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Peter Buttner, Silke B. Gahleitner u.a. (Hrsg.): Soziale Diagnostik in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit

Cover Peter Buttner, Silke B. Gahleitner, Ursula Hochuli Freund, Dieter Röh (Hrsg.): Soziale Diagnostik in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2020. 280 Seiten. ISBN 978-3-7841-3263-1. 29,90 EUR.

Reihe: Hand- und Arbeitsbücher - H 26.
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Thema

Als HerausgeberInnen des Sammelbandes verweisen Peter Buttner, Silke Brigitta Gahleitner, Ursula Hochuli Freund und Dieter Röh in ihrer Einleitung auf Mary Richmond und Alice Salomon. Schon diese Pionierinnen der Entwicklung und Etablierung von Sozialer Arbeit als Beruf zu Beginn des 20. Jahrhunderts erachteten die Soziale Diagnostik als die zentrale Grundlage für professionelles Handeln. Denn nur auf der Basis einer systematischen, nie abgeschlossenen Bestandsaufnahme der komplexen Biografien, Lebenswelten und Lebenslagen der Menschen sowie der diese maßgeblich beeinflussenden institutionellen Bedingungen können Fachkräfte Sozialer Arbeit ihre verständigungsorientierte Zusammenarbeit mit ihren AdressatInnen gestalten. Die HerausgeberInnen knüpfen an die Grundgedanken von Mary Richmond und Alice Salomon an und verstehen Soziale Diagnostik als bedeutsam zur „Professionalisierung der Sozialen Arbeit und auch der Sozialberufe im Allgemeinen“ (S. 3).

Der von ihnen vorgelegte zweite Band des Handbuchs Soziale Diagnostik enthält zahlreiche Bezüge zum ersten Band, in dem nach einer Einführung (Teil A) handlungsfeldübergreifend „Theoretische Perspektiven Sozialer Diagnostik“ (Teil B), „Konzepte Sozialer Diagnostik“ (Teil C) und „Ausgewählte Instrumente und Verfahren Sozialer Diagnostik“ (Teil D) vorgestellt werden (Rezension bei socialnet unter https://www.socialnet.de/rezensionen/24134.php). In dem nun vorliegenden zweiten Band werden die im ersten Band gelegten Grundlagen für elf Handlungsfelder präzisiert, wobei die HerausgeberInnen davon ausgehen, dass dies die „wichtigsten“ (S. 3) Sozialer Arbeit seien: (1) Kinder- und Jugendhilfe, (2) Erwachsenenschutz bzw. rechtliche Betreuung, (3) Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen, (4) Psychiatrie, (5) psychosoziale Traumaarbeit, (6) Altenhilfe, (7) Wohnungslosenhilfe, (8) Justiz, (9) Suchthilfe, (10) Erwerbsintegration, (11) Krankenhäuser sowie Rehabilitationskliniken und neurologische Rehabilitation. In diesen elf Handlungsfeldern werden unter durchgehender Bezugnahme auf einzelne Kapitel im ersten Band des Handbuchs sowohl feldspezifische als auch feldübergreifende Aufgaben und Verfahren bzw. Instrumente Sozialer Diagnostik skizziert. Dabei richten die vier HerausgeberInnen ihren Blick nicht nur auf Deutschland, sondern sie weiten ihn und beziehen in einigen Handlungsfeldern auch die jeweils in Österreich und Schweiz geltenden institutionellen Bedingungen mit ein.

HerausgeberInnen und AutorInnen

Zumindest ihren in einzelnen Kapiteln eingenommenen internationalen Blickrichtungen folgend ist im Team der HerausgeberInnen Ursula Hochuli Freund vertreten. Sie arbeitet am Institut für Professionsforschung und -entwicklung der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz. Des Weiteren wird der Sammelband – ebenso wie der erste – herausgegeben von Peter Buttner, Professor für Soziale Arbeit mit chronisch kranken und behinderten Menschen an der Hochschule München, Silke Brigitta Gahleitner, Professorin für Klinische Psychologie und Sozialarbeit im Arbeitsbereich Psychosoziale Diagnostik und Intervention an der Alice Salomon Hochschule Berlin, und Dieter Röh, Professor für Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Sie haben 21 AutorInnen aus Wissenschaft oder Praxis Sozialer Arbeit gewonnen, die in der Sozialen Diagnostik in dem jeweils von ihnen vorgestellten Handlungsfeld ausgewiesen sind. Von ihnen arbeiten zwei in Österreich und sieben in der Schweiz, die anderen zwölf sind in Deutschland tätig.

