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Ralf Bohnsack: Professionalisierung in praxeologischer Perspektive

Cover Ralf Bohnsack: Professionalisierung in praxeologischer Perspektive. Zur Eigenlogik der Praxis in Lehramt, Sozialer Arbeit und Frühpädagogik. UTB (Stuttgart) 2020. 156 Seiten. ISBN 978-3-8252-5355-4. D: 14,99 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 19,90 sFr.
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Thema

Fragen danach, wie die Praxis im Schulunterricht sowie in Kindertagesstätten und den verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Sozialen Arbeit professionalisiert werden kann, beschäftigen seit vielen Jahren die für diese Bereiche zuständigen Wissenschaften, Verwaltungsbereiche und auch ihre Praxis selbst. Dabei wünschen sich die Beteiligten vor allem Erkenntnisse aus der Professionalisierungsforschung, um diese in der Aus- und Weiterbildung von LehrerInnen, KindheitspädagogInnen und Fachkräften der Sozialen Arbeit einzubringen und auf diese Weise die (sozial)pädagogische Arbeit in diesen von Niklas Luhmann sogenannten „People Processing Organizations“ (S. 7) gelingender zu gestalten. Dabei wird allerdings unterschiedlich beurteilt, was als gelingendere Praxis gelten soll. Ralf Bohnsack geht nicht nur dieser normativen Frage nach, sondern vor allem begründet er aus seiner seit Jahrzehnten verfolgten praxeologischen Perspektive einen ganz neuen Ansatz von Professionalisierungsforschung, der nicht dem „Ethnozentrismus des Gelehrten“ (S. 7, 128) folgt. Davon grenzt er sich kritisch ab und plädiert ausdrücklich dafür, diesen und die damit verbundene „Hierarchisierung des Besserwissens“ (S. 128) der SozialwissenschaftlerInnen zu überwinden und stattdessen „die in der Logik der Praxis implizierten Orientierungen und Reflexionspotenziale und deren ‚implizite Klugheit‘ zu rekonstruieren“ (ebd., kursiv i. O.). Seine praxeologischen Überlegungen zu dem damit angesprochenen Verhältnis zwischen wissenschaftlichen Theorien und der Praxis gelten, wie schon erwähnt, nur ‚People Processing Organizations‘, die sich für ihn mit Niklas Luhmann dadurch auszeichnen, das „in solchen Organisationen … über Identität und Biografie der Klientel entschieden wird“ (S. 7). So versteht Ralf Bohnsack „Professionalisierung primär als eine Eigenschaft des Interaktionssystems“ (S. 54) zwischen PädagogInnen und ihren SchülerInnen bzw. KlientInnen und „somit eben nicht [reduziert] auf die individuellen Kompetenzen und auch Habitus der beruflichen Akteur*innen“ (ebd.). Mit diesem Verständnis empfiehlt er – wiederum Niklas Luhmann folgend – „den Begriff der Profession für klientenbezogene Tätigkeiten zu reservieren“ (S. 42).

In seiner Vorstellung der Begriffs- bzw. Theoriearchitektur seines praxeologischen Ansatzes zur Professionalisierungsforschung bezieht sich Ralf Bohnsack nicht nur auf die Praxeologische Wissenssoziologie als „Grundlagen- oder Meta-Theorie“ (S. 9), sondern er bringt diese, wie mehrfach angesprochen, in die Diskussion mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann und darüber hinaus mit der Kultursoziologie von Pierre Bourdieu und die Chicagoer Schule. Des Weiteren bezieht er sich auf die Diskursethik von Jürgen Habermas, um im normativen Sinne „eine ‚gelungene‘ oder ‚weniger gelungene‘ Professionalisierung“ (S. 8) theoretisch bestimmen zu können. Seine (meta-)theoretischen, teilweise auch erkenntnistheoretischen (S. 120 ff.) Überlegungen illustriert er an Forschungsergebnissen aus neueren empirischen Studien, vor allem Dissertationen, zur praxeologischen Professionalisierungsforschung aus den drei Feldern Schulunterricht, Kindertagesstätten und Sozialer Arbeit als ‚People Processing Organizations‘.

