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Georg Kortendieck, Peter Stepanek: Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft

Cover Georg Kortendieck, Peter Stepanek: Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft. Eine Einführung. Springer (Berlin) 2019. 218 Seiten. ISBN 978-3-658-24599-3. D: 19,99 EUR, A: 20,55 EUR, CH: 22,50 sFr.

Reihe: Basiswissen Sozialwirtschaft und Sozialmanagement.
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Siehe auch Replik oder Kommentar am Ende der Rezension.


Thema

Das Buch „Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft“ von Georg Kortendieck und Peter Stepanek gibt sowohl Einblicke in die theoretischen Grundlagen des Controllings als auch in deren praktische Umsetzung in den sozialen Organisationen. Hierbei werden neben unterschiedlichen Bereichen des Controllings auch deren Herausforderungen angesprochen.

Autoren

Das Buch wurde in Kooperation zweier Autoren verfasst. Prof. Dr. Georg Kortendieck lehrt seit 2001 an der FH Braunschweig/​Wolfenbüttel im FB Sozialwesen. Der Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit liegt im Bereich marktwirtschaftlicher Steuerung im sozialen Sektor. FH-Prof. Mag. Peter Stepanek lehrt an der FH in Wien im Bereich Betriebswirtschaft und Soziale Arbeit. Zudem ist Peter Stepanek Unternehmensberater und Wirtschaftstrainer.

Entstehungshintergrund

Das im Springer Verlag erschienene Buch gehört zu der Buchreihe „Basiswissen Sozialwirtschaft und Sozialmanagement“. Es ist ein Lehrbuch und richtet sich an Studierende, Fachkräfte der Sozialen Arbeit, Sozialwirtschaft und Sozialmanagement sowie der Weiterbildung von Führungskräften. Die Buchreihe hat das Ziel, Themen der Sozialwirtschaft und des Sozialmanagements kompakt und theoretisch fundiert wiederzugeben.

Aufbau und Inhalt

Das Buch „Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft“ umfasst 230 Seiten. Es ist in sieben Kapitel gegliedert. Jedem Kapitel sind eine kurze Zusammenfassung sowie Lernziele vorangestellt. Im Anschluss eines jeden Kapitels sind außerdem „Arbeitsaufgaben zur praktischen Auseinandersetzung und persönlichen Vertiefung“ zu finden. Zudem sind am Ende der Kapitel drei bis fünf „Übungsaufgaben“ zusätzlich gestellt, bei welchen die vorgestellten Instrumente des Controllings angewendet werden können. Die Lösungen dieser Aufgaben befinden sich im letzten Kapitel.

Das erste Kapitel „Grundlagen des Controllings“ gibt dem Lesenden einen übersichtlichen Einblick in die Aufgaben des Controllings, wie bspw. die Informationsversorgung, Planungs- und Koordinationsfunktion und Führungsunterstützung. Ebenso werden die Ziele und Anforderungen des Controllings beschrieben. Die Autoren Kortendieck und Stepanek erläutern den Unterschied zum Management und verdeutlichen, wie Controlling in die Organisationsstruktur eingebunden ist und welche Probleme damit verbunden sind. Zum Ende des Kapitels werden die Unterschiede zwischen operativem und strategischem Controlling erklärt.

Die Inhalte des zweiten Kapitels thematisieren die „Informationsversorgung durch das Controlling“. Dies gilt als zentrale Aufgabe des Controllings, die Informationen zu sammeln und entsprechend aufzubereiten. Dabei ist es wichtig, Informationsangebot, -nachfrage und -bedarf richtig zu ermitteln und entsprechend Ergebnisse zu präsentieren. Die Autoren verweisen hierbei auf das Rechnungswesen, welche die wesentliche Informationsquelle des Controllings ist. Es werden zentrale Begriffe erläutert wie bspw. Einnahme, Ausgabe, Gesamtkapital und Bilanz. Weiter werden die wichtigsten Kennzahlen, welche für das Controlling von Bedeutung sind, analysiert sowie unterschiedliche Kennzahlensysteme vorgestellt. Zum Ende des Kapitels zeigen Kortendieck und Stepanek die Inhalte des Berichtswesens auf, in welchem die Kennzahlen zusammengefasst werden.