Entstehungshintergrund

Wie bereits einführend erläutert ist dieser Sammelband der zweite Band des Handbuchs Soziale Diagnostik. Nach ihrem Verständnis haben die HerausgeberInnen damit „… erstmals eine Übersicht über die Soziale Diagnostik in den wichtigsten Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit“ vorgelegt (S. 3). Dieser zweite ist ebenso wie der erste Band beim Verlag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. entstanden und wird vom Lambertus-Verlag ausgeliefert und vertrieben. Gefördert wurde die Veröffentlichung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Aufbau und Inhalt

Der zweite Band des Handbuchs Soziale Diagnostik umfasst insgesamt 276 Seiten (inklusive knapp eineinhalbseitigem Vorwort der HerausgeberInnen, einem eineinhalbseitigen Inhaltsverzeichnis, den Literaturverzeichnissen zu den einzelnen Beiträgen, dem sich auf fünf Seiten ersteckenden Verzeichnis der AutorInnen und der knapp vierseitigen Inhaltsübersicht von Band 1 im Anhang). Er gliedert sich den oben genannten elf Handlungsfeldern Sozialer Arbeit entsprechend und mit dem einführenden Kapitel der HerausgeberInnen in zwölf Kapitel mit der Besonderheit im Inhaltsverzeichnis, dass nur das große Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe neben einer eigenen Einleitung in vier Unterkapitel gegliedert ist, die jeweils von unterschiedlichen AutorInnen verfasst worden sind. Dies ist zwar auch im Kapitel zum Erwachsenenschutz bzw. der rechtlichen Betreuung der Fall, doch wird dies im Inhaltsverzeichnis nicht ausgewiesen.

„Soziale Diagnostik in den Handlungsfeldern Sozialer Berufe“. In diesem einführenden Kapitel knüpfen die vier HerausgeberInnen an Mary Richmond und Alice Salomon als die zentralen Vorläuferinnen Sozialer Diagnostik an und präzisieren ihr Verständnis: „Sozialer Diagnostik zielt auf das Verstehen der Menschen und ihrer Lebenswelt, ihrer Motive und Handlungen, Ressourcen und Defizite, der sozialen Konstellationen, Strukturen und Rahmenbedingungen, kurz: auf das Verstehen komplexer (psycho)sozialer Sachverhalte“ (S. 9). Damit begegnen sie ausdrücklich der Kritik z.B. von VertreterInnen wie Timm Kunstreich, die einen Gegensatz zwischen Fallverstehen bzw. dialogischem Vorgehen und Sozialer Diagnostik sehen (S. 8). Zudem gehen sie ausführlich auf die Hermeneutik und den „hermeneutischen Zirkel“ (S. 11) in ihrer Bedeutung für die Soziale Diagnostik ein und sprechen explizit von „Bedingungen für gelingendes Verstehen“ (S. 12). Diese sowie die „Gütekriterien“ (S. 16 ff.) für gelingende Soziale Diagnostik liegen implizit den Ausführungen zu den hier einführend schon genannten elf Handlungsfeldern zugrunde. Ebenso dient die von ihnen in Anlehnung an Maja Heiner eingeführte Differenzierung zwischen Orientierungs-, Risiko-, Zuweisungs- und Gestaltungsdiagnostik als eine thematische Struktur, auf die in den nachfolgenden Kapiteln zu Sozialer Diagnostik in den einzelnen Handlungsfeldern immer wieder zurückgegriffen wird.

„Soziale Diagnostik in der Kinder- und Jugendhilfe“. Wie bereits oben erwähnt ist dieses Kapitel das einzige, für das im Inhaltsverzeichnis Unterkapitel ausgewiesen sind. Nach einer kurzen Einführung von Ursula Hochuli Freund erläutert sie gemeinsam mit Miriam Weber im 1. Unterkapitel „Soziale Diagnostik in den Hilfen zur Erziehung“. Zunächst skizzieren die beiden Autorinnen die verschiedenen rechtlichen Rahmenbedingungen der Hilfen zur Erziehung in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie die AdressatInnengruppen und deren spezifische Problemlagen (1.1), bevor sie detaillierter auf Fragen der Sozialen Diagnostik in den Hilfen zur Erziehung eingehen (1.2). Immer wieder Bezug nehmend auf den ersten Band des Handbuchs spannen sie den disziplinären Diskurs auf, stellen Charakteristika diagnostischer Konzepte in den Hilfen zur Erziehung sowie ausgewählte diagnostische Bausteine vor und werfen einen Blick in die Praxis. Das Unterkapitel endet mit einem „Fazit und Ausblick“ (S. 38) (1.3).

