese beiden Aspekte gelten als sozialpädagogischen Zielsetzungen. Zudem wird ersichtlich, dass sich Erziehungshandeln an gesellschaftlichen und persönlichen Normen und Werten orientiert indem einerseits die Begriffe Mündigkeit und Autonomie näher definiert werden und auch auf deren Wandel und damit auf deren Einfluss auf Erziehungsvorstellungen eingegangen wird. Erziehungsvorstellungen sind eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden und deshalb wird basierend auf einer empirischen Studie von Seidl (2010) aufgezeigt, was unter traditionellen (Fokus auf gehorsam und bescheiden sein, sich unterordnen) und modernen Erziehungszielen (Fokus auf Selbstständigkeit, Durchsetzungsvermögen) verstanden werden kann und wie sich diese über die Jahre hinweg wandeln. Das Kapitel schließt mit der Nennung verschiedener Spannungsverhältnisse, mit denen sich die Soziale Arbeit im Speziellen beschäftigen muss. U.a. mit Spannungen in der praktischen Erziehungsarbeit in Form von „Gewährenlassen, Kontrollieren oder Leiten von Zu-Erziehenden“ (S. 60). Zudem stellt das Prinzip von „Nähe und Distanz“ im täglichen pädagogischen Umgang mit Klient*innen eine Herausforderung dar. An die Professionellen wird ein hoher Anspruch von Selbstreflexion gestellt, denn jede Situation muss neu in Bezug auf emotionale Distanz und Nähe bewerten werden. Hierbei gilt es auch die systemtisch-konstruktivistischen Ansätze und deren Einfluss auf die Gestaltung von Erziehungsprozessen mit zu beachten.

Kapitel 4 widmet sich dem Begriff der Bildung und zeigt auf, wie Sozialisations- und Erziehungseinflüsse mittels Bildung von Menschen verarbeitet werden können. Zudem wird die Herausforderung skizziert, dass zahlreiche definitorische Annährungen zum Bildungsbegriff existieren. Hier gelingt es den Autoren sehr gut, direkte Bezüge zur Sozialen Arbeit herzustellen, in dem sie die Definition von Sting (2018) anführen und aufzeigen, dass Bildung sich auf die Selbstentfaltung von Subjekten, aber auch auf das Gestalten des sozialen Zusammenlebens beziehen kann (S. 65). Ferner folgen kursorische Ausführungen zum klassischen Bildungsbegriff, womit in Anlehnung an v. Humboldt ( 1767–1835) auf die Selbstbildung und auf die subjektive Weltaneignung – heute auch bekannt als aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt – fokussiert wird. Daran anschließend folgt eine Erläuterung zum aktuellen Bildungsbegriff mit Klafki (1927 – 2016). Bildung wird hier v.a. funktional und bezogen auf einen Kompetenzaufbau (Wissen und Können) verstanden. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit besteht dann darin, Bildungsprozesse zu initiieren und zu fördern (u.a. in Anlehnung an Thole & Schoneville, 2010). Die Wichtigkeit, dass dabei zwischen formaler, non-formaler und informeller Bildung differenziert werden muss, wird ausgeführt. Die Autoren legen gute Definitionen dar. Weiter folgen Ausführungen zum Zusammenspiel von Bildung, Erziehung und Hilfe in Anlehnung an Walther (2018), der diese Begriffe als „untrennbare Trias“ bezeichnet. Das Soziale Arbeit einen klaren Bildungsauftrag hat, wird so dann auch gegen Ende des Kapitels deutlich, da aufgezeigt wird, dass diese auf non-formale und informelle Bildung setze, es aber zunehmend auch zur Förderung von formaler Bildung (Entwicklung von Ganztagesschulen) kommt. Hier wird nochmals die soziale Ungleichheit angesprochen in dem aufgezeigt wird, dass Soziale Arbeit über den Zugang zu Bildung versucht auch Bildungsbenachteiligung ihrer Klientel zu bearbeiten, wie z.B. über das „erzieherische Handeln“.

