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Sandra Ückert, Hasan Sürgit u.a.: Digitalisierung als Erfolgsfaktor für das Sozial- und Wohlfahrtswesen

Cover Sandra Ückert, Hasan Sürgit, Gerd Diesel: Digitalisierung als Erfolgsfaktor für das Sozial- und Wohlfahrtswesen. edition sigma im Nomos-Verlag (Baden-Baden) 2020. 351 Seiten. ISBN 978-3-8487-6250-7. 54,00 EUR.
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Thema

Der Band greift Erkenntnisse zum derzeitigen Stand von Digitalisierungen in der Sozialwirtschaft auf und gibt einen Überblick über aktuelle Arbeitsschwerpunkte und Handlungsmöglichkeiten zur weiteren Anwendung von digitalen Applikationen. Hierbei werden wirtschaftliche Entwicklungen von Geschäftsmodellen berücksichtigt, sowie Ansätze zur Veränderungen der Organisation. Die 25 Beiträge geben dabei einen breiten und zugleich auch detailreichen Einblick zur Weiterentwicklung von sozialen Dienstleistungen sowie deren organisationalen Entwicklung, welche sich durch digitale Neuerungen ermöglichen lassen.

Herausgebende

Drei Herausgeber haben die Zusammenstellung der Beiträge ermöglicht. Dabei handelt es sich mit Prof. Sandra Ückert, Professorin für digitale Bildung und Gesundheit, an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management, Dr. Hasan Sürgit, Vorsitzender des Vorstandes des DRK-Landesverband Westfalen-Lippe e.V. und Gerd Diesel, Vorstand des DRK-Landesverband Westfalen-Lippe e.V., um jeweils kenntnisreiche Experten im Feld der Digitalisierung, welche sowohl den Überblick über die gegenwärtigen akademischen Diskussionen sowie deren praktische Anbindung verfügen.

Entstehungshintergrund

Das Buch fasst die Beiträge einer sechsteiligen Vortragsreihe zusammen, welche das DRK unter dem Titel „DRK goes digital“ im Jahr 2019 ausrichtete. Dabei zielten die Vorträge und das Buch nicht darauf ab, das breite Themenfeld der Digitalisierung umfassend zu bearbeiten, sondern einen Beitrag zu essentiellen Fragen im weiteren Umgang mit digitalen Herausforderungen zu leisten. Bereits vor der Corona-Krise stellten die Herausgeber fest, dass die Digitalisierung Ansprüche und Zielsetzungen verändern würden. Die Einschätzung der Herausgeber wird durch die Ereignisse nochmals bestätigt, womit auch die Zielsetzung des Bandes, „die Zukunftspotenziale aufzuzeigen“, an kurzfristiger Bedeutung gewonnen hat.

Aufbau

Das Buch fasst 25 Fachbeiträge in sechs Kapitel zusammen.

  1. Digitalisierung: Basics und Strategien
  2. Digitalisierung in Führung und Management
  3. Digitalisierung in Marketing und Kommunikation
  4. Digitalisierung in der Bildung
  5. Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen
  6. Digitalisierung im Bevölkerungsschutz

Inhalt

Von den Beiträgen sind besonders drei hervorzuheben, welche vor dem Hintergrund einer sich teilweise dynamisierenden Digitalisierung in der Sozialwirtschaft kritische Kernthemen aufgreifen.

  • „Digital Turn – Neue Perspektiven für Mensch, Führung und Organisation“ von Anja Ebert-Steinhübel.

Ebert-Steinhübel stellt einführend fest, dass sozialwirtschaftliche Unternehmen und Institutionen nicht mehr und nicht weniger von der Digitalisierung betroffen seien als andere Branchen auch. Daran schließt sie die prägende Bedeutung von Organisationen und deren Führungsfähigkeiten an, welche die Ausprägung und Wirkung von digitalen Veränderungen prägen. So benötige es auch „Learning Leaders“, welche die zunehmende Unsicherheit durch Stabilität und Vertrauen ermöglichen können.

  • „Teilhabe in einer digitalisierten Welt – Julia Hense

Mit diesem Beitrag geht die bei der Bertelsmann-Stiftung tätige Pädagogin und Projektmanagerin auf Erfolgsfaktoren für digitales Lernen ein. Hense führt dabei aus, dass ein digitaler Frontalunterricht nicht besser sei als ein analoger nur, weil statt einer Kreidetafel ein Smartboard benutzt wird und greift dabei auf zentrale Ergebnisse verschiedenen Studien zurück, welche die Bertelsmann-Stiftung durchgeführt hat. Dabei beschreibt Hense unterschiedliche Strategien der Vergangenheit. Fehlentwicklungen bezeichnet Hense mit einer einstigen Ausrichtung auf die Anschaffung von Hardware. Immer wieder werde in der Praxis viel Geld in Technik investiert, die später nicht genutzt werde. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung wären gleichermaßen die Kompetenzen der Anwender sowie ein auf die Nutzer angepasstes Konzept.

  • Digital Healthcare – Im Spannungsfeld zwischen Vision und Wirklichkeit – Matina Steinröder

Die Beraterin und Lehrbeauftragte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg greift in ihrem Beitrag wesentliche Erkenntnisse zum Stand und der Entwicklung der Telemedizin auf. So wären die Ausgangsbedingungen im internationalen Vergleich als vergleichsweise positiv zu betrachten. Jedoch bestehen zahlreiche Defizite, welche nicht den, für die Gesundheitsinfrastruktur so zentralen Bereich, angemessen sein wären. So führt Steinröder an, dass es besonders an einer eindeutigen Patienten-Kennnummer und die damit verbundene technische Dateninfrastruktur fehle, um kritische Fortschritte realisieren zu können.

Diskussion

Das Buch fasst wesentliche und für die Auseinandersetzung mit digitalen Entwicklungen zentrale Aspekte für die Sozialwirtschaft prägnant zusammen. Grundlegende und weitreichend strategische Aspekte werden genauso berücksichtigt, wie praktische Komponenten. Auch in den unterschiedlichen Beiträgen wird treffend aufgezeigt, in welchen Bereichen Digitalisierungen bereits in der Anwendung sind und einen messbaren Mehrwert bieten und in welchen Bereichen zu hohe Erwartungen noch vorherrschen. Auch durch die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Sozialwirtschaft hat der Band nicht an Aktualität verloren, sondern sogar an Bedeutung gewonnen.

Fazit

Der Band eröffnet mit seinen Fachbeiträgen Führungskräften in der Sozialwirtschaft, die gute Möglichkeit sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Gleichzeitig sind die Beiträge fachlich versiert, sodass auch wichtige Erkenntnisse für die Praxis gewonnen werden können. Die Beiträge bieten wertvolle Impulse zur Nutzung und Entwicklung von digitalen Anwendungen sowie eine auf künftige Herausforderungen ausgerichtete Organisationsentwicklung. 


Rezension von
Christoph Schnabel
Unternehmensberater, perpuls Management GmbH
Homepage www.perpuls.de
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Zitiervorschlag
Christoph Schnabel. Rezension vom 29.01.2021 zu: Sandra Ückert, Hasan Sürgit, Gerd Diesel: Digitalisierung als Erfolgsfaktor für das Sozial- und Wohlfahrtswesen. edition sigma im Nomos-Verlag (Baden-Baden) 2020. ISBN 978-3-8487-6250-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26982.php, Datum des Zugriffs 07.03.2021.


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