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Bettina Stoll, Heike Herrmann (Hrsg.): Corporate Social Responsibility

Cover Bettina Stoll, Heike Herrmann (Hrsg.): Corporate Social Responsibility - Impulse aus der und für die Profit- und Sozialwirtschaft. Verantwortung und Nachhaltigkeit. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 139 Seiten. ISBN 978-3-8474-2400-0. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.

Reihe: Gesellschaft und Nachhaltigkeit - 7.
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Entstehungshintergrund und Thema

Das Buch ist Band 7 der seit 2012 existierenden Reihe „Gesellschaft und Nachhaltigkeit“ des wissenschaftlichen Zentrums „Gesellschaft und Nachhaltigkeit – Centre of Research for Society and Sustainability (CeSSt)“ der Hochschule Fulda, die von den Professorinnen Dr. Monika Alisch, Dr. Stefanie Deinert, Dr. Martina Ritter und Dr. Bettina Stoll herausgegeben wird. Im „Vorwort der Reihenherausgeberinnen“ (S. 5) lenken diese die Aufmerksamkeit auf die erforderliche Balance der drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales, um den Zielkonflikten gerecht zu werden. Die über 50 Wissenschaftler/​innen des Instituts arbeiten inter- und transdisziplinär zusammen und generieren Forschungsprojekte. Dieser Band ist, wie die Herausgeberinnen erläutern, das Resultat des einjährigen Forschungsprojekts „CSR bzw. Corporate Citizenship – Potenziale zur Stärkung der (sozialen) Teilhabe von Menschen (und Gruppen)“, das vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wurde. Der Band präsentiert Ausarbeitungen von Referaten der Abschlusstagung.

Herausgeberinnen

Prof.in Dr. Bettina Stoll vertritt seit 2013 das Lehrgebiet Sozialmanagement am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda. Unternehmerische Verantwortung und Corporate Citizenship gehören zu ihren Publikations- und Forschungsschwerpunkten. Seit längerem ist sie u.a. Leitungsmitglied des CeSSt, Vorstandsmitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/​Sozialwirtschaft e.V., Mitglied im Bundesfachverband für Betriebliche Sozialarbeit e.V. und Beirätin für das Nachhaltigkeitsmanagementsystem „EMASplus“ (kate e.V.).

Prof.in Dr. Heike Herrmann ist seit 2006 am Fachbereich Soziales und vertritt Lehrgebiete im Kontext von Stadt-, Raum-, Regionalsoziologie und Sozialraumforschung. Sie ist Gründerin und Mitglied des CeSSt, hat 2015 das „Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW)“ gegründet und leitet seither den Themenschwerpunkt „Integrierende Stadtentwicklung“. Sie gehört zahlreichen Fachgesellschaften an und führte mehrere Forschungsprojekte durch, deren Ergebnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht sind.

Aufbau und Inhalt

Der Band enthält sieben Einzelbeiträge und die Niederschrift des Roundtable beim CSR-Forum. „Angaben zu den Autorinnen und Autoren“ (S. 137–139) ergänzen den Band.

