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Iso Kern: Der gute Weg des Handelns

Cover Iso Kern: Der gute Weg des Handelns. Versuch einer Ethik für die heutige Zeit. Schwabe Verlag (Basel) 2020. 630 Seiten. ISBN 978-3-7965-4074-5. D: 98,00 EUR, A: 100,80 EUR, CH: 98,00 sFr.
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Thema

Das Buch widmet sich dem „Versuch einer Ethik für die heutige Zeit“ und benennt es bewusst als einen „Versuch“, weil der Autor darin seine Überzeugung kund tun will, dass Ethik nichts mit Gesetzen und Pflichten zu tun habe (S. 14), sondern den für uns Menschen „gescheitesten, schönsten, natürlichsten und glücklichsten Weg des Handelns“ darstelle (S. 15). Und dieser sei nicht gesetzlich erzwingbar, sondern aus dem Gewissen heraus je individuell gewählt und zerbrechlich. Ein Mensch „muss“ nach Iso Kern „ethisch gut handeln. Sonst wird er kein wahrer Mensch“ (S. 247).

Der Autor verbindet in seinem Versuch die westeuropäische Tradition der Ethik (beginnend mit Aristoteles), die osteuropäische Tradition der Ethik (Wladimir Solowjew) die chinesische Tradition der Ethik (Mengzi bzw. Menzius und Wang Yangming), die jüdische Tradition der Ethik (Jesus von Nazareth) und die phänomenologische Ethik (Edmund Husserl). Über diese Traditionen hinaus sind auch vielfältige Bezüge auf die Kantische Ethik in diesem Versuch enthalten. Der Autor durchschreitet damit nicht nur verschiedene Epochen in Ost und West, sondern er überschreitet auch kulturelle Grenzen, indem er hier wie dort auf identische Motive stößt. Seinen Ethikversuch führt Kern auf seinen Grundsatz zurück, dass Ethik auf Lieben und Gewissen basiere. Mit Liebe meint er „das mit Mitgefühl verbundene handelnde Lieben“ (S. 41). Die Liebe ist für ihn das „Grundlegende, das Gewissen ist auf sie gebaut und durchdringt sie mit einer Art Wissen, wie dies im Wort Wissen angedeutet ist“ (S. 41). Trotz des Umfangs des Buches ist die Präsentation irgendwie bescheiden und sehr fokussiert gestaltet, da sie sich selbst immer wieder auf ihr ebenso einfaches wie für diesen Ethikversuch essentielles Credo der „vom Gewissen geleiteten Liebe“ (S. 59) zurückführt. Obwohl mithin umfangreiche Darstellungen in den Teilen I bis IV enthalten sind, zahlreiche Beispiele bemüht und aktuelle kontroverse Fragestellungen diskutiert werden, wie Sterbehilfe, Reproduktionsmedizin, Organtransplantation, Nahtoderfahrungen, Hirnforschung, Demenzerkrankung, Flüchtlingsproblematik etc., gelingt mit dem Buch der Versuch, eine Ethik für die heutige Zeit zu beschreiben und sinnbildlich aufzuzeigen, wie ein guter Weg des Handelns für uns heute ausschauen könnte. 

Autor und Entstehungshintergrund

„Der ethische Prozess ist Übung der Liebe“ (Paul Häberlin, zit. n. Kern 2020, S. 7). Iso Kern ist ein Schweizer Philosoph. Seine philosophischen Schwerpunkte liegen in der phänomenologischen Philosophie Edmund Husserls und in der Chinesischen Philosophie. Kern verbindet die westliche und östliche philosophische Tradition nicht nur auf der Ebene wissenschaftlicher Auseinandersetzungen, sondern vor allem in phänomenologischer Weise vom eigenen Erleben als Mensch her und über seine gelebte Interkulturalität. Über Studienaufenthalte und Lehraufträge an den Universitäten Taiwan, New York City, Nanjing und Peking hat er diesen fachlichen Brückenschlag real werden lassen, wie auch sein Ethikversuch davon beseelt ist, sich in seiner ganzen Gestalt in der Realität zu erweisen. Ab 1985 hatte Kern einen Lehrauftrag an der Universität Bern inne, über Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus, die ab 1995 in eine Titularprofessor modifiziert wurde. Angestoßen wurde diese inter-philosophische Ausrichtung seines Werkes über die Heirat seiner Frau Shiping, die aus China stammt. Diese Verknüpfung von verschiedenen Philosoph*innen (so kommt auch Teresa von Avila zur Sprache) und ihren Entwürfen zu Kulturen der Liebe ist auch im Buch Der gute Weg des Handelns. Versuch einer Ethik für die heutige Zeit (Basel 2020) bestimmend. Aktuell sind von Iso Kern erschienen Die Religion von Philosophen. Konfuzius, Sokrates, Epiktet, Montaigne, Pascal (Basel 2021) und Erinnerung – Personale Einheit – Reflexion. Drei philosophische Studien (Basel 2021).

