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Sabine Molitor: Kinder mit motorischen Auffälligkeiten

Cover Sabine Molitor: Bedeutung exekutiver Funktionen für differenzielle Entwicklungspfade und Schulleistungen bei Kindern mit motorischen Auffälligkeiten. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2020. 256 Seiten. ISBN 978-3-339-11638-3. D: 88,90 EUR, A: 91,40 EUR.

Reihe: Schriften zur Entwicklungspsychologie - 40.
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Thema

Es sind immer wieder Kinder zu beobachten, die motorisch ungeschicktes Verhalten zeigen und deshalb Schwierigkeiten haben mit anderen Kindern zu spielen. Manche können im Laufe ihrer Entwicklung ihre motorischen Probleme überwinden, bei anderen entwickeln sich daraus soziale und schulische Schwierigkeiten. Die vorliegende Studie geht den Fragen nach, welche Faktoren für diese differenziellen Entwicklungspfade verantwortlich sein könnten. Worin unterscheiden sich Risikokinder, die ihre Probleme „verwachsen“, von solchen, die stabile Auffälligkeiten zeigen? Welche Faktoren leisten einen Beitrag zur Prognose der weiteren motorischen und schulischen Entwicklung motorisch auffälliger Kindergartenkinder?

Autorin

Sabine Molitor ist Dipl. Psychologin und zurzeit Stipendiatin an der Universität Würzburg, Lehrstuhl für Psychologie IV. Die Liste ihrer Publikationen verweist auf ihren Forschungsschwerpunkt „motorische Auffälligkeiten“, zu dem sie 2019 an der Universität Würzburg ihre Dissertation eingereicht hat.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation ist Ergebnis einer Studie der Universität Würzburg mit dem Titel: „Entwicklung und Zusammenhang von motorischen Leistungen, exekutiven Funktionen und Schulleistungen bei Kindern mit Risiko für motorische Entwicklungsstörungen (MEX-Projekt)“. In der dreijährigen Längsschnittstudie wurde die motorische und kognitive Entwicklung von Kindergarten- und Grundschulkindern mit und ohne Risiko für motorische Entwicklungsstörungen (UEMF) untersucht. Ziele waren die genaue Analyse der Entwicklungspfade und die Untersuchung möglicher Entwicklungsauffälligkeiten im Bereich motorische Koordination und Arbeitsgedächtnis/​exekutive Funktionen. Nach der Einschulung wurden zusätzlich Schulleistungen erhoben, um mögliche Prädiktoren schulischer Probleme bei Kindern mit Risiko für UEMF zu identifizieren.

Aufbau

In einem ausführlichem Kapitel werden zunächst der theoretische Hintergrund und die empirischen Befunde zu den behandelten Themen dargestellt: die Entwicklung motorischer Fähigkeiten im Kindesalter, auffällige motorische Entwicklungsverläufe, Exekutive Funktionen und die Zusammenhänge zwischen den motorischen Fähigkeiten; den exekutiven Funktionen und den Schulleistungen. Daran anschließend entwickelt die Autorin die Fragestellungen und Hypothesen und stellt die Methoden der Studie und die Ergebnisse vor, die abschließend diskutiert werden.

Inhalt

Anhand sehr ausführlicher Recherchen werden unterschiedliche Erscheinungsformen motorischer Auffälligkeiten von Kindern beschrieben und deren möglichen Ursachen auf den Grund gegangen. Verschiedene Faktoren werden herausgearbeitet, wobei keiner ausschließlich ursächlich verantwortlich ist, vielmehr ist von einem „Zusammenspiel verschiedener Aspekte“ (S. 47) auszugehen. Ein, in den Studien vernachlässigter Aspekt, die Bedeutung der exekutiven Funktionen für die motorischen Auffälligkeiten, soll im Fokus der vorliegenden Studie liegen.