In ihrem Beitrag „Was Corporate Social Responsibility ist … hängt von ihrer Rahmung ab“ (S. 11–20) skizzieren Bettina Stoll und Heike Herrmann fünf Varianten der Rahmung von CSR und ordnen Aspekte der Einzelaufsätze in selbige ein. Mehr als 15 Jahre hat es gedauert, bis aus einer Aussage im Grünbuch der Europäischen Union von 2001, die Unternehmen motivieren soll, soziale und Umweltbelange freiwillig bei ihrer Tätigkeit zu berücksichtigen, 2014 die CSR-Richtlinie entstand, die Unternehmen verpflichtet, soziale und ökologische Folgen des Tuns offen zu legen und in Deutschland 2017 das CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz in Kraft trat. CSR ist nach Ansicht der Autorinnen, entgegen der manchmal verkürzten Sichtweise infolge der Annahme, Unternehmen der Sozialwirtschaft seien per se sozial-ökologisch austariert, eine Frage für Profit- und Sozialwirtschaft. Der Band nimmt insbesondere die zuletzt genannte Branche in den Blick. Im CSR konzentriert sich das nachhaltige unternehmerische Handeln, indem es ökonomische, ökologische und soziale Dimensionen gleichermaßen berücksichtigt. CSR ist „eine Frage der Aushandlung und Kooperation“ (S. 15) von unterschiedlichen Akteuren, deren Triebkraft in unterschiedlichen Konstellationen verschieden stark sein kann. CSR ist, wie Stoll und Herrmann überzeugend entfalten, keine Frage der Unternehmensgröße, lokale, regionale und globale Aktivitäten sind komplementär in ihrer Wirkung. CSR ist eine „Frage der Entwicklung von Organisationen“ (S. 17), weil sie das Potenzial hat, als Leitkonzept Zielkonflikte aufzudecken, nach innen wie nach außen Diskurse und mehrperspektivisch Veränderungen anzustoßen.

Heike Herrmann spannt in ihrem Beitrag „Gesellschaftlichen Herausforderungen mit Sozialen Kooperationen begegnen“ (S. 21–36) den Bogen von dem Ende der 1980er/​Anfang der 1990er Jahre eingeführten Neuen Steuerungsmodell bis hin zu den Optionen, die sich ergeben können, wenn Kommunen, zivilgesellschaftliche Akteure, profit- und sozialwirtschaftliche Unternehmen in einem Sozialraum so zusammenwirken, dass die jeweiligen Potenziale zur Entfaltung kommen. Die Autorin referenziert die Studien von Braun (2008), von Hollmann/​Schlicher (2015) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2015), anhand derer nicht nur die Kooperationen zunehmen, sondern sich auch die Beziehungen zwischen den Beteiligten verändern, eine Ausweitung der verstärkt auf Freizeit und Sport beschränkten Handlungsfelder sowie eine zunehmende steuernde und erfolgsfördernde Funktion der Kommunen nachzuweisen sind. Am Beispiel der Integration von Zuwanderern zeigt Herrmann Hemmnisse auf, die bei der Kooperation von Ämtern, von Behörden und Unternehmen, von profit- und sozialwirtschaftlichen Unternehmen bi- und multilateral auftreten können und verweist auf die vermittelnden Aktivitäten, aber auch die Grenzen zivilgesellschaftlicher Akteure. Ihre exemplarische Analyse verdeutlicht, wie sozialwirtschaftliche Akteure mit ihrer vorhandenen Expertise aus ihren sozialen Diensten die Kommunen in ihren Aktivitäten noch stärker unterstützen könnten, sofern diese sie erkennen und davon Gebrauch machen.

Karl-Hans Kern, Leiter des CSR-Kompetenzzentrums im Deutschen Caritasverband und Ansprechpartner für CSR-Themen von externen Unternehmen und Organisationen im Verband von 2011 bis 2018, berichtet in seinem Beitrag „Gemeinsam mehr bewegen – Erfolgsfaktoren für Kooperationen zwischen sozialen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen in Zeiten von CSR“ (S. 37–46) von der für CSR entscheidenden Frage „wie Unternehmen ihre Gewinne in ihrem Kerngeschäft erwirtschaften“ (S. 39) und nicht wofür sie sie einsetzen. Am Beispiel des Caritasverbandes beschreibt er die im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft ab 2004 mit der Hyundai Motor Deutschland GmbH besiegelte Partnerschaft, die unter dem Titel „Gemeinsam mehr bewegen“ mit Leben gefüllt und weiterentwickelt wurde. Wechselseitiges Vertrauen, Verhandeln auf Augenhöhe und feste Ansprechpartner haben sich als die Erfolgsgaranten der langjährigen Kooperation herauskristallisiert. Als gemeinwohlfördernde Projekte sind u.a. ein bundesweites Straßenfußballprojekt, ein Fußballturnier für Weltoffenheit und Toleranz, ein Spielmobil, ein Fahrzeug und Niederflurbetten zur Mobilitätsförderung für drei Hospize, Bücherkisten für Lesepaten u.a.m. zu nennen. Die Kooperation endete 2018. Übrig bleiben Fragen, die sich auch die Wohlfahrtsverbände als Anbieter sozialer Dienstleistungen stellen müssen: An welchen ökosozialen Messlatten richten sie ihr Handeln aus, wie können Externe – darunter auch zukünftige Fachkräfte – die Besonderheit erkennen und wie überprüfen sie diese?

