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Hans-Jürgen Boßmeyer, Gernot Brauer u.a.: Coachen, Lehren und Lernen mit Musik

Cover Hans-Jürgen Boßmeyer, Gernot Brauer, Clive F. W. Flynn: Coachen, Lehren und Lernen mit Musik. Praxisleitfaden für Schule und Hochschule, Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 208 Seiten. ISBN 978-3-8474-2403-1. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR.
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Thema

Was das Buch behandelt, ist nicht in einem Satz, auch nicht in mehreren Sätzen zu sagen. Der Titel soll den/die Leser*in auf den Pfad des Coachens, Lehrens und Lernens mit Musik führen, doch die Themen des Buches sind weitaus umfassender. Als Praxisleitfaden für Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen angelegt, streben die Autoren das Ziel an, den Leser*innen vom jungen bis ins hohe Alter mittels Musikalisierung von Sprache ein effektiveres Lernen, eine nachhaltigere Wissensvermittlung, kulturelle Integration sowie bessere Sprach- und Intelligenzförderung zu ermöglichen. Der methodische Schlüssel zu dieser didaktischen Herausforderung ist ein detailliertes Wissen von den vielfältigen Möglichkeiten musikalischen Handelns und zu den Anwendungsformen von Musik, deren musikwissenschaftliche, -ethnologische, -pädagogische und -psychologische Fülle die drei Autoren auf 176 Seiten zusammenschrumpfen lassen. Aus dieser Verknappung erwachsen nicht wenige Problematiken in der Darstellung, auch wenn der Grundansatz der Autoren, der Wirkung von Musik auf der Basis bereits existierender Studien in ihrer Vielfalt nachzugehen, erst einmal zu befürworten ist.

Entstehungshintergrund und Autoren

Ausgangspunkt dieser Publikation ist das Erfahrungswissen des Herausgebers Hans-Jürgen Boßmeyer. Während seiner Kreuzfahrttouren, auf denen er als Dozent tätig war, hat Boßmeyer erlebt, wie er sein Ziel, Vorträge mit Hilfe von Musik zu vermitteln, noch besser erreichte. Bei dem Versuch, den an Land gehenden Touristen „eine Einführung in Land und Leute“ zu geben, setzte sich bei Hans-Jürgen Boßmeyer die Erkenntnis durch, dass der gesungene Kulturvortrag (Hörbeispiel dazu Nr. 46, S. 155) – vorausgesetzt Melodie und Rhythmus gefallen den Zuhörer*innen – eine bessere Vermittlung der Textbotschaft ermöglicht, als wenn neues Wissen in der üblichen Art ausschließlich sprechend vorgetragen wird (S. 109 und S. 119-122). Nachdem er zunächst rein vokal singend, aus dem Stand und spontan, Texte musikalisch umgesetzt hatte, ging er dazu über, eigene Melodien zu komponieren, die Melodien samt Liedtext aufzunehmen und um das Lied und das neue Wissen herum, eine Lehrmethode aufzubauen: Text und Ton sind in seinen Vorträgen nun eine Einheit, „sprechen Intellekt und Emotion gleichermaßen an und sichern die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer nicht nur am Anfang, sondern bis zur letzten Silbe und zum letzten Ton“ (S. 121).

Der Typus des Kreuzfahrttouristen, der sich im Urlaub befindet und eigentlich keine Lust auf „verschultes Informationsangebot“ hat, diente dem Autor Boßmeyer und seinen kooperierenden Mitautoren Gernot Brauer und Clive F.W. Flynn als Vorbild, um der Bildungs-, Schul- und Hochschullandschaft die Musikalisierung von Lerninhalten nahe zu legen. Denn entweder lägen in der Schule Lernhindernisse, z.B. durch die fehlenden Kenntnisse der deutschen Sprache vor, oder es handelt sich – wie beispielsweise in Mathematik, Geschichte, Latein oder Jura – um komplexe Stoffe, deren nachvollziehbare und verstandene Vermittlung in Schule und Hochschule dennoch sehr wichtig ist.

