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Wilfried Schneider (Hrsg.): Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher

Cover Wilfried Schneider (Hrsg.): Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher. Ein Praxisbuch für Therapie, Beratung, Begleitung von Teams und Pädagogik. Mit Beiträgen von 33 Autorinnen und Autoren. Studienverlag (Innsbruck, Wien, München, Bozen) 2020. 364 Seiten. ISBN 978-3-7065-5151-9. D: 39,90 EUR, A: 39,90 EUR.
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Thema

In der psychosozialen Arbeit trifft man oft auf Menschen, die für das, was sie erlebt haben und was sie fühlen, keine Worte finden. Die psychologische Symbolarbeit von Wilfried Schneider, mit inzwischen mehr als 300 von ihm entwickelten Interventionen, beschreibt er auf seiner Homepage so: „Wo Sprache nicht ausreicht, beginnt die Arbeit mit Symbolen. Symbole als Hoffnung, oder „Es ist alles schon da. Du musst es nur finden“.

Die Grundlagen zur Arbeit mit Symbolen, sowie die erprobten Interventionen von 33 AutorInnen, selbst SymbolarbeiterInnen für Therapie, Beratung, Arbeit mit Teams und Pädagogik sind Thema dieses Buches.

Als Interventionen bezeichnet werden „geplante und gezielt eingesetzte Maßnahmen, um Störungen vorzubeugen (Prävention), sie zu beheben (Psychotherapie) oder deren negative Folgen einzudämmen (Rehabilitation)“.

AutorIn oder HerausgeberIn

Wilfried Schneider lebt in Ahrensburg bei Hamburg als Modelltischler, Erzieher (Vorschulerziehung, Arbeit mit behinderten Menschen) und freier Journalist. Er weist eine Ausbildung als integrativer Sozialtherapeut vor, ist erfahren in der Begleitung von Teams in Aufbauphasen und in schwierigen Situationen, seit 2015 befindet er sich zudem in der Ausbildung „Psychologische Symbolarbeit“ in Hamburg.

Entstehungshintergrund

Seit 1992 entwickelt der Herausgeber Interventionen, bei denen die Sprache nicht der wesentliche Teil der Arbeit ist. Diese Erfahrungen wollte er den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stellen und nutzbar machen. Im Laufe der Zeit entstehen viele Materialien zu den Interventionen. Diese sind als Therapiekoffer aus Holz, mit verschiedenen Inhalten/​Methoden, käuflich zu erwerben. Um sich unter der psychologischen Symbolarbeit etwas vorstellen zu können, wurden Ausschnitte der Interventionen als Film gedreht und sind auf der Homepage des Herausgebers einzusehen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in zehn Kapitel unterteilt und beschrieben. Es beinhaltet eine tabellarische Übersicht der Interventionen, Anmerkungen zu den Texten, die Biografie des Herausgebers und ein AutorInnenverzeichnis. Weiterführende Links und Bezugsquellen für Materialien runden den Inhalt ab.

Grundlagen zur Arbeit mit Symbolen

Fast fünfzig Seiten umfasst der Inhalt zur Entstehung des Handwerkzeugs und der Arbeitsweise über das, was Symbole sind und was sie bewirken. Zu verwendende Materialien und deren Einsatz werden vorgestellt. Grundlagen und Techniken, Fragen und Gedanken zur Haltung und zum Tun beenden den ersten Teil.

Erich Fromms Beschreibung für das Symbolverständnis kommt dem Herausgeber am nächsten. Ein Symbol (ein materieller Gegenstand, ein Ding, eine Formel, ein Traum,…) ist alles was einen Begriff transportiert. Die Hauptsache ist, dass das Symbol ihn wirksam transportiert.