„Ansätze zur Verankerung von CSR in profit- und sozialwirtschaftlichen Unternehmen“ (S. 47–72) stellt Bettina Stoll vor und beleuchtet sie auf Basis der o.g. Rahmungen. Einleitend erklärt sie, Managementsysteme aufzeigen zu wollen, die für profit- und sozialwirtschaftliche Unternehmen, unabhängig von Größe und Begründung für die Einführung, geeignet sind, CSR als „Wesenszug“ des Unternehmens und „Charakter“ der Geschäftstätigkeit (S. 52) zu integrieren und nicht bei Toolkits zu bleiben. Stoll entscheidet sich für zwei Managementsysteme, deren Optionen sie beleuchtet. 1. Die Balanced Scorecard (BSC) kann nach dem Standardmodell der Entscheidungsphasen (Teamauftrag und -zusammenstellung, Zeitplan, Vision/​Mission, Zielvorgaben usw.) oder den Perspektiven (Kund/innen, Prozesse, Lernen und Entwicklung, Finanzen) implementiert werden. Unterschiede zwischen profit- und sozialwirtschaftlichen Unternehmen ergeben sich gemäß der Formalziel- bzw. Sachzielorientierung lediglich in der Priorisierung der Perspektiven. Das Managementinstrument BSC an sich lässt nach Ansicht der Autorin verschiedene Varianten der Integration von CSR zu: Zum einen können die CSR-Ziele Bestandteil der BSC für die Gesamtinstitution sein, zum anderen kann CSR als fünfte Perspektive die existierenden vier ergänzen und zum dritten kann CSR jeweils bei den einzelnen Perspektiven betrachtet werden. 2. EMASplus als branchenunabhängig nutzbares „zertifizierbares, die DIN EN 14001–2015 einschließendes (…) System für ein Nachhaltigkeitsmanagement“ (S. 61) auf der Basis von Eco Management und Audit Scheme (EMAS) und der ISO 26000 fokussiert die Kernthemen und Handlungsfelder Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken, Konsumentenanliegen sowie Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft und ist für jedwede Organisation geeignet. Die Verankerung von CSR erfolgt über sechs Prozesselemente, die im Detail zwischen Organisationsleitung, Mitarbeitenden und Stakeholder-Gruppen zu operationalisieren sind: Die Elemente sind: Leitbild, Nachhaltigkeitsprüfung, Verbesserungsprogramm, Managementsystem, Monitoring und Nachhaltigkeitsbericht. Die ständige Kommunikation, Offenlegung und die Implementierung eines Nachhaltigkeitsrates machen den Kern des Prozesses aus. Faktisch kann der Einstieg in die CSR-Einführung über jedes der beiden Managementsysteme geschehen, sie können sich ergänzen und der CSR-Ausrichtung dienen. Die BSC-Varianten bieten für den Anfang mehr Freiheiten, während EMASplus gewisse Elemente verbindlich einfordert und auch extern auditiert.

