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Detlef Kuhn (Hrsg.): Resilienz am Arbeitsplatz

Cover Detlef Kuhn (Hrsg.): Resilienz am Arbeitsplatz. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2019. 2., vollständig überarbeitete Auflage. 157 Seiten. ISBN 978-3-86321-436-4. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 37,50 sFr.
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Thema

Mit der zweiten Auflage des Herausgeberwerkes Resilienz am Arbeitsplatz befassen sich die AutorInnen nicht nur mit den gängigen Konzepten der Resilienz, sondern stellen auch ein selbstentwickeltes praxistaugliches und leicht handhabbares Instrument, das Resilienzbarometer vor. Hiermit lassen sich vorhandene und abrufbare Ressourcen zur adäquaten Ausbildung von individueller Resilienz zur gelungenen Gestaltung der Arbeiten auch unter fordernden Bedingungen des Arbeitsplatzes identifizieren und anschließend gewinnbringend nutzen. Als Bonus ist dem Herausgeberwerk ein Gutschein für die Nutzung des Online-Resilienzbarometers beigefügt. So kann auf einfache Art und Weise nicht nur praxisrelevantes Wissen über das Themenfeld erworben werden, sondern auch individuell die eigene Resilienz ergründet werden.

Herausgeber

Das Buch entstand federführend durch den Herausgeber Detlef Kuhn. Als AutorInnen werden neben Herrn Kuhn auch Christina Bachmann, Dennis Bikki, Henrike Heier, Anja Volkhammer, als auch PsycholgInnen, BeraterInnen, TrainerInnen des ZAGG (Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften GmbH, Berlin), sowie den beiden externen Autorinnen Anna-Maria Metz und Uta-Maria Weißleder aufgeführt. Eine Kenntlichmachung der Autorenschaft einzelner Kapitel oder Beiträge im Buch erfolgt nicht.

Der Herausgeber Detlef Kuhn, geb. 1956, Studienassessor und Systemischer Berater, ist Geschäftsführer des ZAGG Zentrum für angewandte Gesundheitsförderung und Gesundheitswissenschaften GmbH in Berlin.

Aufbau

Beginnend mit einer Reihe von Einleitungsgedanken zu dem Themenfeld und der Darstellung der Notwendigkeit der Auseinandersetzung zur gelungenen Lebens- und Arbeitsweise gliedert sich das Herausgeberwerk anschließend in vier Hauptkapitel mit vertiefenden Unterkapiteln.

Kapitel 1 beschreibt das Konzept der Resilienz mit Ursprüngen, grundlegenden Begrifflichkeiten und ausgewählten Ansätzen. Kapitel 2 führt facettenreich in das Praxismodell der Resilienz für ein gelungenes Arbeitsleben ein. Im 3. Kapitel stehen die neuen Herausforderungen am Arbeitsplatz und die notwendige Etablierung von Resilienzfaktoren im Fokus. Schließlich stellt das 4. Kapitel das konzipierte Resilienzbaraometer, Einsatzweisen, Einsatzfelder und den individuellen Nutzen vor.

Ein eindringlich positives Plädoyer rundet den inhaltlichen Teil des Herausgeberwerkes ab. Es folgt noch ein Quellen- und AutorInnenverzeichnis.

Inhalt

Wie Titel und Aufbau des Herausgeberwerkes schon vermuten lassen ist eine praxisnahe Auseinandersetzung mit dem Thema der Resilienz der Grundsatz. Deutlich wird dies bei der direkten Herangehensweise und der leicht eingängigen Aufbereitung der jeweiligen Inhalte. Das dem Buch zugrunde liegende Grundverständnis von der bearbeiteten Resilienz lässt sich mit diesem Zitat aus der Einführung treffend kennzeichnen: „Der Begriff wird übersetzt als psychische Widerstandsfähigkeit oder auch als das Immunsystem der Seele. Resiliente Menschen verfügen über Eigenschaften, Kompetenzen und Ressourcen, die es Ihnen erlauben, schwierige Lebensumstände ohne Beeinträchtigung zu meistern und gestärkt aus diesen hervorzugehen. Resiliente Menschen zeigen höhere Arbeits- und Lebenszufriedenheit, ein höheres Commitment (Zugehörigkeitsgefühl) und mehr Engagement. Sie verbleiben länger in Betrieben, zeigen ein vermindertes Stresserleben und haben ein geringeres Risiko an einer Depression zu erkranken.“ (S. 8)

Kurzum, jeder sollte ein Interesse haben das zu stärken, im eigenen Interesse mehr über das Themenfeld zu erfahren und natürlich, im besten Fall die eigene Resilienz zu stärken. Genau diesen Anspruch stellt sich dieses Herausgeberwerk auf den dann folgenden 130 Textseiten.

Dazu wird neben dem theoretischen und konzeptuellen Setting ein Praxismodell entwickelt, die Resilienz am Arbeitsplatz beleuchtet und schließlich mit dem Resilienzbaraomter ein Instrument zur Selbstreflexion und (Weiter-) Entwicklung vorgestellt.

Kapitel 1: Das Konzept der Resilienz

Im ersten Kapitel mit seinen fünf Unterkapiteln wird das Konzept der Resilienz im Verständnis der AutorInnen herausgearbeitet. Hierzu werden Forschungsansätze und Ergebnisse einiger wegweisenden Studien aus den USA der 1950er Jahren besprochen. Deren Erkenntnisse legen den Grundstein für die in den folgenden Kapiteln entwickelten Ideen zum Praxismodell und dem Resilienzbarometer.