Aufbau

Das Buch umfasst 630 Seiten und ist in vier große Teile bzw. Unterteile (I bis IV) gegliedert. Darüber hinaus enthält es eine ausführliche Einleitung und einen umfangreichen Anhang. Über den Aufbau des Buches unterstreicht der Autor seine These, dass die Ethik nach den vier Beziehungen des Menschen zu gliedern sei. „Erstens, in der Beziehung als Menschen zu sich selbst; in der Beziehung seiner selbst zu den Mitmenschen; dazu gehört auch die Beziehung seiner selbst als Mensch zu den verschiedenen gegenwärtigen und vergangenen menschlichen Kulturen; drittens, in seiner Beziehung als Mensch zur Natur; viertens, in der Beziehung seiner selbst als Mensch zum Grund seines Existierens“ (S. 105). Diese vier Beziehungsachsen (Selbstliebe, Nächstenliebe, Liebe zur Natur, Beziehung zum ausreichenden Grund meines eigenen Existierens) werden sowohl im Teil I, der die anthropologischen Grundlagen entfaltet, dargestellt, als auch sind sie in den drei Folgeteilen bzw. Unterteilen leitend. Teil I bildet das Hauptgewicht des Buches, da der Autor der Auffassung ist, dass ein philosophisches Verständnis dessen, was der Mensch ist, Voraussetzung jeder Ethik sei (S. 16, 340 f.).

Inhalt

Teil I – Grundlagen der Ethik

Teil I ist in acht Abteilungen gegliedert. Grundsätzlich geht Kern von einer Güte der menschlichen Natur aus und steigt in diesen Gedanken mit Mengzi ein. „Nach Mengzi ist es hauptsächlich das Mitgefühl für Mitmenschen, das den Menschen zum Menschen macht, also die gute menschliche Natur ausmacht“ (S. 118). Die dem Menschen ursprünglichen Handlungstendenzen sind nach Kern daher ethische Tugenden. Diese Tugenden müssten verwirklicht werden, um die eigentliche menschliche Natur zu verwirklichen. Das ethische Handeln sei somit auf das Ziel ausgerichtet, „seine eigentliche menschliche Natur zu verwirklichen und auch das zu werden, was man als individueller Mensch eigentlich ist“ (S. 131). 

Die Ethik-Konzeption von Kern ist religiös fundiert. Das individuelle Existieren eines jeden Menschen gründet für ihn – mit Leibniz gesagt – in einer notwendigen Substanz, die wir Gott nennen (S. 137). Dieser ausreichende Grund aller Existenz sei letztlich unerkennbar, genauso wie die menschliche Erkenntnis begrenzt ist. „Deshalb darf ich mir, und dürfen wir uns, nie anmassen festzulegen, was in der Wirklichkeit möglich ist und was in ihr nicht möglich ist“ (S. 142).

In diesem Teil vertieft Kern das Innerste und Höchste, das ich für mich selbst bin: mein Lieben und mein Gewissen (S. 143 f.). Daraus resultiert für Kern ein einziges ethisches Gesetz, das ausnahmslos für alle Handlungen gelte: „Handle in Liebe nach deinem Gewissen!“ (S. 214). Diesem Gesetz kommt nach Kern ein größeres Maß an Universalität zu als es bei der »Selbstzweckformel« des Kategorischen Imperativs Kants der Fall sei. Denn der Kategorische Imperativ wie auch die Goldene Regel bezögen sich „nur auf unsere Mitmenschen“ (S. 215). Kern will auf ein noch universelleres Gesetz hinaus, das sich mithin auch auf die Tiere und Pflanzen und schließlich die ganze Natur bezieht. (Ebd.)