In seinem Aufsatz „Corporate Social Responsibility als Instrument der Mitarbeitergewinnung: Gründe für die gestiegene Relevanz von CSR und zielgruppenspezifische CSR-Kommunikation mit den Sinus-Milieus®“ (S. 73–81) erläutert Dr. Christoph Schleer, seit 2017 Senior Research & Consulting bei SINUS und Referent mit Schwerpunktthemen zum Umwelt-, Klima- und Naturbewusstsein, CSR und nachhaltigem Konsum, wie Bürger/innen angesichts sozialer und ökologischer Realitäten mit Sorge in die Zukunft blicken. Einer Online-Befragung von 14- bis 24-Jährigen des SINUS-Instituts sowie der McDonald's Ausbildungsstudie zufolge, gehören sog. weiche Faktoren (Arbeit, die Freude macht und Sinn verleiht, die den eigenen Neigungen entspricht usw.) zu den wichtigsten Berufskriterien. Zugleich wird in beiden Studien der erwartete Leistungsdruck als beängstigend empfunden. Für Bewerber/​innen spielen deshalb bei der Wahl des Unternehmens deren ökologisches und soziales Engagement eine wesentliche Rolle: Es wird als Prädiktor für ein gutes Betriebsklima und humane Arbeitsbedingungen erachtet. Aufgrund dieser Verknüpfung empfiehlt der Autor, die CSR-Aktivitäten des Arbeitgebers zielgruppenspezifisch zu kommunizieren. Am Beispiel einer Online-Befragung zur Akzeptanz eines höheren Preises bei Einhaltung von strengen Umweltrichtlinien beim Einkauf und in der Beschaffung demonstriert er, wie unterschiedlich die Relevanz von CSR-Themen in den einzelnen Milieus gewichtet wird und wie entsprechend die Argumentation interessen- und bedarfsgerecht aufbereitet werden muss.

„Entstehungsfaktoren von Collective-Action-Initiativen zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme“ (S. 83–103) werden von Maria Riegler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Center for Corporate Governance & Business Ethics (CCGBE) an der FHWien der WKW und Prof. Dr. Markus Scholz, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Corporate Governance & Business Ethics und Leiter des CCGBE präsentiert. Angesichts komplexer globaler Herausforderungen und disruptiver Innovationen seien nach Ansicht von Riegler und Scholz sowohl staatliche Interventionen aufgrund fehlenden Sachwissens, Regulierungslücken und ex-post-Reaktionen der Legislative als auch Einzelinitiativen von Unternehmen aufgrund fehlender Nachahmeeffekte in der Branche, unzureichenden Vertrauens in die Seriosität von Aktionen oder auch von Wettbewerbsnachteilen insuffizient. Collective Action, verstanden als „gemeinsames Vorgehen von Unternehmen (…) neue, faire Spielregeln zu definieren“ (S. 86) sei ein möglicher Lösungsansatz. Es gibt zwei unterschiedliche Formen: In Regulierungsinitiativen verpflichten sich Unternehmen freiwillig mehr zu tun als gesetzlich vorgeschrieben ist. In Umsetzungsinitiativen übernehmen einzelne Branchenvertreter eine Vorreiterrolle und definieren Spielregeln. Beiden Initiativen haften die Schwächen an, dass sie gelegentlich kein Monitoring aufweisen und aufgrund fehlender Stakeholderinklusion ihre Wirkung schwer messbar bleibt. Die Autorin und der Autor stellen zwei Legitimierungsstränge für die privaten Akteure vor, sich an „Collective Action“ zu beteiligen: Die unternehmensethischen Gründe rekurrieren auf den normativen Corporate-Citizen-Ansatz, indem sie das Unternehmen als Citoyen definieren und ihm private wie öffentliche Rechte und Pflichten anheften, und den Ordonomics-Ansatz, in dem Unternehmen als aktive Mitwirkende bei den Meta- und Meta-Meta-Spielen erachtet werden. Die instrumentelle und institutionelle Begründungslinie rekurriert auf Reputations-, Regulierungs- und operative Gründe (zeitlicher Vorsprung, Gelegenheit) für Unternehmen, sich zu beteiligen. In allen drei Fällen stehen primär betriebswirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund, es kann pro- oder reaktiv gehandelt werden. Unternehmen können nach Ansicht von Riegler und Scholz viele Hinweise für systemische Risiken und einen geeigneten Zeitpunkt für eine Collective Action erhalten. Als Frühwarnsignale haben sie eine hohe Innovationsgeschwindigkeit, einen fehlenden öffentlichen Diskurs über Risiken, eine geringe Anzahl an Expert/​innen, schwache Regulatoren, fehlende Transparenz gegenüber Dritten und die Ignoranz gegenüber kritischen Stimmen identifiziert.

