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Sören Asmussen: Kitas leiten

Sören Asmussen: Kitas leiten. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-1605-5. 19,95 EUR.
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Thema

Kindertageseinrichtungen haben in den letzten 20 Jahren an Bedeutung gewonnen. Als Teil des Non-Profit-Sektors sind ihre organisatorischen Fragen im Sozialmanagement zu verorten. In der Frage, wie Führung/​Leitung von Kindertageseinrichtungen gelingen kann, kann das aus der Betriebswirtschaftslehre kommende Instrument der Balanced Scorecard einen entscheidenden, integrativen Beitrag leisten.

Das vorliegende Werk beschreibt und verortet fachwissenschaftlich das Instrument der Blananced Scorecard im Bereich der Kindertagesbetreuung.

Im Anschluss daran gibt es in Verbindung mit dem Online-Material praxisbezogene Hinweise zur Implementierung dieses Instruments in einer Kindertageseinrichtung.

Autor

Dr. Sören Asmussen ist Professor für Frühe Bildung und Management in der Sozialen Arbeit an der IUBH Internationale Hochschule GmbH in Hamburg“ (Quelle: https://www.beltz.de/de/fachmedien/​fruehpaedagogik/​unsere_autoren/​autorenseite/​89778-soeren_asmussen.html – Abruf: 23.01.2021).

Entstehungshintergrund

„Die hier vorliegende Publikation basiert auf einer Monografie des Autors aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Organisationsforschung in Kindertagesstätten – Studie zu den Wirkungen der Balanced Scorecard auf organisationskulturelle Variablen“. Die in dieser Studie vorgestellten theoretischen und konzeptionellen Befunde zur Balanced Scorecard werden in dem hier vorliegenden Band aufgegriffen, aggregiert und punktuell erweitert.“ (S. 9)

Aufbau

Nach einer Einleitung (6 Seiten) gliedert sich das (Studien-)Buch in vier Kapitel:

  • Sozialmanagement in Kindertagesstätten (22 Seiten)
  • Das Instrument der Balanced Scorecard (17 Seiten)
  • Die Balanced Scorecard im Sozialmanagement (17 Seiten)
  • Entwicklung und Einführung der Balanced Scorecard (51 Seiten)

Kapitel eins bis drei enden mit „Fragen zur Vertiefung und weiterführende Literatur“. Am Buchende findet sich ein Literaturverzeichnis (11,5 Seiten), das auch Gesetzestexte nennt, und Hinweise zum online erhältlichen „Workbook“ („Entwicklung und erste Arbeit mit der Balanced Scorecard“).

Gliederung:

1. Einführung in das Workbook

2. Arbeitsmaterial zur Entwicklung und Implementation einer Balanced Scorecard in Kindertagesstätten

  • Reflexionsanlässe zum Sozialmanagement
  • Überblickspapier: Neun Fakten zur Balanced Scorecard
  • Organisationsdiagnose: Umfeldanalyse und Selbstbeschreibung
  • Strategieentwicklung
  • Entwicklung des Architekturmodells
  • Checkliste Zielauswahl
  • Maske zur Entwicklung von Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen den Kennzahlen
  • Checkliste Kennzahlen
  • Muster für den Mitarbeiter_innenfragebogen zu den Sollwerten
  • Muster für die Dokumentation der Balanced Scorecard
  • Muster für den jährlichen Bericht

3. Checkliste zur Implementation

4. Literaturverzeichnis

Inhalt

In seiner „Einleitung“ verortet Asmussen das vorliegende Werk. Innerhalb der drei Diskursebenen der Elementarpädagogik „Fachkraft-Kind-Ebene“, „Organisationsebene“ und „Systemebene“ greift es einen Ansatz im organisatorischen Segment auf. Der Autor beschreibt unter anderem die Basisannahmen der Balanced Scorecard, die nicht nur in Unternehmen und Non-Profit-Organisationen zu finden seien, sondern auch in der Kindertagesbetreuung genutzt werden. Er stellt das Ziel des Buches und dessen Aufbau dar.

