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Jochem Kotthaus: FAQ Methoden der empirischen Sozialforschung

Cover Jochem Kotthaus: FAQ Methoden der empirischen Sozialforschung für die Soziale Arbeit und andere Sozialberufe. UTB (Stuttgart) 2020. 230 Seiten. ISBN 978-3-8252-5368-4. D: 14,99 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 19,90 sFr.
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Thema

In Vorlesungen zur Einführung in die empirische Sozialforschung stellen Sozialarbeitsstudierende häufig die Frage, wozu diese Kenntnisse für die spätere Berufslaufbahn überhaupt nützlich seien. Diese Annahmen mögen vielseitige Gründe haben. Trotz aller Zweifel ist dennoch klar, dass nur durch empirische Sozialforschung neues Wissen in der und für die Soziale Arbeit generiert werden kann; das alltägliche berufliche sowie private Handeln und Denken allein reichen hierzu nicht aus (S. 17 ff.). Um Studienanfänger*innen der Sozialen Arbeit (sowie anderer Sozialberufe) den Einstieg in die empirische Sozialforschung zu erleichtern, bietet das vorliegende Werk eine Vielzahl an kurzen FAQ-Beiträgen (Frequently Asked Questions, kurz FAQ).

Herausgeber

Der Herausgeber, Dr. phil. Jochem Kotthaus, ist Professor für Erziehungswissenschaft am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Dortmund. In Lehre und Forschung widmet er sich u.a. der (Ultra-)Fanszene und Popkultur sowie der Jugend- und Familienhilfe. Darüber hinaus ist Jochem Kotthaus Vorsitzender des Leitungsgremiums der Arbeitsstelle für regionale Sozialarbeitsforschung.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband umfasst, neben einer Einleitung des Herausgebers, 40 FAQ-Beiträge von insgesamt 16 Autor*innen und schließt mit einem Literaturverzeichnis zum Gesamtwerk sowie einem Autor*innenverzeichnis.

Das Werk umfasst fünf Kapitel:

  • Teil A: Grundlagen
  • Teil B: Datengenerierung
  • Teil C: Methoden qualitativer Sozialforschung
  • Teil D: Die Auswertung empirischer Daten
  • Teil E: Besondere Aspekte der empirischen Forschung

In der Einleitung verdeutlicht der Herausgeber die Intention des Buches. Auf Basis der breiten Lehrerfahrung aller Autor*innen soll das Werk häufig gestellte Fragen von Studierenden im ersten Semester aufgreifen, die in den meisten Lehrbüchern empirischer Sozialforschung nicht ausreichend behandelt werden (S. 11).

Der Teil A „Grundlagen“ beginnt zunächst mit der Frage, wozu es überhaupt empirischer Sozialforschung in der Sozialen Arbeit bedarf. Die darauffolgenden Beiträge bilden das Fundament für die weitere Beschäftigung mit Themen der empirischen Forschung. Dabei reicht die Bandbreite von einer kurzen Einführung in die Erkenntnistheorie über die Frage nach Wirklichkeit bis hin zur Skizzierung quantitativer und qualitativer Forschungsprozesse.

Im Teil B „Datengenerierung“ werden in einem kurzen Beitrag die in der quantitativen Forschung übliche Operationalisierung, Variablenarten und ihre möglichen Skalenniveaus vorgestellt. Die nachfolgenden sieben Beiträge beschäftigen sich mit der Generierung qualitativer Daten. Im Anschluss werden sowohl unterschiedliche Interviewarten skizziert als auch Sampling-Verfahren und die Verschriftlichung der Interviews (Transkription) erläutert. Es folgen Beiträge zu Beobachtungen, ethnographische Protokolle, Videographie und Selbstreportverfahren.

Der Teil C „Methoden qualitativer Sozialforschung“ führt in aller Kürze in die qualitative Inhaltsanalyse und ihre Weiterentwicklungen, Grounded Theory, Dokumentarische Methode, Objektive Hermeneutik sowie die Narrationsanalyse ein. Im Anschluss widmet sich ein Beitrag der Praxisforschung in der Sozialen Arbeit am Beispiel der Sozialraumorientierung. Dieser Bereich ist besonders anschaulich, da bereits viele Praxisforschungsmethoden in der Literatur beschrieben und in der Praxis erprobt sind (S. 160). Das Kapitel schließt mit einem Beitrag zur evidenzbasierten Sozialen Arbeit.

