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Nina Weimann-Sandig (Hrsg.): Forschungsfeld Kita

Rezensiert von Stefanie Fischer, 17.01.2022

Cover Nina Weimann-Sandig (Hrsg.): Forschungsfeld Kita ISBN 978-3-556-08207-2

Nina Weimann-Sandig (Hrsg.): Forschungsfeld Kita. Grundlagen der Frühpädagogik. Carl Link (Kronach) 2021. 300 Seiten. ISBN 978-3-556-08207-2.
Band 5
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Thema

Die Kita hat einen besonderen Stellenwert für die kindliche Entwicklung. Bedingt durch den familiären Wandel und der zunehmenden Bedeutung als Bildungsort, ist die Kindertageseinrichtung ein Ort der primären Sozialisation geworden. Der Herausgeberband „Forschungsfeld Kita. Grundlagen der Frühpädagogik. Band 5“ stellt sich der Frage nach dem Vorgang der Forschung mit und über Kindern, der Besonderheiten im Forschungssettings Kita und der unterschiedlichen methodischen Forschungszugänge. Es verfolgt das Ziel durch empirische Sozialforschung, das Berufsfeld der Kindertagesbetreuung zu unterstützen und auf Passungslücken aufmerksam zu machen. Eine Reihe an Untersuchungen bildet die Vielfalt der aktuellen Forschungsdiskurses ab und liefert Beispiel für die Forschungspraxis.

HerausgeberIn

Nina Weimann-Sandig ist Professorin für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Dresden. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören die Professionalisierungsdiskurse im Bereich der sozialen Dienstleistungen sowie in der internationalen Ungleichheitsforschung mit Schwerpunkt Gender und Arbeitsmarkt. (Weimann-Sandig 2021, S. 345)

Entstehungshintergrund

Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um ein Herausgeberband von Nina Weimann-Sandig.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst insgesamt 351 Seiten und gliedert 19 Beiträge von 37 Autor:innen zu sechs thematisch sortierend Kapiteln, die nachstehend näher vorgestellt werden:

Teil I: Einführung in das Forschungsfeld Kita

Zu Beginn verfasst Frau Weinmann-Sandig als Herausgeberin des Samtbandes einen einleitenden Beitrag zum Forschungsfeld Kita, in dem sie allgemein die Veränderungen, Entwicklung auch als Folge des Professionalisierunsschubs im Berufsfeld Kindertagesbetreuung auf institutioneller, organisationstruktureller und pädagogisch-inhaltlicher Ebene darstellt, die Intension und den Aufbau des Buches vorstellt.

Es folgt ein Beitrag von Rohr zum Thema Herausforderungen und Chancen für die Praxis und Forschung in Kindertageseinrichtungen, in dem die Autorin den Blick bei der Forschung in und über Kitas auf die Personen-Umwelt-Passung(en) legt. Sie beschreibt, die Definition einer erfolgreichen Passung zwischen dem lernenden Kind und seiner Lernumwelt als größte Herausforderung für die Forschung und Praxis. Sie geht von der Annahme aus, dass das bislang fehlende Wissen wie die wachsenden Herausforderungen der Kindertagesbetreuung das pädagogische Handeln beeinflusst, durch die Inblicknahme der Personen-Umwelt-Passung beleuchtet werden können. Hierzu müssen zum einen Kindertageseinrichtungen als Lern- und Entwicklungskontext und zum anderen die darin mitwirkenden Akteure, wie Kinder, päd. Fachkräfte, Erziehungsberichtigte gelichermaßen in Beachtung finden. 

Der erste Teil schließt mit einem Artikel zu den Herausforderungen und Besonderheiten der Durchführung von Forschungsprojekten im Kitaalltag von Rupprecht und Lattner ab.

