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Landesarbeitsgemeinschaft Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V., Christiane Bollig (Hrsg.): Praxishandbuch Mobile Jugendarbeit

Cover Landesarbeitsgemeinschaft Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V., Christiane Bollig (Hrsg.): Praxishandbuch Mobile Jugendarbeit. Frank & Timme (Berlin) 2020. 520 Seiten. ISBN 978-3-7329-0608-6. D: 39,80 EUR, A: 39,80 EUR, CH: 59,70 sFr.
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Thema

Mobile Jugendarbeit richtet sich als niedrigschwelliges, aufsuchendes Angebot an junge Menschen, die von einrichtungszentrierten Angeboten nicht erreicht werden und daher von Ausgrenzung an gesellschaftlicher Teilhabe betroffen oder bedroht sind.

Herausgeber

Die Landesarbeitsgemeinschaft MJA/SW Baden-Württemberg e.V. ist der landesweite Fachverband des Arbeitsfeldes, der durch einen ehrenamtlichen Vorstand aus PraktikerInnen der angeschlossenen Projekte und durch hauptamtliche Strukturen die fachliche Ausrichtung in der Praxis unterstützt und sich politisch einbringt. Zudem gehört mit Stuttgart der Gründungsort Mobiler Jugendarbeit in Deutschland zur LAG.

Entstehungshintergrund

Bereits 1997 wurde ein Praxishandbuch (LAG 1997) herausgegeben. Die hier vorliegende Neuauflage ist jedoch keine Überarbeitung, sondern ein komplett neues Werk, das im Jahr des 50-jährigen Jubiläums Mobiler Jugendarbeit 2017 beschlossen wurde und an dessen Umsetzung sich viele PraktikerInnen aus Baden-Württemberg beteiligt haben.

Aufbau

Der erste Teil legt die theoretischen Grundlagen des Arbeitsfeldes dar.

Beiträge zur praktischen Umsetzung, finden sich in den Unterabschnitten Streetwork und aufsuchende Arbeitsformen, individuelle Hilfe und Unterstützung, gruppen- und cliquenbezogene Arbeit sowie gemeinwesen- und sozialraumbezogene Arbeit.

Der dritte Abschnitt thematisiert Querschnittsthemen und Modellprojekte.

Abschnitt 4 erläutert Historie und Entwicklung Mobiler Jugendarbeit in Baden-Württemberg.

Der Abschluss wird durch eine Darlegung aktueller Herausforderungen gebildet.

Inhalt

Theoretische Grundlagen

Stephan Schlenker, Christian Reutlinger und Mitja Frank bieten eine theoretische Einführung in die Lebensweltorientierung und Sozialraumorientierung und fragen danach, welchen Nutzen eine solche theoretische Zuordnung der Mobilen Jugendarbeit bringt. Dabei wird keine Zusammenführung zu einem Konglomerat beider Zugänge erzeugt, sondern es wird die Frage an die Praxis gestellt, welche theoretischen Zugänge helfen können, Phänomene zu erklären und die individuelle Arbeit gestaltbar zu machen.

Im Interview mit Christiane Bollig erläutert Hans Thiersch die Prinzipien der Lebensweltorientierung anhand von Beispielen, sodass Theorie als Orientierung für die Praxis greifbar wird. Nach einer grundlegenden Begriffsbestimmung wird ein Transfer ins Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit gegeben, der ihren spezifisch lebensweltorientierten Charakter herausstellt.

Christiane Bollig, Siegfried Keppeler und Matthias Reuting bieten eine umfassende Darstellung des Arbeitsfeldes, die theoretische Bezüge und Entwicklungslinien aufgreift und so Mobile Jugendarbeit als ein sich ständig anhand gesellschaftlicher Entwicklungen aktualisierendes Handlungsfeld präsentieren. MJA wird um die Kernpunkte des Erreichens seiner in anderen Kontexten schwer erreichbaren Zielgruppe herum – auch anhand ihrer historischen Genese – nachgezeichnet. Dabei wird sichtbar, wie Mobile Jugendarbeit durch ihre Flexibilität ebenso wie durch die stabilen Elemente der Arbeitsprinzipien und -formen, aktuellen Herausforderungen begegnen kann.