Kapitel 5 fokussiert auf das Lernen. Es werde klassische und aktuelle lerntheoretische Grundlagen ausgeführt und die Autoren zeigen, dass der Ausdruck „Lernen“ einen ebenbürtigen Stellenwert nebst Bildung und Erziehung einnehmen kann. So dann wird auf die Pädagogische Psychologie verwiesen mit Ausführungen zum klassischen und operanten Konditionieren. Nach einer kritischen Reflexion über die behavioristischen Theorien folgt die sozial-kognitive Lerntheorie nach Bandura. Es wird aufgezeigt, dass kognitive Prozesse auch empirisch untersucht werden können. Der zweite Teil des Kapitels widmet sich dem Thema Konstruktivismus und dessen Einfluss auf das Lernen. Der Mensch wird als bildsames Wesen angesehen, der sich seiner Umwelt anpasst sich aber diese auch aneignet. So besitzt der Mensch, in Anlehnung an Reich (2010), sog. Denk- und Handlungsweisen, die sich in Form von Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion zeigen. Aus dem Konstruktivismus lassen sich gemäß den Autoren sog. Lernprinzipien ableiten (Anschlussfähigkeit, subjektive Relevanz, Pertubation, keine Lerndetermination, Subjektivität und Ermöglichung), die auch im Zusammenhang mit der Rolle der pädagogischen Begleitenden relevant werden. Hier wird, wenngleich nur implizit, deutlich, dass die Autoren die Professionellen der Sozialen Arbeit als sog. pädagogische Begleitende bezeichnen. Zudem wird deutlich, dass die über die Ansätze des Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus wie auch über die neurowissenschaftlichen Wissensbestände einiges für die sozialpädagogische Praxis ableiten lässt.

Da (Sozial)pädagogisches Handeln eine Auseinandersetzung mit pädagogischen sowie persönlichen Grundhaltungen voraussetzt folgen diesbezügliche Ausführungen in Kapitel 6. Wie eingangs in Kapitel 1 beginnt auch hier die Auseinandersetzung mit humanistischen Grundwerten und Menschenbildern, sowie deren Einfluss auf pädagogische Beziehungen. Der Mensch als bildsames Wesen verfügt über die individuellen Möglichkeiten und Anlagen sich positiv zu entwickeln. Die Beratung nach Rogers versucht, diese Möglichkeiten wie auch die persönlichen Fertig- und Fähigkeiten in den Menschen hervorzubringen, in dem in der Arbeit bzw. der Beratung mit Klient*innen auf folgende drei Grundhaltungen fokussiert wird: Kongruenz, Empathie und bedingungslose Annahme. Diese werden von den Autoren ausführlich beschrieben und tabellarisch nachvollziehbar aufgeführt. Zudem wird aufgezeigt, wie sich diese Grundprinzipien in der Sozialen Arbeit widerspiegeln, nämlich in der Ressourcenorientierung, der Lebensweltorientierung und der Partizipation. Diese drei Prinzipien werden für die Praxis der Sozialen Arbeit auch konkretisiert. Bei den Ressourcen erfolgen erneut Bezüge zu Bourdieus Humankapital-Theorie (vgl. Kapitel 4). Das Herstellen und Fördern von Partizipation gilt als Leitprinzip über die ganze Lebensphase des Menschen und es wird daher aufgeführt. welche Formen bzw. Stufen von Partizipation es gibt und wie diese bezogen auf Kinder und Jugendliche gefördert werden können. Hier hätte man den Fächer auf weitere Handlungsfelder der Sozialen Arbeit wie z.B. Altenarbeit oder Arbeit mit Meschen mit einer Behinderung aufmachen können. Erneut taucht so dann das Prinzip von „Nähe und Distanz“ auf und das mit praxisnahen Ausführungen, insbesondere bezogen auf das professionelle Handeln im Umgang mit Klient*innen. Im Ausblick wird formuliert, dass es aktuell noch an empirisch gesicherten Ergebnissen fehle, die zeigen, welchen Einfluss (eigene) aber auch professionelle Haltungen von pädagogischen Fachpersonen auf die Begleitungs- und Betreuungsqualität in Einrichtungen haben. Es wird darauf verwiesen, dass der Ausdruck Haltung im Fachdiskurs der Pädagogik widersprüchlich definiert wird. Die damit verbundenen Risiken werden andiskutiert und es wird die Wichtigkeit der selbstkritischen Reflexion von eigenen Norm- und Wertvorstellungen erwähnt.

