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Sylvia Kéré Wellensiek: Logbuch Resilienz

Cover Sylvia Kéré Wellensiek: Logbuch Resilienz. Arbeitsbuch mit Übungen, Tipps und Anregungen. Gelassen im Sturm. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 208 Seiten. ISBN 978-3-407-36698-6. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 28,12 sFr.
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Thema

Mit ihrem Logbuch Resilienz legt Wellensiek einen weiteren Text zum Thema vor, der sich als praktisches Arbeitsbuch gezielt an Menschen wendet, die gerade eine Krisenzeit durchleben. Die vielen praxisnahen Übungen sollen konkrete Hilfen für krisentypische Fragestellungen bieten und in strukturierter Form mit Arbeitsblättern, Fragen, Tipps und Anregungen persönliche Potenziale auf- und ausbauen.

AutorIn

Sylvia Kéré Wellensiek ist Dipl.-Ing., Coach, Trainerin und Autorin, leitet das Trainings- und Ausbildungszentrum «HBT Akademie» am Riegsee und ist Autorin weiterer Bücher zum Thema Resilienz.

Aufbau und Inhalt

Das Arbeitsbuch gliedert sich in einen ersten unnummerierten Überblicksteil und stellt anschließend in drei Hauptkapiteln mit je vier Stufen das Programm vor:

Achtsame Selbststeuerung:

  • Tiefe Kraftquellen
  • Rollenklarheit
  • Resilienz-Schatztruhe
  • Resonanzprinzip

Bewusste Beziehungsgestaltung:

  • Beziehungsgarten
  • Achtsame Grenzen
  • Klare Gespräche
  • Tragendes Netzwerk

Konsequenz in Entscheidung und Umsetzung:

  • Tun und Lassen
  • Wertvolle Anker
  • Entscheidungssicherheit
  • Neue Lebensqualität

Am Ende folgt ein kurzes Schlusswort (Resilienz im Alltag fest verankern) sowie ein kleines Literaturverzeichnis.

Der Überblicksteil enthält kurze persönliche Erfahrungen der Autorin, verweist auf die Bedeutung der Haltung gegenüber Krisen und legt dar, dass sich Resilienz trainieren lässt. Dann werden kurz die drei Trainingsphasen mit den insgesamt 12 Stufen kurz vorgestellt. Nach Wellensiek gilt es dabei fünf Ebenen – Körper, Gefühl, Verstand, Seele und Selbstbewusstsein – sowie vier Perspektiven – Haltung, Empathie, Ressource und Zeuge – in allen Übungsteilen zu berücksichtigen, zu aktivieren und zu integrieren. Die Perspektiven werden wie folgt beschrieben: mit welcher Haltung (innere Einstellung und Ausrichtung), mit welcher Empathie (Gefühle und Empfindungen), mit welchen Ressourcen (was schenkt mir Kraft, Stabilität und Orientierung), mit welchem Zeugen (was nimmt der weitsichtige und weise Beobachter in mir wahr) begegne ich Herausforderungen und Krisen?

Im Programmteil, dem Hauptteil des Buches, geht es zuerst um die Entdeckung der eigenen inneren Kraftquellen sowie den eigenen Energieräubern (Stufe 1). Beispiel: Was bekommt mir gut, was kostet mich Kraft?

Mit weiteren Fragen geht es in der Stufe 2 um die Klärung der verschiedenen Rollen und Grundmuster: Welche Rollen wurden als Kind unbewusst und intuitiv übernommen, mit welchen Gefühlen, was ist dafür heute noch dienlich, was ist kontraproduktiv? Wie in allen Stufen werden auch hier zusätzlich die Empathie-, Ressourcen- und Zeuge-Perspektive berücksichtigt. Mit Zeuge meint die Autorin, dass eine weitere, quasi übergeordnete Außenperspektive eingenommen werden soll.

Die Resilienz-Schatztruhe (Stufe 3) verhilft zu einem genaueren Blick, was mich im Leben geprägt hat, welche dieser Prägungen stützen oder eher einschränken. Stufe 4 (Resonanzprinzip) soll anregen und überprüfen, mit welcher inneren Einstellung man durch den Tag geht, welche Gedanken im Vordergrund stehen. Beispiel: Welche Reaktionen erzeuge ich in meinem Umfeld, was bewirke ich durch meine Stimmungen, meinen Ausdruck, meine Körpersprache? In der Stufe 5 wird das gesamte soziale Geflecht unter die Lupe genommen mit Fragen und Übungen dazu wie: Habe ich soziale Ressourcen, ist Geben und Nehmen in den Beziehungen ausgewogen? In welchen Begegnungen fühle ich mich grösser oder kleiner?

