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Ute Reichmann: Schwierige Fälle - konfliktträchtige Entscheidungen

Cover Ute Reichmann: Schwierige Fälle - konfliktträchtige Entscheidungen. Fachkräftekonflikte als Tabuthema der Jugendhilfe. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. 269 Seiten. ISBN 978-3-8474-2173-3. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR.

Reihe: Rekonstruktive Forschung in der sozialen Arbeit - Band 20.
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Thema

Die Kinder- und Jugendhilfe ist, besonders nach dem „neuen“ KJHG, bzw. SGB VIII, für die Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit von besonderer Bedeutung. Einige Autoren sahen in der Gesetzesreform die Chance einer Professionalisierung (vgl. z.B. Bohler 2006). Nach Hildenbrand (2014 c) wurde diese Chance jedoch verpasst. Zumindest vom Anspruch her, soll sich die professionelle Haltung der Jugendhilfe von einer stärker paternalistischen zu einer stärker partnerschaftlichen Haltung gewandelt haben. Zur Umsetzung kann man jedoch mit Messmer feststellen: „Anspruch und Wirklichkeit der Hilfeplanung klaffen den vorliegenden Erfahrungsberichten und Forschungsbefunden zufolge weit auseinander“ (Messmer 2004, S. 86). Die „Vollzugswirklichkeit“ der Kinder- und Jugendhilfe in Hilfeplangesprächen war Gegenstand eines konversationsanalytischen Projektes an der Universität Bielefeld zu Hilfeplangesprächen (vgl. Messmer/​Hitzler 2007, 2008). Köttgen (2007) beschrieb u.a. Biographien von Kindern und Jugendlichen zwischen Heimen und Psychiatrie. Allgemein stellt sich die Frage nach den Auswirkungen der Entscheidungen des Jugendamtes auf die Biographien der Kinder und Jugendlichen. Die Grundlagen für diese Entscheidungen sind manchmal nicht günstig (vgl. Müller 2016, S. 120 ff.; Bohler/​Schierbaum 2010). Der Kinderschutz wurde nach einigen Skandalen in der Presse und der Wissenschaft stärker diskutiert. Hildenbrand (2014a, b) zum Beispiel kritisiert einige Reaktionen der Jugendämter als überzogen. Unter Umständen wird sehr weitgehend in die Grundrechte von Eltern mit der Begründung eingegriffen, da ansonsten das Wohl des Kindes gefährdet sei. Urban-Stahl u.a. (2018) untersuchten Gespräche im Kinderschutz und stellten große Unterschiede fest.

Die Autorin

Dr. Ute Reichmann ist Leiterin des Fachdienstes Jugendarbeit, Jugendschutz und Jugendberufshilfe des Fachbereichs Jugend des Landkreises Göttingen. Es handelt sich um die Dissertation der Autorin

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in fünf größere Kapitel mit jeweils mehreren Unterkapiteln und eine Zusammenfassung mit Fazit gegliedert.

Kapitel 1

Das erste Kapitel zu Grundlagen beginnt mit einem Unterkapitel zur Diskussion in der Sozialen Arbeit zu den Professionalitäten und Professionen. Für einen Teil dieser Diskussion trifft immer noch die Kritik von Oevermann an der Soziologie zu: „Für die gegenwärtige Soziologie kommt hinzu, dass sie nicht einmal mehr in der Lage ist, an der Analytik der klassischen, vor allem mit den Namen Hughes, Marshall und Parsons verbundene Version der Professionalisierungstheorie festzuhalten, sondern durchgehend Professionen mit Expertentum und Professionalisierung mit Expertisierung gleichsetzt, obwohl sich in einer entwickelten Professionalisierungstheorie zeigen lässt, dass in gewissen Fällen ‚technokratische‘ Expertisierung einer Deprofessionalisierung gleichkommt“ (Oevermann1996, S. 70). Kritische Positionen zum Stand der Professionsentwicklung in der Sozialarbeit hätten diskutiert werden können (vgl. zum Beispiel Stichweh 1996, Hildenbrand 2012,2014).