Das erste Kapitel leitet mit „Sozialmanagement in Kindertagesstätten“ in das Thema ein. Asmussen sieht zwei Stränge: Eine „klassische Linie“, in der einzelne Managementfelder wie beispielsweise die Qualitätsentwicklung thematisiert werden, und „neuere Ansätze“, welche die Leitung von Kindertageseinrichtungen als zentralen Ausgangspunkt des Managements aufgreifen. Im ersten Abschnitt gibt der Autor „einige begrifflich-konzeptionelle Vorbemerkungen“. Kitamanagement bewegt sich im Feld der Sozialwirtschaft. Bezogen auf Kindertageseinrichtungen nennt und diskutiert er grundlegende Aspekte. Der Folgeabschnitt „Der funktionell segregierte Blick: drei häufig diskutierte Managementfelder“ geht auf die Themen Qualitätssicherung und -entwicklung, Personalführung und Konzeptentwicklung ein. Nach einem kurzen Blick in die Entwicklung zeigt der Autor die aktuellen Strömungen im elementarpädagogischen Qualitätsdiskurs. Darauf aufbauend, schlägt Asmussen folgende vier Zugänge vor: konzeptbasierte, kriterienbasierte, hochstrukturiert-messende und dialogisch-entwickelnde Verfahren. Der Autor erklärt u.a., dass Personalführung von Personalmanagement und Unternehmensführung abgegrenzt werden muss, erläutert zwei unterschiedliche Arten von Führungstheorien und betont die Bedeutung transformationaler Personalführung. Die Besonderheiten der „Konzeption sozialer Dienstleistung“ und die Kraft der intrinsischen Motivation seien in Non-Profit-Unternehmen zu beachten. Abschließend zeigt er auch den Stand des Diskurses zu Fragen der Konzeption in Kindertagesstätten auf. Im Abschnitt „Mehrperspektivisches Management in Kindertagesstätten“ gibt Asmussen einen Überblick über die Untersuchungen und Werke in diesem Feld, „welches nicht mehr die einzelnen Managementfelder und deren Bearbeitung, sondern die Gesamtleitung der Institution Kindertagesstätte im Sinne einer Unternehmensleitung“ (S. 28) analysiert.

Das zweite Kapitel stellt „das Instrument der Balanced Scorecard“ dar. Es könnte, so Asmussen einleitend, „eine mögliche konzeptionelle Antwort zur Umsetzung eines mehrperspektivischen und integrativen Managements von Kindertagesstätten“ (S. 35) sein. Der Abschnitt „Bezugshorizonte“ geht zunächst auf den managementtheoretischen Kontext, dem strategischen Performancemanagement, ein. Es folgt eine Darstellung der „konzeptionellen Elemente“. Asmussen bewertet das Instrument als das „anspruchsvollste dieses Vorgehens“ (S. 38). Bei seinen Ausführungen legt er den Fokus auf die klassischen Elemente (Kaplan, Norton) und erläutert die Bedeutung des zentralen Elements „Strategie“ als „ein heuristisch kausales Gefüge aus leistungsermöglichenden Faktoren und Leistungsaspekten der Unternehmung.“ (S. 39). Abschnitt 2.3 gibt, gegliedert nach deskriptiven und kausalitätsbezogenen Arbeiten, einen Überblick über die „empirische Befundlage“. Im weiteren Verlauf stellt der Autor den Forschungsbestand zur „Implementation“ dar und zeigt so, durch welche Maßnahmenpakte das Instrument eingeführt werden könnte.