Autor

Prof. Dr. rer. soc., Dr. phil. habil. Ralf Bohnsack war bis zum Eintritt in seinen Ruhestand an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie im Arbeitsbereich Qualitative Bildungsforschung tätig. Auch im Literaturverzeichnis der vorliegenden Publikation zeigt sich, dass er bereits seit den 1980er Jahren praxeologische Studien angestellt und ein maßgeblicher Vertreter und Wegbereiter der rekonstruktiven Sozialforschung im Verständnis der Praxeologischen Wissenssoziologie ist.

Entstehungshintergrund

Mit seiner Publikation strebt Ralf Bohnsack an, praxeologische bzw. praxistheoretische Perspektiven, die auch dank seiner Arbeiten in den letzten Jahren in den Sozialwissenschaften zunehmend an Bedeutung gewonnen haben, für die Professionalisierungsforschung fruchtbar zu machen und damit, wie schon erwähnt, dem „Ethnozentrismus der Gelehrten“ (S. 7) etwas entgegenzusetzen. Denn dieser berge das Risiko, die „Logik der Theorie, wie sie ihrer eigenen wissenschaftlichen Expertise inhärent ist, in die Praxis hinein zu projizieren und damit deren eigentümliche Logik zu verkennen“ (ebd., kursiv i. O.).

Aufbau und Inhalt

Die Monographie umfasst insgesamt 156 Seiten (inklusive einem einseitigen Inhalts- und 18,5-seitigem Literaturverzeichnis sowie einem vier Seiten umfassenden Sachregister). Sie gliedert sich in insgesamt 14 Kapitel, die nicht weiter untergliedert sind und im Einzelnen Folgendes beinhalten:

Einleitung und Überblick

In diesem einführenden Kapitel erläutert Ralf Bohnsack zunächst seine vier zentralen Anliegen, die ihn zu seiner Publikation veranlasst haben und die er in seinem Argumentationsgang verfolgen wird. Ferner gibt er einen ausführlichen Überblick zu jedem seiner anschließenden 13 Kapitel.

Das Spannungsverhältnis von professionalisierter Praxis und wissenschaftlicher Expertise, von performativer und propositionaler Logik

Um den Unterschied zwischen wissenschaftlichen Theorien und der „Eigenlogik der Praxis“ (S. 19) in ‚People Processing Organizations‘ begrifflich zu fassen, führt Ralf Bohnsack in die für seine Überlegungen zentrale Unterscheidung zwischen „performativer und propositionaler Logik“ (ebd.) ein. Während die interaktive Praxis daran gemessen wird, wie auf der Basis performativen, auch impliziten Wissens Interaktionsbeziehungen gestaltet und Entscheidungen getroffen werden, ist für die wissenschaftliche Expertise ihr stets explizierbarer propositionaler Gehalt und damit ihre Wahrheits- bzw. Aussagekraft entscheidend. Des Weiteren stellt er ausdrücklich heraus, dass sich Überlegungen zu einer professionalisierten Praxis stets „nicht auf den ‚ganzen Menschen‘“ (S. 25), sondern lediglich auf seine jeweilige Rolle als LehrerIn, pädagogische Fachkraft, SchülerIn oder KlientIn beziehen können.

‚Diffus‘ versus ‚spezifisch‘: konjunktiv versus kommunikativ

Wie schon das zweite gilt auch dieses dritte Kapitel der Einführung zentraler Begrifflichkeiten einer praxeologischen Professionalisierungsforschung. In der Praxeologischen Wissensoziologie wird zwischen konjunktivem und kommunikativem Wissen bzw. „Sozialitätsmodus“ (S. 26) unterschieden. Während kommunikatives Wissen spezifisch und damit präzise bestimmbar ist, ist konjunktives Wissen in interaktiven konjunktiven Erfahrungsräumen verankert und damit diffus: „Im Verständnis der Praxeologischen Wissenssoziologie stellt der ‚spezifische‘ Modus eine Ausprägung resp. Eigenschaft des Rollen-Handelns dar, nicht aber die diffuse Orientierung, welche dem nicht-rollenförmigen (konjunktiven) Handeln zuzuordnen ist“ (S. 27, kursiv i. O.).