Für unsere Arbeit mit Symbolen beschreibt der Autor nach einer Definition von Donald Sander (bezieht sich auf Susanne K. Langers „Philosophie auf neuen Wegen“ auf den Seiten 61–85). Die Logik der Anzeichen und Symbole besonders bedeutsam. Der Kern der Arbeit mit Symbolen besteht darin, jemanden sich selbst erreichen zu lassen. Es geht nicht vordergründig darum, irgendetwas zu erreichen“.

Arbeiten mit Symbolen heißt: etwas tun. Ich bin immer das was ich tue. Ich tue das, was ich bin. Jeder Gegenstand eignet sich somit als Symbol.

Interventionen zur Biografiearbeit

Die Biografiearbeit mit den Inhalten des „Therapiekoffer 4-Straßen und Symbole“ zu erarbeiten, sind in diesem Teil des Buches über vierzig Seiten gewidmet. Die Bedeutung der Symbole, Farben und Einteilung (nach der Entwicklungspsychologie) der Lebensstraßen werden beschrieben. Die verschiedenen Variationen und Anregungen sind dargestellt.

Interventionen zu Emotionen und Gefühlen

Gefühle und Emotionen sind in allen therapeutischen Interventionen ein zentraler Punkt und gleichzeitig die Basis für Missverständnisse. Als Materialien steht der Gefühlsstern (Holz, 40 cm Durchmesser) und der Therapiekoffer mit dem Inhalt „Insel der Gefühle“, ergänzt durch das Protokoll einer Therapiesitzung, zur Verfügung. Der Einstieg für die Arbeit mit einem Team wird in diesem Teil beschrieben.

Interventionen zur Kommunikation

In Gesprächen kommt es häufig zu Missverständnissen. Auf diesen sechs Seiten wird eine Möglichkeit dargestellt, über welche Wege Botschaften ihr Ziel erreichen können. Das Ziel in Gesprächen ist oft klar – der Weg dorthin meist nicht. Diese Arbeit mit Symbolen kann in der Einzelintervention und in der Gruppe angewendet werden. Anhand von vier Beispielen wird diese Intervention auf sieben Seiten dargestellt.

Interventionen zur Identität

Weitere zehn Seiten sind der Identität gewidmet. Diese Interventionen sind eine Möglichkeit, in sehr intensiver Arbeit mit Klienten, einen Zugang zum Körpergefühl zu erarbeiten.

Der Autor hat in seiner Praxis oft erlebt, dass Klienten, die wenig oder nichts mit Ihrem Körper zu tun haben, wenig darüber wissen, wer sie sind. Sie kennen ihre Identität nicht. Menschen, die einen liebe- und respektvollen Umgang mit ihrem Körper pflegen, verfügen über eine hohe ICH-Stärke: sie sind selbstbewusst.

Durch die dargestellten Interventionen, die unter intensiver Arbeit mit verschieden eingesetzten Materialien durchgeführt werden kann, finden sie wieder Zugang zu sich selbst.

Es werden Möglichkeiten vorgestellt, um die Wirkung der eigenen Person auf andere darzustellen. Mit einem gezeichneten Körperschema können Aussagen von Anderen positioniert werden. Dies kann ein längerer Prozess sein und immer wieder von vorne beginnen.

Auch für Klienten die eine negative Sichtweise auf Lebensabschnitte haben, ist das Beispiel – eine schwarze Scheibe – mit bunten Flecken – dargestellt.

Interventionen zu Zeit

Auf etwa elf Seiten werden Interventionen dargestellt, bei denen die Zeit als Interventionselement selbst zum Einsatz kommt. Verschiedene Uhren (Schachuhr, Sanduhr, …) kommen zum Einsatz, wenn es darum geht, einen Redner angemessen zu Wort kommen zu lassen. Auch, um zu erfahren, wieviel Zeit pro Person zum Reden zur Verfügung steht oder wenn Klienten klagen „Die Zeit rast so schnell dahin“, um damit ein „Zeitgefühl“ zu erarbeiten. Der Therapeut nimmt die Rolle des Zeitwächters ein.