Kapitel 7 führt nochmals näher an die Formen von pädagogischem Handel heran. Um diese Formen einordnen zu können, wird auf unterschiedliche Grundkategorien fokussiert und eine übersichtliche Grafik auf S. 160 stellt diese Grundkategorien bezogen auf die ausgewählten Theoretiker Giesecke, Flitner, Prange und Strobe-Eisele sowie Bernhard dar. Bei Giesecke wird hier einerseits auf den Unterricht und dessen Funktionen wie informieren, beraten, arrangieren und animieren eingegangen. Darauf folgen Ausführungen basierend auf Flitner, wo v.a. pädagogische Settings außerhalb der Schule angesprochen werden, in dem von behüten, mitwirken und gegenwirken aber auch von unterstützen und verstehen gesprochen wird. Das Thema Grenzen und Grenzsetzung wird nur gestreift, dafür wird ausführlich auf die Thematik des „Zeigens“ in Anlehnung auf Prange & Strobel-Eisele eingegangen (ostensive, repräsentative, direktive und reaktive Zeigen). Das ganze Kapitel fällt kürzer aus, überzeugt aber durch die in Form von Tabellen zusammengefassten Inhalte. Viele der genannten Beispiele zeigen zudem, welche Einfluss die pädagogische Haltung auf die zu Erziehenden haben kann und dass die Konzepte zudem auch immer dynamisch zu verstehen seien.

Kapitel 8 kann als eine Art Fortsetzung des Kapitels 3 (Erziehung) gelesen werden, da ausführlich auf die Erziehungsstile rekurriert wird. Es werden klassische Ansätze nach Lewin (autoritärer, demokratischer und laissez-faire Erziehungsstile) aber eben auch aktuell Ansätze bzw. neuzeitliche Phänomene in den Erziehungsstilen, wie das Helicopter-Parenting, ausgeführt. Die klassischen Ansätze nach Lipp und White werden übersichtlich zusammengetragen. Auch auf die Weiterentwicklung des Laissez-faire-Stiles wir verwiesen, der von Baumrind in den sog. permissiven Stil umbenannt wurde. Zudem wird auf das Thema der elterlichen Lenkungen eingegangen. Die eigenen Darstellungen der Autoren zu den Erziehungsstilen in Anlehnung Maccoby und Martin wie auch Hurrelmann überzeugen. Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie auch die Auswirkungen der einzelnen Erziehungsstile auf die zu Erziehenden sind nachvollziehbar dargelegt und für die Leserschaft anschaulich zusammengefasst. Die neuzeitlichen Phänomene, wie das Helicopter-Parenting werden angeschnitten. Hier hätte man in Anlehnung an Kraus (2016) noch etwas mehr zum Helikopter-Eltern und deren Folgen ausführen oder alternativ auf das Konzept von Omer (2012) „Stärke statt Macht“ eingehen können. Gerade dieses Konzept wird in der Soziale Arbeit breit diskutiert, da es auch als Antwort auf mögliche Probleme gelten kann, welche aus einem autoritären Erziehungsstil bei Kindern und Jugendlichen erwächst.

Kapitel 9 bildet das letzte Kapitel und führt in die Reformpädagogik ein. Bevor einzelne Persönlichkeiten der Reformpädagogik vorgestellt werden, folgt eine Einführung und auch eine Darlegung von Merkmalen zur Reformpädagogik bzw. zu den Reformbemühungen. Exemplarisch für die Reformpädagogik wird so dann auf den Ansatz von Maria Montessori rekurriert. Die Vorstellung, dass Kinder von eigener Motivation geleitet, dass für sie allein richtige wählen, genießt in pädagogischen Fachkreisen breite Akzeptanz. So wird in der Sozialpädagogik auch von einer Pädagogik vom Kinde gesprochen. Die Lesenden werden deshalb ausführlich in den pädagogischen Grundgedanken Montessoris und in die sog. sensiblen Phasen der Montessoripädagogik eingeführt. Wieso allerdings nur die Phase 1 und 2 grafisch untermauert werden, verleibt unklar (S. 206-207). Was aber sehr überzeugt, sind die Ausführung zur Bedeutung des Montessori-Ansatzes, denn darin wird deutlich, dass u.a. die Materialen, mit denen gearbeitet wird, aktuell z.B. in die Ausarbeitung von Apps und digitalen Programmen einfließen um die mathematischen Leistungen von Kindern zu fördern. Mit der Erlebnispädagogik nach Hahn wirdder Bogen zu aktuellen reformpädagogischen Ansätzen geschlossen. Hahn fokussiert im Gegensatz zu Montessoristärker auf Bildung bzw. auf das Bildungsverständnis. Montessori legt den Fokus auf das Lernen, Hahn auf das Erleben und auf Bildungsprozesse in der Gemeinschaft. Das Ziel von erlebnispädagogischem Handeln ist es, mit allen Sinnen und mit zahlreichen Aktivitäten Lernprozesse zu initiieren. Die Erlebnisse, welche durch pädagogische Handlungen evoziert werden, führen in der Erlebnispädagogik zu prägenden Erinnerungen. Das Kapitel schließt mit dem Hinweis, dass die Vorstellungen der Reformpädagogik gerade bezogen auf die Ausgestaltung von Schulen bzw. „kindgerechten Schulen“ Eingang in aktuelle fachliche, aber auch bildungspolitische Diskussionen finden.

