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Kati Ahl: Schule verändern – jetzt!

Cover Kati Ahl: Schule verändern – jetzt! Wegweisende Antworten auf drängende Fragen. Klett-Kallmeyer (Hannover) 2020. 176 Seiten. ISBN 978-3-7727-1412-2. D: 18,95 EUR, A: 18,95 EUR.
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Schule neu denken! – Schule verändern!

Diese Aufforderungen sind nicht neu! Immer schon, seit es Schule gibt, haben Pädagoginnen, Pädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Politikerinnen und Politiker, Eltern … sich Gedanken gemacht, wie die institutionelle Bildungseinrichtung umgestaltet und verbessert werden kann. Es sind pädagogische, weltanschauliche und ideologische Motive, die eine Schule für alle, eine Bildung für alle fordern – und doch nur ein gegliedertes Schulsystem hervorgebracht haben, in dem die einen mehr, die anderen weniger, die Bevorzugten weiter und die Benachteiligten kürzer lernen. Es ist die dreigliedrige Schule, die weiterführende, mittlere und geringere Bildung vermittelt und nach den zahlreichen, nationalen und internationalen Schulvergleichs-Untersuchungen soziale, gesellschaftliche und strukturelle Bevorzugungen und Benachteiligungen schafft.

Entstehungshintergrund und Autorin

„Stell dir vor, es ist Schule und alle wollen hin“; diese optimistische Aussage entstammt einer bemerkenswerten Initiative, die sich 2006 in Deutschland gebildet hat: Die Deutsche Schulakademie, die alljährlich an „herausragende Schulen mit richtungsweisenden pädagogischen Leistungen“ den „Deutschen Schulpreis“ vergibt (Michael Schratz, u.a., (Hrsg.), Was für Schulen! 2015, www.socialnet.de/rezensionen/20114.php). Die Lehrerin, Schulleiterin, pädagogisch-systemische Beraterin bei der „SchiLf-Akademie“, Augsburg, Kati Ahl, will dazu beitragen, dass die Schule als gesellschaftliche Einrichtung besser, gerechter, humaner und individuell und kollektiv wirksamer wird. Dabei stellt sie (direkt, leider) nicht die „Systemfrage“; aber sie zeigt in vielfältigen Beispielen auf, wie Schule „vor Ort“ sich verändern kann. Sie will mit Interviews und Erfahrungen herausbringen, welche individuellen und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen und Forderung an eine „gute Schule“ vorherrschen und fragt: „Sind die Positionen wirklich so gegensätzlich?“ – „Gibt es einen gemeinsamen Nenner, welche Veränderungen dringend und welche wichtig sind?“ – „Was können wir in der anstehenden Veränderung von anderen Ländern lernen?“ – „Wie beginnt eine solche Veränderung?“. Sie versteht ihr Buch als „Suchbewegung“ hin zu einer anderen Schule!

Aufbau und Inhalt

Die Autorin gliedert ihren motivierenden Aufruf in 12 Kapitel. Im ersten fragt sie: „Bildung für die Zukunft – welche Zukunft?“. Im zweiten gibt sie dann doch die Systemantwort: Es muss eine „heterogenitätsgerechte Schule“ sein. Im dritten ist sie sicher, dass es eine „Ganztagsschule“ sein muss. Im vierten analysiert sie die „Standortbestimmung“. Im fünften fordert sie: „Stärken stärken“. Im sechsten mahnt sie: „Nicht mehr unterrichten, sondern anders“. Im siebten stimmt sie ein in den allgemeinen Tenor: „Veränderung ja – aber wie?“. Im achten greift sie auf: „Voneinander lernen“. Im neunten setzt sie sich damit auseinander, wie „Unterricht in der Zukunft“ aussehen wird. Im zehnten zeigt sie auf, wie „Leuchtturm-Schulen“ arbeiten und welche Ausstrahlung und Beispielhaftigkeit sie entwickeln können. Im elften geht sie ein auf „die Not mit der Zeit“, in der Lernplanung, der Didaktik und Methodik und der Professionalität der Lehrenden (vgl. z.B. dazu auch: Margret Dörr, Hrsg., Nähe und Distanz. Ein Spannungsfeld pädagogischer Professionalität, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/26070.php). Im zwölften Kapitel schließlich fragt sie nach der „Schule als gemeinsame Verantwortung“. Das dreizehnte Kapitel widmet sie der Zusammenschau ihrer Vorstellungen von einer guten Schule. Mit dem Schaubild „BETA-Zirkel“ bringt sie die wesentlichen Bedingungen zusammen, die eine gute, gerechte, gleichberechtigte und menschenwürdige Schule ausmachen: Beziehung – Entwicklung – gemeinsames Tun – Aufgabe.

Diskussion

Der Autorin gelingt es, ihre Ratschläge und Beispiele nicht als Rezepte auszuschreiben, sondern sie als Möglichkeiten anzubieten. Ihre Adressaten – Lehrerinnen, Lehrer, Eltern, Politiker*innen – sieht sie nicht als Empfänger von Informationen, sondern als Interessierte und Engagierte. Sie zeigt diese partnerschaftlichen Einstellungen mit der Frage auf: „Woher weiß die Raupe, dass sie ein Schmetterling wird?“. Das Bild von der Verwandlung lässt sich auf gesellschaftliche Prozesse und Veränderungen übertragen: Es braucht das selbstständige Denken und den Mut zum sozialen Handeln – wieder Kompetenzen, die Schule vermitteln soll!

Fazit

In Interviews, Gesprächen, Auseinandersetzungen mit Beispielen und wissenschaftlichen Analysen hat die Autorin erkundet, was gute Bildung ist und wie Schule nachhaltige Bildung vermitteln kann. Es sind Skills, wie sie als die 4 Ks dargestellt werden: Kreativität – Kritisches Denken – Kommunikation – Kollaboration; und es sind Prozesse, die nur von Menschen angestoßen werden können, die den Perspektivenwechsel als anzustrebendes Lebensmittel erkennen!


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 18.11.2021 zu: Kati Ahl: Schule verändern – jetzt! Wegweisende Antworten auf drängende Fragen. Klett-Kallmeyer (Hannover) 2020. ISBN 978-3-7727-1412-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27230.php, Datum des Zugriffs 09.12.2021.


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