In der Stufe 6 lernt man, achtsamere Grenzen zu setzen – was sind meine Grenzen, die Grenzen und Bedürfnisse anderer Menschen? Klarere Gespräche sollen in der Stufe 7 erlernt werden, z.B. wenn Abmachungen nicht eingehalten werden oder Konsequenzen nötig sind. Beziehungen, in denen es zu Spannungen kommt, werden in der Stufe 8 (tragendes Netzwerk) näher betrachtet und aus verschiedenen Perspektiven erfühlt. Die Unterscheidung von veränderbarer und unveränderbarer Welt steht im Zentrum der Stufe Tun und Lassen (9). Statt zu klagen soll der eigene Gestaltungsspielraum erkannt und genutzt werden.

Um Werte dreht sich die Anker-Stufe 10: Was ist mir im Leben wirklich wichtig? Worauf bin ich stolz? Was ist mir noch nicht gelungen? Auch hier sind wieder direkte Eintragungen ins Logbuch – wie bei allen Übungen – möglich. Damit sind LeserInnen nun bereit für die Stufe 11 der Entscheidungssicherheit. Es geht dabei, die Vor- und Nachteile sämtlicher Lösungsoptionen auf verschiedenen Ebenen sichtbar zu machen. Hier erfolgt auch ein Hinweis, einen aufmerksamen Begleiter beizuziehen.

Die letzte Stufe 12 verspricht neue Lebensqualität: Alle Lebensfelder – Sinn/Werte, Beziehung zu sich selbst, Vater, Mutter, Geschwister, Partner, Kinder, Tiere, Freunde, Wohnen, Beruf, Finanzen, soziales Engagement, Gesundheit u.a. – können nun in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Konkrete Anregungen zu Veränderungsprozessen wie: Was möchtest du zuerst anpacken? In welche Teilschritte kannst du die Zielerreichung zerlegen? u.a. bieten hier Hilfe an.

Zu Schluss führt Wellensiek die sieben Säulen der Resilienz an und fordert die LeserInnen dazu auf, Mut zu haben, die Komfortzone zu verlassen und dran zu bleiben.

Diskussion

Die Autorin möchte Menschen in Krisen ermutigen, aktiv nach Auswegen zu suchen und mehr Handlungsspielräume auch in schwierigen Situationen zu entdecken und wahrzunehmen. Dazu bietet das letztlich stark kognitiv ausgerichtete Programm vielerlei Anregungen und Hinweise, besonders mit vielen anregenden Fragen (siehe Programmteil). Menschen, die weniger geübt in der Selbstbeobachtung sind oder in Konflikte mit unbewussten Aspekten verstrickt sind, werden mit dem Buch allein wahrscheinlich nicht genügend unterstützt sein; die Autorin verweist selber auf den großen Anteil – 85 % – unbewusster Empfindungen und Emotionen. Auch Hinweise wie ‚sei lieb und gütig mit dir‘ oder ‚spüre tief in deinen Organismus hinein‘ wird nicht für alle LeserInnen gleichsam leicht umsetzbar sein. Das sehr praxisorientierte Arbeitsbuch enthält sechs Literaturangaben: fünf der Autorin selber und ein weiteres. Verweise auf erwähnte aktuelle Studien, Bücher und Trauma-Methoden im Text fehlen im Literaturverzeichnis.

Fazit

Das Logbuch Resilienz kann als unterstützendes und anregendes Übungsbuch dienen, bei schweren und lang anhaltenden Problemen wäre sicher eine zusätzliche Unterstützung durch einen Coach wichtig. Dies deutet die die Autorin auch selbst an.


Rezension von
Prof. Dr. Jürg Frick
emeritiert, Pädagogische Hochschule Zürich
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Alle 7 Rezensionen von Jürg Frick anzeigen.


Zitiervorschlag
Jürg Frick. Rezension vom 07.05.2020 zu: Sylvia Kéré Wellensiek: Logbuch Resilienz. Arbeitsbuch mit Übungen, Tipps und Anregungen. Gelassen im Sturm. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. ISBN 978-3-407-36698-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26827.php, Datum des Zugriffs 26.05.2020.


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