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Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel: Gestern konnte ich´s noch!

Cover Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel: Gestern konnte ich´s noch! Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz professionell begleiten. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2020. 347 Seiten. ISBN 978-3-7639-6124-5.

Reihe: Lehren und Lernen mit behinderten Menschen - Band 39.
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Thema

Das vorliegende Werk beschäftigt sich mit der Krankheit „Demenz“ und den damit einhergehenden Veränderungen und Möglichkeiten für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Der Fokus dieses Werkes liegt auf der Darstellung von bereits bestehenden Konzepten und Verfahrensweisen, sowie der professionellen Begleitung der genannten Personengruppe.

Autorin und Autor

Prof. Dr. phil. Hans-Jürgen Pitsch ist Diplom-Pädagoge und Sonderschulrektor a.D. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Didaktik und Methodik des Unterrichts im Förderbereich geistige Entwicklung, sowie der pädagogischen Diagnostik.

Prof. Dr. phil. habil. Ingeborg Thümmel ist Diplom-Pädagogin, Förderschullehrerin und ehemalige Schulleiterin einer Förderschule. Zurzeit ist sie als Professorin an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg tätig. Ihre Schwerpunkte liegen in der Geschichte der Pädagogik bei geistiger Behinderung, Didaktik und Methodik des Unterrichts im Förderbereich geistige Entwicklung, gemeinsamer Unterricht von beeinträchtigten und nicht-beeinträchtigten Schülern, sowie der Unterstützten Kommunikation.

Entstehungshintergrund

Dieses Werk ist Band 39 der Schriftenreihe „Lehren und Lernen mit behinderten Menschen“ des Athena Verlags und entstand in Kooperation mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.

Das Buch hat einen interdisziplinären Ansatz und richtet sich an alle professionellen Begleiter, wie: SozialpädagogInnen, PflegewissenschaftlerInnen, PflegemanagerInnen, GeriaterInnen und GerontologInnen ebenso wie an Studierende dieser Fächer.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Werk umfasst insgesamt 13 Kapitel auf 347 Seiten. Durch das gesamte Werk ziehen sich unterschiedliche Piktogramme, die als Hinweis dienen für z.B. medizinische Informationen, Downloads, Literaturquellen. Außerdem gibt es regelmäßig grau unterlegte Kästchen, mit Zusatzinformationen wie Definitionen, Konzepten oder Leitfäden.

Nach dem Vorwort wird im ersten Kapitel eine einleitende Zusammenfassung zu den Themen „Alter und Demenz“ gegeben. Der Kapitelpunkt Alter bezieht sowohl Menschen mit, als auch Menschen ohne eine Behinderung ein. Das Thema Demenz bezieht sich in diesem Kapitel auf Menschen ohne eine geistige Behinderung. Die primären Demenzen werden in Unterkapiteln in Hinblick auf Ursachen, Erscheinungsbild, Diagnose, Behandlung und weiterer Faktoren dargestellt.

Im zweiten Kapitel erfolgt eine differenzierte Betrachtung von „Demenz bei geistiger Behinderung“. Besonders die diagnostischen Möglichkeiten und Unterschiede bei Menschen mit einer geistigen Behinderung werden aufgezeigt, sowie die besonderen Merkmale des Down-Syndroms in Zusammenhang mit einer Demenz.

Kapitel drei „Betroffene“ beschäftigt sich mit der Situation von Menschen mit Behinderung, die eine Demenz haben und die Übermittlung der Diagnose. Hierzu wird das Beziehungsdiagramm von Lloyd, Kalsy & Gatherer (2007) dargestellt und ausführlich erklärt.

In Kapitel vier wird die Situation von Angehörigen, Mitbewohnern und Betreuern dargestellt und es werden Möglichkeiten des Umgangs für diese Personen aufgezeigt.

Nachdem die professionellen Begleiter in Kapitel vier genannt wurden, beschäftigen sich Kapitel 5 und 6 mit der „Lebensqualität Wohnen“ und „Milieugestaltung bei Demenz“. Es wird beschrieben welche Umgebungs- und Milieugestaltung für die betroffene Person und den Krankheitsverlauf förderlich ist.

In Kapitel 7 „Interventionskonzepte“ wird die grundsätzliche Herangehensweise in der professionellen Begleitung aufgezeigt. Zu Beginn des Kapitels wird eine Begriffsklärung vorgenommen, die sich mit der Verwendung des Wortes „Therapie“ im Zusammenhang mit Demenz beschäftigt. Anschließend erhält der Leser/die Leserin einen Einblick in die direkten, indirekten, sowie die erinnerungsorientierten Interventionen.

Während in den vorherigen Kapiteln die grundlegenden Gruppen Interventionskonzepte, Interaktionskonzepte und Umfeld orientierte Konzepte beschrieben werden, werden in Kapitel 8 bis 11 konkrete Interaktionsmöglichkeiten dargestellt.

In Kapitel 8 steht die Interaktion auf körperlicher Ebene im Fokus. Es wird beschrieben, dass es notwendig ist ein weniger anspruchsvolles und dafür punktgenaueres Verfahren anzuwenden, wenn es nicht mehr um den Aufbau von Kompetenzen geht. Dies ist möglich durch die „Voraussetzungslose Kommunikation“, welche in diesem Werk durch die „Prä-Therapie“, Berühren und die basale Kommunikation ihre Anwendung finden. Auf den folgenden Seiten geht es um Pflege, Förderpflege und der aktivierenden Pflege. Der letzte Unterpunkt dieses Kapitels zeigt exemplarisch Beispiele der Stimulation auf, wie die basale Stimulation, das Snoezelen und die Pränatalraum-Musiktherapie.