Dieser Ansatz integriert sich in die beruflichen Erfahrungen der drei Herausgeber, da sie in ihrer Vita Kompetenzen im Bereich Kommunikationsmanagement, Geschäftsführung, Bildung und Innovation an verschiedenen akademischen, universitären oder in sonstigen Kontexten zusammenführen. Haben Boßmeyer – und mit ihm die Co-Autoren Brauer und Flynn – dank seiner kreativ gestalteten Wissensvermittlung im Freizeitbereich einer Kreuzfahrt einen bislang unentdeckten Zugriff auf die widerständigen, unmotivierten, faulen und schwerfälligen Hirnareale des Menschen gefunden? Ermöglicht der Praxisleitfaden Coachen, Lehren und Lernen mit Musik dem Schul- oder Hochschulpädagogen neue Dimensionen der Wissensvermittlung und setzt neue didaktische Maßstäbe, weil Musizieren und Singen als Methode erstmals beschrieben und erklärt werden? Diese Fragen sind eindeutig mit Nein zu beantworten. Das Buch stellt sich eher als ein Konglomerat von wissenschaftlich und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen dar, die sich den unterschiedlichen Aspekten aus ihrer jeweils verschiedenen interdisziplinären Spezifik heraus angenommen haben. Vom Kreuzfahrtschiff herunter gestiegen sind die drei Autoren auf die Suche nach Literatur gegangen, die ihnen das Phänomen der besser lernenden Touristen erklärt. Eine 42seitige Literaturliste (über eine Internetseite abrufbar) erzählt von dieser Recherche.

Aufbau und Inhalt

Während in dem Band Publikationen u.a. von Gunter Kreutz (der auch das Vorwort geschrieben hat), Stefan Kölsch, Eckart Altenmüller, Lutz Jäncke oder Reinhard Kopiez aktuelle Forschungen von Musikpsychologen oder Neuropsychologen aufgegriffen werden, wird über Autor*innen wie Martina M. Schuster, Ulrike Quast oder Lenn Millbower pädagogische Fachliteratur wieder gegeben, die mit selbstständigen Beiträgen zum Thema Lernen mit Musik oder Forschung zu den Effekten von Musizieren und Singen für diese Art des Wissenserwerbs bereits bekannt sind. Martina M. Schuster, die im zentralen Kapitel 3.2 zur Wirkung von Songs bei Seminaren, Vorträgen und beim Coachen vielfach zitiert wird, hat bereits 2017 ein Buch zum Thema „Auditives Coachen. Coaching mit Musik, Klang und Gesang. Einführung in eine neue Methode mit uralten Wurzeln“ verfasst und schon im Titel verdeutlicht, dass die Methode nicht neuartig ist. Auf ihre Ausführungen wie auch auf Quasts „Leichter lernen mit Musik“ von 2005 oder Millbowers „Training with the beat. The teaching Power of Music“ (2000), stützen sich die drei Autoren hauptsächlich. Erfahrene Pädagog*innen wie auch neueste wissenschaftliche Fachliteratur (bis 2019), deutsch- und englischsprachige Autor*innen aus den Bereichen Musikpsychologie, Pädagogik Anthropologie, Soziologie, Ethnologie und Musiktherapie (S. 76 f.): Es ist diese Vielfalt wie auch der unsystematische Umgang mit Informationen, Erkenntnissen und Forschungsergebnissen, was bei der Lektüre des Buches von Boßmeyer, Brauer und Flynn nach und nach problematisch wird, weil der interdisziplinäre Zugang fachlich nicht befriedigend gelöst ist.

In vier Kapiteln werden zunächst verschiedene Lernbeispiele mit Musik seit den sog. Hominiden über Urvölker und Hochkulturen bis in die heutige Zeit knapp geschildert. Historische Abrisse zu unterschiedlichen Epochen und Völkern (Kap. 1) führen zu den Grundlagen des Lernens, Kommunizierens und Therapierens mit Musik auf der Basis neurologischer und lernpsychologischer Zusammenhänge (Kap. 2). Das 3. Kapitel stellt Beispiele aus der Praxis vor, die das Erlernen der deutschen Sprache, von Fremdsprachen mit Musik bis hin zum Coachen mit Musik bei Kindern verbindet. Die Praxis wird abschließend mit der Erfahrung kombiniert: das 4. Kapitel referiert Literatur, in der Sprach-, Körper- und Bewegungserfahrungen mit Hilfe von Musik eingeleitet worden sind. Von den höheren Schulen werden Beispiele zur vertonten Mathematik referiert. Für Hochschulen wird das kuriose Beispiel vertonter Jurainhalte angeführt – wie sähe es mit Wissensinhalten zur Sozialen Arbeit aus? Angesichts der Kombination von historischen, ethnologischen, anthropologischen, musikpsychologischen-, therapeutischen und pädagogischen Studien empfiehlt es sich, die Originalautor*innen zu lesen, weil die Paraphrasierung ihrer Aussagen bei Boßmeyer, Brauer und Flynn oft zu Ungenauigkeiten und Missverständnissen führt.