Die Organisationen der Jugendhilfe wird im zweiten Unterkapitel behandelt. Diese Darstellung und Diskussion ist vorwiegend theoretisch bzw. programmatisch. Nach dem Eindruck des Rezensenten bleibt offen, inwieweit sie die Wirklichkeit der Jugendhilfe abbildet. Die Einschätzung von Ludwig-Mayerhofer u.a. (2007, S. 8) zum sozialpolitischen und sozialpädagogischen Diskurs würde auch hierzu passen: „Allerdings betrifft diese kurze Charakterisierung zunächst einmal die Ebene der Diskurse in Politik und unter Expertinnen und Experten Wie sich die Praxis (in) der Sozialverwaltung gestaltet bleibt – ungeachtet bereits vorliegender Analysen (etwa von Harrach et al.2000 oder Kaufmann 2002) – noch zu untersuchen.“

Im nächsten Unterkapitel geht es um Fallarbeit. Eingegangen wird auf vielfältige theoretische Ansätze. Sinnvoll wäre hier nach Ansicht des Rezensenten eine Diskussion der Frage, was professionelle Fallarbeit ausmacht und wo Deprofessionalisierung beginnt. Hierzu könnte die Frage der relativen professionellen Autonomie gegenüber administrativer Kontrolle und der Ökonomie sowie professioneller Verantwortlichkeit gehören. In der Medizin werden diese Fragen kritischer diskutiert als in der Sozialpädagogik (vgl. zum Beispiel de Ridder 2015).

Kapitel 2 - Forschungskonzeption

Das methodische Kapitel beginnt mit einer Skizze des Forschungsfokus. Die wichtigsten Erhebungsinstrumente waren Experteninterviews zu Fachkonflikten und narrative Fallinterviews zu Konfliktfällen. Hinzu kam eine Analyse von Dokumenten. Als schwierig erwies sich der Zugang zu betroffenen Familien, da die Autorin, Praktikantin des Jugendamtes war und einige Familien schlechte Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht hatten. Anschließend wird die Datenerhebung dargestellt. In der ersten Untersuchungsphase wurden neun Experteninterviews in mehreren Bundesländern sowie in städtischen und ländlichen Regionen durchgeführt. In der zweiten Phase wurden 14 narrative Fallinterviews gemacht, wobei mehreren Interviews zu einem Fall gemacht werden sollten. Die Datenanalyse der Fallinterviews konzentrierte sich auf zwei Fällen, zu denen jeweils fünf Interviews gemacht wurden. Eingesetzt wurden unterschiedliche qualitative Verfahren der Interpretation und Analyse. Für den Rezensenten stellt sich die Frage, inwieweit sich Akten zur Überprüfung von Interviewinhalten eignen (S. 79). Akten sind keine unabhängigen Quellen, sondern Interaktionszüge, in denen bestimmte Ziele und Zwecke verfolgt werden (vgl. Wolff, Müller 1997, Teil III, Wolff 1995).