Kapitel drei stellt „die Balanced Scorecard im Sozialmanagement“ in den Fokus. Der Autor nennt im ersten Abschnitt die konzeptionelle und empirische Argumentation als zwei Begründungszusammenhänge und führt diese aus. Außerdem zeigt er auch die Verbreitung des Instruments auf. Während es zahlreiche Nachweise der Diskussion über den Einsatz des Instrumentes in Unternehmen gibt, stellt sich das Bild im Sozialmanagement heterogener dar. Der zweite Abschnitt „Konzeptionelle Grundlagen“ geht auf die Frage, wie die Übertragung in den Non-Profit-Bereich bewertet und was beachtet werden sollte, ein. Beim Umgang mit Kennzahlen im Sozialbereich sieht Asmussen zwei Lager, die Praktmatiker_innen und Kritiker_innen, und stellt deren Punkte dar. Ebenso lassen sich Richtungen bei der Frage, ob die Architektur, also die vorgeschlagenen Perspektiven (Finanzen, Kunder_innen, Lernen, Prozesse) und deren Verknüpfungen, verändert werden sollte, erkennen. Der Autor sieht hier die Positionen der Traditionalist_innen und Refomer_innen. Letztere stehen für eine Weiterentwicklung. Auch Kaplan und Norton haben diese, so der Autor, an zwei Stellen vorgenommen. So sind bei sozialen Dienstleistungen Kostenträger und Leistungsempfänger getrennt zu betrachten und Finanzen durch Sachauftrag zu ersetzen. Asmussen gibt im weiteren Verlauf einen Überblick über verschiedene Architektur- und dann auch Implementationsmodelle. Ausblickend stellt er fest: „Vorläuferstudien zeigen darüber hinaus, dass es durchaus sinnvoll sein kann das doch etwas statische Modell des Change Managements zumindest punktuell zu erweitern.“ (S. 62) Relevant erscheinen ihm der Zugang über die Organisationsentwicklung und das organisationale Lernen. Am Ende zeigt der Autor, wie mit Kausalmodellen im Sozialmanagement umgegangen werden kann. Im Abschnitt „Befunde zur Balanced Scorecard in Kindertagesstätten“ nennt und bewertet Asmussen die wenigen vorliegenden Untersuchungen.

Das vierte, umfangreichste Kapitel beschreibt die „Entwicklung und Einführung der Balanced Scorecard“ in Kindertageseinrichtungen.

Im ersten Abschnitt stellt der Autor ein „Rahmenmodell“ vor. Es beschäftigt sich zunächst mit Grundsätzen des Change Managements. Folgende Ansatzpunkte sollten, so Asmussen, im Sinne des Zugangs über die Organisationsentwicklung und des organisationalen Lernens aufgegriffen werden:

  • Vielfalt der Interventionsmöglichkeiten nutzen.
  • Widerstandsverhalten von Mitarbeiter_innen produktiv nutzen.
  • Komplexität im Implementationsprozess produktiv verarbeiten

Im weiteren Verlauf verortet, begründet und erläutert Asmussen den organisationalen Kontext des Rahmenmodells: Das vorliegende Werk bezieht sich, aufgrund des knappen Forschungsbestands, auf die Implementation in einer einzelnen Einrichtung.

Im weiteren Verlauf skizziert der Autor folgende Interventionsformate:

  • Individuelles Studium
  • Arbeit im Change Team
  • Großteamsitzungen
  • Supervision

Im zweiten Abschnitt werden „die Phasen im Detail“ erläutert:

