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Thieß Petersen: Diginomics verstehen

Cover Thieß Petersen: Diginomics verstehen. Ökonomie im Licht der Digitalisierung. UTB (Stuttgart) 2020. 275 Seiten. ISBN 978-3-8252-5339-4. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 32,50 sFr.

Reihe: UTB - 5339. Wirtschaftswissenschaften, Informatik.
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Thema

Der Autor verbindet die Digitalisierung mit der Ökonomie: „Diginomics“ daher auch der Titel. Es geht ihm dabei nicht um den bereits vielfach diskutierten operativen Bereich der Arbeitsplatzgestaltung und -veränderung, sondern um eine volkswirtschaftliche Betrachtung der Materie auf volkswirtschaftlicher Ebene in über weite Strecken auch für „Laien“ leicht verständlicher Weise.

Autor

Thieß Petersen studierte VWL/Wirtschaftswissenschaften, Anthropologie und Ökonomie in Kiel und ist Senior Advisor der Bertelsmann-Stiftung im Projekt „Global Economic Dynamics“ und lehrt zudem an der Europa-Universiität Vladrina in Frankfurt/0der.

Aufbau

Nach den Ausführungen zu den grundlegenden Klärungen rund um das Thema, geht der Autor auf die Treiber der Digitalisierung ein: Gewinnmaximierung und der Zwang zur Kostenoptimierung, der globalisierte Wettbewerbsdruck und die staatliche Rahmensetzung beginnt die Betrachtung der Auswirkungen der Digitalisierung in 11 Kapiteln mit dem Einfluss auf die Preisbildung, den Zusammenhang mit dem Produktivitätsparadoxon, den Auswirkungen von Big Data und KI für Verbraucher, den Monopolisierungstendenzen durch die Digitalisierung, den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, Verteilungseffekte der Digitalisierung, die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und die Staatsfinanzen sowie die Auswirkungen auf die internationale Arbeitsteilung und schließlich die Industriepolitik. Eine insgesamt recht differenzierte Betrachtung des Themas Digitalisierung und Ökonomie.

Inhalte

Zunächst stellt der Autor die Preisbildung in den Mittelpunkt. Die Grundsätze der Preisbildung gelten auch auf Märkten mit digitalen Plattformen. Zum einen kommt es zu einer Preissenkung durch höhere Markttransparenz und verringerte Transaktionskosten. Zum anderen führt die Digitalisierung zu einer Monopolisierung und damit zu steigenden Kosten. Damit ist nicht sichergestellt, dass die technologisch möglichen Preissenkungen an den Verbraucher weitergegeben werden (können). Die Aussicht auf niedrigere Produktionskosten ist ein Motiv für den verstärkten Einsatz in allen Phasen der Dienstleistungserstellung. Die damit verbundene Produktivitätssteigerung ermöglicht eine Ausweitung der produzierten und konsumierten Güter und Dienstleistungen – verbunden mit einer Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt.

Die Verbraucher profitieren grundsätzlich von der Digitalisierung durch die digitalisierungsbedingte Verringerung der Produktionskosten. Big Data und KI können dazu beitragen, dass wirtschaftliche Entscheidungsprozesse schneller, präziser und zuverlässiger durchgeführt werden können. Die Optimierung der Geschäftsprozesse geht dabei auch auf die Vorhersage des Kaufverhaltens, da damit der Verbrauch an einem bestimmten Tag besser vorhergesagt werden kann. Damit können Transaktionskosten bei bestehenden Produkten und eigentlich auch Dienstleistungen reduziert werden. In der Folge sollte es auch möglich sein, bestehende Produkte/Dienstleistungen zu optimieren bzw. gänzlich neu zu gestalten. Der Autor weist an der Stelle darauf hin, dass der Einsatz digitaler Technologien auch kostenerhöhende Elemente enthält.

Dazu kommt der Aspekt, dass die Digitalisierung auch zum Entstehen von Monopolen führen kann. Dies muss aber nicht notwendigerweise mit Preissteigerungen einhergehen. Auch eine Angebotsreduzierung sowie ein Nachlassen des technologischen Fortschritts ist nicht zwangsläufig mit den Monopolisierungstendenzen verbunden. Trotzdem sollte ein Augenmerk darauf gelegt werden, dass eine Ausnutzung der Markmacht verhindert wird, um das Realisieren von Preisreduktionen und wohlfahrtserhöhenden Effekten zu ermöglichen.

Als arbeitsmarktrelevante Effekte werden immer wieder Freisetzungseffekte diskutiert. Im Falle des Pflegekräftemangels käme daher auch ein Effekt zur Verminderung eben dieses Mangels hinzu. Insgesamt sieht Petersen vier Kompensationseffekte der Digitalisierung von besonderer Bedeutung: Die oben angesprochenen Preiseffekte, Einkommenseffekte mit Veränderung der Kaufkraft, Wettbewerbseffekte durch Preisreduktionen und Investitionseffekte in die digitale Infrastruktur. Hinsichtlich des Strukturwandels muss auch noch die Einkommensverteilung angeführt werden. Hier dürfte sich die Ungleichheit der Markteinkommen in den Industrienationen erhöhen. Schließlich muss damit auch der Zusammenhang mit einem Wirtschaftswachstum angesprochen werden. Während auf der einen Seite wachstumsfördernde Effekte festzustellen sind, lässt etwa das Aufkommen einer Sharing Economy wachstumsdämpfende Effekte erkennen.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Staatsfinanzen aus? Einerseits bedarf es einer Reihe von Investitionen in eine neue Infrastruktur, zum anderen können erst mit diesen Investitionen Einsparpotenziale erschlossen werden. Daneben gilt es den Strukturwandel am Arbeitsmarkt zu bewältigen. Auf lange Sicht rechnet Petersen mit einer tendenziellen Verringerung der Staatsausgaben.

Digitalisierung hat nach den Ausführungen des Autors einen inflationsdämpfenden Effekt. Dies sei positiv zu bewerten, sofern eine Deflation verhindert wird. Hinsichtlich der internationalen Arbeitsteilung geht er davon aus, dass das Verlagern der Produktion (Offshoring) umgekehrt wird in Richtung einer Rückverlagerung. Dies sollte auch positive Auswirkungen auf den Klimawandel haben. Spannend wird es auch, die Rolle der 3D-Druck-Technologie zu verfolgen. Abgeschlossen wird der Band mit Ausführungen zur Industriepolitik bis hin zur Frage wieviel Open Data ökonomisch sinnvoll sind.

Fazit

Am Ende eines jeden Kapitels wird ein kurzes Resumé nachgestellt, das die einzelnen manchmal auch widersprüchlichen Argumente auflistet. Durch die Fokussierung der Digitalisierung auf die obigen Aspekte können plakative Aussagen vermieden werden, auch wenn dem Leser bekannte Einzelfälle zu anderen Ergebnissen führen. Insgesamt ist es eine interessante Diskussion, die der Leser mit seinen Wahrnehmungen abgleichen kann. Es tut auch wieder gut, den Blick auf das Ganze zu richten.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement, Berater für die Optimierung von Prozessen bei sozialen Dienstleistungen und Neugestaltung von sozialen Dienstleistungen insbesondere aus Sicht der KlientInnen und der Digitalisierung sowie dem prozessbasierten Qualitätsmanagement (pQMS extended®)
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 07.10.2020 zu: Thieß Petersen: Diginomics verstehen. Ökonomie im Licht der Digitalisierung. UTB (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-8252-5339-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27194.php, Datum des Zugriffs 30.10.2020.


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