Professionalisierter als organisationales Handeln: die konstituierende Rahmung

Da professionalisiertes Handeln stets in Organisationen mit den dort jeweils geltenden Normen wie Gesetzen, fachlichen Standards, Organisationsregeln usw. stattfindet, bestimmt Ralf Bohnsack „professionalisiertes als organisationales Handeln“ (S. 30), mittels dessen die „Bewältigung der notorischen Diskrepanz zwischen den […] komplexen normativen Anforderungen der Organisation und der Konstitution einer gemeinsamen Praxis mit der Klientel im Sinne eines konjunktiven Erfahrungsraums“ (S. 31) gelingen kann. Dazu gilt es, eine „konstituierende organisationale Struktur“ (ebd.) zu schaffen, die er „konstituierende Rahmung“ (ebd., kursiv i. O.) nennt und die für seine weiteren Überlegungen von zentraler Relevanz ist. Denn „[e]rst auf diese Weise wird die Grundlage professionalisierten Handelns geschaffen, indem die konstituierende Rahmung die Möglichkeit eröffnet, Entscheidungen in einer routinisierten Weise zu treffen und in einer Weise, welche für die Klientel erwartbar und für weitere Entscheidungen anschlussfähig ist und somit eine Kontinuität zu sichern und ein Systemvertrauen zu schaffen vermag“ (S. 32 f.). Dies bedeutet auch, dass z.B. die individuellen Probleme von SchülerInnen oder AdressatInnen Sozialer Arbeit eine „Fremdrahmung“ (S. 33) erfahren in dem Sinne, dass diese fachsprachlich gefasst werden, um sie in der jeweiligen Organisation interaktiv bearbeitbar zu machen. Oder mit den Worten von Ralf Bohnsack: „Professionalisierung setzt also […] die – immer wieder neu zu reproduzierende – Herstellung einer konstituierenden Rahmung voraus“ (S. 11).

Professionalisierung als Strukturlogik des Interaktionssystems und konjunktiven Erfahrungsraums: das professionalisierte Milieu

In diesem Kapitel richtet Ralf Bohnsack seinen Blick auf die interaktive Praxis in ‚People Processing Organizations‘. Neben der Schaffung einer konstituierenden Rahmung geht es dort auch darum, gemeinsam mit den SchülerInnen bzw. dem Klientel einen gemeinsam geteilten konjunktiven Erfahrungsraum mit einem kollektiven Gedächtnis zu gestalten, in dem Entscheidungen nachvollziehbar und erwartbar sind. Deshalb spricht er auch von „professionalisierten (präziser eigentlich: sich professionalisierenden Milieus“ (S. 11, kursiv i. O.), denn für ihn ist Professionalisierung „im Interaktions- und Kommunikationssystem verankert“ (ebd.). Pointiert spricht er mit Jochen Kade von einer „Transformation von Erziehung in Kommunikation“ (S. 45), in der diskursive Bedingungen für Möglichkeiten einer Verständigung geschaffen werden. Um diese modellieren und empirisch überprüfen zu können, verweist er auf Prinzipien praktischer Diskursethik.

Implizite Reflexion: der ‚reflektierte‘ Praktiker

Die Differenz zwischen propositionaler und performativer Logik aus dem 2. Kapitel aufnehmend erläutert Ralf Bohnsack, dass es aus praxeologischer Perspektive nur gelingen wird, der interaktiven Praxis im Rahmen von Professionalisierungsforschung gerecht zu werden, „wenn wir einen Zugang zu den Potenzialen praktischer und impliziter Reflexion gewinnen, also von Reflexionspotenzialen, welche die Praxis nicht zu ihrem Gegenstand nehmen, sondern in diese eingelagert und für sie konstitutiv sind“ (S. 12). Aus einer Sicht geht es also darum, die impliziten Reflexionen der PraktikerInnen zu rekonstruieren. Diese unterscheiden sich nach Ralf Bohnsack grundlegend von der „propositionalen oder theoretisierenden“ (S. 62, kursiv i. O.) Reflexion, die geleitet von sozialwissenschaftlichen Theorien deduktiv erfolgt und ihr Augenmerk nicht auf die „Eigenlogik“ (ebd.). der Praxis richtet und diese rekonstruiert.

