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Katrin Liel, Anna Lena Rademaker (Hrsg.): Gesundheitsförderung und Prävention

Cover Katrin Liel, Anna Lena Rademaker (Hrsg.): Gesundheitsförderung und Prävention – Quo vadis Kinder- und Jugendhilfe? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2020. 300 Seiten. ISBN 978-3-7799-6043-0. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Der 13. Kinder- und Jugendbericht war bei seinem Erscheinen im Jahre 2009 ein Meilenstein in der Debatte um Gesundheitsförderung und Prävention in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Themen der Gesundheitsförderung und Prävention sowie der Kinder- und Jugendhilfe – so die Herausgeber- wurden erstmalig zusammengeführt. Damit wurden alle Kinder in Deutschland in den Blickpunkt gestellt: Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Behindertenhilfe wurden nicht wie bis dahin als getrennte Sektoren abgehandelt, sondern als eng miteinander zum Wohle von Kindern und Jugendlichen verbundene Felder. Die Grundhaltung aller Bemühungen der Kinder- und Jugendhilfe sollte von einer salutogenetischen Ausrichtung der Arbeitsweise und Haltung geprägt sein. Die vorliegende Studie stellt sich die Frage, wie die damals formulierten Empfehlungen umgesetzt wurden, welche Themen nicht behandelt wurden und wie die derzeitigen Herausforderungen in der Kinder- und Jugendarbeit aussehen.

Herausgeberinnen

Katrin Liel ist Professorin für Soziale Arbeit und Gesundheit an der Hochschule Landshut. Sie hat folgende Arbeitsschwerpunkte: Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit, Suchthilfe, Public Health, Selbstfürsorge in der sozialen Arbeit.

Anna Lena Rademaker ist Referentin für Fachkonzepte und Forschungsprojekte in der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG). Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf folgenden Themen: Soziale Arbeit und Gesundheit, Gesundheitsförderung und Prävention, Kinder- und Jugendhilfe, Klinische Sozialarbeit.

Der Sammelband ist eingebettet in die Arbeit des von den beiden Herausgeberinnen gegründeten Fachbereichs Gesundheitsförderung und Prävention der Deutschen Vereinigung der Sozialarbeit im Gesundheitswesen. Ziel dieses Vereins ist es, die gesundheitliche Diskriminierung sozial benachteiligter Menschen zu thematisieren und für die Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention einzutreten.

Beide Herausgeberinnen haben sich auch mit eigenen Beiträgen beteiligt.

Aufbau und Inhalt

Die Impulse und Entwicklungslinien von Gesundheitsförderung und Prävention aus den vergangenen zehn Jahren werden im Teil A behandelt:

  • „Der Fortschritt ist eine Schnecke“ – Wie weit sind wir eine Dekade nach dem 13. Kinder- und Jugendbericht? (Heiner Keup)
  • Zehn Jahre 13. Kinder- und Jugendbericht – hat sich aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin etwas geändert? (Wolfram Hartmann)
  • Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Prävalenzen, zeitliche Trends und individuelle Gesundheitsverläufe nach 6 und 11 Jahren- Ergebnisse aus der KiGGS-Langzeitstudie (Robert Schlack, Heike Hölling, Elvira Mauz)

Teil B beschäftigt sich mit den Themen und Handlungsfeldern von Gesundheitsförderung und Prävention:

  • Lebenskohärenz und Selbstwirksamkeit im Zeitalter der Digitalisierung (Katrin Liel)
  • Das Potenzial der Achtsamkeit für die Gesundheitsförderung (Vera Kaltwasser)
  • Netzwerke früher Hilfen- unter Einbeziehung des zivilgesellschaftlichen Engagements (Luise Beringer)
  • Gesundheitsförderung mit und nach dem Schuleintritt durch Präventionsketten gestalten (Sigrid. A. Bathke)
  • Soziale Arbeit und Gesundheitsförderung im Setting Schule: drei Spotlights: Schulsozialarbeit oder Jugendsozialarbeit an Schulen? (Veronika Knoche, Katrin Liel), Schulsozialarbeit und Gesundheitsförderung (Anja Reinecke-Terner) und Potenziale der Kinder- und Jugendhilfe für Gesundheitsförderung im Setting Schule (Anna Lena Rademaker)
  • Gesundheitsförderung und Prävention bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen. Interview mit Lotte Kaba Schönstein
  • Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind in erster Linie Kinder und Jugendliche (Hans Günther Homfeld)
  • Kindeswohlgefährdung (Mechthild Wolff)
  • Wirkungsorientierte Qualitätsentwicklung der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit am Beispiel der Suchtprävention (Anneke Bühler)