Privatdozent Dr. Dr. habil. Thomas Rusche lehrt am philosophischen Institut der Universität Siegen und an der Otto Beisheim School of Management Vallendar Unternehmensethik. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens SØR Rusche GmbH. Mit seinem Beitrag „Methodische Schärfung der CSR-Diskussion“ (S. 105–120) will der Autor einen Weg aufzeigen, wie die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Gewinnoptimum diskursethisch ausbuchstabiert werden kann. Einführend kritisiert er die „ethische Maßstabslosigkeit“ (S. 106) des ISO-Standards 26000, in dem zwar Prinzipien und Kernthemen gesellschaftlicher Verantwortung aufgeführt, aber begrifflich weder stringent noch trennscharf seien, und zudem Sein und Sollen vermengen würden. Das seit Jahren in der Betriebswirtschaft herrschende Paradigma der Gewinnmaximierung würde in Lehre und Forschung dazu führen, stets dieses Muster zu reproduzieren. Erst wenn innerhalb der Disziplin und in der Praxis erkannt werde, das bisherige Lösungsmuster selbst zu problematisieren und diese Diskussion auch gesellschaftlich geführt würde, sei die Zeit reif für neue Problemlösungsmuster, wie sie z.B. mit den Fragen nach Global Governance oder dem Weltgemeinwohl gestellt werden. Nach Rusche erweise sich das Paradigma des Gewinnoptimums als anschlussfähig, da es eine „transdisziplinäre und kommunikativ-ethische Einsicht [voraussetze], dass von der Unternehmensführung nicht nur Gewinninteressen der Shareholder, sondern Geltungsansprüche aller Stakeholder zu berücksichtigen“ (S. 114) seien. In der Umsetzung brauche es noch zwei Bedingungen: Zum einen müssten die Ansprüche und Interessen aller Stakeholder normativ-ethisch legitimiert werden, um einen echten Austausch zu realisieren. Zum anderen müssten die Stakeholder-Dialoge diskursethisch fundiert werden, um ökonomische und gesellschaftliche Verantwortung gleichermaßen zu gewichten. Solchermaßen angereichert sieht der Verfasser das Gewinnoptimum als gute Basis für CSR-Projekte.

Das abschließende Roundtable Gespräch am 29.05.2018 in Fulda wurde von Hermann Diel vom Hessischen Rundfunk moderiert. Neben Prof. Dr. Rusche und Prof. Dr. Scholz nahmen Vertreter/​innen von Wohlfahrtsverbänden (PARITÄTISCHER, Caritas, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V.) teil. Der Moderator lenkte die Fragen im Wesentlichen auf die besonderen Bedingungen der sozialwirtschaftlichen Unternehmen, CSR zu zeigen – auch im Unterschied zu profitwirtschaftlichen Unternehmen. Dabei offenbarte sich, dass Doppelbödigkeit des Verhaltens von Konsumenten und Unternehmen hier wie da vorhanden ist und Legalität und moralische Legitimität in profit- und sozialwirtschaftlichen Unternehmen gleichermaßen unterschieden werden müssen. Auch bei den Compliance Anforderungen unternehmerischen Handelns scheint es keine nennenswerten Unterschiede zu geben, wobei sich die Diskutand/​innen einig waren, dass erst das Vertrauen der Mitarbeitenden in eine glaubwürdige Umsetzung von Regeln, dazu führe, etwas Werthaltiges zu schaffen und als Arbeitgeber attraktiv zu erscheinen. Anhand verschiedener Beispiele zeigten die Teilnehmenden Optionen auf, wie praktische CSR-Ideen passend umgesetzt oder wo sie instrumentalisiert wurden.

