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Margherita Zander (Hrsg.): Kinderarmut. Einführendes Handbuch [...]

Cover Margherita Zander (Hrsg.): Kinderarmut. Einführendes Handbuch für Forschung und soziale Praxis. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 284 Seiten. ISBN 978-3-531-14450-4. 26,90 EUR.

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Thema

Das Phänomen Kinderarmut wurde lange Zeit ausschließlich mit Ländern der dritten Welt assoziiert. Erst vor kurzem ist auch Kinderarmut in Deutschland zum Thema für Medien und Forschung geworden. Aufgeschreckt von diversen empirischen Befunden zum vermeintlichen Armutsrisiko Kind, aber auch zum bildungspolitischen Desaster der PISA-Ergebnisse, wird Kinderarmut mittlerweile als ganzheitliches Problem betrachtet und werden aller Orten Ideen für eine bessere und gerechte Verteilung von Lebenschancen armer Kinder diskutiert. Oft bleibt es jedoch beim verkürzten Blick über den Tellerrand, wenn etwa ohne ausreichendes Kontextwissen zu den sonstigen Rahmenbedingungen skandinavische Maßnahmen zur Eindämmung der Kinderarmut in Deutschland propagiert werden.

Der vorliegende Sammelband stellt einige Fehlinterpretationen der auch in sozialwissenschaftlichen Kreisen oft schief geführten Diskussion richtig: So sind Kinder eben kein Armutsrisiko, sondern Betroffene von Armut. Und so entwickeln arme Kinder durchaus unabhängig von ihren Eltern Lösungsstrategien zur Überwindung ihrer Armut - Ressourcen, die in der sozialen und pädagogischen Arbeit genutzt werden können.

Die Publikation fasst den aktuellen Forschungsstand zu Kinderarmut zusammen und stellt durch Beiträge aus unseren Nachbarländern den Anschluss an den europäischen Diskurs her.

Aufbau und Inhalt

  1. Im ersten Teil des Sammelbandes wird Kinderarmut aus europäischer Sicht diskutiert. In Beiträgen aus Großbritannien, Polen, Finnland und Italien werden Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in der Rezeption von Kinderarmut und der Möglichkeiten ihrer Überwindung vorgestellt. Dabei stützen sich alle Beiträge auf empirische Studien, die z. T. von den AutorInnen selbst durchgeführt wurden.
  2. Im zweiten Part des Buches stehen die Bewältigungschancen von Armutslagen durch die betroffenen Kinder im Vordergrund. Auch hier werden die Ergebnisse (deutscher) Studien vorgestellt und anhand unterschiedlicher Lebensphasen - ausgehend vom Vorschulalter über das Grundschulalter bis hin zum Besuch weiterführender Schulen - die durchaus kreativen Copingstrategien armer Kinder analysiert. Ein Beitrag zu Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund rundet diesen Teil ab.
  3. Der dritte Abschnitt der Publikation beschäftigt sich mit Armutsprävention. Aus unterschiedlichen Feldern sozialer Praxis werden - z. T. modellhaft - Ansätze beschrieben, mit deren Hilfe Armut erst gar nicht entstehen muss. Frühe Hilfen sowie präventive Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Arbeit und Haushaltsführung werden als Handlungsperspektiven für die PraktikerInnen Sozialer Arbeit aufgezeigt.

Diskussion

Das Handbuch wendet sich lt. Verlagsinformation sowohl an ForscherInnen aus den Sozial- und Erziehungswissenschaften als auch an PraktikerInnen der Sozialen Arbeit und sonstige politisch Interessierte. Die Beiträge sind durchweg gut lesbar und setzen zunächst keine Fachkenntnisse voraus. Für die "Professionellen" bedeutet dies im Umkehrschluss, dass immer wiederkehrende Erklärungen bspw. der EU-Definition zur relativen Armut auf die Dauer etwas ermüden, aber nur auf diese Weise ist es möglich, ein so breites Publikum wie von der Herausgeberin gewünscht zu erreichen. Auch können so gezielt nur einzelne Beiträge gelesen werden, da die Artikel zwar systematisch geordnet sind, aber nicht zwangsläufig aufeinander aufbauen.

Wer das Buch von vorn bis hinten durchliest, erhält dagegen einen hochaktuellen und spannenden Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zu Kinderarmut in Deutschland. Der Blick auf andere europäische Länder weitet die Perspektive und ermöglicht die fundierte Übertragung von "best practice" auch auf deutsche Verhältnisse. Der Herausgeberin ist es gelungen, namhafte AutorInnen in einem Sammelband zu vereinen, die allesamt eine lange Forschungspraxis aufweisen, auf einzelne Namensnennungen sei daher hier verzichtet.

Fazit

Dieses Buch ist Pflichtlektüre für alle Menschen, seien es Profis oder interessierte Laien, die sich mit dem Thema Kinderarmut beschäftigen oder am aktuellen Diskurs darüber teilnehmen möchten. Einziger Wermutstropfen ist die offenbar fehlende Endkorrektur, so müssen sich die LeserInnen bei fast jedem Beitrag von alter auf neue Rechtschreibung umstellen und stolpern über etliche Flüchtigkeitsfehler.


Rezensentin
Prof. Dr. Susanne Gerull
Professorin für Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit mit den Schwerpunkten Armut, Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit und niedrigschwellige Sozialarbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin
Homepage www.susannegerull.de
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Zitiervorschlag
Susanne Gerull. Rezension vom 21.02.2006 zu: Margherita Zander (Hrsg.): Kinderarmut. Einführendes Handbuch für Forschung und soziale Praxis. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. ISBN 978-3-531-14450-4.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-531-17267-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2709.php, Datum des Zugriffs 12.12.2018.


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