Zeitbegrenzende Symbole, wie Eiswürfel, Schnee, Streichholz, die „Rose von Jericho“, der „Ich bin dran Stab“, Parkscheiben und Büroklammern kommen vor allem in der Arbeit mit Teams zum Einsatz. Zum Beispiel: solange das Streichholz brennt, darf man reden. So wird geübt knackig und präzise Aussagen zu tätigen.

Interventionen zu Schwere und Trägheit

Wie schwer und wie langsam das Leben sein kann, mit diesem Thema beschäftigen sich die AutorInnen auf diesen zwanzig Seiten. Verschiedenste „schwere“ Materialien kommen hier zu den bereits vorgestellten Methoden – Inseln der Gefühle, Lebensstraße – zum Einsatz.

Es geht um Menschen, die über lange Zeiträume in einer Situation leben, in der sie – im übertragenen Sinne – eine schwere Last zu tragen haben. Bildlich gesprochen, einen mit Steinen gefüllten Rucksack tragen oder denen Steine im Weg liegen. Klienten suchen hier die Lösung oft innerhalb dieser Schwere.

Der Klient kommt nicht von selbst auf die Idee, die Steine wegzuräumen. Um zu einer Lösung zu kommen, bedarf es einer Anregung von innen oder von außen.

Es kann sich um situative Schwierigkeiten und Sorgen, sowie um Einzelpersonen als auch um Familiensituationen oder um die Schwere in Teams handeln.

Innere Bilder nach außen kehren

Sieben Stoffbeutel, mit verschiedenen Materialien gefüllt, werden für diese Möglichkeit, den inneren Bildern zur Darstellung zu verhelfen, zur Verfügung gestellt. Auf zwei Seiten wird der Ablauf aus der Sicht des Therapeuten oder Beratungsperson beschrieben.

Zu den Materialien zählen weiße Blätter Papier, die vorzugsweise am Boden als Arbeitsfläche aufgelegt und mit den zur Verfügung stehenden Materialien (im Therapiekoffer Nr. 2 zu finden) zum eigenen Bild (von innen nach außen) gestaltet wird. Es wird mit Dornen – für unangenehme Gefühle, Federn – für angenehme Gefühle, Gold, Sand – was durch die Finger rinnt, Steine und Watte gearbeitet.

Werte und Prioritäten

Das vorletzte Kapitel geht es auf vier Seiten um die Vielfalt von Tabus. Das größte Tabu: Die Werte oder das Ich und die Anderen werden hier erörtert. Als Symbol kommt Geld zum Einsatz. Geht es darum, Prioritäten setzen zu können, ebenfalls. Diese Methode bietet eine gute Möglichkeit für die Vorbereitung eines Hilfeplangesprächs. Auch können damit Fähigkeiten, Kompetenzen, Ziele, Aufträge und Hierarchien betrachtet werden, für di um zu Klarheit zu gelangen.

Im vorletzten Kapitel geht es auf vier Seiten um die Vielfalt von Tabus. Das größte Tabu: Die Werte oder das Ich und die Anderen, werden hier erörtert. Der Autor erwähnt, dass in der Praxis, zwei von den unzählbaren Tabus – die Sexualität und die Werte – in der Rangliste sehr weit vorne stehen. Der Frage „Was bin ich mir wert“? wird im Beratungsprozess eine besondere Relevanz eingeräumt. In der Entwicklung und Erziehung gesammelte Erfahrungen können zu dieser Haltung führen. Es wird mit viel Energieaufwand überspielt, sodass für Veränderungen keine Kraft bleibt.

Als Symbol kommt daher Hartgelg in Form von Münzen mit verschiedenen Werten zum Einsatz. Zum Beispiel, wenn ein Klient sagt „Ich bin nichts Wert in meiner Familie“. Hier werden auf einem Blatt Papier den Personen Werte mit Münzen zugeteilt.