Praktische Umsetzung

Marcel Karow reflektiert 20 Jahre Praxis eines Projektes Mobiler Jugendarbeit aus der persönlichen Sicht einer erfahrenen Fachkraft. Dabei werden die Anforderungen, die das Arbeitsfeld durch seine Strukturierung an die Fachkräfte stellt, greifbar.

Christiane Bollig zeichnet den Alltag im Streetwork anhand von Originalstimmen nach: Die ersten Erfahrungen des Aufsuchens, auftretende Probleme und Schwierigkeiten aber auch die schönen Momente des Erfolgs und der positiven Rückmeldung sowie die Veränderungen, die sich im Aufenthalt der jungen Menschen im öffentlichen Raum zeigen und deshalb die Notwendigkeit eines sich ständig aktualisierenden Arbeitsstils verdeutlichen. Gedacht als Einführung für NeueinsteigerInnen, schließt der Beitrag mit Hinweisen zum Einstieg ins Arbeitsfeld aus dem Munde der erfahrenen PraktikerInnen.

Simon Fregin, Anna Krass, Lars Schoppe, Teresa Schweizer und Lea Woog veröffentlichen die Ergebnisse eines Erfahrungsaustauschs zur Arbeit im (halb-)öffentlichen Raum der MJA Leonberg und im Europaviertel Stuttgart, als Antwort auf sich verlagernde sichtbare Aufenthaltsräume junger Menschen. Ausgehend von Widersprüchen zu den Arbeitsprinzipien, die die Besonderheit des Ortes aufwirft, wird die Anschlussfähigkeit an die klassischen Arbeitsformen der Mobilen Jugendarbeit diskutiert.

Simon Fregin und Christiane Bollig beschreiben auf Grundlage von Erfahrung und Evaluation die Arbeit in Wochenend- und Eventszenen, die sich vor allem in Zielgruppe, Arbeitsorganisation und Raum erheblich vom klassischen Streetwork abhebt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die im generellen Auftrag Mobiler Jugendarbeit liegen, werden strukturiert dargelegt.

Anhand zweier Fallbeispiel von Kriseninterventionen bei jungen Frauen mit Gewalterfahrungen reflektieren Annika Isak und Marina van der Zee anschaulich, wie durch die fachlichen Prinzipien Mobiler Jugendarbeit belastbare Beziehungsgestaltung auch im überschaubaren, zeitlichen Rahmen gelingen kann.

Patrick Differt beschreibt eine Langzeitbetreuung, KlientInnen, die immer wieder kommen, Erfolg, der objektiv nicht greifbar zu sein scheint und ein sozialarbeiterisches Handeln, das in die Beziehungsfalle geht. Reflektiert werden bereits in der Umsetzung der Fachstandards angelegte Gefahren, denen nur mit Supervision entgegengetreten werden kann. Eine klassische Falle, die die Reflexionsnotwendigkeit betont und damit der Qualitätssicherung, der Lösung der Nähe-Distanz-Frage und der Ausgestaltung von Beziehungsarbeit dient.

Marina van der Zee, Sascha Wagner, Manuel Kaus und Christiane Bollig thematisieren die Unsicherheit im Umgang mit jungen Menschen in Fragen von Kindes- und Jugendwohlgefährdung im Kontext Mobiler Jugendarbeit. Es wird zum einen das Augenmerk auf den Wert der Arbeitsprinzipien Transparenz und Freiwilligkeit und den zentralen Handlungsmodus der Beziehungsgestaltung vor dem Hintergrund, dass Mobile Jugendarbeit mit einer schwer erreichbaren Zielgruppe arbeitet, gelegt. Des Weiteren werden Hinweise und rechtliche Klärungshilfen zur Thematik angeboten.

Natascha Zöller und Andreas Vögtle beschreiben die Clubarbeit in zwei Stadtteilen Stuttgarts. Dabei wird Clubarbeit als ein freiwilliges, aber dauerhaftes Angebot der Arbeit mit Jugendcliquen verstanden, die zum Großteil aus einem devianten Kontext stammen. Im Mittelpunkt steht das Lösen von Konflikten, die Entwicklung von sozial angemessenen Verhaltensweisen und das Aufbrechen von Stereotypen.