Teil II: Forschung zur Personal- und Organisationsentwicklung im Kontext Kita

Weimann-Sandig widmet sich im Beitrag „Gibt es den Fachkräftemangel in der Kita wirklich? Ansätze einer definitorischen Annäherung an den Begriff des 'Fachkräftemangels'“durch die hermeneutische Auswertung von Expert*inneninterviews mit Einrichtungsleitungen der Definition des Fachkräftemangels. Anlass für die hermeneutische Untersuchung bildet die Problematik des Forschungsteams „[…] eine passgenaue Analyse der Fachkräftebedarfe in der Kindertagesbetreuung zu liefern.“ (Weimann-Sandig 2021, S. 60). Im Ergebnis wird ein grundlegendes Missverständnis zur Definition der Begrifflichkeit des Fachkräftemangels zwischen theoretischen Anspruch und tatsächlichen Felderlebens deutlich. Ebenso erweisen sich die aktuellen statistischen Instrumente zur Messung des Fachkräftebedarfs sich als weniger geeignet. Daraus resultiert die Empfehlung den Fachkräftebedarf zukünftig in Form einer Panel-Studie zu erheben.

Es folgt ein weiterer Betrag von Weimann-Sandig zum Thema „Erkenntnisse narrativer Landkarten zur Neustrukturierung der Entlohnung im Berufsfeld Kindertagesbetreuung -Entgeltbänder als Möglichkeit zur Vereinbarkeit tariflicher Vergütung und Leistungsorientierter Entlohnungsmodelle“.Ausgangspunkt der Untersuchung ist der Fachkräftemangel unteranderem begründet aus fehlender Attraktivität des Berufsfeldes, auch resultierenden aus dem Entlohnungssysthem.

Blieninger, Lipowski, Michl, Ullrich-Runger und Geier stellen in ihrem Beitrag Forschungszugänge zur Kindertagespflege am Beispiel der Erfassung struktureller Rahmenbedingungen und beruflicher Weiterqualifizierungen – ein multiperspektivisches Mix-Method-Design“ die Zusammenführung der Ergebnisse aus einer qualitativen wissenschaftliches Begleitung des Bundesprogramms „Kindertagespflege: Weil die kleinsten große Nähe brauchen.“ sowie einer quantitativen empirische Studie mit dem Titel „Qualität in der Kindertagespflege“ vor. Eine zentrale Erkenntnis dieser Zusammenführung ist, dass Tagespflegepersonen häufig Interesse an Fort- und Weiterqualifizierungen haben, jedoch die Aufstiegschancen nicht gegeben sind. 

Teil III: Forschung zur Professionalisierung pädagogischen Handelns

Der dritte Teil besteht aus insgesamt sechs Beiträgen, die sich mit unterschiedlichen Teilaspekten der Professionalisierung des pädagogischen Handelns auseinandersetzen. Unter anderem werden empirische Untersuchungsdesings zu Themen wie dem professionellen Handeln als Forschungsgegenstand, die Beobachtung und der Einsatz von Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren im pädagogischen Alltag oder Forschungen zur Operationalisierung des Wohlbefindens von jungen Kindern in der Kindertagestätte vorgestellt.

Teil IV: Forschung zur Inklusion

Im Beitrag Handlungsorientierungen Frühpädagogischer Fachkräfte im Kontext einer inklusiven Bildung ihre Bedeutung für die Praxis und die Herausforderungen für die Forschung in der Kitastellt Brunner die Erkenntnisse einer explorativen und qualitativ-rekonstruktiven angelegten Studie aus dem Jahr 2018 da, die sich mit der Frage auseinandersetzt, „[…] inwiefern die Rekonstruktion von Handlungsorientierung (Wissen, Können und Haltung) im Kontext von Professionalität in der Umsetzung einer inklusiven Bildung von Bedeutung ist.“ (Brunner 2021, S. 217)

Christ, Karber und Mertens stellen in dem Artikel Froschendes Lernen implementieren durch Desing-Based Research – Gestaltung von Forschungsprozessen mit frühpädagogischen Fachkräften das Forschungsprojekt „Gelingen!“ vor. Ausgang der Forschung ist die Annahme, dass das Gelingen und die Umsetzung von inklusiven Prozessen von den Kompetnzen der Fachkräfte abhängig ist. Um die Aneignung der benötigten Kompetenzen bereits während der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften, implementiert das Forschungsteam das Prinzip des Forschenden Lernens an kooperierenden Fachschule für Sozialpädagogik. Die Schüler*innen untersuchen anhand einer selbstentwickelten Forschungsfrage die pädagogische Praxis. Dieses Konzept wird durch eine design-basierte Forschung begleitet und weiterentwickelt.

