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Matthias Zimmer: Person und Ordnung

Cover Matthias Zimmer: Person und Ordnung. Einführung in die Soziale Marktwirtschaft. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2020. 352 Seiten. ISBN 978-3-451-39984-8. D: 35,00 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 47,90 sFr.
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Thema

Diese „Einführung in die Soziale Marktwirtschaft“ beschreibt teilweise tiefgehend deren geistige Grundlagen. Wenn sich das Ende der Corona-Krise nähert, wird es zu einer Debatte über die Neuordnung der Wirtschaftspolitik kommen. Die gegenwärtigen Dilemmata und Engpässe, besonders prekär in der Pflege, werden viele Beschäftigte motivieren, für eine neue Ausrichtung der Sozialwirtschaft einzutreten. Dafür nun bietet das Buch einen intellektuellen Fundus.

Autor

Matthias Zimmer ist habilitierter Politikwissenschaftler, Honorarprofessor an der Universität Köln, MdB, stellv. CDA-Bundesvorsitzender.

Aufbau

Die Darlegungen zur Sozialen Marktwirtschaft hat Zimmer von der geschichtlichen Entwicklung her geordnet, präsentiert sie dann jedoch über weite Strecken mit thematischen Schwerpunkten. Es ist ein populärwissenschaftliches Werk mit Endnoten sowie Literaturhinweisen in kleiner Schrift am Ende des Buches.

Inhalt

Die allgemeine Ausrichtung des Buches zeigt sich an Zimmers zentraler Definition: „Es geht … um Wirtschaft, also die Kulturleistung der menschlichen Daseinsvorsorge unter Bedingungen des Mangels.“ (S. 13). Für ihn ist die Wirtschaft folglich nicht geprägt von Unternehmern, deren Schaffensdrang und Ideenreichtum maßgeblich für das ökonomische Erscheinungsbild sind. Einen wichtigen Schwerpunkt setzt Zimmer gleich zu Beginn, wenn er sich ausführlich mit dem „Ordoliberalismus“ und der „katholischen Soziallehre“ befasst. Dies geschieht unter der Perspektive von „Person und Ordnung“, also den beiden Begriffe aus seinem Buchtitel.

Weitere grundlegende Themenfelder sind „Marktwirtschaft“ und „Markt“. Anschließend befasst er sich intensiv mit den Aspekten „Subsidiarität“, „Eigentum“ und „Mitbestimmung“, „Solidarität“, „Familie“ sowie „Gerechtigkeit“.

Diskussion

Mit seinem Buch wendet Zimmer sich thematisch begrenzt der gesellschaftspolitischen Theorie zu, die er teilweise auf hohem Niveau beschreibt; seine Ausführungen sind zugleich verständlich, wenn man sich dafür Zeit nimmt und sich konzentriert. Bei den gut 350 Seiten ist es ausreichend, die erste Hälfte zu lesen, nämlich die ersten fünf Kapitel; hingegen vom sechsten bis zum neunten und letzten Kapitel – das keine Zusammenfassung darstellt – befasst sich der Autor mehr oder weniger mit praktischen Problemen, sodass die Ertragskraft dieser Überlegungen überschaubar ist. Die evangelische Sozialethik kommt wesentlich zu kurz.

Zimmers „Einführung“ wird von einem motivierenden Zug geprägt, indem er vor allem anfangs ein Staunen vor dem fruchtbaren Zusammengehen zweier Denkrichtungen zum Ausdruck bringt.

Fazit

Matthias Zimmer illustriert in seinem Buch seine These, dass die Verknüpfung von Ordoliberalismus und katholischer Soziallehre die Soziale Marktwirtschaft zu einem „durchschlagenden Erfolg“ (S. 17) gemacht habe. Dafür setzt er sich mit relevanten Kategorien auseinander, die sich unter den Oberbegriffen „Person“ und „Ordnung“ fassen lassen. Seine Geistesarbeit ist nachvollziehbar und bietet Ansätze, eigene, analytisch basierte wirtschaftspolitische Positionen zu entwickeln. Zimmers Grundlagenwerk erscheint zum richtigen Zeitpunkt, nämlich während einer allgemeinen Verunsicherung, die den Wunsch nach neuen Gewissheiten hervorrufen wird.


Rezension von
Dr. Gunter Stemmler
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Zitiervorschlag
Gunter Stemmler. Rezension vom 29.04.2020 zu: Matthias Zimmer: Person und Ordnung. Einführung in die Soziale Marktwirtschaft. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2020. ISBN 978-3-451-39984-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26868.php, Datum des Zugriffs 28.09.2020.


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