Das Unterkapitel „2. Soziale Diagnostik im Kinderschutz“ (S. 42) wurde von Kay Biesel und Marie-Thérèse Hofer verfasst und beinhaltet zunächst die unterschiedlichen „Institutionen zur Sicherstellung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (S. 42) (2.1), bevor auf die „Aufgaben der Sozialen Diagnostik im Kinderschutz“ (S. 43) eingegangen wird (2.2). Des Weiteren stellen die AutorInnen unterschiedliche international verbreitete Instrumente der Sozialen Diagnostik zur Gefährdungseinschätzung kurz dar (2.3) und skizzieren abschließend zu ihrem insgesamt knapp sieben Textseiten umfassenden Beitrag in 2.4 die Herausforderungen Sozialer Diagnostik im Kinderschutz und leisten einen Ausblick.

Auch die Ausführungen von Sigrid A. Bathke zu „3. Soziale Diagnostik in den Frühen Hilfen“ (S. 51) beziehen alle drei DACH-Länder, also Deutschland, Österreich und die Schweiz, mit ihren spezifischen rechtlichen und institutionellen Bedingungen ein (3.1), bevor sie in ihrem insgesamt viereinhalb Textseiten beinhaltenden Beitrag ausgewählte Fragen Sozialer Diagnostik in den Frühen Hilfen anreißen (3.2) und mit einem „Fazit und Ausblick“ (S. 55) enden (3.3).

Im 4. und letzten Unterkapitel gehen Barbara Rieder und Raphaela Sprenger auf ebenfalls viereinhalb Textseiten auf „Soziale Diagnostik in der Offenen Jugendarbeit“ (S. 58) ein, wobei sie sich auf die Mobile Jugendarbeit konzentrieren (4.1) und zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen und Zielgruppen Mobiler Jugendarbeit skizzieren (4.2). Ihre Überlegungen gelten der sozialdiagnostischen Arbeit mit einzelnen jungen Menschen (4.3) sowie mit Gruppen in der Mobilen Jugendarbeit (4.4). Ihr kurzer Beitrag schließt mit einem Ausblick sowie Perspektiven und Entwicklungsbedarf (4.5).

„Soziale Diagnostik im Erwachsenenschutz bzw. in der rechtlichen Betreuung“. Bereits der Titel dieses Beitrages zeigt an, dass sich Robert Müller, Dieter Röh und Daniel Rosch auf die DACH-Länder beziehen. Nach einer kurzen Einleitung (1.) erläutern sie zunächst gemeinsam die rechtlichen Bedingungen in den drei Ländern (2.), bevor sie getrennt konkrete „Verfahren der Sozialdiagnostik in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (S. 69) vorstellen (3.). So hat Dieter Röh das Unterkapitel zu Sozialer Diagnostik in der rechtlichen Betreuung in Deutschland (3.1), Robert Müller jenes zur Sozialen Diagnostik im Erwachsenenschutz in Österreich (3.2) und Daniel Rosch jenes zum Erwachsenenschutz in der Schweiz (3.3) verfasst. Gemeinsam schließen die drei Autoren ihre knapp 18 Textseiten mit einem Fazit ab (4.).

„Soziale Diagnostik in der Eingliederungshilfe“. Dieter Röh und Claudia Spindler beziehen ihre Ausführungen nur noch auf Deutschland und geben nach einer kurzen Einleitung (1.) einen Überblick (2.) dazu, welche Bedeutung Soziale Diagnostik in der Gesamt- (2.1) und Unterstützungsplanung (2.2) in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen hat und wie sie dort eingesetzt wird. Im 3. Kapitel gehen sie ausführlicher darauf ein, wie und mit welchen konkreten Verfahren „Soziale Diagnostik als Vorbereitung einer ICF-basierten Gesamtplanung (Zuweisungsdiagnostik)“ (S. 88) beim Leistungsträger erfolgt. Auch in ihren anschließenden Erläuterungen zu Sozialer Diagnostik „als gestaltungsdiagnostische Aufgabe beim Leistungserbringer“ (S. 90) stellen sie in der Praxis einsetzbare Verfahren bzw. Instrumente vor (4.) wie die „Persönliche Zukunftsplanung“ (S. 90, 4.1), „Systemische Syndromanalyse“ (S. 97, 4.2), „Rehistorisierung/Verstehende Diagnostik“ (S. 99, 4.3) und „Das Partizipationsmodell von Mirenda/Beukelmann im Rahmen der Unterstützten Kommunikation“ (S. 103, 4.4). Der insgesamt 24,5 Textseiten umfassende Beitrag schließt mit einer Zusammenfassung (5.).

