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Florian Sedlacek, Sandra Peukert u.a.: Praxisbuch Strategische Jugendlichentherapie bei internalisierenden Störungen (SJT)

Cover Florian Sedlacek, Sandra Peukert, Annette Richter-Benedikt: Praxisbuch Strategische Jugendlichentherapie bei internalisierenden Störungen (SJT). Einzel- und Gruppentherapie, psychotherapeutische Eltern- und Familienarbeit. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2018. 213 Seiten. ISBN 978-3-86294-062-2. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
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Thema

Im Buch wird ein spezifischer Behandlungsansatz für internalisierende Störungen des Jugendalters, die Strategische Jugendlichentherapie (SJT) in Gestalt eines Praxisbuches dargestellt. Zielgruppe der SJT sind Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 14 – 21 Jahren mit Störungen, die man grob skizzieren kann als Angst-, und depressive und somatoforme (psychosomatische) Störungen.

Die SJT ist eine von Annette Richter-Benedikt initiierte Adaptation der Strategisch-Behavioralen Therapie (SBT), die wesentlich durch den Münchener Arzt und Psychologen Serge Schulz (zusammenf. Sulz, 2014a) entwickelt wurde. Dessen Name ist unlösbar verbunden mit dem Münchener Centrum für Integrative Psychotherapie (CIP) und der CIP-Akademie, einem der bedeutendsten deutschen Aus- und Weiterbildungszentren für Psychotherapie. Eine zusammenfassende Darstellung der SBT findet sich in Gernot Haukes „Strategisch Behaviorale Therapie“ (Berlin – Heidelberg: Springer, 2013).

Die SJT ist ein spezifischer Behandlungsansatz der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, der seinen Ursprung beim integrativen Ansatz Sulzscher Prägung nicht verleugnet; auch für die SJT gilt die Maxime: „tiefenpsychologisch denken, verhaltenstherapeutisch handeln“ (S. 5).

Entstehungsgeschichte

Das vorliegende Werk ist das dritte Buch zur SJT. Bereits im Jahr 2015 waren zwei Evaluationsstudien zur SJT publiziert worden: Annette Richter-Benedikts „Strategische Jugendlichentherapie (SJT): Konzeption und Evaluation im Einzel- und Gruppensetting in der Psychotherapie von Jugendlichen“ (Norderstedt: Books on Demand, 2016) und Florian Sedlaceks „Strategische Jugendlichentherapie (SJT) bei internalisierenden Störungen und Schulverweigerung“ (Norderstedt: Books on Demand, 2015 – socialnet Rezension). In beiden Wirksamkeitsstudien fand ein Eigenkontrollgruppendesign Verwendung, der Unterschied besteht in der betrachteten Stichprobe: im ersten Fall war es eine ambulante, im zweiten eine teilstationäre Behandlungsgruppe. Eine weitere Evaluationsstudie zur SJT, durchgeführt im teilstationären Setting, wurde im März 2020 veröffentlicht: Sandra Peukerts „Familienarbeit in der Strategischen Jugendlichentherapie: Eine Evaluation der psychotherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen und ihren Bezugspersonen“(Heekerens 2020, https://www.socialnet.de/rezensionen/27079.php).

Das vorliegende Praxisbuch fußt auf den Behandlungserfahrungen von Sandra Peukert und Florian Sedlacek, die bei ihrer klinisch-psychologischen Tätigkeit von Annette Richter-Benedikt supervisorisch begleitet wurden. Mit deren weit reichender Unterstützung konnten die Erstgenannten der SJT jene Gestalt geben, die hier präsentiert wird.

Autorenschaft

Florian Sedlacek, Dipl.-Soz.päd. und Dr. phil., arbeitet als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in privater Praxis in Fürstenfeldbruck und als Supervisor (Verhaltenstherapie). Er hat die o.g. Evaluationsstudie zur SJT verfasst und ist berufspolitisch aktiv (vgl. etwa Sedlacek, 2016).

Sandra Peukert, Dipl.-Soz.päd. und Dr. phil., arbeitet als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in derselben Praxis wie Florian Sedlacek. Sie hat die jüngste Evaluationsstudie zur SJT verfasst (s.o.) und ist auch als Dozentin und Supervisorin tätig.

Annette Richter-Benedikt, Dipl.-Psych. und Dr. phil., ist Psychologische Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche, Erwachsene (VT) und Supervisorin. Ferner ist sie Dozentin an der CIP-Akademie, München, wo sie die Leitung für die Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (VT) innehat. Dozentin ist sie auch am vfkv – Ausbildungsinstitut München; vfkv steht für Verein zur Förderung der klinischen Verhaltenstherapie. Sie hat o.g. Evaluationsstudie zur SJT verfertigt und ist auch berufspolitisch aktiv (z.B. in Sulz, 2014b; vgl. Heekerens, 2014).

Aufbau und Inhalt

Den Kern des Buches machen sechs Kapitel aus. Denen voran stehen ein Geleitwort von Serge Sulz, das über die neuere Geschichte der Psychotherapie wohl informierte Vorwort der Autorenschaft sowie ein recht genauer Überblick über das Praxisbuch. Den Abschluss bilden das Literaturverzeichnis, ein Stichwortverzeichnis (Sach-, kein Personenregister) sowie eine ganze Reihe von Kopiervorlagen (Arbeitsblätter für die Gruppentherapie sowie Handouts für die psychoedukative Eltern- und Familienarbeit).