In diesem Teil erfolgt die Schilderung über den Tod seines Freundes Dominique im Jahre 1999 (S. 166 f.). Kern nimmt diese, um zu zeigen – und das bewegt ihn noch immer –, dass er ihm gegenüber nicht mit vom Gewissen geleiteter Liebe gehandelt habe, indem er einen geplanten Urlaub nicht mit ihm verbrachte. Dominique war manisch-depressiv und wählte den Suizid. Kern schreibt, dass er sich schuldig gefühlt habe und meint, dass die gelebte Freundesliebe zwischen ihnen, Dominique hätte vom Suizid abhalten können. „Es war der größte Fehler meines bisherigen Lebens, dass ich damals jenen Rettungsversuch nicht unternahm“ (S. 168).

Kern entfaltet Liebe in ihrer ganzen Breite, als Liebe zu materiellen Dingen, zur Kunst und Kultur, zu Haustieren, zum Geliebten, zu Angehörigen und Nächsten. „Die Liebe hebt die Angst auf“ (S. 184). In diesem Teil wird weiter die aus diesen Liebesbegriff resultierende Auseinandersetzung rund um die Idee der Gleichheit der Menschen thematisiert. Diese hat nach Kern drei Aspekte: „Erstens, die Gleichheit aller menschlichen Völker und Rassen; zweitens, die Gleichheit von Mann und Frau; drittens, die Gleichheit der Menschen innerhalb der Gesellschaft. (…) Trotz der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen ist in der heutigen Welt keine dieser drei Gleichheiten volle Wirklichkeit geworden“ (S. 251). Folgend steigt Kern historisch ein und zeigt die Ansätze der Gleichheit im indischen Buddhismus, in den Dynastien Chinas, im Konfuzianismus Mengzis und in der antiken griechischen und römischen Philosophie. Wieder überrascht die Leichtigkeit, mit der sich Kern zwischen den Kulturen bewegt und allerorts mit grenzenloser Liebe konfrontiert ist. So gelte beispielsweise die Freundesliebe jedem Freund gleich. Die Freunde, die wir schon länger kennen, würden wir deshalb nicht mehr lieben. „Wahre echte Freundesliebe kennt kein quantitatives Mass, ist ohne Grenzen, und so ist wahre freundschaftliche Liebe immer gleich grenzenlos“ (S. 268). Auch die Liebe und Güte zu fremden Völkern schließt Kern hier an und führt Beispiele aus, wie diese schon seinerzeit praktiziert wurden, etwa bei den Stoikern Hierokles und Seneca, die die Idee der Gemeinschaft aller Menschen vertreten hätten und in deren Lehren es um die gleiche Würde aller Menschen gehe (S. 286 f.). Er stellt aber auch Gegenbeispiele des Slaven- und Barbarentums im antiken Griechenland dar (etwa bei Platon und Aristoteles) (S. 271 f.). Dieses wichtige Kapitel zur Gleichheit der Menschen schließt mit einer Diskussion der heutigen Probleme der Ungleichheit. Von Ungleichheit seien heute betroffen: das Volk der Kurden, das muslimische Volk der Rohingya, das Volk der Palästinenser, die Turkvölker der Uiguren, Usbeken und Kirgisen, die Tibeter, die Indianervölker (S. 294 f.).

Zwei letzte Abteilungen runden diesen ersten Teil ab. Eine Abteilung ist der Liebe zur Natur gewidmet. Die Natur hat, so Kern, Bedeutung für den einzelnen Menschen, sie sei aber auch für die künftigen Generationen da. Und auch für die fühlenden und wahrnehmenden Tiere habe sie einen Stellenwert. „Der intensive Aufenthalt in der anschaulichen Natur, das Staunen vor ihrem Reichtum an verschiedenartigen Steinen, Pflanzen, Tieren, das Beobachten des Konkreten, des allein Wirklichen, war für mich (…) die beste Lebensschule“ (S. 300). Im Mittelpunkt der letzten Abteilung stehen die Fragen nach der Freiheit des ethischen Handlungswillens und des ethisch schlechten Handelns. Dazu rückt Kern eine Auseinandersetzung mit dem Manichäismus ins Zentrum, die auf Thomas von Aquin aufbaut (S. 316 f.). Ethisch schlechtes Handeln entsteht nach Kern aus der Ermangelung an Nächsten- und Naturliebe heraus. „Der ethisch schlecht Handelnde liebt nur sich selbst“ (S. 335).