„Soziale Diagnostik in der Psychiatrie“. Auch dieses von Peter Buttner und Stefan Pohlmann bezieht sich nur auf Deutschland und die dortige Psychiatrie. Nach einer kurzen Einleitung (1.) stellen die Autoren das vierte Handlungsfeld zunächst vor (2.), bevor sie im Weiteren auf Grundfragen und konkrete Verfahren der Diagnostik in diesem Feld eingehen (3.) wie jenen zu deren Standardisierung (2.1), zu Sozialer Basisdiagnostik (3.2) und weitergehenden diagnostischen Verfahren (3.3). Die insgesamt 21 Textseiten werden mit einem Fazit beendet (4.).

„Soziale Diagnostik in der psychosozialen Traumaarbeit“. Dieser knapp 16 Textseiten beinhaltende Beitrag von Silke Brigitta Gahleitner, Andrea Basedow und Heiner van Mil bezieht sich in meinem Verständnis streng genommen nicht auf ein Handlungsfeld Sozialer Arbeit, sondern auf die Methode der psychosozialen Traumaarbeit, die in unterschiedlichen Feldern eingesetzt werden kann. Dennoch bezeichnen die AutorInnen die psychosoziale Traumaarbeit ausdrücklich als ein Handlungsfeld (S. 138) und erläutern, wie sie z.B. bei Menschen mit Fluchterfahrungen (2.1) oder häuslicher Gewalt (2.2) eingesetzt werden kann. Anschließend stellen sie „Traumapädagogisches diagnostisches Fallverstehen“ (3.) mit seiner Grundhaltung (3.1) und dem Prozess (3.2), auch an dem Fallbeispiel Tim (S. 149) dar. Mit „4. Schluss und Ausblick“ endet dieser Artikel.

„Soziale Diagnostik in der Altenhilfe“. Nach einer kurzen Einleitung (1.) greifen Stefan Pohlmann und Peter Buttner grundlegende Fragen zur Aussagekraft und zum Zuschnitt der Diagnostik in der Altenhilfe auf (2.) und stellen eine „Auswahl geeigneter Instrumente und Verfahren“ (S. 161) vor (3.). Ferner gehen sie auf die „Bedeutung der Haltung“ (S. 166, 4.) ein. Ihre zwölf Textseiten abschließend streben die Autoren aufgrund der „Komplexität und Dynamik von Anfechtungen im Alter“ (S. 168) eine Diagnostik an, die auf Interprofessionalität und einer Ausbildung (5.) basiert.

„Soziale Diagnostik bei Wohnungsnotfällen“. Jan Molle und Harald Ansen geben zunächst einleitend einen knappen Überblick zu ihrem Beitrag (1.), bevor sie klären, was unter Wohnungsnotfällen in Deutschland verstanden wird, und auf „Sozialdiagnostisch relevante Aspekte von Wohnungsnotfällen“ (S. 173) eingehen (2.). Ferner stellen sie mit engen Bezügen zu einigen Kapiteln im ersten Band des Handbuchs Soziale Diagnostik „Inhaltliche Kategorien Sozialer Diagnostik bei Wohnungsnotfällen“ (S. 176) sowie konkrete Arbeitshilfen in tabellarischer Form vor (3.). Auch wieder in Tabellen illustrieren sie die Nutzung der Arbeitshilfen am Fallbeispiel von Frau M. (4.) und ziehen abschließend zu ihren rund 21 Textseiten umfassenden Beitrag ein Fazit (5.).