Teil V: Forschen mit Kindern

Sommer-Himmel und Titze stellen in ihrem Beitrag Kinder als Experten ihrer Kita: Partizipation und Wohlbefinden im Institutionellen Alltag aus Kindersicht mit dem Instrument KbiK eine Untersuchung zum Instrument KibiK – Kinder bewerten ihren Kindergarten- vor. Der Beitragt verdeutlicht, wie sich die systemische Einbeziehung der Kindperspektive positiv auf die Qualitätssicherung und -entwicklung der Kindertagesstätte auswirken kann.

Engel, Frank, Molina und Weihmayer zeigen in ihrem Beitrag Kindliche Praktiken im Kita Alltag – Eine ethnographische Forschungsperspektive auf die Akteurschafft von Kindern auf, wie die kindlichen Praktiken im Krippenalltag durch eine ethnografische Perspektive in den Blickgenommen werden kann.

Teil VI: Forschung zur Eltern- und Familienarbeit

Der Beitrag Perspektiven empirischer Forschung zur Zusammenarbeit mit Eltern und Familien in Kindertageseinrichtungen von Witaschek und Jahrreiß zeigt anhand verschiedener Studien den aktuellen Forschungsstand im Bereich der Zusammenarbeit, bildete verschiede Forschungsvorgehen ab und diskutiert diese.

Zum Abschluss folgen zwei weitere Beiträge zu den Themen Familienbildung in der Kindertagestätte von Solf und einer Kritischen Untersuchung von Schmitt zur Diskrepanz zwischen dem Anspruch an eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft und den realen Vorstellungen von Eltern.

Jeder Beitrag endet mit einem Literaturverzeichnis. Das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches ermöglicht den Leser:innen eine effektive Suche zu einzelnen Themen.

Diskussion

Das Buch bildet als Sammelband eine Reihe aktueller Beiträge zu empirischen Untersuchungen Rund um das Forschungsfeld der frühkindlichen Betreuung ab. Verschiede Forschungsfragen, sowie qualitativer und quantitativer methodische Ansätze ermöglichen den Lesenden diverse Perspektiven auf das komplexe System der Kindertagesbetreuung. Die Beiträge umfassen die kurze und prägnante Darstellung von unterschiedlichsten Untersuchungen und die Ergebnisse bringen interessante Erkenntnisse für die pädagogische Praxis und Anreize für weitere Forschungsvorgehen. Zur Möglichkeit der intensiveren Auseinandersetzung mit der jeweiligen Untersuchen wäre jweils ein konkreter Verweis zur Darstellung der gesamten Untersuchung hilfreich.

Fazit

Das Buch versteht sich nicht als Praxisbuch. Es spricht bewusst Wissenschaftler*innen, Studierende der (Früh-)Pädagogik, Psychologie oder Sozialwissenschaften sowie die Fachöffentlichkeit an, um für die aktuellen Diskurse im Feld der Kindertagesbetreuung zu sensibilisieren. Wer sich für den theoretisch und fachlich für den Einblick in die Forschungsfelder der frühkindlichen Betreuung interessiert, findet hier eine ansprechende Publikation mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Feld sowie diversen methodischen Forschungszugängen zu aktuellen Thematiken.

Rezension von
Stefanie Fischer
Kindheits- und Sozialpädagign (B.A.), Fachberatung für Tageseinrichtungen, Studentin im Masterstudiengang Kindheits- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz
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Es gibt 2 Rezensionen von Stefanie Fischer.

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Zitiervorschlag
Stefanie Fischer. Rezension vom 17.01.2022 zu: Nina Weimann-Sandig (Hrsg.): Forschungsfeld Kita. Grundlagen der Frühpädagogik. Carl Link (Kronach) 2021. ISBN 978-3-556-08207-2. Band 5 . In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27147.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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