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Martina Mießen: Das kleine ABC der offenen Arbeit

Cover Martina Mießen: Das kleine ABC der offenen Arbeit. Ein Leitfaden für Erzieher/innen in Nordrhein-Westfalen. Carl Link (Kronach) 2020. 40 Seiten. ISBN 978-3-556-08240-9. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR.
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Thema

Die Offene Arbeit in Kindertageseinrichtungen gehört zu den verbreiteten Konzepten/Ansätzen in der Arbeit im Elementarbereich. Es ist entstanden durch kritische Pädagogen, die oft mit den Strukturen in den Kindertagesstätten nicht mehr einverstanden waren. Eine Öffnung bedeutet, dass die Entscheidungsräume und die Bewegungsräume der Kinder erweitert werden. Dabei werden die Gruppen innerhalb einer Kindertageseinrichtung aufgelöst und die Kinder können zwischen verschiedenen Funktionsräumen aber auch zwischen den Erziehenden wählen.

Doch gibt es bei Erziehern und Eltern auch immer wieder Zweifel, ob Kinder bei diesem Konzept/​Ansatz nicht übersehen werden.

Autorin

Martina Mießen absolvierte die Ausbildung zur Erzieherin und studierte Bildungs- und Sozialmanagement mit dem Schwerpunkt frühe Kindheit an der Hochschule Koblenz. Sie arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin fünf Jahre in einer Kindertageseinrichtung, die nach dem Offenen Konzept arbeitete. Danach übernahm sie die pädagogische Leitung einer anderen Kindertagesstätte für sechs Jahre und führte dort das Offene Konzept ein. Nach ihrem Studium ist sie seit 2018 im Fachbereich Kindertagesstätten im Kreisverband Aachen-Stadt e.V. der Arbeiterwohlfahrt tätig.

Entstehungshintergrund

Der Leitfaden wurde von Martina Mießen im Rahmen ihres Studiums im Bereich Bildungs- und Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz entwickelt. In ihm sollen zentrale Aspekte der Offenen Arbeit in Form typischer Begriffe von A-Z vorgestellt werden. Der Leitfaden soll dabei einerseits als Einstiegsliteratur in die Offene Arbeit dienen, gleichzeitig wendet er sich mit den gesetzlichen Grundlagen und Bildungsgrundsätzen aus Nordrhein-Westfalen auch an pädagogische Fachkräfte, die bereits nach dem Offenen Konzept arbeiten.

Aufbau

Der Leitfaden beginnt mit einem kurzen Vorwort der Autorin. Danach folgt eine Einleitung, in der ein kurzer Überblick über die Entstehung und den Aufbau des Leitfadens gegeben wird.

Im Folgenden werden anhand von 29 Begriffen in Form des Alphabetes zentrale Gedanken, gesetzliche Grundlagen und Anregungen für die Praxis des Offenen Ansatzes gegeben. Dabei wird von der Autorin bei allen Begriffen eine einheitliche Struktur verwendet. Nach einem Zitat erläutert sie die positiven Aspekte des Konzeptes im Alltag. Passend dazu werden Hinweise auf verwendete und weiterführende Literatur gegeben. Anschließend macht sie auf Fallstricke und Besonderheiten aufmerksam, bevor sie am Ende jeder Seite versucht einen roten Faden zugeben, indem die Begriffe zu anderen Begriffen zugeordnet werden.

Der Leitfaden schließt mit einem Schlusswort der Autorin. Im Anhang befindet sich ein Literaturverzeichnis mit den verwendeten Quellen.

Inhalt

In dem Vorwort erläutert die Autorin Martina Mießen ihre Intension für die Verfassung des Leitfadens. Dabei stellt sie zwei zentrale Forderungen vor, die für sie bei der Arbeit in Kindertageseinrichtungen wichtig sind. „Ziel ist es, jedes Kind individuell zu fördern“ und „Das Kind steht im Mittelpunkt“.

In der folgenden Einleitung wird von der Autorin erläutert, dass zwar in den letzten Jahren von allen Bundesländern Bildungspläne für den Elementarbereich entwickelt worden seien, doch nach ihrer Ansicht fehlten häufig praktische Hinweise und Tipps zur Umsetzung. Dazu kämen weitere Schlagwörter und Aufgaben, wie zum Beispiel „Selbstbildung“ und „Partizipation“, die die heutige Arbeit in den Kindertagesstätten bestimmten. Sie möchte mit dem Leitfaden das Bewusstsein stärken, dass diese Anforderungen beim Offenen Konzept gut in den Alltag integrierbar sind.