Kapitel 2: Ein Praxismodell für das Arbeitsleben

Im zweiten Kapitel mit seinen sechs Unterkapiteln, wird nun das Praxismodell für das Arbeitsleben konzipiert. Sehr praxisnah mit einer Fülle an Beispielen und Kontexten wie sie regelmäßig im Arbeitsalltag auftreten können werden Studienerkenntnisse der Resilienzforschung oder verwandter psychologischer Richtungen genutzt um zu beschrieben, welche Einstellungen, Kompetenzen und Eigenschaften zur individuellen Resilienz beitragen können. Schließlich werden mit den Aspekten

  • Gefühl der Handlungskontrolle
  • Bewusstsein für eigene Stärken
  • Erlebte Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns
  • Zuversicht
  • Mitbestimmung

fünf entscheidende Resilienzfaktoren identifiziert. Ganz im Sinne der Praxisnähe werden die Erkenntnisse mit einer Reihe von Denkanstößen und Übungen zum vertieften Erkenntnisgewinn kombiniert.

Kapitel 3: Resilienz am Arbeitsplatz – Neue Herausforderungen

Im dritten Kapitel mit seinen vier Unterkapiteln, wird das Thema Resilienz in Verbindung mit dem zuvor eingeführten Praxismodell im Kontext des Arbeitslebens behandelt. Großes Augenmerk wird dabei auf die Verbindung mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz gelegt. Im Verständnis der AutorInnen fungiert „das Praxismodell als Baustein eines ganzheitlichen Interventions- und Präventionsansatzes im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.“ (S. 10)

Kapitel 4: Widerstandsfähigkeit beschreiben – Das Resilienzbarometer

Im vierten Kapitel mit seinen vier Unterkapiteln wird das in unterschiedlichen Facetten dargestellte und argumentativ verankerte Praxismodell um ein Fragebogenkonstrukt erweitert. Mit der Einführung dieses Instruments zur Selbsteinschätzung und anschließenden Reflexion bzw. Aktivierung oder Stärkung der individuellen Resilienz soll der Kreis der arbeitsplatznahen und direkten Anwendung von Konzepten aus der Resilienzforschung geschlossen werden. Hierzu liegt dem Buch auch ein Code zur Nutzung des zugehörigen online Angebots rund um das Resilienzbarometer bei.

Plädoyer

Das Plädoyer zieht ein eindringliches Fazit in dem noch einmal die Brisanz und Wichtigkeit von Resilienz im Arbeitskontext verdeutlicht werden soll. „Resilienz kann erlernt werden und ist trainierbar. Auf dieser Erfahrung baut unser Buch auf: Es versteht sich als ein Praxismodell für das Arbeitsleben und beinhaltet vor allem den Appell, sich für Resilienzentwicklung zu engagieren.“

Diskussion

Mit dem Herausgeberwerk gelingt den AutorInnen ein praxisnaher Band und vor allem ein praxistaugliches Format zur Erfassung, Weiterentwicklung und Reflexion der individuellen Resilienz zur Beibehaltung, gar Steigerung der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. In einer Vielzahl an leicht verständlichen und alltagsorientierten Beispielen wird das Themenfeld nachvollziehbar aufbereitet. Praxismodell und Resilienzbarometer sind probate Mittel hierfür.

Allerdings geht mit der großen angestrebten Praxistauglichkeit auch ein hohes Maß an Wissenschaftlichkeit verloren. An manchen Stellen wäre eine fundierte Auseinandersetzung unter Rückgriff auf valide empirische aktuelle Forschungsergebnisse wünschenswert. Eine fundierte und differenzierte theoretische Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex der Resilienz wäre zudem ein Gewinn. Auch bleibt die methodische Basis des Resileinzbarometers vage und lässt die üblichen Schritte die bei der Konzeption und Implementierung eines Messinstruments notwendigen statistischen Prüfverfahren vermissen.

Dennoch liefert dieses Buch „viele Denkanstöße und eine optimistisch stimmende weitere Beschäftigung mit dem Thema der Resilienz“ (S. 11). Somit ist es eine lohnende erste Annäherung an die wichtige und häufig vernachlässigte Beschäftigung mit der Resilienz am Arbeitsplatz.

Fazit

Das Herausgeberwerk Resilienz am Arbeitsplatz bietet neben einer eingängigen und kurzweiligen Beschreibung der grundlegenden Konzepte der Resilienz vor allem ein Praxismodell zur Reflexion über die eigenen Resilienzpotenziale, den Abruf dieses Potenzials und die Weiterentwicklung dieser Fertigkeiten. Das alles geschieht aus der individuellen Perspektive heraus mit dem Fokus auf Resilienzstrategien für den Arbeitsplatz bzw. die gesamte Organisation.


Rezension von
Sebastian Anselmann
M.A., Akademischer Mitarbeiter
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd - University of Education -
Institut für Bildung, Beruf und Technik, Abteilung Berufspädagogik
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Zitiervorschlag
Sebastian Anselmann. Rezension vom 14.12.2020 zu: Detlef Kuhn (Hrsg.): Resilienz am Arbeitsplatz. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2019. 2., vollständig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-86321-436-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27161.php, Datum des Zugriffs 21.01.2021.


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