Kapitel 9 stehen die Sprache und die Möglichkeiten diese bestmöglich zu nutzen im Zentrum. Während sich die Validation damit beschäftigt die subjektive Wirklichkeit von Menschen mit Demenz ernst zu nehmen und zurück zu koppeln, geht es bei der leichten Sprache viel mehr um die Auswahl und Nutzung von Worten, sowie den Satzbau. Ein weiterer Unterpunkt dieses Kapitels sind die literarischen Zugänge. Hier werden das „Kreative Geschichten erfinden“/„TimeSlips“ und „Alzpoetry/Weckworte“ als mögliche Freizeitangebote vorgestellt. Zuletzt wird noch kurz auf die einfachste naheliegendste Kommunikationsform eingegangen – einfach miteinander reden.

Kapitel 10 ist untergliedert in „Unterstützte Kommunikation“, „Talking Mats“ und „Kunst als Ausdrucksmittel“. Die „Unterstützte Kommunikation“ wird unterteilt in körpereigene und körperfremde Kommunikationsmittel und soll durch Hilfsmittel/Hilfstechniken eine bessere Kommunikation erzielen. Die „Talking Mats“ ist ein Kommunikationssystem bestehend aus low-tech-Kommunikationshilfen, einer Matte, Bildsymbolen und einer Gesprächsstrategie. Unter die Kategorie „Kunst als Ausdrucksmittel“ fallen Musik, bildende Kunst und basales Theater.

Das letzte Kapitel der Interaktionsmöglichkeiten, Kapitel 11, umfasst die motorisch betonten Verfahren und Übersichten. Innerhalb der Unterkapitel (Grundlagen, Tanzen, Gymnastik, Sturzprävention, Gehen, Ordnung der Verfahren) werden zahlreiche Bewegungsangebote vorgeschlagen und detailliert beschrieben. Zusätzlich finden sich in diesem Kapitel diverse Literaturhinweise zur vertieften Recherche. Auf Seite 271 befindet sich eine Tabelle mit Konzepten, die sich an dem Schweregrad der Demenz orientiert.

In Kapitel 12 geht es um „Sterben und Tod“. Das Kapitel beschäftigt sich kurz mit Prinzipien, Prozessen und Konzepten in Zusammenhang mit dem Tod und geht dann über in Kapitel 13 „Sterbebegleitung, Abschied und Trauer“. In Hinblick auf die Sterbebegleitung werden unterschiedliche Methoden aufgezeigt und bewertet, bevor abschließend die Themen Trauer, Abschied und Erinnerungen behandelt werden.

Fazit

Dieses Werk hält eine Balance zwischen Theorie und Praxis. Die ersten Kapitel führen gut in das Thema Demenz bei geistiger Behinderung ein und geben auch unerfahrenen Interessenten einen theoretischen Überblick über die Thematik. Die Autoren richten sich sowohl inhaltlich als auch sprachlich an professionelle Begleiter und setzen dies in ihrem Werk gut um – auch durch die grau hinterlegten Felder, wo Fachwörter erklärt werden. Es eignet sich Dank der breiten Spannweite der behandelten Themen darüber hinaus für alle Interessentinnen und Interessenten. Diverse Grafiken, Tabellen und Abbildungen tragen zum Leseverständnis bei. Besonders die praktischen Beispiele in Kapitel 8 bis 11 und die abschließenden Kapitel über die letzte Lebensphase machen das Werk zu einem interessanten Lehrbuch für die Praxis.

Insgesamt eine gelungene praxisnahe Einführung in die Thematik, die sich sowohl für professionelle Begleiter als auch für interessierte Angehörige eignet. Das Werk ist klar und nachvollziehbar gegliedert und gut lesbar, daher ist es allen an der Thematik interessierten als Einstiegslektüre sehr zu empfehlen.


Rezension von
Prof. Dr. rer. nat. habil. Sandra Verena Müller
Diplom-Psychologin, seit 2010 Professorin an der Ostfalia Hochschule für das Lehrgebiet Rehabilitation und Teilhabe. Forschungsschwerpunkte: Inklusion durch Digitalisierung, Der Einsatz assistiver Technologien in der Rehabilitation, Intellektuelle Beeinträchtigung und Demenz, Diagnostik und Therapie exekutiver Dysfunktionen. Aktuelle Forschungsprojekte: Verbundprojekt SmarteInklusion - Smarte Devices zur Förderung der Inklusion in den ersten Arbeitsmarkt gefördert vom BMBF (Förderkennzeichen: 01PE18011C). Projektleiterin des Teilprojekts „Mobile Endgeräte in der Rehabilitation von Patienten mit exekutiven Dysfunktionen“ im Rahmen des Forschungsschwerpunkts SecuRIn (Förderkennzeichen: ZN3224). Projekthomepages: www.smarte-inklusion.de und http://securin.de
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/s/not_in_menu/Mueller/person ...
E-Mail Mailformular
und
Marie Gentz
Sozialarbeiterin B.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. S. V. Müller zum Thema Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung
Homepage www.projekt-demenz.de
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Zitiervorschlag
Sandra Verena Müller/Marie Gentz. Rezension vom 20.11.2020 zu: Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel: Gestern konnte ich´s noch! Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz professionell begleiten. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2020. ISBN 978-3-7639-6124-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27226.php, Datum des Zugriffs 24.11.2020.


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