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Silke Hubrig: Geschlechtersensibles Arbeiten in der Kita

Cover Silke Hubrig: Geschlechtersensibles Arbeiten in der Kita. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 107 Seiten. ISBN 978-3-7799-6049-2. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 23,90 sFr.
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Thema

Kinder bei der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität zu unterstützen, stellt eine zentrale Aufgabe von Kindertageseinrichtungen dar, weshalb Kinder insbesondere in diesem Alter eine adäquate Entwicklungsbegleitung durch pädagogische Fachkräfte erfahren müssen. Das Buch „Geschlechtersensibles Arbeiten in der Kita“ von Silke Hubrig bietet praxisnah unterstützende Informationen für gendersensibles Arbeiten in Kindertageseinrichtungen. Einerseits umfasst die Monographie grundlegende theoretische Ausführungen bezüglich einer geschlechtersensiblen Pädagogik, andererseits bietet das Buch konkrete praxisnahe Ideen für die Umsetzung ebendieser.

Autorin

Die Autorin Silke Hubrig ist Erzieherin und arbeitet in Bremen an einer Berufsschule als Lehrerin für Sozialpädagogik und Sport. Sie publiziert zu verschiedenen frühpädagogischen Themenstellungen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich nach einem einführenden Vorwort der Autorin in zwei Teile und beinhaltet abschließend Buchtipps zur Vertiefung einzelner Themengebiete.

Neben den inhaltlichen Ausführungen umfasst das Buch Anregungen zur Selbstreflexion, Teamimpulse sowie Praxisangebote.

Teil I: Grundlagen geschlechtersensibler Pädagogik

Der erste Teil des Buches beinhaltet theoretische Ausführungen zu den Grundlagen einer geschlechtersensiblen Pädagogik. Zur Einstimmung bietet die Autorin Anstöße zur Selbstreflexion unter den Fragestellungen „Ich als Mädchen/​Junge/​intergeschlechtliches Kind“ sowie „Ich als Frau/Mann/intergeschlechtlicher Mensch“. Ein „Gender-Quiz“ mit Fragen wie u.a. „Seit wann dürfen Frauen in Deutschland wählen?“ soll einen Einstieg für das Team in das umfassende Thema „Geschlecht“ bieten.

Anschließend erläutert die Autorin aus Sicht von Biolog*innen, Sozialbiolog*innen sowie Sozialwissenschaftler*innen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und geht auf die Kultur der Zweigeschlechtlichkeit ein. Sie erläutert Geschlechterstereotypen und den „weiblichen Raum“ Kita. Die Entwicklung der Geschlechtsidentität bis zum Schulalter ist in Kapitel fünf Thema, wobei die Aspekte Transgender und intergeschlechtliche Kinder in Kapitel sechs und sieben Beachtung finden. Unter dem Titel „Täglich machen wir unser Geschlecht selbst“ schreibt Silke Hubrig über Doing Gender und die Initiierung von Geschlechterrollen. Kapitel neun geht der Frage nach, wie Kinder lernen sich gemäß ihren Geschlechterrollen zu verhalten und Kapitel zehn widmet sich dem Gendermarketing.

Teil II: Ideen zur Umsetzung geschlechtersensibler Pädagogik

Im zweiten Teil bietet die Autorin konkrete Ideen zur Umsetzung einer geschlechtersensiblen Pädagogik in Kindertageseinrichtungen. Nach einführenden Worten in Kapitel 11, schildert sie im darauffolgenden Kapitel drei „Denkfallen“ pädagogischer Fachkräfte, die einem geschlechtergerechten Umgang im Weg stehen, wie z.B. „Ich behandele Jungen und Mädchen genau gleich!“. Zum Thema Heteronormativität und Kinder aus Regenbogenfamilien bietet das Buch Teamimpulse sowie anregende Praxisidee. Der Frage der zeitweiligen Geschlechtertrennung im pädagogischen Alltag, sowie die gendersensible Gestaltung von Angeboten für Jungen und Mädchen ist Thema in Kapitel 14 und 15. Kapitel 16 widmet sich der Frage, wie man das freie Spiel u.a. durch Raumgestaltung gendergerecht gestalten kann. Medienheldinnen und Medienhelden unterscheiden sich geschlechtsspezifisch und vermitteln nicht selten Geschlechterstereotypen. Wie diese aufgegriffen und zur Diskussion in der Kita gemacht werden können, ist Thema in Kapitel 17. Um eine geschlechtersensible Sprache im Kita Alltag, sowie eine geschlechtersensible Elternarbeit geht es in den darauffolgenden Kapiteln. Der letzte Abschnitt nimmt die Teamstruktur in Kindertageseinrichtungen und wie hier eine geschlechtersensible Aufgabenverteilung erfolgen kann, in den Blick.