Basierend auf einem auf Walther Specht zurückzuführendes Projekt aus den Anfängen der Stuttgarter Mobilen Jugendarbeit, stellt Hans-Peter Ritter das Konzept der LaienberaterInnen als ein Demokratiebildungsprojekt vor, das junge Menschen an der Gestaltung der Angebote Mobiler Jugendarbeit partizipieren lässt. In drei Beispielen wird gezeigt, wie Lebensweltexpertise im auf eigenen Erfahrungen basierenden Beratungskontext eingebracht und wie Projekte von der Zielgruppe selbst initiiert, durchgeführt und angeboten werden kann.

Anika Kurz und Clemens Beisel beschreiben die Pforzheimer Bolzplatzliga als Angebot für junge Menschen unter 20 Jahren, die Freude am Fußballspielen haben und welche Rolle Mobile Jugendarbeit im Kontext dieses durch Stadt, Sportvereine und Jugendring initiierten interkulturellen Projekts spielt.

Ausgehend von der Erfahrung von Konflikten im und Verdrängung aus dem öffentlichen Raum thematisiert Markus Sell anhand zweier Projektbeispiele aus Tuttlingen politische Bildung mit der Zielgruppe Mobiler Jugendarbeit. Es werden die Bildungs-WG und „Bildungsfahrten“ zu Schauplätzen politischer Auseinandersetzung beschrieben, die politisches Handeln emotional erfahrbar machen und damit dem politischen Ohnmachtsgefühl begegnen sollen.

Annika Isak beschreibt den Prozess der Legalisierung öffentlicher Graffiti-Spray-Flächen als Gemeinwesenprojekt Mobiler Jugendarbeit. Dabei wird sowohl die zeitliche Dimension und ihre Auswirkung auf Gruppenprozesse als auch die damit entstehende ambivalente Dynamik im Sozialraum beschrieben, die neue Probleme im Grenzbereich von Illegalität und Legalität hervorrufen kann.

Jonas Puhm stellt auf Grundlage der ISMO (Internationale Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit – ISMO e.V.) Überlegungen zu Friedensförderung und Demokratiebildung vor. Ausgangspunkt sind dabei Konflikte zwischen jungen Menschen und der Bevölkerung im öffentlichen Raum und das dadurch eröffnete jugendpolitische Aushandlungsfeld. Ein kurzer Exkurs zu Kenia weist auf die internationale Anschlussfähigkeit des Themas hin.

Christiane Bollig, Katharina Huber und Marina van der Zee stellen mehrere Projekt-Steckbriefe als Impulsgeber für die Praxis nebeneinander.

Katharina Huber stellt Strategien für Öffentlichkeitsarbeit und Social Marketing in einer auf das Arbeitsfeld zugeschnittenen „Checklistenqualität“ zur Verfügung. Dabei weist sie besonders auf Qualitätsstandards hin, die auf die vulnerable Zielgruppe der Mobilen Jugendarbeit abgestimmt sind.

Querschnittsthemen und Modellprojekte

Mitja Frank stellt die besondere Bedeutung des öffentlichen Raums als informeller Bildungsraum für junge Menschen – vor allem in Peergroups – dar. Es werden verschiedene damit verbundene Probleme, die auf den unterschiedlichen Bedarfen von BewohnerInnengruppen und der Nutzung des öffentlichen Raums durch andere Akteure basieren, beschrieben und daraus folgende Aufgaben Mobiler Jugendarbeit abgeleitet.

Uwe Buchholz reflektiert gelingende und nicht gelingende Partizipation anhand dreier Beteiligungsprojekte in Karlsruhe: Einem Projekt in der Hip-Hop-Szene, einem Stadtteilgarten in der Verantwortung junger Menschen und einem selbstorganisiertem Wohnprojekt für junge Menschen aus der Punkszene.

Jessica Wagner und Ulrike Sammet thematisieren Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsaufgabe Mobiler Jugendarbeit. Sie beschreiben, welche Bedürfnisse aber auch welche Schwierigkeiten weibliche, männliche und queere junge Menschen haben und geben Ansatzpunkte für die Mobile Jugendarbeit in Gruppen- und Cliquenarbeit sowie in Vernetzung und Selbstreflektion.