Die Komplexität des interaktionsanalytischen und des berufsbiografischen Zugangs in der Praxeologischen Wissenssoziologie

Bezugnehmend auf einzelne interaktionsanalytische und berufsbiografische Studien stellt Ralf Bohnsack in diesem Kapitel sein in einer Abbildung modelliertes Verständnis zum professionalisierten Milieu vor (S. 71) und zeigt auf, dass komplexe, multimethodische empirische Studien gefordert sind, um Professionalisierung interaktiver Praxis mittels der Dokumentarischen Methode zu erforschen.

Zur Variationsbreite professionalisierter Milieus

In diesem Kapitel zeigt Ralf Bohnsack anhand ausgewählter Studien, vor allem aus Dissertationen, die Variationsbreite professionalisierter Milieus und damit auch, wie sich die von ihm aufgebaute Begriffs- bzw. Theoriearchitektur praxeologischer Professionsforschung in konkreten Forschungsprojekten niederschlägt.

Sachbezug, Fachlichkeit und Person

Hier betrachtet Ralf Bohnsack den aus seiner Sicht komplexen Zusammenhang „von elementarer sachbezogener Verständigung und fachsprachlicher Vermittlung in der Interaktion von Klientel und beruflichen Akteur*innen“ (S. 14).

Zur Differenzierung zwischen den konstitutiven Bedingungen professionalisierter Milieus und deren normativer Bewertung

In diesem Kapitel richtet Ralf Bohnsack seine Aufmerksamkeit auf die normative Bewertung gelungener oder weniger gelungener interaktiver Praxis in ‚People Processing Organizations‘. Dazu rekurriert er auf die praktische Diskursethik. Von der normativen Bewertung unterscheidet er die konstitutiven Bedingungen eines Interaktionssystems, das er im 4. Kapitel als „professionelles Milieu“ (S. 102) bestimmt und definiert hat. Diskursethisch betrachtet gilt dann die interaktive Praxis als gelungen, wenn „die Grundlage der Interaktion […] mit der Klientel und das Prinzip ihrer Konstruktion nicht die eigenen unhinterfragten Moral- und Normalitätsvorstellungen (…) sind, sondern Regeln oder Prinzipien der Verständigung über unterschiedliche Normalitätsvorstellungen auf dem Niveau der Meta-Norm“ (ebd., kursiv i. O.).

Meta-Norm und Diskursethik

Aus diskursethischer Sicht plädiert Ralf Bohnsack dafür, dass sowohl in den Diskursen der SozialwissenschaftlerInnen bzw. ForscherInnen mit den beruflichen AkteurInnen ebenso wie in jenen zwischen LehrerInnen bzw. PädagogInnen und ihren AdressatInnen die Reflexion der darin enthaltenen ethischen Prinzipien zu ermöglichen sei. Pointiert formuliert er: „Eine derartige Verständigung setzt solche moralischen resp. diskursethischen Prinzipien voraus, welche – im Sinne einer Meta-Norm – die Bedingungen der Möglichkeit der Verständigung über unterschiedliche Norm(alitäts)vorstellungen ermöglichen“ (S. 112).

Exkurs: Die Eliminierung der Praxis in der konventionellen Erkenntnistheorie

In diesem erkenntnistheoretischen Exkurs grenzt Ralf Bohnsack sein praxeologisches Verständnis von Professionalisierungsforschung von der erkenntnistheoretischen Position des Kritischen Rationalismus von Karl Raimund Popper ab. Diese habe mit ihrem nomologisch-deduktiven Vorgehen maßgeblich zur „Hierarchisierung des Besserwissens“ (S. 121) der von ihm sogenannten sozialwissenschaftlichen „Theorien des Common-Sense“ (S. 113) beigetragen und verstelle den Blick auf die Eigenlogik interaktiver Praxis.

Die Initiierung und Förderung impliziter resp. praktischer Reflexionspotenziale

Hier richtet Ralf Bohnsack sein Augenmerk auf die sozialisatorischen Voraussetzungen von Professionalität. Eine besondere Bedeutung schreibt er dazu „Forschendem Lernen“ (S. 124) und der Einübung von qualitativ-rekonstruktiven Forschungsmethoden zu. Darin sieht er gute Voraussetzungen zur Entwicklung von praktischen Reflexionspotenzialen, die er für eine professionalisierte Praxis als unabdingbar erachtet (S. 17).

