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Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management e. V. (Hrsg.): Case Management Leitlinien

Cover Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management e. V. (Hrsg.): Case Management Leitlinien. Rahmenempfehlung, Standards und ethische Grundlagen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2020. 2. neu bearbeitete Auflage. 88 Seiten. ISBN 978-3-86216-625-1. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR.

Reihe: Case Management in der Praxis.
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Thema

Das Verfahren des Case Managements (CM) findet Anwendung in unterschiedlichen Handlungsfeldern des Sozial- und Gesundheitswesens. Ziel des Verfahrens ist es in Fallsituationen, die durch eine komplexe Problemlage und hohe Akteursdichte gekennzeichnet sind, eine bedarfsorientierte Steuerung des Hilfeprozesses zu ermöglichen. Mit der Benennung von Leitlinien und Standards ist das Anliegen der Publikation Gütemaßstäbe zu formulieren, die sich auf die unterschiedlichen Arbeitskontexte anwenden lassen und somit zu einer Qualitätssteigerung und -sicherung in der Case Management Praxis führen.

Herausgebende

Das vorliegende Werk ist von der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) herausgegeben worden. Die DGCC hat sich zum Ziel gesetzt die Anwendung und Entwicklung von Care und Case Management in den verschiedenen Praxisfeldern vom Sozial- bis zum Versicherungswesen voranzutreiben. Dies tut sie mit der Veröffentlichung von Empfehlungen, der Formulierung von Standards, der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, der Beforschung des Bereichs und der Zertifizierung von Institutionen. Zuletzt vertritt die DGCC aber auch die fachpolitischen Interessen ihrer Mitglieder [1].

Entstehungshintergrund

Die DGCC hat bereits im Jahr 2015 Leitlinien und Rahmenempfehlungen zum Case Management veröffentlicht. In der 2020 veröffentlichten und neu bearbeiteten Auflage wurde, neben redaktionellen und sprachlichen Überarbeitungen, schwerpunktmäßig das Kapitel über die Weiterbildungsrichtlinien ergänzt und das Kapitel über Normierungs- und Auditierungsstandards neu formuliert. Letzteres beschreibt nun auch die notwendigen Anforderungen und den damit einhergehenden Prozess zur Zertifizierung einer Organisation durch die DGCC.

Aufbau und Inhalt

In 4 Kapiteln leitet das Buch von den Rahmenempfehlung im Case Management über dessen ethische Grundlagen hin zu den Standards der Auditierung und Normierung auf Organisationsebene und schließt mit den Richtlinien zur Case Management Weiterbildung ab.

1. Rahmenempfehlungen der DGCC zum Handlungskonzept Case Management

Ein schneller und allgemeiner Überblick über das Case Management ergibt sich aus der Definition zentraler Begriffe. Daran anschließend arbeiten die Autoren den Anwendungskontext, die Indikationskriterien und die Voraussetzungen des Case Managements heraus. Die zentralen Inhaltsbereiche des Case Managements bilden sich einerseits auf den unterschiedlichen Ebenen ab, die in diesem Kontext beleuchtet werden: Einzelfallebene, Organisationsebene und die Ebene institutioneller Netzwerke; andererseits in den verschiedenen Phasen, die während des Case Management durchlaufen werden sollten: Klärungsphase, Assessment, Serviceplanung, Linking, Monitoring, Evaluation und Case Management auf der institutionellen Netzwerkebene. Ein besonderes Augenmerk legen die Autoren zum Ende des Kapitels auf die Umsetzung des Case Managements in der Organisation und formulieren Anforderungen in Bezug auf Qualitätsstandards und deren Überprüfung, Verantwortungen für den Prozess und die Dokumentation der Handlungen.

Das Kapitel endet mit der Nennung der Case Management Leitprinzipien bezogen auf den Klienten, den Professionellen und die gesellschafts- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen und deren inhaltliche Bestimmung mit Blick auf Anlass, Ziel und Handlungsrahmen. Der abschließenden detaillierten Formulierung geltender Qualitätsstandards für zuvor genannten Case Management Phasen, geht die Beschreibung der Rahmbedingungen dieser Standards voraus.

2. Ethische Grundlagen der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management e.V. zum Handlungskonzept Case Management

Die ethischen Grundlagen des Case Managements werden in diesem Kapitel ausgehend von allgemeinen Grundsätzen hin zu konkreten Werten beschrieben. Daraus leiten die Autoren bestehende Pflichten und Empfehlungen für die Orientierung in Dilemmasituationen ab.

Ausgangspunkte der Überlegungen sind die Menschenrechte und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Mit einem Fokus auf die Menschwürde und einem punktuellen Blick in die unterschiedlichen Sozialgesetze nennen die Autoren sodann 5 zentrale Werte für das Case Management: Autonomie, Gerechtigkeit, Sorge für das Wohl der Adressatin und des Adressaten, Toleranz und Nachhaltigkeit. Diese werden anschließend jeweils definiert und in Bezug auf die ethische Grundhaltung und damit verbundenen Handlungen konkretisiert.

Für die Bereiche der Einzelfall-, Organisations- und Netzwerkebene sowie Politik/Öffentlichkeit formulieren die Autoren die Verpflichtung zur Transparenz, der Verantwortung im fachlichen Kontext und der Partizipation und geben Beispiele, wie diese Pflichten erfüllt werden können.