Im Teil C wird nach den strukturellen Erfordernissen zur Realisierung von mehr Chancen für gesundes Aufwachsen in Deutschland gefragt:

  • Gesundheitsförderung: ein fachlicher Standard in der Kinder- und Jugendhilfe (Anna Lena Rademaker)
  • Strategien kommunaler Gesundheitsförderung (Eike Quilling, Stefanie Kruse)
  • Kooperation und Netzwerkbildung zwischen Schule, Gesundheitssystem und Kinder- und Jugendhilfe (Mike Sickinger, Albert Lenz)
  • Netzwerkbildung zur Förderung gesunden Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen (Stefanie Kruse, Eike Quilling)
  • Reif nur für die Insel. Inklusion als Herausforderung für Kommunen (Clemens Dannenbeck)
  • Aufwachsen in Armutslagen (Antje Richter-Kornweitz)
  • Das Thema Gesundheit in der Ausbildung von Fachkräften in der Kinder- und Jugendhilfe (Stephan Dettmars)

Der Schluss-Abschnitt werden die Chancen zur Förderung der Gesundheitschancen zur Förderung der Gesundheitsgerechtigkeit von Kindern und Jugendlichen erörtert:

  • Kooperationsdiskurse in der Kinder- und Jugendhilfe (Hans-Uwe Otto, Holger Ziegler)
  • Verringerung ungleicher Gesundheitschancen als vorrangiges nationales Gesundheitsziel: Rück- und Ausblick (Paulo Pinheiro, Ulrich Bauer

Diskussion

Gesundheitsförderung und Prävention werden auf Dauer nur erfolgreich sein können, wenn sie auch eine empirische Grundlage haben. In den 90er Jahren haben wir in der Ruhrgebietsstadt Herne den Weg gewählt, eine Gesundheitsberichterstattung einzurichten, die uns detaillierte Informationen über den Gesundheitszustand und die Versorgungslage von Kindern und Jugendlichen geliefert hat. Auf dieser Grundlage konnten wir die gesundheitspolitischen Ziele abstecken und im Versorgungssystem verorten. Auch die salutogenetische Orientierung gehörte damals schon zu unserer Orientierung. Darüber hinaus gelang es, die erhobenen Daten und Fakten für Management- und Steuerungsaufgaben und für die Verbesserung der Versorgungslagen konkret zu nutzen. Für alle Schritte von der Planung bis zu ihrer Umsetzung war es erforderlich, u.a. mit den betreuenden Einrichtungen, den Kindergärten, Schulen, Behinderteneinrichtungen, Ärzten und Krankenhäusern, Krankenkassen, Sportvereinen, dem Jugendamt, dem Gesundheitsamt und dem Sozialamt sowie den Verbänden der Wohlfahrtspflege eng zu kooperieren, nicht zuletzt um die einzelnen, auf Verbesserung zielenden Maßnahmen abzustimmen. Auf diesem kommunalen Feld und in der Zusammenarbeit aller Beteiligten sehe ich noch heute den Schwerpunkt einer Verbesserung der Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen liegen.

Fazit

Wer im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention von Kindern und Jugendlichen tätig ist, kann aus dem vorliegenden Buch eine Vielzahl von Anregungen erhalten und darüber hinaus erkennen, wie bunt und differenziert die Gesundheitslandschaft für Kinder und Jugendliche aussieht und welche Herausforderungen für die Zukunft gegeben sind.


Rezension von
Dr. Alexander Brandenburg
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Zitiervorschlag
Alexander Brandenburg. Rezension vom 27.05.2021 zu: Katrin Liel, Anna Lena Rademaker (Hrsg.): Gesundheitsförderung und Prävention – Quo vadis Kinder- und Jugendhilfe? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2020. ISBN 978-3-7799-6043-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26951.php, Datum des Zugriffs 14.06.2021.


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