Kapitel 3

Die Auswertung der Experteninterviews beginnt mit dem Thema „Tabuthema Fachkonflikte“. Die Autorin hatte einige Schwierigkeiten, zu dem Thema Konflikte Interviewpartner zu finden. Offene Kommunikation über das Thema wurde für problematisch gehalten. Konflikte würden als Indikatoren für fachliche Defizite gesehen. „Die Befragten argumentierten mit großer Selbstverständlichkeit mit den Kategorien richtig oder falsch-je nach Nähe zu oder Abweichung von ihrer eigenen Position“ (S. 84). Nach dem Eindruck des Rezensenten verweist dies auf eine vorprofessionelle Praxis. Professionelle Entscheidungen sind (wie lebenspraktische Entscheidungen) häufig Risikoentscheidungen, die im Nachhinein zu prüfen sind. Es ist zum Beispiel häufig nicht genau vorhersehbar, ob sich eine Familie positiv oder negativ entwickeln wird. Fehler sind daher häufig nicht vermeidbar (vgl. auch Stadtjugendamt Erlangen u.a. 2018). Das Unterkapitel 3.2 zu Anpassung und Konfliktvermeidung ist zum großen Teil eine Falldarstellung zum Interview mit einer selbstständigen Honorarkraft. Herr C. ist kein Sozialarbeiter oder Sozialpädagoge sondern hatte einen kaufmännischen Beruf und dann einige Fortbildungen absolviert. [1] Die Autorin zeigt Widersprüche und Interessenskonflikte auf, die sich zum Teil aus der prekären Beschäftigung von Herrn C. ergeben. Das Einkommen von Herrn C verringert sich, wenn er weniger Fälle hat. Die möglichen Folgen einer solchen Abhängigkeit von Honorarkräften werden dann auch anhand von Auszügen aus einem zweiten Interview aufgezeigt (S. 97/98). Das Unterkapitel 3.3. behandelt die Beendigung von Maßnahmen als konfliktträchtige Entscheidungen. Häufig handelt es sich um Konflikte zwischen der sozialpädagogischen Familienhilfe und dem ASD, der Kontroll- und Garantenpflichten übernimmt. Ein Problem der Fremdunterbringung sei, dass diese selbst ein Gefahrenmoment für die Entwicklung der Kinder enthalte. Eingegangen wird auf Konflikte zwischen der Pflegefamilie und der Herkunftsfamilie. Um konfliktträchtige Entscheidungen in Hinblick auf die Herausnahme eines Kindes geht es dann in Unterkapitel 3.4.. Es geht u.a. um Probleme bei der Zusammenarbeit mit Familiengerichten, um externe Gutachten zur Erziehungsfähigkeit mit einer Dauer von bis zu 1,5 Jahren und fehlender Kompetenz von Seiten der Gerichte. Dargestellt wird ausführlicher eine Fallgeschichte. Frau Beer und ihre sechsjährige Tochter Xenia wurden von Frau I. betreut. Frau Beer war drogenabhängig. Es ging unter anderem um die Frage, ob Xenia aus der Familie geholt werden muss oder eine vierstündige Familienhilfe als Kontrolle ausreicht, was Frau I verneinte. Nach dem Eindruck des Rezensenten entstehen hier erhebliche Zweifel an der Kompetenz einiger Fachleute. Auch Möglichkeiten, sich gegen unprofessionelle Arbeitsbedingungen zu wehren, scheinen begrenzt zu sein. Das Unterkapitel 3.5 handeln von Konfliktverläufen und Frontenbildung. Begonnen wird mit Konflikten zwischen öffentlichen und freien Trägern. Der ASD hat eine Aufsichts- und Kontrollfunktion gegenüber freien Trägern. Freie Träger könnten Druck auf den ASD ausüben, etwa indem sie mit der Beendigung einer Maßnahme drohen. Für den Rezensenten stellt sich die Frage, inwieweit bei solchen Machtkämpfen das Kindeswohl noch berücksichtigt wird. Anschließend werden Konflikte zwischen der Familienhilfe und dem ASD behandelt, wobei auch auf das professionelle Hilfeparadox mit Verweis auf Schütze eingegangen wird. Ein weiterer Punkt sind Reaktionen des ASD auf das Osnabrücker Urteil zur Kindeswohlgefährdung. Darauf wurde vorwiegend mit administrativen Kontrollen, weniger fachlich-professionell geantwortet. Strittig war u.a. die Kontrollfunktion des ASD gegenüber der Familienhilfe. Der Rezensent hat den Eindruck, dass sowohl die Familienhilfe als auch der ASD öfters kaum fachlich begründet vorgehen und Handlungsverläufe nicht gründlich evaluiert werden. Der Erfolg oder Misserfolg von Maßnahmen (zum Beispiel ob zu viel oder zu wenig geholfen wurde) lässt sich jedoch häufig nur im Verlauf erkennen. Das Unterkapitel 3.6 handelt von betriebswirtschaftlichen und administrativen Einflüssen. Einige Befrage stellen eine Dominanz finanzieller Gründe gegenüber fachlich-professionellen Zielen fest. Dies beziehe sich auch auf die Frage, wie viele Fälle gründlich bearbeitet werden können. In einigen Fällen wird auch eine bürokratische Absicherungslogik bedeutsam. Der Rezensent sieht hier Parallelen zur Entwicklungen in der Medizin, die zu einer De-Professionalisierung ärztlichen Handelns führen können. Entscheidungen können durchaus auch wirtschaftlich sein. Aber im professionellen Handeln geht es vorrangig um die Frage, welche Maßnahmen indiziert sind. Die Soziale Arbeit sollte dann keine „konfliktscheue Profession“ (Messmer 2015) sein. Das Unterkapitel 3.7 handelt von Maßnahmeketten. In Konflikten mit Trägern könnte der ADS die Träger wechseln, durch eine Reihe von ambulanten Maßnahmen würden dann notwenige Eingriffe verzögert.

