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Philip Meier: Interne Kommunikation im Unternehmen

Cover Philip Meier: Interne Kommunikation im Unternehmen. Von der Hauszeitung bis zum Intranet. Orell Füssli Verlag (Zürich) 2002. 192 Seiten. ISBN 978-3-280-02693-9. 29,50 EUR, CH: 49,00 sFr.
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Einführung in die Themenstellung

Die Interne Kommunikation von Unternehmen ist spätestens seit den Hawthorne-Experimenten von Elton Mayo im Jahre 1930 ein zentraler Untersuchungsgegenstand verschiedener Forschungsrichtungen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Betriebswirtschaft, Soziologie, Psychologie, Publizistik und Informatik haben sich eingehend mit verschiedenen Aspekten der Internen Kommunikation beschäftigt und eine Vielzahl von Publikationen herausgegeben. "PR begins at home", stellte auch Edward L. Bernays Mitte der 50er Jahre fest. Der Internen Kommunikation wird sowohl in der Literatur wie auch in der Praxis eine große Bedeutung beigemessen. Sie gilt als Schlüsselkompetenz, als Grundvoraussetzung und Lebensnerv für das Funktionieren jedes Unternehmens.

Innerbetriebliche Public Relations bedient alle Funktionen Interner Kommunikation, nämlich Information, Motivation, Identitätsstiftung und Integration sowie die nach außen wirkende Botschafterfunktion. Die Mitarbeiter eines Unternehmens prägen das Image mit. Sie tragen verschiedenste Informationen über das Unternehmen nach außen - in ihre Familie, ihren Freundes- und Bekanntenkreis. Dort gelten sie als Experten bei unternehmensbezogenen Themen und nehmen als solche die Position von Opinion Leadern ein. Eine gute innerbetriebliche Public Relations gestaltet aus diesem Grunde die meinungsbildenden Beziehungen innerhalb der Organisation und pflegt den Dialog mit einer äußerst wichtigen und sensiblen Bezugsgruppe: den Mitarbeitern und mit Personen aus ihrem engeren Umfeld.

Aufbau und Inhalte

Philip Meier, Kommunikationsleiter eines Schweizer Unternehmens aus der Hightech-Branche, erforscht seit über acht Jahren Kommunikationsstrukturen und -prozesse in Unternehmen. Sein Buch beruht auf seiner im Juni 2000 angenommenen Dissertation und beinhaltet die Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung zur Organisation und Sprache der Internen Kommunikation. Maier zeigt auf, wie sich die Vermittlung von Informationen und die Führung des Dialogs zwischen der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern gestaltet und welche Aufgaben dabei von welchen verantwortlichen Stellen mittels welcher Medien wahrgenommen werden. Der Autor liefert einen kritischen Einblick in konkrete sprachliche Erzeugnisse von Unternehmen. Er betrachtet und beschreibt Interne Kommunikation sowohl auf organisatorischer wie auch auf sprachlicher Ebene.

Im ersten Teil des Buches wird das Untersuchungsgebiet theoretisch fundiert und begrifflich definiert. Nach der Darstellung der spezifischen Merkmale und der Bedeutung der Internen Kommunikation wird auf ihre Aufgaben, Verantwortlichkeiten und internen Medien eingegangen. Sehr lesenwert, wenn auch sehr kurz gehalten, sind die Beschreibungen möglicher Störungen der Internen Kommunikation, die bei den Mitarbeitern zu Verunsicherung, Identifikationsverlust, destruktivem Verhalten, passivem Wiederstand, Absentismus oder hoher Fluktuation führen können: tarnendes Sprachverhalten und sprachliches Mobbing.