Rekonstruktiv-praktische Diskursethik und heterarchische Beziehung

In diesem abschließenden Kapitel wendet sich Ralf Bohnsack – an seine einführenden kritischen Bemerkungen anknüpfend – gegen jegliche „Tendenzen eines ‚Ethnozentrismus des Gelehrten‘“ (S. 17), die es zu überwinden gelte. Denn die „Hierarchisierung des Besserwissens“ (S. 128) im Verständnis der Sozialwissenschaft schlägt sich für ihn nicht nur im Wissenschaft-Praxis-Verhältnis, sondern auch in den Beziehungen zwischen PraktikerInnen und ihren AdressatInnen nieder, in dem „prinzipiell von der ‚höheren‘ Rationalität des Professionellen“ (S. 129) ausgegangen wird. Stattdessen plädiert er für heterarchische Beziehungen, in denen sich sowohl die interaktive Praxis zwischen SozialwissenschaftlerInnen und ihren PropandInnen als auch „die Interaktion der beruflichen Akteur*innen mit ihrer Klientel idealerweise als ein Sinndeutungsprozess [vollziehen], der in Anerkennung der impliziten und expliziten Reflexionspotenziale der Klientel und der Offenheit der Geschichte des Interaktionssystems mit ihr als ein kollektiver Sinndeutungs- und Entscheidungsprozess im Sinne eines konjunktiven Erfahrungsraums sich konstituiert“ (S. 131).

Fazit

Für mich hat Ralf Bohnsack seine auf nur rund 125 Textseiten konzentrierte und dennoch umfassend erkenntnistheoretisch und methodologisch begründete Begriffs- bzw. Theoriearchitektur praxeologischer Professionalisierungsforschung sehr engagiert und überzeugend dargestellt. Besonders bemerkenswert ist für mich sein ausdrückliches Plädoyer, die Praxis in ihrer Eigenlogik zu rekonstruieren anstatt sie im nomologisch-deduktiven Sinne mit theoretisch vorgefassten Vorstellungen zu analysieren und auf Gesetzmäßigkeiten hin zu überprüfen. Aus sozialpädagogischer Perspektive begeistert mich ferner sein Vorschlag, Studierende für ihre interaktive Praxis zu professionalisieren, indem sie mit rekonstruktiven Methoden qualitativer Sozialforschung forschend lernen.

Trotz dieser sehr positiven Würdigung empfehle ich das Buch jedoch nur denjenigen zur (alleinigen) Lektüre, die sich bereits mit der Praxeologischen Wissenssoziologie von Karl Mannheim und Harold Garfinkel sowie mit grundlegenden Theorien der Soziologie und Sozialphilosophie wie der Systemtheorie von Niklas Luhmann, der Habitustheorie von Pierre Bourdieu, der Diskurstheorie von Jürgen Habermas oder der Identitätstheorie von Erving Goffmann zumindest etwas beschäftigt haben und über Vorkenntnisse verfügen. Denn die Ausführungen von Ralf Bohnsack sind in dieser Hinsicht überaus voraussetzungsvoll, weil er sich immer wieder auf diese Grundlagentheorien bezieht, ohne sie weiter auszuführen. Doch gerade dieses Manko könnte auch seine Stärke sein, d.h. sein praxeologischer Professionalisierungsansatz mit seinen zahlreichen Theoriesträngen könnte an Professionalisierungsforschung Interessierte dazu einladen, das Buch gemeinsam zu lesen und sich intensiv darüber auszutauschen. Dies könnte eine große Bereicherung für die Beteiligten mit sich bringen.


Rezension von
Prof. Dr. Ruth Enggruber
Hochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Ruth Enggruber. Rezension vom 13.11.2020 zu: Ralf Bohnsack: Professionalisierung in praxeologischer Perspektive. Zur Eigenlogik der Praxis in Lehramt, Sozialer Arbeit und Frühpädagogik. UTB (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-8252-5355-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26846.php, Datum des Zugriffs 25.11.2020.


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