Teil D „Die Auswertung empirischer Daten“ widmet sich zunächst grundlegenden quantitativen Auswertungsmethoden (Deskriptive Statistik, uni- und bivariate Analysen). Das restliche Kapitel stellt die Auswertungsschritte der in Teil C vorgestellten qualitativen Verfahren vor. Zusätzlich findet sich ein Beitrag zur Auswertung ethnographischer Daten.

Der abschließende Teil E „Besondere Aspekte der empirischen Forschung“ umfasst ein breites Spektrum. Zu Beginn wird das Konzept einer (virtuellen) Forschungswerkstatt vorgestellt und daran die Relevanz des Austauschs mit anderen Wissenschaftler*innen bzw. Studierenden verdeutlicht. Anschließend werden Fragen bearbeitet, die sowohl die Studien- und Karriereplanung als auch konkrete Herausforderungen empirischer Qualifikationsarbeiten betreffen. Beispielsweise werden ausgewählte (datenschutz-)rechtliche Aspekte der empirischen Forschung erörtert (inklusive eines Links zum freien Download einer Mustervorlage für Einwilligungserklärungen) oder auch Hinweise zum Umgang mit resp. zur Vermeidung von kritischen Situationen während der Datenerhebung (z.B. Umgang mit Proband*innen, die sich in einer Notsituation befinden und professioneller Hilfe bedürfen) gegeben. Zudem finden sich Tipps für eine frühzeitige Schärfung des eigenen Studienprofils, sofern eine akademische Karriere angestrebt wird. Das Werk schließt mit zehn Literaturempfehlungen von Klassikern der empirischen Forschung und einem 23 Fachbegriffe umfassenden Glossar.

Diskussion

Der FAQ-Band wird seinem Anspruch, Studienanfänger*innen den Zugang zur empirischen Forschung zu erleichtern, vollumfänglich gerecht. Das Werk ist klar strukturiert. Da die einzelnen FAQ-Beiträge abschließend behandelt werden, ist problemlos ein Stöbern oder schnelles Nachblättern möglich. Positiv hervorzuheben sind zudem auch die weiterführenden Literaturangaben am Ende jedes FAQ-Beitrags und das Glossar mit relevanten Termini. Außerordentlich gut gelingt den Autor*innen zudem der Spagat zwischen inhaltlicher Kondensierung und teils humorvollen Passagen, die es verstehen, die inhaltliche Dichte aufzulockern. So lernt man z.B. die Geschichte der Erkenntnistheorie in 5.455 Zeichen kennen (S. 30), nähert sich dem Begriff der Wirklichkeit zunächst über den Zitronensäurezyklus (S. 34) oder begleitet Herrn Professor Statista bei der Auswertung quantitativer Daten (S. 173 ff.). Meines Erachtens bleibt der Herausgeber bei der Beschreibung der Zielgruppe ein wenig zu bescheiden. Der Sammelband kann über das erste Semester hinaus immer wieder als Nachschlagewerk dienen. Insbesondere die Beiträge im Teil E dürften – mit Ausnahme des Studienverlaufplans – für Erstsemesterstudierende noch nicht von allzu hoher Bedeutung sein, gewinnen bei ersten Hausarbeiten oder spätestens bei der Bachelorthesis jedoch an Relevanz.

Fazit

Der Sammelband versteht es, charmevoll und mit einem gewissen Lesevergnügen in die empirische Sozialforschung einzuführen. Dabei bleiben die Beiträge dennoch inhaltlich anspruchsvoll. Auch die Suche nach weiterführender Literatur wird Studienanfänger*innen durch die zahlreichen Literaturempfehlungen erleichtert. Allen Studierenden, die sich mit dem Zugang zur empirischen Sozialforschung etwas schwertun, sei der Band als Begleitlektüre für die thematische Auseinandersetzung empfohlen.


Rezension von
Johannes Steinle
M.A. Angewandte Gesundheitswissenschaft
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Zitiervorschlag
Johannes Steinle. Rezension vom 07.10.2020 zu: Jochem Kotthaus: FAQ Methoden der empirischen Sozialforschung für die Soziale Arbeit und andere Sozialberufe. UTB (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-8252-5368-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27205.php, Datum des Zugriffs 30.10.2020.


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ISSN 2190-9245

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