Im zweiten Teil werden die Ergebnisse einer telefonischen Befragung von PR-Verantwortlichen großer Unternehmen zur Organisation der Internen Kommunikation vorgestellt. Es werden die Ergebnisse einer textlinguistischen Analyse von Mitarbeiterzeitschriften-Editorials zur Sprache der Internen Kommunikation präsentiert. Die Ergebnisse beider Untersuchungsteile werden miteinander in Beziehung gebracht und mit anderen Untersuchungen kontrastiert. Das Resümee des Autors: Es wird einiges getan, aber mehr liegt noch im Argen. Obwohl sich die Erkenntnis auf breiter Basis etabliert hat, dass unternehmerisches Handeln ohne Interne Kommunikation undenkbar ist, fehlen in der Praxis konkrete Anstrengungen zur Verbesserung der Internen Kommunikation. Vor allem für den Aufbau eines partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen Unternehmen und Angestellten wird noch zu wenig getan. Der Dialog wird in den wichtigsten internen Medien, wie der Hauszeitung oder dem Intranet, selten gesucht.

Meier weist im dritten, abschließenden Teil Wege, wie die Kommunikation nach innen entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Detailliert geht er auf verschiedene Verbesserungsmaßnahmen der Internen Kommunikation ein. Es werden sowohl organisatorische wie sprachliche Einzelverbesserungsmaßnahmen vorgestellt. Zudem wird ein Konzept zur unternehmensweiten und bereichsübergreifenden Verbesserung der Internen Kommunikation großer Unternehmen präsentiert. Von der Durchführung von Mitarbeiterbefragungen, dem Aufbau einer internen Medieninfrastruktur, der Definition interner Kommunikationsrichtlinien bis zu weitreichenden Gesamtmaßnahmen liefert der Autor Vorschläge, die entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen können.

Fazit

Die Ergebnisse aus Meiers Studie stimmen bedenklich. Rund zwei Drittel aller großen Unternehmen betreiben eine mangelnde Kommunikation mit ihren Mitarbeitern. Interne Kommunikation wird vielerorts weitaus positiver beurteilt, als sie in Wirklichkeit umgesetzt wird, und sie wird bislang kaum als strategischer Wettbewerbsfaktor eingesetzt. Das Buch zur Internen Kommunikation deckt äußerst praxisbezogen und lösungsorientiert den akuten Handlungsbedarf - sowohl auf organisatorischer wie auf sprachlicher Ebene - auf und liefert eine Vielzahl möglicher Verbesserungsmaßnahmen, die von PR-Verantwortlichen aufgenommen und umgesetzt werden können. Ein bedeutender Nachteil des Buches ist, dass einige Standardwerke der Internen Kommunikation fehlen. So wurden einige wichtige Bücher zum Thema nicht einbezogen, die einen umfassenden wie hilfreichen Überblick über vorliegende Definitionen und Konzepte geben.

Zur ergänzenden Lektüre empfohlene Bücher

  • Armbrecht, Wolfgang (1992): Innerbetriebliche Public Relations.
  • Bentele, Günter/Horst Steinmann/Ansgar Zerfaß (Hrsg. 1996): Dialogorientierte Unternehmenskommunikation.
  • Deekeling, Egbert und Fiebig, Norbert (1998): Interne Kommunikation der Zukunft. Wie Unternehmen Public Relations optimal nutzen.
  • Klöfer, Franz (Hrsg. 1999): Erfolgreich durch interne Kommunikation. Mitarbeiter besser informieren, motivieren, aktivieren.
  • Noll, Nathalie (1996): Gestaltungsperspektiven interner Kommunikation.

  • Rezension von
    Thomas Mavridis
    Inhaber der PR-Agentur DIE PR-KANZLEI am Bodensee (www.pr-kanzlei.de) und Lehrbeauftragter für PR, Marketing und Kommunikation an den Hochschulen München, Bamberg und Ravensburg. Auch auf Facebook und bei Twitter präsentiert und diskutiert Thomas Mavridis Wissenswertes rund um das Thema Public Relations & PR 2.0.
    Homepage www.mavridis.de
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    Zitiervorschlag
    Thomas Mavridis. Rezension vom 19.11.2002 zu: Philip Meier: Interne Kommunikation im Unternehmen. Von der Hauszeitung bis zum Intranet. Orell Füssli Verlag (Zürich) 2002. ISBN 978-3-280-02693-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/272.php, Datum des Zugriffs 24.06.2021.


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