Diskussion

Die Herausgeberinnen haben, als sie das Projekt und die Tagung durchgeführt haben, nicht ahnen können, in welche Zeit hinein die Ergebnisse publiziert werden. Jedenfalls erhalten sie einen Aktualitäts- und Bedeutungsschub für die Organisationen, die sich mit CSR beschäftigen. Diejenigen Unternehmen, die es tun, wird es – um im Bild der Malteser Werke zu bleiben – richtig „durchrütteln“ bei der Umstellung (oder Transformation), vorausgesetzt sie kratzen nicht nur an der Oberfläche. Dass eine Schein-Umsetzung nur möglich ist mit einem gehörigen Maß an Ignoranz gegenüber all den Implikationen, die mit der CSR-Thematik verbunden ist, kommt in allen Beiträgen des Bandes zur Sprache. Ansonsten werden viele Wege aufgezeigt, die eine stufenweise Auseinandersetzung mit den Fragen der CSR und der Nachhaltigkeit möglich machen, zu neuen Erkenntnissen führen, Dialoge und auch inter- und transdisziplinäre Arbeitsweisen befördern. Eine ganz besondere Handschrift erhält dieser Band, weil er von zwei Sozialwissenschaftlerinnen konzipiert ist, die ihrerseits auch als Autorinnen sozialwirtschaftliche (und oft gemeinnützige) Unternehmen im Blick haben und diese per se nicht als die „besseren“ darstellen, sondern gewinnerzielende und gewinnmaximierende Unternehmen den gleichen Prüfkriterien unterziehen. Das mag, wie beim Roundtable zu Tage trat, bisweilen als sehr hart erscheinen, sind die Rahmenbedingungen der Sozialwirtschaft doch andere, kann jedoch andererseits auch Innovationen anstoßen und wach-rütteln. Dass die Expertise in Sozialraumorientierung ein Plus sein kann für die Überlegungen zu CSR und gerade die Sozialwirtschaft hier im Konzert der zu beteiligenden zivilgesellschaftlichen, privat- und sozialwirtschaftlichen sowie öffentlichen Akteure eine führende Rolle spielen kann, rückt die Bedeutung des hier gewählten Zugangs in ein sehr positives Licht und öffnet Einflusskanäle, die bisher noch nicht gesehen wurden. Trotz der gebotenen Aufmerksamkeit auf die Gründe für den Einstieg über soziale Kooperationen z.B. ist es – und das macht der Band ebenso deutlich – nötig, auf Augenhöhe mit den Partnerorganisationen zu sprechen, also weder als „Bittsteller“ auf der einen Seite oder als „Systemfeind“ auf der anderen Seite im Vorhinein kategorisiert zu werden. Soziale, ökologische und ökonomische Aspekte, die über CSR adressiert werden, sind jeweils auszubalancieren und erfordern das Offenlegen von Zielkonflikten, was u.a. über Collective Action zu bewerkstelligen sein kann.

Der Entstehungshintergrund des Bandes erklärt, dass in den Beiträgen gelegentlich Redundanzen auftauchen, die redaktionell hätten reduziert werden können – wie auch manche Tippfehler. Andererseits wirkt die Debatte dadurch nicht geschönt oder geglättet, sondern authentisch und gibt den Eindruck eines echten Ringens um gangbare Wege wieder.

Fazit

Von diesem Band profitieren alle, die sich auf den Prozess einlassen, CSR in ihrer Organisation, unabhängig ob profit- oder sozialwirtschaftlich oder öffentlich, verfolgen zu wollen.


Rezension von
Prof. Dr. Irmgard Schroll-Decker
Lehrgebiete Sozialmanagement und Bildungsarbeit an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg
Homepage www.oth-regensburg.de/professoren-profilseiten/prof ...
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Zitiervorschlag
Irmgard Schroll-Decker. Rezension vom 03.09.2020 zu: Bettina Stoll, Heike Herrmann (Hrsg.): Corporate Social Responsibility - Impulse aus der und für die Profit- und Sozialwirtschaft. Verantwortung und Nachhaltigkeit. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. ISBN 978-3-8474-2400-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26890.php, Datum des Zugriffs 18.09.2020.


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