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Jutta Henke: Wie lässt sich Wohnungslosigkeit verhindern?

Jutta Henke: Wie lässt sich Wohnungslosigkeit verhindern? Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2020. 59 Seiten. ISBN 978-3-7841-3267-9.

Reihe: Soziale Arbeit kontrovers - 23.
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Entstehungshintergrund

Die Publikation ist der Band 23 der ReiheSoziale Arbeit Kontrovers, die vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. herausgegeben wird. Der Herausgeber möchte mit dieser Reihe aktuelle komplexe Fragen der Sozialen Arbeit auf dem Hintergrund ihrer Entstehungsbedingungen darstellen und diskutieren. Der vorliegende Band greift das Thema Wohnungslosigkeit auf unter der Perspektive, wie sich diese verhindern lässt.

Autorin

Die Autorin des aktuellen Bandes ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) in Bremen. Ihr Buch basiert auf einer bundesweiten Studie dieser Gesellschaft, die zwischen September 2017 und Juni 2019 zum Thema „Entstehung, Verlauf und Struktur von Wohnungslosigkeit und Strategien zu ihrer Vermeidung und Behebung“ durchgeführt wurde.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus 13 Kapiteln.

Einleitend schildert die Autorin den Hintergrund der Publikation und die Relevanz des Themas. Anschließend klärt sie die zentralen Begriffe Wohnungsnotfall und Wohnungslosigkeit. Im folgenden Kapitel 3 verweist die Autorin darauf, dass Lösungsinstrumente zur Verhinderung und Bewältigung von Wohnungslosigkeit vorhanden wären in Form der einschlägigen Gesetzgebung (SGB II und XII), die entsprechende Hilfen vorsieht – je nach zeitlichem Verlauf – als Prävention, als Hilfen für aktuelle Wohnungslose, als dauerhafte Wohnversorgung und als wohnbegleitende Hilfen.

Kapitel 4 behandelt Ursachen von Wohnungslosigkeit anhand des Modells der Teilhabe und Verwirklichungschancen von Amartya Sen und auf der Basis der Ergebnisse der GISS Studie. Wohnungslosigkeit wird als Ergebnis eines Zusammenspiels von mangelnden persönlichen Ressourcen und ungünstigen Rahmenbedingungen wie Mietschulden, fehlende familiäre Netzwerke, Alleinleben und gesundheitliche Beeinträchtigung beschrieben. Das anschließende Kapitel 5 bietet Zahlenmaterial zum Thema. In den folgenden Kapiteln 6 und 7 konstatiert die Autorin, dass das Hilfssystem oft falsche Schwerpunkte setzt und verweist auf das Konzept der Zentralen Fachstelle, dass einen Paradigmenwechsel in der Geschichte der Wohnungslosenhilfe darstellte, aber leider noch nicht flächendeckend verwirklicht ist – vor allem nicht in kleinen Städten und Gemeinden. Die Autorin gibt der Prävention obersten Stellenwert und unterstreicht dies durch eine Kapitelüberschrift „Prävention, Prävention, Prävention“. Sie verweist auf die Ergebnisse der GISS-Studie, die geschlechtsspezifische Unterschiede zu Tage brachte. Männer werden weniger als Risikogruppe wahrgenommen in der Prävention, entsprechende Stellen unternehmen bei Frauen und Kinder größere Präventionsanstrengungen, wohingegen es in der Notversorgung an frauenspezifischen Einrichtungen mangelt. Das Buch mündet im Schlusskapitel in ein Plädoyer für die Priorität von Prävention und dauerhafter Wohnversorgung und in ein Abschlussstatement: Wohnungslosigkeit ist lösbar. Kaum ein Staat hat so gut funktionierende sozialpolitische Lösungsinstrumente wie Deutschland. Die Herausforderung besteht darin, diese entsprechend wirkungsvoll einzusetzen, und dass die relevanten Akteur/​innen abgestimmt zusammenarbeiten.

Fazit

Das Buch setzt die rechtlichen und sozialpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland voraus, mit denen Leser/​innen aus anderen Ländern weniger vertraut sein mögen. Nichtsdestotrotz ist die Lektüre durchaus für Leser/​innen aus anderen deutschsprachigen Ländern wertvoll. Die wesentlichen Aussagen und Befunde sind trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen durchaus auf die jeweilige Situation in anderen Ländern (z.B. Österreich) übertragbar. Das Buch schildert sehr kompakt Ursachen und Lösungswege für die Problematik. Es ist sehr leicht leserlich und in seiner Kürze auch sehr schnell durchzuarbeiten. Der Autorin gelingt es sehr gut, ihre Anliegen jeweils auf den Punkt zu bringen. In diesem Sinn erfüllt das Buch die im Vorwort formulierte beanspruchte Lesbarkeit und Übersichtlichkeit voll und ganz. Der Untertitel Ein Plädoyer wird dem Inhalt gerecht. Das Buch ist kein wissenschaftliches Werk, basiert aber auf einer wissenschaftlich sehr gut fundierten Studie, deren Ergebnisse die Autorin leicht verständlich formuliert und kompakt zusammenfasst.

Das Buch „Wie lässt sich Wohnungslosigkeit verhindern?“ ist allen Mitarbeiter/​innen in allen Bereichen der Wohnungslosenhilfe und ihren Systempartner/​innen zu empfehlen. Es stellt auch eine sehr nützliche Lektüre für einen Einstieg in die Thematik für Studierende der Sozialen Arbeit und ehrenamtliche Mitarbeiter/​innen in der Wohnungslosenhilfe dar.


Rezension von
DSA MMag. Dr. Prof (FH) Christian Stark
Leiter des Masterstudiengangs Soziale Arbeit, Professor für Geschichte und Theorie der Sozialen Arbeit, Fachhochschule Oberösterreich
Homepage www.fh-linz.at
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Zitiervorschlag
Christian Stark. Rezension vom 31.07.2020 zu: Jutta Henke: Wie lässt sich Wohnungslosigkeit verhindern? Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. - DV (Berlin) 2020. ISBN 978-3-7841-3267-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27150.php, Datum des Zugriffs 06.08.2020.


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