Kapitel 4

Zunächst werden zwei Konfliktfälle dargestellt. Begonnen wird mit dem Fall Sondermann. Frau Sondermann ist eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Sie bat 2003 das Jugendamt um die Fremdunterbringung ihrer damals zweijährigen Tochter Eva, weil sie vom provokanten Verhalten der Tochter überfordert sei. Frau Sondermann wurde aber überredet Familienhilfe in Anspruch zu nehmen. Die Familienkonflikte, auch Gewaltkonflikte eskalierten und Eva kam 2004 doch in eine Pflegefamilie. Einige Monate später holte die Mutter Eva jedoch zurück. Dadurch kam es zu einem massiven Konflikt zwischen den Fachkräften. 2006 bereute Frau Sondermann Eva zurückgeholt zu haben. Eva und ihr Zwillingsbruder wurden in Obhut genommen, etwas später auch die beiden anderen Kinder auf Initiative der Familienhelferin. Ein Jahr später kamen zwei Kinder zurück in die Familie, Eva und ihr Zwillingsbruder blieben in der Pflegefamilie. Die Konflikte zwischen den Fachkräften werden ausführlich dargestellt. Nach dem Eindruck des Rezensenten wird eine Verzettelung von Verantwortlichkeiten (vgl. Balint 1980, 104 ff.) deutlich, bei dem unklar wird, wer für was verantwortlich ist. Im Zentrum der Konflikte stand die fachliche Frage, ob Frau Sondermann in der Lage war, Eva mit Unterstützung der Familienhilfe zu erziehen oder ob sie in einer Pflegefamilie aufwachsen soll. Das ist eine typische professionelle Aufgabe. Es muss entschieden werden, die professionelle Entscheidung muss verantwortet und evaluiert werden. [2] Die Entscheidungen des Jugendamtes führen wohl zu einer erheblichen De-Stabilisierung der Situation von Eva und ihrer Geschwister.

Im zweiten Konfliktfall geht es um die Familie von Frau David. Frau David war zum Zeitpunkt der Interviews alleinerziehend und hatte vier Kinder von verschiedenen Vätern. Von den vier Kindern lebten zwei bei ihr und zwei in stationären Einrichtungen. Der älteste Sohn wurde auf Initiative der Mutter stationär untergebracht. Der andere Sohn wurde auf Betreiben des Jugendamtes (ASD) gegen den Willen der Mutter und der Familienhelferin stationär untergebracht. Dies führte zu einem Konflikt zwischen den Fachleuten. Der Rezensent hat den Eindruck, dass in beiden Fällen ein Zusammenhang besteht zwischen den Konfliktlinien und den unterschiedlichen Arbeitsbeziehungen zu den Klientinnen. Es gibt Stakeholder mit unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen. Familienhelferinnen sind zum Beispiel als Helferinnen viel stärker in das Familiengeschehen involviert als die ASD-Mitarbeiterinnen, die ASD- Mitarbeiterinnen sind jedoch stärker für den Kinderschutz und soziale Kontrolle verantwortlich.

