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Olivia de Fontana, Sabine Pelzmann: Führung und Macht

Cover Olivia de Fontana, Sabine Pelzmann: Führung und Macht. Aspekte moderner Führungsrollen - gesehen in Figuren der Grimm´schen Märchen. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2020. 180 Seiten. ISBN 978-3-7910-4717-1. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Der Titel des Buchs spiegelt seinen thematischen Inhalt bereits sehr treffend wieder. Das Buch behandelt die Rolle, Macht und Funktionen von Führung und die Schwierigkeiten bzw. Herausforderungen mit denen sich eine Führungskraft im organisatorischen Kontext auseinandersetzen muss. Im Fokus steht die Leitfrage, was Führung ausmacht.

AutorIn

Mag.a Olivia de Fontana ist systemische Beraterin und Führungskraft am Institut für Educational Gouvernance der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Sie ist verantwortlich für die Ausbildung in der Organisations- und Führungskräfteentwicklung im Schul- und Bildungsbereich in Österreich und europäischen Kooperationen. Des Weiteren ist sie als Autorin, Forscherin und Theaterpädagogin tätig.

Dipl.-Ing.in Sabine Pelzmann, MSc, MBA, ist als Coach für Führungskräfte, integrativ-systemische Beraterin für Unternehmen, Lehrsupervisorin, Autorin und Bildhauerin tätig. In den Bereichen Leadership, Systemtheorie und Organisationsentwicklung ist sie an mehreren Universitäten als Lehrbeauftragte aktiv. Sie leitet eine Unternehmensberatung und ist seit über 20 Jahren in diesem Arbeitsfeld tätig.

Entstehungshintergrund

Beide Autorinnen geben an, dass Märchen in ihrem Leben immer präsent waren und generationenübergreifend weitergegeben wurden. Die Idee zum Buch entstand bei der gemeinsamen Entwicklung eines Managemententwicklungsprogramms für Führungskräfte im Bildungsbereich. Die Intention dabei war es, ein Buch für Führungskräfte und BeraterInnen zu schreiben, in dem die Autorinnen die Märchen vor dem Hintergrund von Führung und Macht dialogisch interpretieren und dabei ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen aus der Beratungspraxis von Führungskräften und Organisationen einfließen lassen.

Aufbau

Das Buch umfasst vier Kapitel. Abgesehen von dem Vorwort, der Einleitung und dem Abschluss ist das Buch in drei Teile gegliedert. Diese Buchteile stellen die Kapitel eins bis drei dar, die jeweils mehrere Unterkapitel beinhalten. In jedem dieser Unterkapitel wird zunächst ein Märchen vorgestellt, das im Anschluss von den Autorinnen dialogisch interpretiert wird. Am Ende eines jeden Unterkapitels gibt es zwei Übungen mit thematischem Bezug. Die Übungen setzen sich aus einer individuellen Reflexionsaufgabe und einer Aufgabe für eine Dyade oder ein Team zusammen. Das vierte Kapitel ist eine Zusammenfassung der drei Buchteile und resümiert die wichtigsten Aspekte von Führung und Macht. Am Ende des Buches befindet sich ein Stichwortverzeichnis.

Inhalt

Das Vorwort von Dr. habil Ingo Winkler, gibt einen kurze Einführung in das Thema Führung und die in der Führungsforschung am häufigsten diskutierten Fragen. Anschließend geht er näher auf das vorliegende Buch ein, indem er den Blickwinkel und die Vorgehensweise der Autorinnen erläutert.

In der Einleitung beschreiben die Autorinnen ihre Affinität zu Märchen und geben den Lesern einen Einblick in ihre berufliche Tätigkeit. Die Kombination dieser beiden Komponenten bildet letztendlich die Grundlage zum Entstehungshintergrund dieses Buchs. Im Anschluss wird näher darauf eingegangen welche Vorteile es mit sich bringt, Führung anhand von Märchen zu betrachten und zu reflektieren. Eine Beschreibung zur Struktur des Buches gibt einen guten Überblick und verdeutlicht den logischen Aufbau.