Im dritten Kapitel erläutern die Autoren die „Planung und Kontrolle“ in Bezug auf das Controlling. Hier werden neben den Aufgaben auch die lang- und kurzfristigen Ziele und die Erfolgsdimensionen einer Einrichtung näher ausgeführt. Zudem stellen Kortendieck und Stepanek unterschiedliche Verfahren dar, welche innerhalb des Controllings zu solcher Planung genutzt werden können. Aus den Informationen können anschließend Budgets abgeleitet werden. Die Autoren verweisen hier auch auf die Grenzen einer Budgetplanung. Weiter werden in diesem Kapitel die Bedeutung der Prognosen für eine Einrichtung aufgezeigt, welche das Ziel haben, rechtzeitig Bedrohungen wahrzunehmen. Zum Ende des Kapitels setzen sich Kortendieck und Stepanek mit Abweichungsanalysen auseinander, welche ebenfalls zum Planungsprozess dazugehören. Es werden hier unterschiedliche Analysearten des Soll-Ist-Vergleichs mit den entsprechenden Rechenwegen aufgezeigt.

Im vierten Kapitel werden konkrete „Instrumente des strategischen Controllings“ vorgestellt. Die Autoren verweisen zuerst auf die gestiegenen Ansprüche sozialer Dienstleistungen von Seiten der Steakholder und damit verbunden auch die Bedeutung einer langfristigen Planung. In den folgenden Abschnitten des Kapitels werden konkrete unterschiedliche Analyseinstrumente vorgestellt. Diese beziehen sowohl interne als auch externe Faktoren einer Organisation ein. Zu den Unternehmensanalysen (interne Faktoren) zählen:

  • Stärken-Schwächen-Analyse
  • Kernkompetenzen
  • Wertkettenanalysen
  • Gap-Analysen
  • Benchmarking

Diese werden jeweils von den Autoren dargestellt und das Vorgehen schrittweise erläutert. Nachfolgend werden die Umweltanalysen (externe Faktoren) vorgestellt und auch hier die einzelnen Schritte aufgezeigt. Zu diesen Analysen gehören:

  • Chancen-Risiken-Analyse
  • Stakeholder Analyse
  • Markt- und Branchenanalyse

Anschließend beschreiben Kortendieck und Stepanek weitere Analysearten, welche auf der Geschäftsfeldebene ausgeführt werden und sowohl interne als auch externe Faktoren beinhalten:

  • SWOT-Analyse
  • Produkt-Markt-Analyse/​Portfolio-Analyse

Die Instrumente werden zudem von den Autoren hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit im sozialen Bereich bewertet sowie ihre Vor- und Nachteile aufgezeigt. Am Ende des Kapitels verweisen die Autoren nochmals auf die Kennzahlen des strategischen Controllings, welche durch quantitative Indikatoren den Grad der Zielerreichung wiederspiegeln. Sie stellen die Balanced Scorecard vor, welches ein umfassendes Kennzahlensystem ist.

Das fünfte Kapitel thematisiert die „Instrumente des operativen Controllings“. Am Anfang geben Kortendieck und Stepanek einen Einblick in die Grundlagen der Kostenrechnung und beschreiben die Vorgehensweise der Voll-, Teil- und Zielkostenrechnung. Insbesondere bei der Vollkostenrechnung verdeutlichen die Autoren die Probleme in Bezug auf soziale Organisationen. Zudem zeigen sie die Schwierigkeit der Kostenverteilung auf. Ein weiterer Inhalt des Kapitels sind die Personalkosten, da diese mit 60–80 % die zentrale Planungsgröße in sozialen Einrichtungen ausmachen. Diese werden aufgeschlüsselt dargestellt und der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich aufgezeigt. Kortendieck und Stepanek geben außerdem einen Einblick in die Grundlagen des Kostenmanagements und schlüsseln dessen einzelnen Posten auf.