Unter Bezugnahme auf ein Projektbeispiel mit jungen, türkischsprachigen Frauen, beschreibt Eva Gebauer Interkulturalität anhand der Anschlussfähigkeit an die Prinzipien Mobiler Jugendarbeit, wie Offenheit für die Lebenswelten und Partizipation. Dabei wird auf die praktischen Stolpersteine im Umgang miteinander hingewiesen.

PAKOs (Möller 2017) – Pauschalisierenden Abwertungskonstruktionen – bieten eine jugendbezogene Weiterentwicklung des Erklärungsmodells Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und schließen als pädagogische Antwort das KISSes-Modell – Kontrolle, Integration, Sinnlichkeit, Sinn und erfahrungsstrukturierende Sozial- und Selbstkompetenzen – ein. Philipp Stübler fragt, ob, wie und unter welchen Umständen PAKOs und KISSes anschlussfähig an die Mobile Jugendarbeit sind.

Virtuelle Welten sind für junge Menschen alltäglich, auch wenn sie ein heterogenes Nutzungsverhalten zeigen. So werden Onlineplattformen und Messenger-Dienste auch von Fachkräften als Kommunikationsmittel genutzt. Christiane Bollig und Katharina Huber loten den schmalen Grat zwischen Erreichbarkeit und Grenzziehung aus.

Mobile Jugendarbeit ist im ländlichen Raum noch viel stärker auf die Anpassung an die Kommunikationsstrukturen des Sozialraums angewiesen. Christiane Hillig fokussiert daher die Besonderheiten für die Arbeit, die sich aus den engen Beziehungsgeflechten, den infrastrukturellen Ressourcen, der Angewiesenheit auf Kooperationspartner und der Mobilitätsanforderungen ergeben.

Wenn man von der stärkeren Betonung der Motive junger Menschen, die hier als (halb-)öffentliche Räume dargestellten Shopping-Malls aufzusuchen absieht, stellt der Beitrag von Simon Fregin und Lars Schoppe im Wesentlichen eine Wiederholung der Ausführungen von Fregin, Krass, Schoppe, Schweizer, Woog weiter vorne im Band dar.

Susanne Gnan und Andreas Heinzel beschreiben anhand praxisbezogener Erfahrungen die Arbeit mit jungen Geflüchteten in den vier klassischen Arbeitsformen. Dabei werden neue bzw. neu verhandelte Themenkomplexe (z.B. Sexualität, Aufenthaltsstatus), Herausforderungen die sich an MitarbeiterInnen stellen und Wechselwirkungen, die mit bisherigen KlientInnen und Klientengruppen auftreten, reflektiert.

Mobile Kindersozialarbeit entstand als Modelprojekt aus der Beobachtung, dass vermehrt Kinder (im Alter zwischen 8 und 13 Jahren) in Peergroups im öffentlichen Raum auftreten und delinquentes Verhalten zeigen. Christiane Hillig, Siegfried Keppeler, Matthias Reuting und Andreas Vögtle arbeiten die Besonderheiten dieser Lebensphase heraus und fragen danach, ob die Arbeitsprinzipien Mobiler Jugendarbeit auch für diese Zielgruppe realisiert werden können. Der spezifische Fokus liegt auf niedrigschwelliger Elternarbeit und einer anderen Intensität der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern.

Historie und Entwicklung

Aus der Intention, ein Netzwerk für den kollegialen Austausch im Bereich Mobile Jugendarbeit/​Streetwork zu schaffen, entwickelte sich bis heute eine hauptamtlich besetzte Fachstelle, die durch Stellungnahmen und inhaltliche Impulse die Mobile Jugendarbeit in Baden-Württemberg wesentlich prägt und unterstützt. Marina van der Zee, Katharina Huber und Christiane Bollig listen die zentralen Themen und Entwicklungen seit der Gründung 1986 auf.

Landesweite Statistiken der letzten 10 Jahre werden von Eddy Götz nebeneinandergelegt. Daraus lassen sich wesentliche Trends hinsichtlich Zielgruppe und Themen, die in der MJA relevant werden, ablesen.

Herausforderungen

Robert Görlach fasst aus Sicht der BAG aktuelle Thematiken Mobiler Jugendarbeit auf. Dabei betont er ein politisches Mandat, dass Antwort auf sozialräumlich aufscheinende Trends zu geben hat. Unabhängig von den regionalen Schwerpunkten geraten die Adressierung und Abwertung der Zielgruppe Mobiler Jugendarbeit in der öffentlichen Diskussion in den Blick, ebenso wie die Notwendigkeit eines Zeugnisverweigerungsrechtes und die zunehmend prekär werdenden Arbeits- und Projektsituationen.