Das erste Kapitel beinhaltet die Themenschwerpunkte Rollenklarheit, Macht und Abgrenzung. Am Märchen „Die Gänsemagd“ wird von den Autorinnen verdeutlicht, wie wichtig es als Führungskraft ist, sich seiner Rolle bewusst zu sein und klare Grenzen zu setzen. Gerade für junge Führungskräfte, die eine solche Position noch nicht lange inne haben, führt dieser Statuswechsel häufig zu Konflikten und Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Um Herausforderungen bestehen und aus ihnen Lernen zu können, benötigen junge Führungskräfte entsprechende Ressourcen. Eine entsprechende Ressourcenentwicklung im Sinne von positive Leadership kann im Vorfeld durch erfahrene Führungskräfte ermöglicht werden. Mit Hilfe des Märchens „Rumpelstilzchen“ wird der Leserin und dem Leser veranschaulicht das Organisationen eigene Spielregeln und Arbeitskulturen aufweisen. Die Macht, die von Führungskräften ausgeübt wird, kann in diesem Zusammenhang leicht missbraucht werden, um Mitarbeitende zu instrumentalisieren. Um als junge Führungskraft in einer solchen Organisation bestehen und aufsteigen zu können, ist es essentiell die Spielregeln zu kennen und seinen Wert zu beweisen. Was als wertig und Erfolg in einer Organisation wahrgenommen wird, hängt von der jeweiligen Organisationskultur ab. Muster der Angst und der Ausbeutung können in Organisationen nur durchbrochen werden, indem sie angesprochen und reflektiert werden. Am Märchen „Fundevogel“ wird dargestellt, wie funktionierende Systeme auf Neuerungen reagieren, wenn diese als Bedrohung des Bestehenden wahrgenommen werden. Darüberhinaus werden die positiven Effekte einer dualen Führung, einer hohen Flexibilität im Sinne von Change-Kompetenzen und die Wichtigkeit einer regelmäßigen Reflexion zur persönlichen Abgrenzung der eigenen Person zur beruflichen Rolle hervorgehoben.

In Kapitel zwei werden die Themenschwerpunkte Werte, Talente und Belohnung behandelt. Am Beispiel „die vier kunstreichen Brüder“ wird verdeutlicht, welche Vorteile Teamarbeit, Teamziele und Teamleistung mit sich bringen und welchen Einfluss Führung auf diese hat. Um das Erkennen und Fördern von Potenzialen im Sinne von Talentmanagement geht es im Märchen „König Drosselbart“. Die Potenzialanalyse und die Rückmeldung an Mitarbeitende sind wichtige Aufgaben von Führungskräften, um Talente und Kompetenzen auszubauen. Anhand des „tapferen Schneiderleins“ zeigen die Autorinnen welchen Stellenwert Selbstmarketing in der heutigen Zeit hat und welche Konsequenzen es haben kann, wenn ein guter Ruf von der Führungsebene nicht hinterfragt oder die tatsächliche Leistung nicht kontrolliert wird. Darüberhinaus müssen sich Führungskräfte immer bewusst machen, was sie in Kauf nehmen, um einen, wie die Autorinnen es nennen, „Helden“ mit entsprechendem Ruf in die Organisation zu holen. „Helden“ oder Problemlöser von Außen stellen nicht die einzige Möglichkeit dar, Probleme in Angriff zu nehmen. Häufig finden sich in Organisationen unentdeckte und ungenutzte Ressourcen. Mit Hilfe des Märchens „Aschenputtel“ verdeutlichen die Autorinnen die Herausforderungen und Probleme, die eine Fusion von zwei Systemen mit sich bringt. Es ist die Aufgabe von Führungskräften, eine Kultur des professionellen Vertrauens aufzubauen und das fusionierte Unternehmen auf die zukünftigen Anforderungen vorzubereiten.

