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Wilhelm Rotthaus (Hrsg.): Fallbuch der systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen

Cover Wilhelm Rotthaus (Hrsg.): Fallbuch der systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2020. 240 Seiten. ISBN 978-3-8497-0351-6. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.

Reihe: Kinder- und Jugendlichentherapie.
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Thema

Das vorliegende Buch ist ein Sammelband mit praxisorientierten Beiträgen zu systemischen Therapieverläufen mit Kindern und Jugendlichen und deren Bezugssystemen. Systemische Therapien blicken auf eine jahrzehntelange Tradition zurück und stellen neben anderen Therapieformen eine State-of- the-Art-Behandlung dar. Dennoch erscheint dieses Buch mit seinen praxisnahen Fallverläufen und Diskussionen einen besonders wertvollen Beitrag zum vertieften Verständnis dieses Therapieansatzes zu liefern.

Autor*innen und Herausgeber

Der Herausgeber dieses Sammelbandes, Wilhelm Rotthaus, kann über eine langjährige Praxis als Fachbereichsarzt für Psychiatrie und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche und als systemischer Psychotherapeut zurückblicken. Die Autorinnen und Autoren der Texte, Corina Ahlers, Mathias Berg, Wiltrud Brächter, Barbara Bräutigam, Michael Buscher, Andrea Caby, Björn Enno Hermanns, Alexander Korittko, Maren Krüger, Simone Lamerz, Christoph Möller, Bernd Reiners, Ingo Spitczok von Brisinski, Manfred Vogt, Livia Voneschen, Claudia Wach, Anne Wchtmann und Charlotte Wirl wurden von Wilhelm Rotthaus angeregt, charakteristische Aspekte des Vorgehens in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und deren Familien zu beleuchten (vgl. Rotthaus, 2020, Einleitung, S. 7).

Entstehungshintergrund

Bei der Auswahl der Texte und Falldarstellungen wurde demnach darauf fokussiert, dass der jeweilige Einzelfall systemtherapeutische Überlegungen und Vorgehensweisen auch für nicht-systemisch geschulte (Fach)menschen verdeutlichen hilft (vgl. Rotthaus, 2020, Einleitung, S. 7).

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Sammelband gliedert sich in eine Einleitung und sechzehn Beiträge der oben namentlich erwähnten Fachexpertinnen und -experten. Eine zusammenfassende Betrachtung ist nicht enthalten.

Einleitung

Hier wird die Motivation seitens des Herausgebers Wilhelm Rotthaus für diesen Sammelband dargelegt und auch die Auswahl der Falldarstellungen wie bereits im Entstehungshintergrund dieser Rezension angeführt, begründet. Zusätzlich werden die Handlungsprämissen der systemischen Therapie aus Sicht des Herausgebers verdeutlicht. Auch wird der Anspruch bei der Auswahl der Beiträge dargelegt, die Vielfalt des methodischen Vorgehens exemplarisch zu verdeutlichen.

Von den folgenden sechszehn Beiträge wird hier der erste Beitrag kurz skizziert, um der Leser*innenschaft einen geeigneten Einblick zu liefern, was sie mit der Lektüre dieses Sammelbandes erwartet.

Beitrag 1: Luisa

Befasst sich mit einer fünfjährigen weiblichen Indexpatientin, deren Eltern und ihrem Bruder. Vorstellungsgrund sind Beschreibungen der Mutter in Richtung Verhaltensauffälligkeiten von Luisa, wo „zwei Gesichter“, jenes in der Kita und jenes zu Hause, beschrieben werden. Vor allem bei der Abholsituation und zu Hause werden seitens der Mutter regressive Verhaltensweisen mit Einnässen und Einkoten beschrieben. Die älteste Tochter der Familie sei mit zwei Jahren an einer Krankheit verstorben, seither habe sich der Vater zurückgezogen.

Der Beitrag entwickelt in Folge Einblick in das therapeutische Vorgehen, die gebildeten und zur Verfügung gestellten Hypothesen und in die Sitzungsverläufe. Hypothesen reichen von „noch nicht wirklich getrauert“, bis hin zu Triggerphänomenen, bzw. der Hypothese, dass das verstorbene Kind „einen riesengroßen Platz“ in der Familie einnehme und daher die Auffälligkeit von Luisa in Richtung Balance der Aufmerksamkeit deutbar wäre (vgl. Caby, 2020, S. 16 - 18).

Interventional wird unter anderem mit Familienbrett-skulpturarbeit, systemischen Fragen, therapeutischen Geschichten und final mit einer so bezeichneten Trauerkiste gearbeitet. Hier wurde im Rahmen eines Familiengespräches die beiden Kinder der Familie gebeten, „wo der Platz der Erinnerung an die verstorbene Schwester sein könnte“ (Caby, 2020, S. 21). Daneben wurden Überlegungen mit den Eltern ausgestauscht, wie ein „kindgerechtes und lösungsorientiertes Familienleben“ unter altersgerechtem Miteinbezug der Kinder stattfinden könne (vgl. Caby, 2020, S. 21).

Auf den folgenden drei Seiten des Beitrages wird eine kritische Reflexion des Fallverlaufes dargelegt. Dieser reflektiert den Erstkontakt, die Überlegungen zum Vorgehen und zu den handlungsleitenden Hypothesen, den Herausforderungen und der kritischen Auseinandersetzung mit den Interventionen.

Diskussion

Die sechzehn Beiträge dieses praxisnahen Sammelbandes variieren im Sinne der Ausführlichkeit und der Art und Weise der Darstellungslogik. Im Sinne der Vergleichbarkeit wäre eine einheitliche Vorgehensweise in der Darstellung sicherlich hilfreich. Beispielweise wäre bei jedem Beitrag eine Art „kritische Reflexion“ zum Abschluss interessant. Einige Beiträge enthalten Literaturhinweise andere nicht.

Fazit

Abschließend kann das vorliegende Werk zur systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen und deren Familien einem interessierten Fachpublikum empfohlen werden. Die Absicht des Herausgebers, einen praxisnahen Einblick in systemische Therapien zu geben, kann in Summe als gelungen bewertet werden. Es werden in diesen sechzehn Beiträgen die unterschiedlichen Vorgehensweisen innerhalb der systemisch orientierten Therapie anhand interessanter Fallbeiträge und Fallverläufe verdeutlicht. Eine zusammenführende abschließende Betrachtung durch den Herausgeber wäre bei einer folgenden überarbeiteten Auflage wünschenswert. In Summe jedoch sollte dieser Sammelband als praxisnahe Verdeutlichung systemischer Therapie in keiner Fachbibliothek fehlen.


Rezension von
Mag.a Dr.in Marianne Forstner
Lehrende und Lehrgangseiterin FHOÖ, Lehrgang Sozialpädagogik und Erlebnispädagogik, Supervisorin und Mal- und Gestaltungstherapeutin
Homepage www.fh-ooe.at/campus-linz/studiengaenge/lehrgaenge/ ...
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Zitiervorschlag
Marianne Forstner. Rezension vom 29.01.2021 zu: Wilhelm Rotthaus (Hrsg.): Fallbuch der systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2020. ISBN 978-3-8497-0351-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27063.php, Datum des Zugriffs 07.05.2021.


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