Es folgt ein Abschnitt zur empirischen Basis der Fallarbeit. Der Rezensent hat den Eindruck, dass Fallwissen sehr stark über alltagsweltliche Methodik gewonnen wird. Professionelle Diagnostik zur Familiendynamik, professionelle Prognosen und Evaluation scheinen dagegen selten zu sein. [3] Vorprofessionell ist auch Fallarbeit ohne Kenntnis der Lebensgeschichten (s. S. 160). Welche Daten für die Fallbeschreibung in den Interviews herangezogen werden, scheint eher zufällig zu sein. Ein „Erziehungsfähigkeitsgutachten“ wird zur Inszenierung eingesetzt, um die Klientin unter Druck zu setzen, was auch daran erkennbar ist, dass es erst nach 1,5 Jahren fertig gestellt (s. S. 164) wurde. [4] Die Fallarbeit wird von den Fachkräften sehr unterschiedlich wahrgenommen (s. S. 166), was nach Ansicht des Rezensenten ein Hinweis für vorprofessionelles Handeln ist.

Das Unterkapitel 4.4 handelt von professionellen Normen und Wertvorstellungen vor dem Hintergrund von Konflikten. Zur Orientierung am Kindeswohl stellt die Autorin fest: „Die abstrakte Norm muss fallbezogen empirisch konkretisiert werden“ (S. 170). Nach Ansicht des Rezensenten könnte hier die „widersprüchliche Einheit oder auch Dialektik von Begründungs- und Entscheidungszwang“ (Oevermann 1981, 8) vorliegen. [5] Ob zum Beispiel eine ambulante Maßnahme dem Kindeswohl nutzt oder schadet, kann erst im Verlauf untersucht werden.

In Unterkapitel 4.5. werden Wissensbezüge in den Fallinterviews behandelt. Im Fokus steht dabei die Arbeit mit Frau Sondermann. Begonnen wird mit „impliziten professionellen Wissensgehalten“. Skizziert wird ein kompetenzorientiertes Konzept einer Familienhelferin anhand der Kategorien Können und Nicht-Können und die Orientierung eines Mitarbeiters, der strategisches Verhalten und Manipulationen der Mutter wahrnimmt. Ob beide Konzepte tatsächlich entgegengesetzt sind (s. S. 177) ist nach Ansicht des Rezensenten fraglich. Sie können auch auf unterschiedlichen Ebenen liegen. Das eher pädagogische Konzept der Familienhilfe muss von den vorhandenen Kompetenzen der Klienten ausgehen und sie realistisch einschätzen. Auf einer anderen Ebene geht es um soziale Kontrolle, die sich am Kindeswohl orientiert. Strategisches Verhalten der Betroffenen, um eigene Interessen gegenüber der Jugendhilfe zu vertreten, ist hier zu erwarten. Eingegangen wird dann auf explizites disziplinäres Wissen, das nur in wenigen Falldarstellungen vorkam. Es geht u.a. um Beziehungstraumata, Bindungstheorie und Systemtheorie. Widersprüche könnten entstehen, wenn die Praxis der Familienhilfe nicht den theoretischen Ansätzen entspricht (S. 178/179) Für den Rezensenten bleibt eine offene Frage, inwieweit die erwähnten theoretischen Konzepte auch von den Fachkräften kompetent angewandt werden können, zum Beispiel in einer systemischen Familientherapie im weitesten Sinne oder auch zur Bindung (vgl. Franz 2009). Anschließend werden „Eigentheoriebildungen“ behandelt. Dabei handelt es sich um die Konstruktion allgemeinerer Muster, die sich bei einer Person oder einem Fall öfters wiederholen und zum Beispiel öfters zu Krisen führen. Auch Zusammenhänge zwischen der Biographie einerseits und der Erziehungskompetenz und dem Verhalten andererseits werden von den Fachleuten rekonstruiert. Auf Unterschiede zur wissenschaftlichen Theoriebildung wird eingegangen. Es bestehe die Gefahr, dass derartige Modelle nicht mehr reflexiv hinterfragt würden (s. S. 187) und der Fall „geglättet“ würde (S. 188). Einige Modelle beziehen sich auch auf die Beziehungen zwischen Herkunftsfamilien und Pflegefamilien.