„Soziale Diagnostik in der justiznahen Sozialen Arbeit“. Wie auch schon andere AutorInnen leitet Christina S. Plafki ihren sich nur auf Deutschland beziehenden Beitrag ebenfalls ein (1.), indem sie sich u.a. auf einzelne Kapitel des ersten Bandes des Handbuchs bezieht. Grundlegend verortet sie „Diagnostische Ansätze“ (S. 198) in der justiznahen Sozialen Arbeit in der Kriminologie (2.). Vor allem verweist sie ausgehend von der Rückfallforschung auf die Bedeutung „Risikoorientierte[r] Diagnostik“ (S. 199), zu der sie auch das „Risk-Need-Responsivity model (RNR)“ (S. 200, i. O. kursiv) vorstellt, (3.). In „Protektive Faktoren und Desistance in der Diagnostik“ (S. 202) präsentiert Christina S. Plafki ausgewählte Diagnoseverfahren (4.), die sie um weitere Beispiele ergänzt (5.). Abschließend fasst sie ihre sich auf gut 14 Textseiten erstreckenden Ausführungen zusammen (6.).

„Soziale Diagnostik in der Suchthilfe“. Rita Hansjürgens bezieht sich ebenfalls nur auf Deutschland und erläutert nach einem kurzen Überblick (1.) zu ihrem knapp zwölf Textseiten beinhaltenden Artikel „Arbeitsfelder der professionellen Suchthilfe“ (S. 216, 2.). Nach grundlegenden Hinweisen zu Sozialer Diagnostik in der Suchthilfe (3.) geht sie am Beispiel des Sozialberichts auf ein konkretes Diagnoseinstrument ein (4.). Als von besonderer Bedeutung begründet sie den „Zusammenhang zwischen ‚schwerer Erreichbarkeit‘, diagnostischen Verfahren und einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung“ (S. 221, 5.) in der Suchthilfe. Ebenso betont sie, dass die Diagnoseergebnisse in organisationalen und administrativen Kontexten anerkannt und eingebunden werden sollten (6.), bevor sie abschließend ein Fazit (7.) aus ihren Überlegungen zieht.

„Soziale Diagnostik in der Erwerbsintegration“. Dieses knapp 20 Textseiten beinhaltende Kapitel bezieht sich wieder auf die drei DACH-Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz. Es wird zunächst von den vier darin vertretenen AutorInnen Ursula Hochuli Freund, Dorothee Schaffner, Matthias Widmer und Andrea Basedow gemeinsam eingeleitet (1.). Die beiden daran anschließenden Unterkapitel zu Sozialer Diagnostik im Übergang Schule und Beruf bzw. der Berufsintegration (2.) sowie zur Integration von Menschen mit Behinderungen in Erwerbsarbeit (3.) wurden jedoch von unterschiedlichen AutorInnen geschrieben. So stellen Dorothee Schaffner und Andrea Basedow „Kompetenzanalysen und Matching in der Berufsintegration“ (S. 231, 2.1) und Ansätze für als benachteiligt geltende junge Menschen im Übergang zwischen Schule und Beruf (2.2) – auch anhand eines konkreten Angebots in der Schweiz – vor. Ebenfalls illustriert anhand eines ausgewählten Beispiels gehen sie im Weiteren auf die Besonderheiten Sozialer Diagnostik in der Berufsintegration junger Menschen mit Behinderungen ein (2.3), bevor sie ihren Beitrag mit einem Fazit (2.4) schließen. Im zweiten Unterkapitel beschäftigen sich Ursula Hochuli Freund und Matthias Widmer mit Sozialer Diagnostik in „Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben“ (S. 238, 3.). Zunächst skizzieren sie die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in den drei DACH-Ländern, bevor sie einzelne „Standardisierte diagnostische (Einzel-)Instrumente“ (S. 241) vorstellen (3.2). Grundlegend plädieren sie für „Ganzheitliche Zugänge Sozialer Diagnostik“ (S. 243) in diesem Handlungsfeld (3.3) und veranschaulichen diese Notwendigkeit auch anhand ausgewählter Beispiele und Diagnoseinstrumente in der Praxis. Abschließend ziehen sie ein Fazit und geben einen Ausblick (3.4).