Im sechsten Kapitel widmen sich die Autoren dem „Wirkungscontrolling“. Sie stellen die Schwierigkeit der Leistungsmessung im sozialen Bereich heraus, da es sich hierbei um kein leicht zu bemessendes Ziel handelt. Die Bewertung der Zielerreichung erfolgt durch die Stakeholder mittels einer wirkungsorientierter Erfolgsmessung. Nun werden zuerst die Begriffe Outcome, Impact und Wirkung definiert, das Wirkungsmodell nach Phineo (2017) und das systematische Vorgehen einer Ursache-Wirkungskette dargestellt. Da Wirkungsziele häufig allgemein formuliert sind, zeigen Kortendieck und Stepanek anschließend Beispiele für messbare Indikatoren auf, welche diese Ziele in Zahlen widerspiegeln. Die Autoren machen auch auf die Schwierigkeit aufmerksam, solche Wirkungsanalysen aufgrund der Kosten und des zeitlichen Aufwandes auszuführen. Als Beispiel für mögliche Wirkungsanalysen im sozialen Bereich, wird das Personal Outcome Scale und das Social Return on Investment genannt, welche jeweils in ihren einzelnen Ausführungen beschrieben werden. Im letzten Abschnitt des Kapitels geht es um Wirkungsberichte im sozialen Bereich. Kortendieck und Stepanek erläutern den Standardleitfaden Social Reporting Standard, welcher für wirkungsorientierte Berichterstattung entwickelt wurde. Die Autoren zeigen die Vorteile dieser Art der Berichterstattung auf.

Das letzte Kapitel beinhaltet die „Lösungen für die Übungsaufgaben“, welche jeweils am Ende der Kapitel drei bis sechs zu finden sind.

Diskussion

Das vorliegende Buch bietet einen guten, theoretisch fundierten Einstieg in das Thema Controlling und einen Einblick in dessen unterschiedliche Aufgabenfelder und Bereiche. Es hat einen klaren Aufbau, in welchem zuerst die Grundlagen geklärt und anschließend die konkreten Instrumente des Controllings vorgestellt werden. Die Autoren weisen immer wieder auf den Unterschied zwischen der gewinnorientierten Wirtschaft und der Sozialwirtschaft hin und vertiefen dabei die besonderen Anforderungen an die sozialen Organisationen.

Es ist sehr praxisnah gestaltet. Dies geschieht auf vielfältige Weise. Zum einen durch die Interviews mit Führungskräften, zum anderen durch zahlreiche Fallbeispiele und exemplarische Rechenaufgaben. Weiter sind am Ende eines jeden Kapitels Fragen bzw. Arbeitsaufgaben aufgelistet. Diese stellen einen Bezug zu der eigenen Organisation her und helfen so, einen Transfer herzustellen, sich damit auseinander zusetzten und zu reflektieren. Zudem sind die Übungsaufgaben hilfreich, um selbst die Instrumente des Controllings anzuwenden. Weiter sind die Literaturtipps am Ende einiger Kapitel sinnvoll, um das Gelesene zu vertiefen.

In diesem Buch werden immer wieder die Herausforderungen des Controllings in der Sozialwirtschaft aufgezeigt. Auch die vorgestellten Instrumente des Controllings werden von den Autoren kritisch im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit in sozialen Organisationen geprüft und Alternativen aufgezeigt. Hierdurch werden die Lesenden auf die möglichen Schwierigkeiten aufmerksam, welche beim Controlling auftreten können.

Fazit

Das Buch „Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft“ ist eine Einführung für Studierende und Fachkräfte der Sozialen Arbeit in die unterschiedlichen Bereiche des Controllings. Diese theoretische Annäherung an das Thema wird mit praxisnahen Beispielen und vielen Abbildungen veranschaulicht. Anhand von Fragestellungen und Übungen wird zudem das eigene Lernen angeregt.


Rezension von
Lena Huschle
Kindheitspädgogin (B.A.); Masterstudierende Hochschule in Koblenz "Kindheits- und Sozialwissenschaften"
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz.


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Zitiervorschlag
Lena Huschle. Rezension vom 16.06.2020 zu: Georg Kortendieck, Peter Stepanek: Controlling in der deutschsprachigen Sozialwirtschaft. Eine Einführung. Springer (Berlin) 2019. ISBN 978-3-658-24599-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26870.php, Datum des Zugriffs 20.10.2020.


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