Das Kapitel 5 (Untersuchungsergebnisse) beginnt mit einem Unterkapitel zur Umsetzung des Anspruchs der Klienten auf Beteiligung. Deutlich wird nach dem Eindruck des Rezensenten eine widersprüchliche Konstruktion der Hilfeplangespräche. Sie sind einerseits Zwangskommunikation für die Klienten und soziale Kontrolle und sollen andererseits Beteiligung ermöglichen. Beteiligung soll dabei offenbar mehr sein als eine Anhörung. Die Gespräche sind rechtlich vorgesehen, finden manchmal aber längere Zeit nicht statt, einzelne Beteiligte können ausgeschlossen werden. Zweifel an der Professionalität mehrerer beruflich Beteiligter im Spannungsfeld von Hilfe und sozialer Kontrolle können aufkommen. An einigen Stellen wird eine Parteinahme der Autorin für Familienhelferinnen deutlich. Festgestellt wird u.a. eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen, die Hilfeplangespräche an Angehörige stellen und deren Kommunikationskompetenzen (S. 199). Aufgeführt werden mehrere Kritikpunkte an Hilfeplangesprächen in Konfliktfällen (S. 202). In Kapitel 5.2. werden Einflüsse der Organisation behandelt. Begonnen wird mit Rahmenbedingungen für die Fallarbeit. Deutlich wird, wie betriebswirtschaftliche Vorgaben die Möglichkeiten einer professionellen Fallarbeit einschränken. Man könne von „Deprofessionalisierung“ (S. 207) sprechen. Ähnliche Tendenzen der De-Professionalisierung durch externe ökonomische Anreize und Fehlanreize sowie organisatorische Einschränken kann man in der Medizin beobachten (vgl. de Ridder 2015). Konflikte entstünden vor allem zwischen Teilen von Organisationen und zwischen unterschiedlichen Teams, nicht in homogenen Teams. Homogene Teams tendierten dazu. Urteile zu generalisieren, was zu Konflikten mit anderen Teams führen könne. Konflikte zwischen Teams könnten auch durch unterschiedliche Arbeitserfahrungen und unterschiedliche Arbeitsmethoden und unterschiedliche Entscheidungskompetenzen entstehen. Parallelstrukturen könnten dazu führen, dass „kein integriertes, lebensweltlich orientiertes, ganzheitliches Unterstützungskonzept“ (S. 210) erarbeitet werden. Die Autorin sieht „Grenzen der Funktionalisierbarkeit und Fragmentierung der Sozialen Arbeit in der Jugendhilfe“ (S. 211) Professionelle Standards der Zusammenarbeit würden übergangen. Fachkräftekonflikte würden in Organisationen tabuisiert. Sie fordert Reflexivität als professionelles Merkmal sozialer Arbeit zu stärken. Die Ausdifferenzierung der Jugendhilfe solle kritisch hinterfragt werden. Die Organisation der Jugendhilfe solle durch professionelle Standards gesichert werden. Der Rezensent bleibt hier skeptisch. Wie andere Professionen muss die Jugendhilfe kritische Entscheidungen treffen, wobei die Zukunft offen bleibt. Eine Intervention kann sich zum Beispiel als wirkungslos oder unzureichend erweisen, aber auch als überzogen bzw. falsch. Darüber zu reflektieren ist sinnvoll, aber einer muss verantwortlich entscheiden.