Diskussion

Von den vielen Beispielen, die mit Blick auf diese Ungenauigkeiten und Missverständnisse zu benennen wären, wenn es darum geht, das zitierte Original mit der Wiedergabe bei Boßmeyer, Brauer und Flynn zu vergleichen, sei eines – erster Punkt – konkret benannt. Im Kapitel Die Wirkungskette „Musik und Emotion“ (S. 63-68) gehen die drei Autoren darauf ein, dass Menschen grundsätzlich in der Ansicht übereinstimmen, „dass Musik fröhlich oder traurig klingen kann (Altenmüller 2018).“ In der Wissenschaft würde – laut Altenmüller – in zwei Lagern darüber „gestritten“, warum das so sei. Während die kognitivistische Position die Ansicht verträte, dass „fröhliche oder traurige Musik keine gleichartigen Emotionen im Hörer weckt, sondern, dass er sie nur in dieser Weise klassifiziert und bewertet“, seien die Emotivisten „im Gegensatz dazu“ […] „davon überzeugt, dass Musik Emotionen direkt induziert. Neurowissenschaftliche Erklärungen sind vielschichtig und liegen noch nicht umfassend vor“ (Boßmeyer, Brauer, Flynn, S. 66). Im Ausgangstext von Altenmüllers Buch (S. 375) stellen sich Ausgangsfrage und Antworten der „zerstrittenen“ Lager anders dar. Altenmüller verweist auf Diskussionen von zwei Positionen, die nicht die Frage des Warums, sondern des Ob behandeln. Löst eine nach allgemeinen Kriterien festgelegte, fröhlich klingende Musik auch die Emotion Freude aus? Oder setzen andere Reaktionsketten ein? Die Kognitivisten sagen, dass vor der Emotion auf eine fröhliche Musik erst einmal eine Klassifikation und Bewertung der Musik durch den Hörer erfolgt (was wiederum eine jeweils spezifische Kenntnis der Musik oder ihrer Interpretation voraussetzt) und diese Bewertung kann anschließend Emotionen unterschiedlichster Art induzieren: daher kann eine fröhliche Musik Freude auslösen, wenn alles passt, oder zum Gefühl Ärger führen, wenn die Interpretation nicht gut ist, oder das Musikstück in diesem Moment unangebracht ist. Bei der Argumentation der Emotivisten wiederum wird davon ausgegangen, dass Musik Emotionen direkt anregt, auf der Basis ganz unterschiedlicher Mechanismen wie Hirnstammreflexe, Konditionierungen des Hörers und Verankerung der Musik im episodischen Gedächtnis oder – genau wie bei den Kognitivisten – durch kognitive Bewertung. Der wissenschaftliche Diskurs, bei dem die eine in der anderen Theorie sogar in Teilen aufgeht, dreht sich somit um die Frage, was wann welche Reaktion (Bewertung, Emotion) auf welcher Grundlage nach sich zieht. Abgesehen davon, dass Boßmeyer, Brauer und Flynn bei dem obigen Zitat aus einer Publikation, die schon 2018 die vorhandenen Theorien und Erkenntnisse systematisch zusammengeführt haben (auch hier lohnt sich die Lektüre des Originals), wie so oft keine Seitenangabe machen, führt die Verknappung des Zitats und die ungenügende Paraphrasierung von Altenmüllers Ausführungen zu einer unnötigen Banalisierung der zentralsten Frage des vorliegenden Bandes.