„Soziale Diagnostik in der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit“. Auch dieses den Sammelband abschließende, zwölf Textseiten umfassende Kapitel wurde von unterschiedlichen Autoren verfasst und betrachtet nur die Bedingungen in Deutschland. Zunächst gibt Dieter Röh einen einleitenden Überblick (1.) und weist ausdrücklich darauf hin, dass dieses elfte und letzte vorgestellte Handlungsfeld nicht trennscharf von jenen der Psychiatrie, psychosozialen Traumaarbeit, Altenhilfe und Suchthilfe abzugrenzen sei (S. 253). Dennoch haben sich die Autoren dazu entschieden, ihren Blick auch noch auf Soziale Diagnostik im „Krankenhaussozialdienst im kurativen und rehabilitativen Sektor sowie [in der] wohnortnahe[n] neurologische[n] Rehabilitation“ (S. 252) zu richten. Diesem Anliegen entsprechend erläutert Stephan Dettmers im zweiten Unterkapitel (2.) zunächst sowohl die Leistungsangebote Sozialer Arbeit in Akutkrankenhäusern (2.1) als auch jene in Rehabilitationskliniken“ (S. 253), bevor er skizziert, wie Soziale Diagnostik in diesen beiden Feldern gestaltet wird (2.3). Im zweiten Unterkapitel (3.) richten Peter Buttner und Alexander Thomas ihren Blick auf „Soziale Diagnostik in der neurologischen Rehabilitation“ (S. 259) und führen aus, welche sozialdiagnostischen Kompetenzen in dieser Sozialen Arbeit mit Menschen mit Hirnschädigungen notwendig sind (3.1). Dabei präsentieren sie auch ausgewählte Diagnoseverfahren und betonen ausdrücklich – auch mit Bezügen zu Kapiteln im ersten Band des Handbuchs Soziale Diagnostik –, dass in diesem Handlungsfeld Sozialer Arbeit ebenso wie in allen anderen vor allem „diagnostisches Fallverstehen“ (S. 263) gefordert sei (3.2). Sie schließen ihre Ausführungen mit einem „Resümee und Ausblick“ (S. 263, 4.).

Fazit

Aufgrund der zahlreichen, in allen Beiträgen vorhandenen konsequenten Bezüge zu einzelnen Kapiteln in Band 1 des Handbuchs Soziale Diagnostik ist es den HerausgeberInnen meines Ermessens gelungen, die grundlegenden Ausführungen zu theoretischen Perspektiven, Konzepten, Verfahren und Instrumenten Sozialer Diagnostik aus Band 1 in den elf von ihnen als am wichtigsten erachteten Handlungsfeldern Sozialer Arbeit in Band 2 zu präzisieren und „Wege und Mittel handlungsfeldspezifischer Sozialer Diagnostik darzustellen“ (S. 3). Dabei beschränken sie sich zumindest in drei Handlungsfeldern nicht nur auf die gesetzlichen bzw. institutionellen Bedingungen in Deutschland, sondern beziehen auch Österreich und die Schweiz mit ein. Dieser internationale Blick in die DACH-Länder hat für mich den bereichernden Nebeneffekt, in den betreffenden Feldern nicht nur etwas über Soziale Diagnostik, sondern komprimiert auch über die spezifischen Bedingungen in Österreich und der Schweiz zu erfahren.

Obwohl ich die Unterteilung in die elf Tätigkeitsfelder nicht in jedem Fall systematisch und trennscharf finde, leisten für mich die verschiedenen Beiträge sehr informative Einblicke in die dort jeweils geltenden institutionellen Bedingungen sowie vorhandenen Strukturen, Anforderungen und Verfahren Sozialer Diagnostik. Deshalb empfehle ich diesen Band 2 des Handbuchs Soziale Diagnostik ausdrücklich Studierenden und PraktikerInnen Sozialer Arbeit sowie anderer Sozialberufe als Lektüre! Für mich vergleichbar mit einem Nachschlagewerk ermöglicht ihnen dieser Sammelband, sich schnell bei sozialdiagnostischen Fragen in dem jeweils sie interessierenden Handlungsfeld einen Überblick zu verschaffen und einen breiten Literaturfundus zur weitergehenden Beschäftigung zu finden. Denn mehr als eine erste Orientierung zu Sozialer Diagnostik in den elf Handlungsfeldern vermag meines Erachtens dieser Band 2 des Handbuchs Soziale Diagnostik aufgrund der Kürze der Beiträge – sie zeigt sich auch in der jeweils von mir angegebenen Anzahl der Textseiten – nicht zu leisten, aber auch nicht weniger, und dies finde ich gar nicht so wenig!


Rezension von
Prof. Dr. Ruth Enggruber
Hochschule Düsseldorf, FB Sozial- und Kulturwissenschaften
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Zitiervorschlag
Ruth Enggruber. Rezension vom 20.10.2020 zu: Peter Buttner, Silke B. Gahleitner, Ursula Hochuli Freund, Dieter Röh (Hrsg.): Soziale Diagnostik in den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2020. ISBN 978-3-7841-3263-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27029.php, Datum des Zugriffs 25.11.2020.


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