Dazu stellt die Autorin zunächst die Theorie der Exekutiven Funktionen vor um dann darauf einzugehen, „inwiefern motorische Entwicklung getrennt für motorisch-koordinative Fähigkeiten und Fitness sowie die Entwicklung exekutiver Funktionen bei typisch entwickelten Kindern miteinander assoziiert sind“ (S. 58).

Auf dieser theoretischen Grundlage werden im 3. Kapitel Fragestellungen und Hypothesen der Studie erarbeitet, die sich bezogen auf:

  • Differenzielle Entwicklungsverläufe motorisch auffälliger Kinder
  • Die Rolle der exekutiven Funktionen an unterschiedlichen Entwicklungsverläufen
  • Schulleistungen bei Kindern mit motorischen Auffälligkeiten

Im 4. Kapitel werden die Methoden der Studie beschrieben, d.h. die Beschreibung des Projektes und der Konzeption der MEX-Studie, der Ablauf der Datenerhebung, die Beschreibung der Stichproben mit ihren Subgruppen sowie der Einsatz der Messinstrumente und das Vorgehen bei der statistischen Auswertung.

Die Ergebnisse in Kapitel 5 bekräftigen, dass Kinder, die ihre motorischen Auffälligkeiten abbauen können sich bezgl. Ihrer exekutiven Funktionen (insbesondere der Inhibition/​Interferenzkontrolle)von denen unterscheiden, welche weiterhin als motorisch auffällig bezeichnet werden können und „dass der Zuwachs der motorischen Fähigkeiten bei Risikokindern mit exekutiven Funktionen assoziiert ist“ (S. 169). Auf für die Entwicklung der schulischen Leistungsfähigkeit lassen sich die exekutiven Funktionen als guten Indikator verwenden.

Im abschließenden 6. Kapitel diskutiert die Autorin die Ergebnisse der MEX-Studie vor dem Hintergrund der Fragestellung und Hypothesen. Sie verweist auf Fragen, die sich für weitere Forschungsansätze ergeben und resümiert mit „Praktische Implikationen“.

Diskussion

Wir erfahren in diesem Buch eine Menge über motorische Auffälligkeiten und exekutiven Funktionen und deren Zusammenhänge. Im Theorieteil werden die Schwerpunkte der Studie, die motorischen Auffälligkeiten bei Kindern sowie die Exekutiven Funktionen sehr differenziert dargestellt. Die Autorin versteht es auch sehr gut, Zusammenhänge herzustellen und daraus Fragestellungen und Hypothesen für die eigene Studie zu entwickeln.

Das praktische Vorgehen während des Studienzeitraumes, die Methoden, die Messinstrumente und die Auswertung der Ergebnisse sind gut nachzuvollziehen. Die Diskussion der Ergebnisse lässt die Zusammenhänge der motorischen Auffälligkeiten und der exekutiven Funktionen mit ihren Auswirkungen für den Lernerfolg in der Schule erkennen, woraus sich Ideen für eine Förderpraxis entwickeln lassen.

Fazit

Mit dieser Dissertation legt die Autorin eine fundierte Studie zum Thema Exekutive Funktionen in ihrer Bedeutung für die motorischen Auffälligkeiten und Schulleistungen von Kindern vor. Ein Drittel dieses Buches verwendet die Autorin um die theoretischen Grundlagen für das Verständnis der Studie darzulegen und gibt so der Leser*in die Gelegenheit, sich ausführlich in den Problembereich einzulesen. Auch wenn die Kapitel über die Methoden und die Darstellung der Ergebnisse vom „Nicht-Forscher“ überblättert werden, so lohnt es sich wieder sehr, die Diskussion der Ergebnisse zu lesen um Anregungen für die eigene Praxis zu erhalten.


Rezension von
Dr. Richard Hammer
Dipl. Motologe
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Zitiervorschlag
Richard Hammer. Rezension vom 27.10.2020 zu: Sabine Molitor: Bedeutung exekutiver Funktionen für differenzielle Entwicklungspfade und Schulleistungen bei Kindern mit motorischen Auffälligkeiten. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2020. ISBN 978-3-339-11638-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27125.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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