Im nächsten Unterkapitel zur professionellen Erkenntnis und Praxisplanung geht es zunächst um die Beziehung zwischen Familiengerichten und Jugendhilfe. Festgestellt wird u.a. dass die Expertise der Jugendhilfe in gerichtlichen Verfahren häufig einen geringen Stellenwert habe oder auch gegenüber nicht-pädagogischen Expertisen, die auf einem „naturwissenschaftlichen Paradigma“ beruhten abgewertet werde. Hier hat der Rezensent mehrere Einwände. Man kann bezweifeln, dass das Jugendamt eine „unparteiische Stelle“ (S. 216) ist, wenn es einen Antrag gestellt hat oder vorher das Hilfeplanverfahren leitete. Es geht dann auch um die Rechtfertigung eigenen Verhaltens. Die klinische Psychologie und die Psychiatrie lassen sich nur zum Teil dem naturwissenschaftlichen Paradigma zuordnen. Unterscheiden müsste man auch zwischen sozialpädagogischer Praxis und sozialpädagogischen Gutachten. Bei den Gutachten stellt sich stärker die Frage nach der wissenschaftlichen Qualität. Im Verhältnis zwischen der Sozialarbeit und anderen Professionen wirke sich negativ aus, dass „ die eigenen disziplinären Grundlagen nicht genügend klar ausformuliert“ (S. 218) seien. Bedeutsam sei auch die Auseinandersetzung mit administrativen und betriebswirtschaftlichen Argumentationen. Auch innerhalb der eigene Profession gäbe es Auseinandersetzungen „zwischen fallfernen (ASD, PKD) und ambulanten adressatennahen Tätigkeitsrollen“ ( S. 218) Festgestellt wird, dass das Fallwissen eher intuitiv gebildet werde. Es fehlten Techniken der Reflexion und professionellen Einschätzung und Bewertung. Dies gilt auch für die untersuchten Konfliktfälle. „Bei den untersuchten Konfliktfällen misslang in den kollegialen und interprofessionellen Diskursen die Integration der verfügbaren Fallinformationen“ (S. 222) Nach dem Eindruck des Rezensenten wird hier eine vorprofessionelle Herangehensweise deutlich. Die Autorin kritisiert die Trennung von Planungs- und Umsetzungsebene. Nach Ansicht des Rezensenten könnte diese Trennung aber auch Vorteile haben. Die mit der Umsetzung betrauten Organisationen und Personen sind zum Beispiel stärker parteilich als der ASD. Ob jedoch halbjährliche oder gar jährliche Hilfeplangespräche eine professionelle Fallarbeit ermöglichen, kann bezweifelt werden. Hingewiesen wird auf Differenzen zwischen Planungen und Absprachen und deren Umsetzung in der Praxis.

In Unterkapitel 5.4 werden strukturelle Grenzen der Jugendhilfe behandelt. Hingewiesen wird darauf, dass einige Familien mit vielfältigen und langwierigen Problemlagen konfrontiert seien. Genannt werden u.a. Bildungsbenachteiligung, Alleinerziehende mit mehreren Kindern und Armut als „strukturelle Benachteiligungen“. Nach Einschätzung des Rezensenten sind einige dieser Benachteiligungen politisch durchaus gewollt bzw. werden billigend in Kauf genommen. Durch das Prinzip des „Fördern und Forderns“ nach dem SGB II gibt es immer mehrfach benachteiligte Personen, die den Anforderungen nicht genügen und ausgegrenzt werden. Die Autorin stellt große Lücken zwischen dem Hilfebedarf der Familien und dem Angebot der Jugendhilfe fest (S. 227/228) und spricht von „nachlaufenden Reparaturbetrieb“ (S. 228). Strukturelle Benachteiligungen würden in der Jugendhilfe als individuelle Probleme behandelt.

Das Kapitel 6 ist eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie.

