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Rita Braches-Chyrek, Maria-Eleonora Karsten (Hrsg.): Sozialpädagogische Perspektiven auf die Ganztagsbildung

Cover Rita Braches-Chyrek, Maria-Eleonora Karsten (Hrsg.): Sozialpädagogische Perspektiven auf die Ganztagsbildung. Professionelle Handlungsmöglichkeiten und sozialstrukturelle Spannungsfelder. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 161 Seiten. ISBN 978-3-8474-2138-2. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.

Reihe: Werkstattbücher: Elementare Sozialpädagogik - Band 2.
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Thema

Die Schul- und Bildungslandschaft in Deutschland hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark verändert hin zu einem Konzept des ganztägigen Lernens. Ganztagsschulen machen mittlerweile den größeren Anteil im Schulsystem aus. Das Bildungsverständnis eines ganztägigen Lernens beinhaltet zudem auch eine veränderte Anforderung an die unterschiedlichen Professionen und Chancen für eine höhere Bildungsgerechtigkeit und besserer Inklusion. Mit Schulsozialarbeit ist auch Jugendhilfe an Ganztagsschulen als ein weiterer innerer und äußerer Akteur in den fachlichen Diskussionen einzubinden. In Auswertung vielfältiger Studien werden aus unterschiedlichen Perspektiven und bezogen auf besondere Fragestellungen Konzepte der Ganztagsbildung im Allgemeinen und der Ganztagsschulen im Besonderen diskutiert.

Autor*innen

Neben den beiden Herausgeber*innen Rita Braches-Chyrek & Maria-Eleonora Karsten sind weitere 10 Autor*innen beteiligt, deren Arbeitsfelder in Lehre und Forschung und ihre jeweiligen Schwerpunkte eine große fachliche Kompetenz und Erfahrung wiederspiegeln, hier eine fachliche Diskussion in der Ganztagsbildung anzustoßen und zu fördern.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist im Verlag Barbara Budrich erschienen und stellt eine Aufarbeitung übergreifender Fragestellungen aus der Veränderung der Bildungslandschaft hin zu Konzepten ganztägigen Lernens dar. Dabei werden eine Vielzahl Studien und Forschungsergebnisse ausgewertet und mit konkreten Handlungsaufforderungen verbunden. Besonderes Augenmerk wird auf Fragen der inneren Kooperation multiprofessioneller Teams, der äußeren Kooperation in den Sozialraum, den Anforderungen durch Inklusion und Demokratisierung sowie Schlussfolgerungen für Veränderungen in der Aus- und Fortbildung der Pädagog*innen gelegt.

Aufbau

Die besonderen Herausforderungen von Ganztagsbildung sind in inhaltlich abgeschlossene Themen unterteilt. Jeder Abschnitt stellt für sich allein genommen eine Zusammenfassung und Bewertung wichtiger Studienergebnisse in Bezug auf Erfahrungen in der Ganztagsbildung dar. Mit den benannten Herausforderungen und entwickelten Schlussfolgerungen kann so jeder Abschnitt für konzeptionelle Auseinandersetzungen zu den jeweiligen Themenschwerpunkten in Teams oder Netzwerken genutzt werden.

Inhalt

In dem Buch findet eine thematisch umfassende Diskussion der Ganztagsbildung unter verschiedenen sozialpädagogischen Perspektiven und inhaltlichen Fragestellungen statt. Dabei werden viele Umfrage- und Forschungsergebnisse ausgewertet und in Beziehung zu den thematischen Fragestellungen diskutiert.

In jeweils eigenständigen Kapiteln werden besondere, übergreifende Themen erörtert, die die Schule als Lern- und Lebensort mit ihren multiprofessionellen Teams, Kinder und Jugendliche mit ihren Familien, Kooperations- und Netzwerkpartner im Sozialraum auf ihre jeweiligen Erfahrungen und Konzepte hin diskutieren und für die eigene Schulentwicklung nutzen können.

Diese Themen sind:

neue Herausforderungen an Lehrkräfte, an die Sozialdidaktik in Bezug auf die Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt und die damit verbundenen veränderten Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung.

Fragen der sozialen Ungleichheit und ihrer Reproduktion durch familiäre und institutionelle Bedingungen verbunden mit einem kritischen Blick auf Chancen und Grenzen von Ganztagsbildung bezogen auf die Verbesserung von Bildungsgerechtigkeit oder Vertiefung der Kluft zwischen Arm und Reich.

 Die Gestaltung von Ganztagsschule als Lern- und Lebensort für Kinder und Jugendliche in Hinblick auf die Chancen mehr Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen. Neben Partizipation und Bedeutung multiprofessioneller Teams werden für diverse Merkmale eines Lebensorts Schule Ziele beschrieben, die gut als Indikatoren für eine Standortbestimmung oder Evaluation genutzt werden können.

Der genderbewusste Blick auf die Einrichtung und die Gestaltung von Angeboten, genutzte Materialien sowie der kritische Umgang mit Ausdrucksformen und Interventionen der pädagogischen Fachkräfte, um dichotome Gendervorstellungen einzuschränken statt sie zu reproduzieren.