Geht es darum, Prioritäten setzen zu können, ebenfalls. Diese Methode bietet eine gute Möglichkeit für die Vorbereitung eines Hilfeplangesprächs. Auch können damit Fähigkeiten, Kompetenzen, Ziele, Aufträge und Hierarchien betrachtet werden, um zu Klarheit zu gelangen. Die Methode wird eingesetzt, um die Wertigkeit einer Situation, einer Gruppe und eines Themas darzustellen und somit den Selbstwert erhöhen zu können sowie sichtbar zu machen.

Weiteres Handwerkszeug

Auf 143 Seiten werden Symbole – das Handwerkszeug – für die vielfältigen Möglichkeiten der Interventionen vorgestellt. Sie werden bewusst hier beschreiben, da sie zu den vorangehenden Themen nicht immer eindeutig zuordenbar sind. Die Reihenfolge ist zur Übersichtlichkeit alphabetisch geordnet. Den Abschluss bildet eine tabellarische Übersicht der Interventionen.

Diskussion

Als psychosoziale Beraterin lernte ich den Einsatz von Symbolen, die Arbeit mit Symbolen, schätzen. Wie Wilfried Schneider immer betont, die Interventionen vermehren sich weiter. So vielfältige Arbeitsmethoden es gibt, so bunt die Lebenswege der KlientInnen sind, so verschiedenartig können die Interventionen zum Einsatz kommen. Wer die Vielfalt der Menschen und deren Eigenheiten, deren Wegbegleitung als Aufgabe begreift, hat sehr viele Möglichkeiten freudvolle Momente und Veränderungen mit zu bewirken. Es gibt eine schier grenzenlose Einsatzmöglichkeit für uns als Anwender und für die uns anvertrauten Menschen. Ich habe die Ausbildung bei und mit Wilfried Schneider absolviert. In dieser Ausbildung war das Buch immer wieder Thema; unsere Erfahrungen flossen mit ein. Daher kann ich aus dieser Perspektive sagen, das Buch ist für Kolleginnen und Kollegen eine gelungene und übersichtliche Darstellung für Interventionsvielfalt. Aus der Praxis – für die Praxis.

Fazit

Das vorliegende Buch: „Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher“, ist aus der Praxis entwickelt und für die Umsetzung in die Praxis gedacht. Wo Worte fehlen, kommen Symbole zum Einsatz. Die vom Herausgeber Wilfried Schneider entwickelten Interventionen, inzwischen weit über 300, sind für KollegInnen verschiedener Berufsherkunft anwendbar. Die mannigfaltigen Materialien, die im Buch vorgestellt werden, sind flexibel einsetzbar. Die Möglichkeiten reichen von der Einzelfallarbeit bis zur Arbeit in und mit Teams. Der Aufbau des Buches führt über die Grundlagen zur Arbeit mit Symbolen, über die verschiedenen Interventionen, eingeteilt in Themen, bis hin zu wichtigem psychologischen Hintergrundwissen. Beispiele aus der Praxis geben einen Überblick der Einsetzbarkeit der Interventionen. Zum sich Einlesen und Nachlesen sind die Angaben im letzten Abschnitt des Buches angezeigt. Wer Interesse an einer Ausbildung hat – ich kann sie nur weiterempfehlen.


Rezension von
Mag. Brigitta Klosa
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Zitiervorschlag
Brigitta Klosa. Rezension vom 28.09.2020 zu: Wilfried Schneider (Hrsg.): Wenn Worte fehlen – Symbole als Dolmetscher. Ein Praxisbuch für Therapie, Beratung, Begleitung von Teams und Pädagogik. Mit Beiträgen von 33 Autorinnen und Autoren. Studienverlag (Innsbruck, Wien, München, Bozen) 2020. ISBN 978-3-7065-5151-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27156.php, Datum des Zugriffs 30.10.2020.


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