  • Phase I: Einleitung des Wandels (Einarbeitung, Teamkommunikation, Strukturen aufbauen, Arbeitsprozesse koordinieren)
    Asmussen erläutert, wie geprüft werden kann, ob das Instrument der Balanced Scorecard für die jeweilige Einrichtung passend ist, und beschreibt erste Schritte. Hier kommt erstmals das Onlinematerial, das sogenannte Workbook, zum Einsatz.
  • Phase II: Organisationsdiagnose (Selbstbeschreibung und Umfeldanalyse, ggf. weiterführende Diagnostik)
    Der Autor geht auf den Unterschied zwischen betriebswirtschaftlicher, soziologischer und psychologischer Organisationsanalyse ein. Er nennt erprobte Testverfahren und weist darauf hin, dass bei deren Einsatz in der Regel eine externe Fachkraft benötigt wird. Alternativ zeigt er mit Praxisbeispielen, wie auch interaktive Formate eingesetzt werden können.
  • Phase III: Strategieentwicklung (Erstellung einer Strategie: Mission und Vision)
    Auch wenn strategische Überlegungen im Wettbewerbssinne, so der Autor, in Kindertagesstätten in der Regel nicht vorliegen, zeigt er, wie diese Ansätze mit den (pädagogischen) Konzeptionen in Verbindung stehen und eine Mission bzw. Vision für eine Kindertageseinrichtung entwickelt werden kann.
  • Phase IV: Entwurf eines Architekturmodells (Bestimmung der Perspektiven und Orchestrierung der Ziele)
    Asmussen greift hier wieder die Herausforderung auf, dass es „innerhalb des Sozialmanagements spezifischer Modifikationen der Architektur der Balanced Scorecard braucht.“ (S. 90) Der Autor stellt ein Modell für Kindertageseinrichtungen vor und nennt auch Kriterien für die jeweilige Perspektive.
  • Phase V: Ziele und deren Verknüpfung entwickeln (Entwicklung und inhaltliche Verknüpfung der Ziele)
    Der Autor nennt Zielarten und Hinweise zu deren Entwicklung. Auch im Bereich der Kindertageseinrichtung sollten Kausalzusammenhänge herausgearbeitet werden. Durch die Verknüpfung von Zielen, dies stellt der Autor auch detailliert in einem Schaubild dar, werden zentrale Aspekte der Leistungserstellung verdeutlicht.
  • Phase VI: Kennzahlen, Sollwerte und Handlungen bestimmen (Formulierung von Kennzahlen, Kennzahlensammlung und -einführung)
    Ausgehend von den problematischen Aspekten von Kennzahlen im Non-Profit-Bereich erklärt Asmussen, dass dies keine Ablehnung bewirken sollte, sondern eine fachgerechte Auswahl bedeutsam sei. Im weiteren Verlauf führt er allgemeine Merkmale für diese Kennzahlen auf, stellt geeignete Kennzahlen für den Bereich der Kindertagesstätte vor und beschreibt Funktion und Rolle von Kennzahlen im Non-Profit-Management und deren Implementierung.
  • Phase VII: Bestimmung von Sollwerten und Handlungen (Formulierung von Sollwerten und Handlungen zu deren Erreichung)
    Der Autor beschreibt, welche Soll-Werte unterschieden werden können, den Entwicklungsweg, mögliche Informationsquellen, und was es bei der Formulierung zu beachten gilt. Außerdem geht er nochmals positionierend auf die Frage ein, welche Bedeutung Soll-Werte innerhalb der Balanced Scorecard für Kindertagesstätten haben.
  • Phase VIII: Setup und Kick-Off (Schaffung des weiteren formalen Rahmens und Start der Arbeit)
    In dieser Phase sind, so Asmussen, noch die fehlenden Instrumente zu entwickeln und formale Abläufe zu etablieren. Außerdem, auch hier gibt der Autor Umsetzungshinweise (mit Bezug zum Online-Workbook), geht er auf die Aspekte des organisationalen Lernens zum Instrument ein.

Am Ende des Kapitels zeigt Asmussen die „empirische Befundlage zur Balanced Scorecard in Kindertagesstätten“ und greift hier auf seine Untersuchung aus dem Jahr 2019 zurück.

Diskussion

Das vorliegende Werk wirkt bereits auf dem ersten Blick sehr durchdacht und strukturiert. Die Ausführungen des Studienbuchs sind durchweg – wie es bei einem Werk des Autors zu erwarten war – fachwissenschaftlich fundiert. Alle Belege und Argumentationsstränge sind absolut nachvollziehbar.

Im ersten Eindruck erschien das vorliegende Buch, bewertet man es aus Sicht einer (fachpraktisch ausgebildeten) Leitung einer Kindertageseinrichtung, als sehr forschungsorientiert und theoretisch. Doch dieser Blick relativiert sich, betrachtet man das Werk ab Kapitel vier. Hier wird der Bezug zur praktischen Implementierung und zum Onlinematerial hergestellt. Die Ausführungen ergänzen die Analyse des Fachdiskurses des Autors und dessen fachpraktische Forschungen mit praxisbezogenen Vorschlägen zur Umsetzung und Ausgestaltung des Instruments. Im Workbook, auf das im vierten Kapitel mehrfach hingewiesen wird, finden sich weitere Anregungen und Vorlagen.

Fazit

Das vorliegende Werk beschäftigt sich wissenschaftlich fundiert mit dem Einsatz der Balanced Scorecard in Kindertageseinrichtungen. Es eignet sich in hervorragender Weise für Personen, Studierende oder Lehrende, die sie sich ein Bild über den aktuellen Stand des fachwissenschaftlichen Diskurses verschaffen wollen. Aber auch Praktiker (Leitungskräfte, Träger, Fachberatungen, …), die die Führungsaufgaben einer Einrichtung (neu) ausrichten wollen, finden darin gut umsetzbare Handlungsanleitungen.


Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 28.09.2021 zu: Sören Asmussen: Kitas leiten. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-1605-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26959.php, Datum des Zugriffs 17.10.2021.


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