Im Kern behandelt das dritte Kapitel des Buches die Schwerpunkte Loslassen, Wandel und Coaching. Im ersten Märchen des Kapitels „das singende springende Löweneckerchen“ wird von den Autorinnen betont, dass es für die individuelle Weiterentwicklung wichtig ist loszulassen, aus der eigenen Komfortzone auszubrechen und sich neuen Herausforderungen und Aufgaben zu stellen. Klare Visionen und Entrepreneurship-Eigenschaften sind bei einem Neustart von großer Bedeutung. Im Dialog zu dem Märchen „Rapunzel“ setzen sich die Autorinnen damit auseinander, wie sich eine sehr autoritäre Führung mit starren Regeln und Bestrafung auf die Mitarbeitenden und die zukünftige Generation von Führungskräften auswirkt. Hierbei werfen sie die Frage auf „Sind für die nächste Generation Innovation und Erneuerung möglich trotz des schweren Erbes?“. Für jede Führungskraft kommt einmal der Zeitpunkt, an dem heißt Abschied zu nehmen und die ehemalige Führungsrolle an die nächste Generation abzugeben. Wie nimmt man Abschied und was muss man einer neuen Generation mitgeben? Diese Fragen werden im Märchen „die Gänsehirtin am Brunnen“ dialogisch behandelt. Die Autorinnen heben die Verantwortung von Führung heraus, die Nachkommenden entsprechend zu fordern und zu fördern, dass diese in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen und diese auch zu wollen. Zukünftige Führungskräfte brauchen demnach eine Unterstützung im Sinne von Coaching, um nötige Kompetenzen erwerben und weiterentwickeln zu können. Darüberhinaus wird anhand dieses Märchens die Notwendigkeit eines professionellen Abschieds verdeutlicht, der es der neuen Führung ermöglicht innovativ und zukunftsgerichtet ihre Funktion zu erfüllen.

Im letzten Kapitel „Wie Königinnen und Könige führen“ gehen die Autorinnen erneut kurz auf die Bearbeitung von Führung und Führungsaspekten mit Hilfe von Märchen ein, ehe sie die wichtigsten Ergebnisse ihrer Dialoge zusammenfassen.

Diskussion

Das vorliegende Buch ist kein Grundlagenwerk, das dazu genutzt werden kann, sich Grundkenntnisse über Organisationen, Leadership oder Management anzueignen. Dies liegt daran, dass die Autorinnen sich mit ihrem Werk an Führungskräfte und deren Beraterinnen und Berater wenden. Ein entsprechendes Fachwissen ist demnach Voraussetzung für die Arbeit mit diesem Buch. Bei der Darstellung verschiedener Phasen, Schwerpunkte und Herausforderungen von Führung haben die Autorinnen unterschiedliche theoretische Bezüge, die sie an den Märchen festgemacht haben, mit Erfahrungen aus ihrer konkreten Praxis gekoppelt. Dieses Vorgehen erleichtert es Theorien auf die eigene Praxis zu übertragen und ist meiner Meinung nach schlüssig und zielführend. Die Führung einer Organisation und die nötige Ausübung von Macht sind sehr komplexe Themen. Es gibt kein Patentrezept dafür. Gute Führung hängt immer mit der jeweiligen Organisation, deren Kultur und zu bewältigenden Herausforderungen zusammen. Dazu kommen individuelle Kompetenzen, Werte und Rollenverständnisse der jeweiligen Führungskraft. Führung und Macht bedürfen einer stetigen Reflexion, um Missbrauch zu verhindert und im Sinne der Organisation und Mitarbeitenden funktionsfähig zu bleiben. Olivia de Fontana und Sabine Pelzmann zeigen Ansätze, Aufgaben und Risiken auf, mit deren Hilfe es möglich ist Führung zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.

Fazit

Dieses Buch eignet sich in besonderer Weise für die Auseinandersetzung mit der eigenen Führungsrolle und der damit verbundenen Ausübung von Macht. Es bietet hilfreiche Übungen für neue und erfahrene Führungskräfte und ermöglicht es, das Team in Reflexionsprozesse miteinzubeziehen.


Rezension von
Lisa Wernet
Staatl. anerkannte Erzieherin/ Kindheitspädagogin und Sozialarbeiterin B.A. Studierende des Masterstudiengangs „Kindheits- und Sozialwissenschaften“ mit dem Vertiefungsschwerpunkt „Management und Beratung“ an der Hochschule Koblenz.
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Zitiervorschlag
Lisa Wernet. Rezension vom 10.07.2020 zu: Olivia de Fontana, Sabine Pelzmann: Führung und Macht. Aspekte moderner Führungsrollen - gesehen in Figuren der Grimm´schen Märchen. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-7910-4717-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26914.php, Datum des Zugriffs 21.10.2020.


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