Diskussion

Die Autoren legen ein übersichtliches Werk zu pädagogischem Grundwissen vor. Immer wieder wird auf historische Figuren wie Pestalozzi oder Nohl aber auch aktuellen Pädagogen und Wissenschaftler*innen verwiesen, womit ein guter Mix aus historischen Grundlagen aber eben auch aktuellen Themen gelingt. Insbesondere das Kapitel zu den pädagogischen Grundhaltungen wie auch zu den Erziehungsstilen vermag zu überzeugen, da dort viele und v.a. aktuelle Ansätze unter Verweis auf wesentliche Theoretiker*innen und dem aktuellen Fachdiskurs verarbeitet werden. Die Autoren sind nicht immer trennscharf, was die Bezüge zum pädagogischen und insbesondere zum sozialpädagogischen Handeln anbelangt. Diese Frage könnte für die Studierenden daher etwas offen bleiben.

Die Darlegung von wichtigen Aspekten bezogen auf Erziehung und Bildung gelingt, und es wird deutlich, dass die Soziale Arbeit mehr macht, als „nur“ Bildungs- und Erziehungsprozesse zu initiieren. Sie bildet auch einen Reflexionsrahmen für Erziehende bzw. bildende Fachpersonen. Der Anspruch, dass auch Bezüge zu den verschiedenen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit dargelegt werden, kann nicht ganz erfüllt werden. Es werden zwar die Schulsozialarbeit und die offene Kinder- und Jugendarbeit angesprochen, doch eher knapp. Das Eingehen auf weitere Handlungsfelder und auf aktuellere pädagogische Herausforderungen im Alltag, unter Aspekten wie Elternarbeit oder Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten, wäre beispielsweise noch wünschenswert gewesen. 

Fazit

Es handelt sich um ein gut abgefasstes Lehrwerk, um den Studierenden der Sozialen Arbeit, die wesentlichen Grundzüge pädagogischen Wissens und Handelns für und in der Sozialen Arbeit näher zu bringen. Es kommen historische wie aktuelle Entwicklungen im Bereich von Bildung, Erziehung, pädagogische Haltungen genauso vor, wie etymologische Begriffsbestimmungen und zentrale historische und aktuelle Entwicklungen rund um Erziehungsstile aber auch reformpädagogische Ansätze. Letzteres in einer kursorischen Fassung, teils auch mit Bezügen zur Wissenschaft, die überzeugen, aber gelegentlich noch etwas mit aktuelleren Debatten/​Studien hätten dargelegt werden können. Die grafischen Darstellungen vermögen zu überzeugen und bieten auch den eiligen Lesenden eine erste Orientierung. Auch die Gliederung in kurze, für sich allein zu lesende und bearbeitbare Kapitel macht das Buch nicht nur für die favorisierte Zielgruppe attraktiv.


Rezension von
Karin Andrea Stadelmann
Msc of Arts (Erziehungswissenschaft)
Dozentin und Projektleiterin
Hochschule Luzern Soziale Arbeit, Institut für Sozialpädagogik und Bildung
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Zitiervorschlag
Karin Andrea Stadelmann. Rezension vom 07.04.2021 zu: Sven Trabandt, Hans-Jochen Wagner: Pädagogisches Grundwissen für das Studium der Sozialen Arbeit. Ein Kompendium. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. ISBN 978-3-8252-5358-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26820.php, Datum des Zugriffs 01.08.2021.


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