Teil II – Ethik

Dieser Teil II ist in vier Unterteile gegliedert, die die bereits dargelegten vier Beziehungsachsen des Menschen wieder aufnehmen und nun im Rahmen der Ethik entwickeln: Ethik des Handelns in der Beziehung zu mir selbst (Unterteil I), in meiner Beziehung zu meinen Mitmenschen (Unterteil IIa), in der Beziehung zur eigenen und zu fremden menschlichen Kulturen (Unterteil IIb), in der Beziehung zur lebendigen Natur und zu unserer Umwelt (Unterteil III), in der Beziehung zum Grund meines Seins (Unterteil IV).

Wieder wird ersichtlich, dass die vier Beziehungsachsen aufs Innerste zusammenhängen und in jedem*r Einzelnen ineinander vermittelt sind. Menschen, die nur auf sich fixiert sind, „lieben sich nicht nach ihrem ursprünglichen Gewissen“ und können daher auch ihre Mitmenschen nicht lieben und fördern. Dies seien die ärmsten Menschen schlechthin. (S. 349)

In diesem Teil II werden Kerns Auseinandersetzungen mit der Demenzerkrankung thematisiert. Kern argumentiert gegen Hans Küng, der das Lebensende von Walter Jens geprägt von Altersdemenz als unwürdig empfunden habe (S. 353). Denn die Gattin Inge Jens habe erklärt, „dass ihr Gatte auch während seiner Demenz bis zum Tode glücklich war“ (…). „Was ist die Würde des Menschen? Zum Menschen kann auch die Schwäche des Leibes und des Geistes im Alter gehören. Das nimmt ihm seine Würde nicht weg.“ (Ebd.). Es ist auch hier die Liebe, die laut Kern dem alten und kranken Mitmenschen hilft, sein Leben (wieder) zu lieben (S. 355).

In den 78 Kapiteln des Teils II beleuchtet Kern je spezifische Themen guten Handelns in den fünf Unterteilen. Die Titel der Kapitel stellen dabei in sich ethische Gebote dar und geben eine gute Beschreibung für die Inhalte der 78 Kapitel. Nahezu jedes Kapitel ist dabei mit Beispielen angereichert. Die Titel der Kapitel finden sich in der detaillierten Inhaltsübersicht (S. 19 – 40). Immer sind Wahrhaftigkeit sich selbst und dem Anderen gegenüber leitend sowie das stille Hineingehen in die Natur (S. 409 f.) und die Versenkung in den ausreichenden Grund meines Existierens (S. 410 f.) die Quelle ethisch guten Wirkens. „Wenn man von Wut, Eifersucht, Ärger, geistiger Schwäche, Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit, Verdrossenheit und anderem geplagt wird, alles Zustände (sic!) die einen hindern, Gutes zu tun, dann sind das stille Erwandern und staunende Betrachten der großen wunderbaren Natur, ihrer Berge und Täler, aber auch das Beobachten von angetroffenen grossen und kleinen Tieren, von Blumen, Pflanzen und Bäumen Balsam für die Seele, um wieder zu geistigen Kräften für ethisch gutes Handeln zu gelangen“ (S. 410).

Der Text hat einen anmutigen, bescheidenen und unaufgeregten Charakter – fast hat er etwas Meditatives und Stoisches (siehe hierzu die Ausführungen im 8. Kapitel, in denen Kern mit Bezug auf den Stoiker Epiktet über beunruhigendes Meinen philosophiert, S. 358 f.). Kern setzt seine ausgewählten Inhalte konsequent in Semantik und Stil um.