Diskussion

Das vorliegende Buch ist praxisnah gestaltet und bietet hilfreiche und kompakte Informationen für frühpädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, die einen Einstieg in das Thema der geschlechtersensiblen Arbeit in Kitas suchen.

Das Buch hat einen klaren Aufbau, indem zunächst in Teil I Grundlagen einer geschlechtersensiblen Pädagogik Beachtung finden, bevor in Teil II Ideen zur Umsetzung einer ebensolchen vorgestellt werden. Der zweite Teil fokussiert sich hierbei explizit auf das Feld der Kindertageseinrichtungen. Das Buch schließt ab mit Buchtipps zur Vertiefung einzelner Themengebiete.

Neben den theoretischen Ausführungen beinhaltet das Buch insbesondere Anregungen zur Selbstreflexion, Impulse um sich mit der Thematik „Geschlecht“ zu beschäftigten, sowie Ideen für die Praxis um das Thema mit Kindern, Eltern und Familien zu behandeln. Optisch werden diese Tipps durch entsprechende Icons an der Seite hervorgehoben. Die Texte in den einzelnen Kapiteln sind kompakt und abschließend formuliert, sodass man schnell zu denen für einen persönlich relevanten Kapiteln springen kann.

Das Buch kommt ohne viele Quellen- und Literaturhinweise aus. In Kapitel drei „Kultur der Zweigeschlechtlichkeit – Eine Welt voller Geschlechtsstereotypen“ finden sich z.B. keine Quellennachweise und für Aussagen wie „Im Gegensatz zu Erwachsenen nehmen Kinder Stereotypen als allgemeingültig hin“ (S. 19) fehlen wissenschaftliche Belege. Ebenso verhält es sich u.a. mit Kapitel sieben, welches sich dem komplexen Thema „Intergeschlechtliche Kinder“ widmet. Insbesondere unter einem wissenschaftlichen Blickwinkel, wären jedoch (weiterführende) Quellenangaben hilfreich, damit sich der interessierte Leser/die interessierte Leserin, tiefergehend mit der Thematik auseinanderzusetzen kann.

Als besonders wertvoll, lassen sich die vielfältigen Teamimpulse sowie Anregungen zur Selbstreflexion und Ideen für die Praxis hervorheben. In Kapitel neun wird z.B. der Frage nachgegangen, wie Kinder lernen sich gemäß ihrer Geschlechterrolle zu verhalten. Hier formuliert die Autorin eindrücklich anhand eines Beispiels, wie ein Mädchen das Verhalten der Mutter reproduziert. Und Kapitel 13 bietet u.a. den Teamimpuls, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob die Auswahl der Lieder, Singspiele, Bilderbücher etc. in der Kita so vielfältig sind, dass beispielsweise auch alternative Familienformen Beachtung finden. Auch die Praxisangebote zum geschlechtersensiblen Arbeiten bieten gute Anstöße für die pädagogische Arbeit, wie z.B. das Projekt „Mein Lieblingsort in der Kita“, bei welchem die Kinder kreativ darstellen, wo sie sich am liebsten in der Kita aufhalten und die pädagogischen Fachkräfte so einen spezifischen Einblick erhalten, welche Spielbereiche ggf. bevorzugt von einem Geschlecht genutzt werden.

Ergänzt wird das Buch u.a. durch Kopiervorlagen für Beobachtungen im Freispiel mit konkretem Blick auf das Spiel von Mädchen und Jungen (S. 73/74) oder auch Tipps für Bilderbücher mit vielfältigen männlichen und weiblichen Rollenbildern (S. 81).

Fazit

Das Buch „Gendersensibles Arbeiten in der Kita“ ist eine praxisnahe Unterstützung für pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, welche sich mit der Thematik „Geschlecht“ in der pädagogischen Arbeit befassen möchten. Das Buch versucht ein umfassendes und komplexes Thema kompakt und präzise abzubilden, dabei werden wesentliche Themenaspekte leider etwas verkürzt dargestellt. Bereichernd wäre gewesen, wenn die Autorin sich auf bestimmte Themenstellung fokussiert und so eine intensivere Auseinandersetzung mit Teilaspekten, stattgefunden hätte.

Das Buch zeichnet sich aus, durch viele wertvolle Anregungen für die Praxis. Die Autorin bietet umfassende kreative Ideen und Beispiel sich einerseits im Rahmen der Selbstreflexion mit der Thematik auseinanderzusetzen sowie andererseits sich im Team damit zu beschäftigen und letztendlich das Thema in die Praxis zu tragen.


Rezension von
Dr. Lisa Jares
Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de, Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen und Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen
Homepage www.socialnet.de/ueber-socialnet/team/lisa-jares.html
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Zitiervorschlag
Lisa Jares. Rezension vom 30.04.2020 zu: Silke Hubrig: Geschlechtersensibles Arbeiten in der Kita. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-6049-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26880.php, Datum des Zugriffs 04.08.2020.


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