Christiane Bollig und Simon Fregin legen abschließend einen Ausblick auf die aktuell anstehenden Aufgaben für das Arbeitsfeld in Baden-Württemberg aus Sicht der LAG vor. Auf Basis gesellschaftlicher Trends in der Kommunikation, einem auszumachenden politischen Wandel und einer wachsenden sozialen Ungleichheit sowie den in den Projekten gezeigten Reaktionen und Lösungen darauf, werden zentrale Forderungen gleichsam als Agenda formuliert.

Diskussion

Die Themenauswahl folgt ganz den Anforderungen der Praxis und bietet eine Übersetzung der theoretischen Zugänge „Lebensweltorientierung“ und „Sozialraumorientierung“ auf die Handlungsebene. Schwierigkeiten, die sich aus dem Paradigma der Sozialraumorientierung ergeben, werden jedoch nicht umfassend im Sinne einer reflexiven Sozialraumarbeit (Kessl/​Reutlinger 2010), sondern nur hinsichtlich der Kriterien Gelingen und Nicht-Gelingen thematisiert. Für eine Veröffentlichung, die vor allem den Qualitätserhalt in der Praxis in den Blick nimmt, ist das vollkommen ausreichend. In der Konsequenz folgt auch ein Ausblick, der als aktuelle Herausforderungen die politische Durchsetzung von Forderungen nennt, die sich mit der tariflichen Eingruppierung und der des Zeugnisverweigerungsrechtes auf den Erhalt der Rahmenbedingungen guter, an Fachstandards orientierter Arbeit vor Ort verbindet. Eine Erkenntnisgewinn für die theoretische Basis, der dabei helfen könnte Konstruktionsfehler Sozialer Arbeit generell abzumildern, bleibt allerdings außen vor. Das auf praktischer Ebene so innovative Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit präsentiert sich hinsichtlich dieses Aspektes erstaunlich etabliert. Wenn das Handbuch als aktuelles Abbild der Praxis gedeutet werden kann – wovon auszugehen ist – bleibt zu fragen, ob wir es in der Mobilen Jugendarbeit nicht doch nur mit einem Praxisprojekt zu tun haben, dessen theoretische Grundlegung die Alibifunktion professioneller Selbstdarstellung erfüllt.

Fazit

Das Praxishandbuch Mobile Jugendarbeit bietet einen schon lange überfälligen, umfassenden fachlichen und berufspraktischen Blick auf das Arbeitsfeld, der BerufseinsteigerInnen und PraktikerInnen Impulse für ihre Tätigkeit geben und die Reflexion und Weiterentwicklung der Projekte vor Ort befördern dürfte. Dabei wird eine praxisorientierte Sprache gepflegt, mittels der es gelingt, selbst die theoretischen Grundlagen zielgruppenangemessen zu thematisieren und dadurch Ansatzpunkte zur Gestaltung der Praxis zu geben.

Literatur

Kessl, Fabian/​Reutlinger, Christian (2010): Reflexive räumliche Haltung. In: Ebd. (Hrsg.): Sozialraum. Eine Einführung. Wiesbaden, S. 125–133.

Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/​Streetwork Baden-Württemberg e.V. (Hrsg.) (1997): Praxishandbuch Mobile Jugendarbeit. Neuwied.

Möller, Kurt (2017): „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (GMF) oder pauschalisierende Ablehnungskonstruktionen (PAKOs)? – Welches Konzept führt wissenschaftlich und praktisch wohin? In: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Dokumentation: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rassismuskritik. Stuttgart.


Rezension von
Maria Wolf
Dipl. Soz.-Arb. / Dipl. Soz.-Päd.
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Zitiervorschlag
Maria Wolf. Rezension vom 02.07.2020 zu: Landesarbeitsgemeinschaft Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V., Christiane Bollig (Hrsg.): Praxishandbuch Mobile Jugendarbeit. Frank & Timme (Berlin) 2020. ISBN 978-3-7329-0608-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26903.php, Datum des Zugriffs 04.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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