Diskussion

Das Buch Der gute Weg des Handelns. Versuch einer Ethik für die heutige Zeit von Iso Kern enthält viele wertvolle Überlegungen für die Ausgestaltung eines ethischen Handelns heute. Die über hundert Kapitel des Buches, die je konkrete Handlungsanweisungen beinhalten, laden dazu ein, eine Ethik, die für das eigene Leben leitend ist, zu präzisieren. Besonders erhellend und informativ sind die Kapitel, in denen sich Kern mit fremden Kulturen in Konfrontation, aber auch in Übereinstimmung, mit der eigenen Kultur beschäftigt oder die Bedeutung des Begriffs der Gleichheit diskutiert. So regt er dazu an, eigene Traditionen wach zu halten (wie etwa die Gregorianischen Gesänge, die Musik Vivaldis, S. 453 f.), aber auch immer die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen zu suchen. Unser Leben wird „durch den Kontakt mit Menschen aus fremden Kulturen, geistig reicher und glücklicher“ (S. 421). In diesen starken Passagen spricht Kerns langjährige Erfahrung in der Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturkreisen, dementsprechend tritt er auch für die Aufnahme von Flüchtlingen ein. Hier wirkt Kerns Ethik-Versuch spätmodern und offen; nie würde er einen Menschen verurteilen und als schlechten Menschen bezeichnen, nur sein Handeln stellt er gegebenenfalls in Frage.

In einigen Passagen tritt hingegen eine konservative Position zutage, indem der Mensch etwa als höherwertig im Verhältnis zum Tier deklariert und das Tier als „ersetzbar“ beschrieben wird (S. 175 f.). Ebenso traditionell und wenig informiert fällt seine Auseinandersetzung mit der Transgender-Thematik aus (S. 382). Kerns Position zur Sex-Gender-Debatte fügt sich aber schlüssig in die Gesamtaussage seines Buches ein, das immer eher für die Natur und gegen den Eingriff plädiert und eben dafür, sich so zu lieben und „anzunehmen, wie man ist“ (S. 383). Alles in allem ist das Buch sehr empfehlenswert, da es – auch wenn man nicht mit allen Empfehlungen und Geboten einverstanden sein muss – zum gründlichen Abwägen anregt, zumal es von sehr viel Interesse am anderen Menschen und seiner Alterität sowie am Mysterium der Natur geprägt ist. Irgendwie verbindet Kern das traditionelle und moderne Denken und Handeln in West und Ost mit der Spätmoderne auf eine sehr faszinierende Art.

Fazit

Die Art und Weise, wie Kern seine Überlegungen vorträgt, ist fein und zart, entschieden und bewandert, innovativ und konservativ. „Gut arbeitende Erwachsene, gute Handwerker, gute Wissenschaftler, gute Künstler, gute Philosophen wissen immer, wie begrenzt, ja auch fragil, oft nur vorläufig ihr Wissen und Können ist, und sind deshalb bescheiden“ (S. 128). Für Ethik-Interessierte ist das Buch eine Bereicherung aufgrund der Verknüpfung von westlichem mit östlichem Denken und Handeln und seines kontemplativen Charakters. Es ist als Abend- oder Urlaubslektüre, aber auch für die Wissenschaft wertvoll und da besonders für das Studium geeignet, weil es in einer leicht zugänglichen Sprache verfasst ist. Viele wichtigen ethischen Themen werden versiert beleuchtet. In allen Begriffen, die Kern ausführt – Güte, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Denken und Wissen, Geduld, Tapferkeit, Gleichheit, Frömmigkeit usf. –, ist die Liebe für ihn leitend: Nächsten- und Selbstliebe. Selbst Gebrauchsmittel schließt er in diese Liebe ein, und das ist ihm insbesondere wichtig, sein Bett zu erwähnen. „Der Mensch ist nicht nur denkendes, mitfühlendes, arbeitendes, essendes und noch anderes verrichtendes Wesen, sondern auch ein schlafendes. Wenn er nicht im Bette oder auf etwas Ähnlichem mindestens ruhen kann, wird ihm das Leben schwierig“ (S. 171).


Rezension von
Prof.in (FH) Mag.a Dr.in habil. Susanne Dungs
Studiengangsleiterin der DDS am Studienbereich Gesundheit & Soziales der FH Kärnten
Homepage www.fh-kaernten.at
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Zitiervorschlag
Susanne Dungs. Rezension vom 05.08.2021 zu: Iso Kern: Der gute Weg des Handelns. Versuch einer Ethik für die heutige Zeit. Schwabe Verlag (Basel) 2020. ISBN 978-3-7965-4074-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27238.php, Datum des Zugriffs 17.09.2021.


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