Grundlagen der Verhaltenstherapie bei internalisierenden Störungen, Kapitel 1, bietet für die drei im Falle der SJT relevanten Störungsbilder (Angststörungen, Depression sowie somatoforme Störungen) gesondert erstens jeweils ein ätiologisches Modell und zweitens zentrale Therapiemethoden.

In Kapitel 2. werden Grundlagen der Strategischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie unter einer dreifachen Perspektive dargestellt: Genese psychischer Störungen, Fallverständnis sowie Therapieziele und Behandlungsplan.

Im 3. Kapitel Einzeltherapie im Prozess: Beziehung, Klärung, Bewältigung wird die therapeutische Grundhaltung von SJT-Therapeut(inn)en beschrieben; der Schwerpunkt liegt auf der dem therapeutischen Prozess förderlichen Beziehungsgestaltung.

In Gruppentherapie, Kapitel 4, findet sich nach einer Erörterung, wie streng man „Manualisierung“ auszulegen habe und der Skizze eines Stufenmodells der Gruppentwicklung (und den jeweils geforderten therapeutischen Haltungen) eine detaillierte Darstellung von insg. 17 Gruppentherapiestunden.

In Kapitel 5 Psychotherapeutische Eltern- und Familienarbeit werden zum einen die sechs Psychoedukativen Elterngruppenstunden (je 1,5 Zeitstunden) detailliert beschrieben. Zum anderen werden die zentralen Aspekte der im Rahmen der SJT zur Geltung kommenden bedürfnis- und entwicklungsorientierten Eltern- und Familienarbeit skizziert.

Im 6. und Abschlusskapitel Erlebnispädagogische Übungen werden 23 erlebnisaktivierende Interaktionsspiele, die in der Gruppenarbeit zum Einsatz kommen (können) dargestellt und ihre Möglichkeiten beschrieben.

Diskussion

Die genannten Interaktionsspiele werden hierzulande seit Anfang der 1990er der Erlebnispädagogik zugeschrieben, haben mit dieser aber historisch nichts zu tun, sondern stehen in der Tradition der Interaktionsspiele (Heekerens, 2019); aber das ist nur eine Nebenbemerkung.

Generell ist zu sagen: Im vorliegenden Handbuch wird ein theoretisch begründetes störungsspezifisches Treatment vorgestellt, das aus einzelnen klar identifizierbaren Elementen besteht. Deren Bezug ist klinisch gut begründet. Das Treatment ist der sog. „Dritten Welle der Verhaltenstherapie“ (Voderholzer, 2019) zuzurechnen, deren gemeinsames Merkmal darin besteht, neben der Kognition (Zweite Welle) auch der Emotion(sregulierung) gebührenden Platz einzuräumen.

Fazit

Es ist der SJT zu wünschen, dass sie in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Deutschlands und des gesamten deutschsprachigen Raums bekannter wird und einen festen Platz im Behandlungsrepertoire der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bei internalisierenden Störungen einnimmt.

Literatur

Heekerens, Hans-Peter (2014). Rezension vom 28.11.2014 zu Serge K.D. Sulz (Hrsg.), 2014: Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft. Norderdstedt: Books on Demand GmbH. In: socialnet Rezensionen. Verfügbar unter: http://www.socialnet.de/rezensionen/17976.php.

Heekerens, Hans-Peter (2019). 100 Jahre Erlebnispädagogik. Rück-, Rund- und Ausblicke. 2019. Goßmannsdorf: ZKS-Verlag. Verfügbar unter: https://zks-verlag.de/wp-content/uploads/FINAL-Heekerens_1.8PaperbackInnenteil.pdf.

Sedlacek, Florian (2016). „Wohin geht die Reise?“ -auf dem Weg zur neuen Ausbildungsstruktur. Verfügbar unter: http://dgkjf.de/wp-content/uploads/Wohin-geht-die-Reise_Psychotherapiereform_2016-05-03.pdf.

Sulz, Serge K.D. (2014a). Wissenschaftliche Untersuchungen der Konstrukte, Konzepte und Interventionen des Strategischen Therapieansatzes (SKT, SBT, PKP und SJT. In: Psychotherapie, 19(2), 339–363. Verfügbar unter: https://core.ac.uk/download/pdf/85136153.pdf.

Sulz, Serge K.D. (Hrsg.) (2014b). Psychotherapie ist mehr als Wissenschaft. Norderdstedt: Books on Demand GmbH.

Voderholzer, Ulrich (2019). Die Dritte Welle der Verhaltenstherapie – Überlegenheit im Vergleich mit klassischer kognitiver Verhaltenstherapie? Verhaltenstherapie, 29(2), 77–79. Verfügbar unter: https://www.karger.com/Article/FullText/500697.


Rezension von
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 08.06.2020 zu: Florian Sedlacek, Sandra Peukert, Annette Richter-Benedikt: Praxisbuch Strategische Jugendlichentherapie bei internalisierenden Störungen (SJT). Einzel- und Gruppentherapie, psychotherapeutische Eltern- und Familienarbeit. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2018. ISBN 978-3-86294-062-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27107.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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