Der Grund für diese und weitere lückenhafte Umsetzungen wissenschaftlicher Genauigkeit liegt – zweiter Punkt – in einer allzu allgemein gehaltenen Heroisierung musikalischer Tätigkeit, musikalischen Handelns, des Hörens und Singens, das was gemeinhin mit dem kurzen Wort „Musik“ global benannt wird. An der Überzeugung, dass musikalisches Handeln in seiner Vielfalt viele sehr positive Effekte nach sich ziehen kann (!), hat die Rezensentin nichts auszusetzen, wenn differenziert genug argumentiert wird. Aber die Autoren glauben an die „göttliche Kraft“ und die „Macht der Musik“ (Titel populärwissenschaftlicher Editionen oder eines Artikels aus DIE ZEIT von 2012) und unterlegen ihr Buch mit unterschiedlichsten wissenschaftlichen Erkenntnissen, deren Kombination (wie auch die Abfolge der Kapitel, s.o.) einen Parforce-Ritt durch Jahrtausende Musikgeschichte und -pädagogik bis hin zur aktuellen Anwendung von musikalischem Handeln in der Sozialen Arbeit oder in Musiktherapie ergeben. Musik in der Weiterbildung, bei Schüler*innen älterer Semester oder im sog. „Erfahrungsfeld Integrationsarbeit“ der sozialpädagogischen Arbeit (S. 155) ergänzen das Potenzial des grundlegenden Gedankens, dass mit Musik alles besser, leichter und effektiver gehen könnte, wenn es als Lernunterstützung genutzt würde. Diese Hypothese kann die Rezensentin zwar nicht grundsätzlich in Frage stellen. Allerdings muss zum einen bedacht werden, dass der Vortragende bzw. der Lehrende so kreativ sein muss, dass ihm diese Art der Umsetzung musikalisch auch gelingt, und dass die Hörer*innen, Schüler*innen mit dieser Art der Vermittlung zum anderen grundsätzlich und in der jeweiligen Situation einverstanden sind, die Musik gut finden, und dass die Inhalte nicht zu komplex werden. Wie es der Lehrer der vertonten Mathematik, Johann Beurich, in dem angeführten Video (s. dazu S. 138) verdeutlicht, geht es bei dieser Art der Vermittlung doch mehr um eine Art Hemmschwellenbrechung oder auch um eine neuartige Kontextualisierung mathematischer Inhalte.

Ob wir diesen Effekt musikalischer Aktivität „Hemmschwellenbrechung“, „emotionaler Türöffner“ oder „grundsätzliche Stimulation“ nennen: es kann – dritter Punkt –, es muss aber nicht passieren, dass sich Wissen über Musik leichter und vertiefter vermitteln lässt. Das Buch führt – anders als es die Autoren (S. 157) erhoffen- daher eben nicht den Nachweis, dass vertonte Inhalte grundsätzlich besser behalten werden. Das Buch kann diesen Nachweis gar nicht führen, weil es selbst der Disziplin Musikpsychologie, die für diese Art von Forschungsfragen zuständig ist, nicht immer gelingt, die Wirkung in einem Setting ausschließlich auf den Faktor Musik zurückzuführen (und den lustig singenden Lehrer, das schöne Wetter, die Urlaubssituation oder die Banknachbarin als zusätzlichen positiven Einfluss definitiv ausschließen zu können). Die dazu geführten Beleg-Interviews (S. 168 ff.) mit Touristen des Kreuzfahrtschiffs AIDAbella, die Hans-Jürgen Boßmeyer mit abdruckt, können nicht als relevante Beweise angeführt werden: unter wissenschaftlichen Kriterien ist es methodisch nicht statthaft, dass der Musiker selbst die Wirkung seiner musikalischen Intervention beforscht.

Dieses wichtigste aller musikpsychologischen Forschungsergebnisse – vierter Punkt –, dass die Wirkung derselben Musik bei jedem Menschen ganz unterschiedlich ausfallen kann, weil wir Menschen mit unseren individuellen Lebensläufen so divers sind, müsste – angesichts fortschreitender Forschung, die die Autoren kennen – stärker betont werden. Boßmeyer, Brauer und Flynn schreiben zwar, dass „jede Empfehlung zum Coachen, Lehren und Lernen […] nur so gut [ist] wie die Resonanz, die sie beim Adressaten auslöst“ (S. 165), aber sie erwähnen dazu nicht, dass zur Erzeugung dieser Resonanz auf Seiten der vermittelnden Lehrperson eine gehörige Portion musikalische Kreativität, eine Stimme, der Mut zu singen und zu musizieren und Kompositions- und Spielfähigkeiten vorliegen müssen. Es wird im Buch somit etwas dargestellt und eingefordert, dessen Umsetzung anspruchsvoll und dessen Ergebnis keineswegs eindeutig feststeht. Wie anspruchsvoll das Vorgehen ist – fünfter Punkt –, zeigen die Autoren abschließend auf sechs Seiten (S. 157-163) indem über 1. Brainstorming, 2. Ordnung und Phrasierung der gefundenen Substantive, 3. Dichten, 4. Erstellung einer Strophe, 5. Melodiensuche (angepasst an Alter und Profil der Zielgruppe), 6. Zusammenfügung von Text und Melodie (sog. Parodieverfahren) für das Thema „Winter“ eine musikalische Umsetzung gefunden wird. Und wer als Lehrkörper nicht singen kann, darf rappen! Wer, wenn nicht bereits musikalisch hinreichend erfahrene Lehrende würde sich an dieses aufwändige Verfahren herantrauen?