Danach folgt ein Schaubild zur Offenen Arbeit, welches beim Schlusswort noch einmal aufgegriffen und erweitert wird. Die Einleitung endet mit der Erläuterung der vier verwendeten Symbole (Herz= positive Aspekte, Buch= weiterführende Literatur, erhobene Zeigefinger= Fallstricke und Besonderheiten und der rote Faden), die die weitere Struktur bei den 29 Begriffen bilden. 

Exemplarisch soll im Folgenden an drei Begriffen der Inhalt des Leitfadens dargestellt werden.

  • Hinter dem Buchstaben A findet sich der Begriff Akteure ihrer Entwicklung. Dem zugeordnet ist ein Zitat von T. Knauf u. A. aus dem Handbuch pädagogische Ansätze, in dem es um die Vorstellung vom Kind geht. Die Autorin greift dieses auf und erläutert, dass die Vorstellung vom Kind als Konstrukteur seiner Wirklichkeit auch in anderen Ansätzen gesehen werde, die Rolle des Erziehenden aber im Offenen Ansatz genau dieser Vorstellung entspreche. In den Hinweisen und Besonderheiten wird darauf hingewiesen, dass es nicht bedeutet die Kinder sich allein zu überlassen, sondern sie in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten zu begleiten.
  • Hinter dem Buchstaben E findet sich der Aspekt der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Als Zitat wurde ein Auszug aus den Bildungsgrundsätzen NRW gewählt, in dem die Bedeutung des regelmäßigen Dialogs aller am Erziehungsprozess beteiligten Personen hervorgehoben wird. Die Autorin betont in ihren Ausführungen, dass neben den Methoden besonders die Beziehungsarbeit und die Haltung eine wichtige Rolle spielen. Die Eltern werden als Experten ihrer Kinder betrachtet. In dem Hinweis fordert die Autorin auf, die Sorgen, Ängste und Anmerkungen als Geschenk zu sehen, um die eigene Arbeit zu reflektieren.
  • Hinter dem Buchstaben Z verbirgt sich der Begriff Ziele. Das Zitat bildet ein Auszug aus dem Kinderbildungsgesetz, in dem die Förderung der eigenen Persönlichkeit des Kindes gefordert wird, damit jedes Kind individuelle gefördert wird. In ihren Ausführungen beschreibt die Autorin warum gerade im Offenen Ansatz diese Ziele gut umgesetzt werden.

Im Schlusswort greift die Autorin die Begriffe noch einmal auf und ordnet sie in das Schaubild aus der Einleitung ein. Sie fordert die Leser auf zu kommunizieren, dabei das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und die Vorzüge einer gelebten Offenen Arbeit zu entdecken.

Diskussion

In diesem Leitfaden werden zentrale Begriffe des Offenen Ansatzes dargestellt und Hinweise und Tipps zu deren Umsetzung gegeben. Dabei hat die Autorin Martina Mießen die Auseinandersetzung mit den einzelnen Begriffen mit interessanten Zitaten aus den gesetzlichen Grundlagen (den Bildungsgrundsätzen NRW und dem Kinderbildungsgesetz) und Aussagen von anderen Autoren versehen. Die Beschäftigung mit den positiven Aspekten der Offenen Arbeit in Bezug zu den jeweiligen Begriffen sind kurzgehalten, ebenso die Hinweise auf Fallstricke und Besonderheiten, die oft einen auffordernden Charakter haben. Gut gelungen ist die Idee mit dem Schaubild, welches in der Einleitung vorgestellt wird und im Schlusswort noch einmal aufgegriffen und ergänzt wird.

Fazit

Durch den Aufbau des Leifadens ist es möglich sich einzelne Begriffe herauszugreifen und ein wenig kreuz und quer zu lesen. Dies ist sinnvoll, da mache Aspekte vielleicht schon bekannt sind. Den Anspruch der Autorin, dass der Leitfaden als Einstiegsliteratur dienen kann, kann ich bestätigen. Dass er auch für Fachkräfte sinnvoll ist, die schon in der Offenen Arbeit tätig sind, kann ich nur begrenzt bestätigen. Dazu fehlt mir zum Teil die fachliche Vertiefung. Hier sind aber die Literaturverweise eine nützliche Sache.


Rezension von
Diplom-Pädagoge Volker Raupach
Lehrtätigkeit an einer Fachschule
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Zitiervorschlag
Volker Raupach. Rezension vom 10.09.2020 zu: Martina Mießen: Das kleine ABC der offenen Arbeit. Ein Leitfaden für Erzieher/innen in Nordrhein-Westfalen. Carl Link (Kronach) 2020. ISBN 978-3-556-08240-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27143.php, Datum des Zugriffs 02.12.2020.


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