Veränderungen in der Berufswelt und deren Auswirkung auf Bildungsbiografien Jugendlicher in Hinblick auf neue Herausforderungen an die Kompetenzen von Lehrkräften und die multiprofessionellen Teams in der Beratung und Entwicklung beruflicher Perspektiven Jugendlicher.

Rassismus als Thema in der Gesellschaft mit unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtungen wie kolonial, nationalsozialistisch oder von „Flüchtlingskrise“ geprägt bis hin zu institutionellem Rassismus und die Aufgabe von Sozialpädagog*innen in Bildungseinrichtungen, den Abbau von Diskriminierung und Rassismus voranzutreiben.

Die Rolle von Schulsozialarbeit zwischen Schule als Bildung vermittelnde Institution und Jugendhilfe mit dem Ansatz der Lebensweltorientierung und der Fragestellung, inwieweit gerade Demokratiebildung eine gemeinsame Aufgabe in der Kooperation beider Bereiche ist.

Die Ganztagsschule als besondere Chance für Inklusion, um im weitestgehend gefassten Inklusionsbegriff mehr Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit durch ganztägiges Lernen und multiprofessionelle Teams zu ermöglich

Die besonderen Herausforderungen für die Klassen für Zugezogene mit wenig Deutschkenntnissen am Beispiel eines neuen Konzeptes in Bayern unter Einbindung des Ganztagsbereiches und besonderen Unterricht in interkultureller Bildung und Werteunterricht.

Die Chancen und Aufgaben in der sozialräumlichen Kooperation und Vernetzung von Bildungseinrichtungen, um Kinder, Jugendliche und ihre Familien zu stärken und ihre Lebenswelt in Bildungsprozessen zu berücksichtigen bzw. zu fördern.

Daraus ergibt sich ein inhaltlich breites Themenfeld für alle pädagogischen Fachkräfte, die in ganztägigen Bildungseinrichtungen oder deren Umfeld tätig sind, um sich zu spezifischen Themen über die alltägliche Lernbegleitung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen hinaus auseinanderzusetzen und zu den benannten Herausforderungen eigene Konzepte zu entwickeln. Die Veränderung der Bildungslandschaft zu ganztägigem Lernen und dem erweiterten Verständnis von Schule als Lern- und Lebensort stellt neue Anforderungen an Lehrkräfte wie auch an andere sozialpädagogische Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung und im Rahmen der Sozialen Arbeit. In allen Kapiteln wird deutlich, dass dies Konzepte für multiprofessionelle Teams und die Entwicklung passender Inhalte in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte wie auch der sozialpädagogischen Fachkräfte erfordert.

Diskussion

Das Buch beinhaltet viele wesentliche Themen, die in den Konzepten von Ganztagseinrichtungen aufgeführt, aber durch die Gestaltung des Alltags in der Regel zu wenig diskutiert und entwickelt werden. Durch den Fokus auf die unterschiedlichen Professionen, deren Perspektiven und Aufgaben können diese Themen aus den einzelnen Kapiteln im Buch auf die eigenen Erfahrungen bezogen in Teams, Netzwerken oder Kooperationen diskutiert und Ideen für das gemeinsame Handeln entwickelt werden. Die Grundlage von Forschungsergebnissen verbunden mit der Definition von Begriffen für ein gemeinsames Verständnis kann hierbei die eigene Standortbestimmung und Prozessentwicklung unterstützen. Die unterschiedlichen Perspektiven können dabei die (Schul)-sozialarbeiter*innen, die oft alleine oder in zahlenmäßig geringer Anzahl beschäftigt sind, in ihrem Wirkungsfeld bestärken. Größter Kritikpunkt ist das Kleingedruckte in den Textabschnitten, das wesentliche Zitate für die nachfolgenden Schlussfolgerungen beinhaltet.

Fazit

Das Buch ist eine inhaltlich breit aufgegliederte, starke Unterstützung für Teams und Netzwerke in der Ganztagsbildung. Es setzt Impulse für konzeptionelle Entwicklungsprozesse für die Bildung und für die Einbindung von Kindern und Jugendlichen und deren Familien im Sozialraum, aber besonders für die Tätigkeit der einzelnen sozialpädagogischen Fachkräfte in und um Schulen.


Rezension von
Beate Lutze
Leitung der offenen Ganztagsbetreuung der Schinkel-Grundschule und Lehrkraft an der Fachschule für Sozialpädagogik des Pestalozzi Fröbel-Haus Berlin
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Zitiervorschlag
Beate Lutze. Rezension vom 16.10.2020 zu: Rita Braches-Chyrek, Maria-Eleonora Karsten (Hrsg.): Sozialpädagogische Perspektiven auf die Ganztagsbildung. Professionelle Handlungsmöglichkeiten und sozialstrukturelle Spannungsfelder. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. ISBN 978-3-8474-2138-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27138.php, Datum des Zugriffs 20.10.2020.


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ISSN 2190-9245

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