Abschließend werden 4 Dillemmasituationen herausgearbeitet: Rollenkonflikt, Offenlegungskonflikt, Kritische Rahmenbedingungen, Desensibilisierungseffekt. Zur Orientierung des Professionellen in solchen Situationen wird auf die Werte Wahrhaftigkeit, Selbstsorge und Besonnenheit verwiesen.

3. Standards der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management e.V. zur Normierung und Auditierung – Case Management auf der Organisationsebene

In diesem Abschnitt gewinnen die Lesenden einen Einblick in die Voraussetzungen, um eine Einrichtung oder Organisation nach den Case Management Leitlinien der DGCC zertifizieren zu lassen. Eingangs wird der Stellenwert und der erwartete Nutzen, bzw. die Ziele der DGCC, bei einer Zertifizierung auf Organisationsebene beschrieben. Nachfolgend werden konkrete Fragen und Anforderungen in Anlehnung an die DIN ISO 9001:2015 in einer Auditcheckliste mit 7 Bereichen formuliert:

  1. CM im Kontext der Organisation
  2. Führung
  3. Einbezug des CM in die Planung der Organisation
  4. Ressourcen und Unterstützung für das CM
  5. CM in der konkreten Umsetzung und Steuerung im Betriebsalltag
  6. Bewertung der Leistung des fallübergreifenden CM
  7. Kontinuierliche Verbesserung im CM

Für jeden Themenbereich sind Anforderungen, mögliche Abweichungen von diesen und konkrete Auditfragen angegeben. 

4. Standards und Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management e.V. für die Weiterbildung: Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen und in der Beschäftigungsförderung

Der letzte Abschnitt der vorliegenden Publikation wendet den Blick nun der Ausbildung des/der einzelnen Case-Manager*in zu. Einerseits, indem Richtlinien für die Weiterbildung zum Case Manager*in DGCC benannt werden und andererseits, indem Richtlinien für die Anerkennung als Ausbildungsinstitut und Ausbilder*innen aufgeführt werden.

Die Ausbildung wird in ihrer zeitlichen und inhaltlichen Struktur dargelegt und es gibt einen Überblick über zur Anwendung kommender didaktischer Methoden, Arbeitsformen, Anforderungen der Abschlussarbeit und der Zertifikatsbedingungen.

In gleicher Weise gibt der zweite Teil des Kapitels Aufschluss über die Kriterien für Ausbildungsinstitute und Ausbilder*innen, die aktuell anfallenden Gebühren und den Prozess der Anerkennung.

Diskussion

Die DGCC formuliert in dieser Publikation Leitlinien für den Einsatz des Case Managements im Einzelfall und auf Organisationsebene. Die Ausführungen sind knapp, verständlich und unter Nutzung von Tabellen und übersichtlicher Formatierung gut strukturiert. Da die Leitlinien für alle Anwendungsbereiche des Case Managements Geltung haben sollen, entspricht es dem Anliegen der Publikation, dass die Ausführungen eher allgemein gehalten sind. Entsprechend ergeben sich für den Berufsalltag einer Fachkraft aus Sicht des Rezensenten nur wenig konkrete Anknüpfungspunkte zur Ausgestaltung eines Hilfeprozesses. Streben die Lesenden jedoch eine Reflektion ihrer eigenen Rolle an, bieten sich die ethischen Grundlagen im 2. Kapitel als Bezugsrahmen an. Wer sich übergeordnet über das Konzept Case Management und dessen Umsetzung, sowie der Zertifizierung einer Organisation Gedanken machen möchte, wird vor allem bei den Qualitätsstandards im 1. Kapitel und der Auditierungscheckliste im 3. Kapitel fündig werden.

Vor dem Kauf des Buches sollten Lesende aber auf der Website der DGCC recherchieren, da die hier publizierten Leitlinien zum größten Teil auch zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen.

Fazit

Das vorliegende Werk führt die Lesenden von einer knappen allgemeinen Einführung ins Case Management, über die Darstellung der ethischen Grundlagen hin zu Fragen der Implementierung und Zertifizierung von Case Management auf Organisationsebene und endet mit den Voraussetzungen und Standards der Case Management Ausbildung der DGCC. Das Buch hält, was der Titel verspricht: Die Veröffentlichung von Rahmenempfehlungen und Leitlinien, dir so allgemein gehalten sind, dass sie den unterschiedlichen Anwendungsgebieten des Case Managements gerecht werden können.


[1] DGCC (o. D.). Ziele der DGCC. https://www.dgcc.de/dgcc/ziele-der-dgcc/ [letzter Zugriff 24.02.2021]


Rezension von
Lukas Ballweg
Master of Arts – Beratung und Casemanagement, Sozialpädagoge
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Zitiervorschlag
Lukas Ballweg. Rezension vom 17.03.2021 zu: Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management e. V. (Hrsg.): Case Management Leitlinien. Rahmenempfehlung, Standards und ethische Grundlagen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2020. 2. neu bearbeitete Auflage. ISBN 978-3-86216-625-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27129.php, Datum des Zugriffs 12.04.2021.


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