Was dennoch hervorgehoben werden sollte – sechster Punkt –, ist die musikalische und klingende Seite des Büchleins. Nicht nur das Literaturverzeichnis, auch die Musikbeispiele sind mittels QR-Codes abrufbar. Die Musikbeispiele stammen von unterschiedlichen Musiker*innen (Youtube), von Hans-Jürgen Boßmeyer und befreundeten Musikern und weisen auf dazugehörige CDs und Produktionen hin (z.B. Nr. 44, S. 150). Wer sich hier mit Muße und Zeit durchhört, lernt außereuropäische und alte Musik, Popsongs, Songs von Boßmeyer zu Themen wie Resilienz (Nr. 43), Lieder anderer Autoren zu Deutsch lernen (Nr. 42), Rap mit Jura (Nr. 40) oder mathematische Formeln (Nr. 35-36) und sogar einen Rap Dance gegen das Corona-Virus und Massenpanik aus Singapur kennen. Nicht alles ist noch im Jahr 2021 mit dem im Buch aufgeführten QR-Code abrufbar, aber z.B. die „Learn Language with Songs“-Seite von Martina Schwarz ist – leicht modifiziert – noch immer im Internet zu finden. Die Kombination aus Lesestoff und Hörbeispielen, die mittlerweile über Handynutzung auch in Museen zielführend eingesetzt wird, ist zu begrüßen und ergänzt den geschriebenen Text.

Fazit

Die Absicht der Autoren, musikalische Aktivitäten in ihrer Wirkhaftigkeit auch im täglichen Leben für jeden und jede Leserin nachvollziehbarer zu machen, zu vergegenwärtigen und musikalisches Handeln in Bildungskontexten unter Umständen und mit Maß stärker zu integrieren, ist unbedingt zu befürworten. Vor diesem Hintergrund bedauert die Rezensentin geradezu, das Buch dennoch aus den Gründen, die oben angeführt sind, nur mit Einschränkung empfehlen zu können. Aus editorischer und wissenschaftlicher Perspektive ist der Band nicht gut betreut worden und es stellt sich – wie oben bereits erwähnt – immer wieder die Erkenntnis ein, dass es besser wäre, die zentralen Ausgangspublikationen zu lesen, um den Originalkontext der Methode, der Theorie oder der Ausführung richtig zu verstehen. Das Sachregister ist unnötig und ungenau, im Namensregister fehlen Seiten oder Angaben zu den Personen sind entstellend verknappt (z.B. zu Gregor II.). Im Haupttext fehlen häufig Seitenangaben zur Literatur, sodass insgesamt der Anstrich von Wissenschaftlichkeit zwar gegeben, aber nicht durchgehalten ist und der Leserin viel Arbeit bei Überprüfung und Vergleich beschert. Als Handbuch für Studierende kann es daher nicht empfohlen werden. Musikpädagoginnen haben eigene Literatur, sodass nur Leser*innen, die sich auf diesem Gebiet zum ersten Mal bilden wollen, der Rat mit gegeben sei, mit Vorsicht zu lesen und eher auf Schuster, Quast und Millbower oder auf das sehr umfassende Handbuch Musikpsychologie von Andreas C. Lehmann und Reinhard Kopiez (2018) bei vielen Themen zurück zu greifen. Der vorliegende Band kann nur ansatzweise helfen, die Vielfalt an Zugängen zu der Frage anzureißen, wie sich Lernen mit und über Musik entwickelt hat.


Rezension von
Prof. Dr. Manuela Schwartz
Historische Musikwissenschaft Hochschule Magdeburg/Stendal FB Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien
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Zitiervorschlag
Manuela Schwartz. Rezension vom 03.09.2021 zu: Hans-Jürgen Boßmeyer, Gernot Brauer, Clive F. W. Flynn: Coachen, Lehren und Lernen mit Musik. Praxisleitfaden für Schule und Hochschule, Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. ISBN 978-3-8474-2403-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27189.php, Datum des Zugriffs 22.09.2021.


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