Diskussion

Die Entwicklung eines Kindes und einer Familie ist nicht genau vorhersehbar. Wie in anderen Professionen müsste man in der Fachdiskussion stärker zwischen schwer vermeidbaren Fehlern und Kunstfehlern unterscheiden. Professionelle müssen riskante Entscheidungen treffen und daher sind Fehler nicht auszuschließen (vgl. Schütze 1984). Professionelle Fehlerquellen können zum Beispiel die Indikation betreffen. Einerseits können Maßnahmen gewählt werden, die nicht ausreichen, sodass für die Entwicklung des Kindes wertvolle Zeit verstreicht. Dies kann zum Beispiel geschehen, wenn zunächst viele ambulante Maßnahmen ausprobiert werden und dann doch die stationäre Unterbringung erfolgt (vgl. Göbbel u.a. 2000). [4] Andererseits können Maßnahmen gewählt werden, die überzogen sind und zu problematischen Heimkarrieren führen (vgl. Köttgen 2007). Daraus ergibt sich die Verpflichtung, getroffene Entscheidungen regelmäßig zu evaluieren. Dies geschieht jedoch nach den Ergebnissen der Studie zu selten und häufig nicht sorgfältig genug. Insgesamt entsteht der Eindruck von wenig Professionalität. Es handelt sich jedoch um ein professionalisierungsbedürftiges Arbeitsfeld. Die Einschätzung von Hildenbrand (2014 c), dass die Jugendhilfe hier eine Chance verpasst hat, scheint sich zu bestätigen.

Zu beachten ist, dass innerhalb der Jugendhilfe die Falldefinitionen, Arbeitsaufgaben und Strukturen unterschiedlich sind. Der AFD trägt die Verantwortung für den gesamten Fallverlauf über einen längeren Zeitraum. Hierzu gehört auch die Frage, welche Maßnahmen notwendig, zielführend und ausreichend sind. Die Familienhilfe wird innerhalb einer Einzelmaßnahme anleitend und erziehend praktisch tätig und reflektiert die eigene Arbeit. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben auch erziehungsähnliche Aufgaben. Die positive oder negative Entwicklung der Kinder kann daher auch als Ergebnis ihrer Arbeit gewertet werden.

Fazit

Insgesamt handelt es sich um eine interessante und hilfreiche Untersuchung. Deutlich werden einige Professionalisierungsdefizite.

Literatur

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[1] Aus professionstheoretischer Sicht ist er daher nach Einschätzung des Rezensenten kein professioneller Mitarbeiter, sondern Laie. Fortbildungen können eine professionelle Ausbildung nicht ersetzen. (vgl. Nölke u.a. 1992)

[2] Oevermann (1996) spricht von einer widersprüchlichen Einheit von Entscheidungszwang und Begründungsverpflichtung. Entschieden muss manchmal kurzfristig, aber die Entscheidung muss nachträglich überprüft werden. Durch „Aushandeln“ kann das Problem nicht gelöst werden.

[3] Natürlich verwenden Professionelle auch alltagsweltliche Methoden des Fallverstehens. Hinzu kommen aber professionelle Prüfverfahren und professionelle Diagnostik. Letztlich geht es um Ergebnisse, die intersubjektiv überprüfbar sind.

[4] Dies ist auch ein Hinweis auf Deprofessionalisierung auch im juristischen Bereich.

[5] „Die in sich professionalisierte therapeutische Praxis ist als methodische Steigerung einer natur­wüchsigen Praxis nicht nur durch eine Verschärfung des Entscheidungszwangs geprägt, insofern er stellvertretend für eine beschädigte Lebenspraxis, die sich der Behandlung anvertraut, übernommen werden muss, sondern vor allem durch eine Steigerung der Begründungsverpflichtung.“ (Oevermann 1996, 124)


Rezension von
Dr. Hermann Müller
Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Homepage HermannMuellerHildesheim.de
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Zitiervorschlag
Hermann Müller. Rezension vom 22.04.2020 zu: Ute Reichmann: Schwierige Fälle - konfliktträchtige Entscheidungen. Fachkräftekonflikte als Tabuthema der Jugendhilfe. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2018. ISBN 978-3-8474-2173-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26915.php, Datum des Zugriffs 11.08.2020.


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